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Die Wahrheit · 1900-09-07 · Heft 33 (7.9.1900) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 33 (7.9.1900)
Date
1900-09-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit. Nr. 33. uns in der Gesellschaft versagt. Im Kreise von College», da möchte ich ein heimisches Plätzchen finden und mich als Gleicher unter Gleichen, als Bruder unter Brüdern fühlen, Freud und Leid brüderlich mit einander theilen, die Sorgen einander tragen helfen. Unter uns soll das gesellige Leben eine Heimstätte finden, die auch von den Collegen aus der Fremde gerne ausgesucht würde. Zielbewusst und eines Sinnes, fern von jeder Effecthascherei, treu dem Worte: Alle für Einen und Einer für Alle, wären wir eine Macht, ein Factor, mit dem bei gewissen Fragen gerechnet werden müsste. So und nicht anders habe ich mir einst den Cantorenverein vorgestellt, und wie die Dinge heute stehen, ist es auch nur bei dieser Vorstellung geblieben. Ob es nicht tioch anders werden könnte? Möglich! Warten wir den Erfolg dieser Zeilen ab, vielleicht erreichen dieselben, das sie beabsichtigt: Streiflichter. Baden, im August 1900. Adolf Rotter. Obercautor J. Sarasohn, Stettin Am 30. September d. I. feiert der rühmlichst. bekannte Obercautor der Synagogengemeinde zu Stettin, Herr I. S arafohn, sein,25jähriges Amtsjnbiläum. Herr Sarasohn, einer in Russland berühmten Rabbinerfamilie entstammend, wurde von seinem Vater in den Geist der Bibel und des Talmud eingeführt und zeichnete sich durch großen Scharfsinn aus. Er verließ früh sein Elternhaus, ging zu seinem Großvater, der ebenfalls Rabbiner war, und konnte sich dort neben talmudischen auch wissenschaftlichen Studien widmen. Nachdem fein Vater später einen Ruf nach Wittkowo, Preußen, als Rabbiner gefolgt war, kehrte Sarasohn in sein Elternhaus zurück und faßte, einem innern Drange folgend, den Entschluss, das jüdisch theologische Frättkel'sche Seminar in Breslau zu besuchen. Hier lag Sarasohn fleißig talmudischen und weltlichen Studien ob. In dem jungen Manne schlummerte aber zugleich ein großes Gesangstalent. Er besuchte eifrig die Gemeindesynagogen und lauschte mit ganz besonderer Aufmerksamkeit dem Gesänge der rühmlichst bekannten Obercantoren Deutsch und Spiro. So entstand in ihm ein Kampf und er empfand den „zarten Unterschied -wischen Rabbiner und Cantor," von dem Herr Obercantor Singer-Wien treffend in einem Artikel spricht, und vertiefte sich in seinen Mußestunden in das Wesen des Gesanges. Neben dem Rabbiner feminar besuchte Herr Sarasohn das Institut des unfterblicüen Meisters Deutsch und wurde von demselben in den Geist des alten und neuen nutn, ebenso in Theorie, Coutrapunkt und Geschichte der Musik eingeführt. Nach absolvirten Studien in Breslau und nach Ablegung eines Lehrerexamens bei der königl. Regierung zu Bromberg, nahm Sarasohn die Piediger- und Cantorstelle in Schubbin an und wurde alsdann nach Breslau^in gleicher Eigenschaft berufen. Ueberall wirkte er zur großen Zufriedenheit und erwarb sich viel Liebe und Verehrung vott Seiten seiner Gemeinden. Er strebte aber immer mehr nach Vervollkommung im Gesänge und in der Musik; seine Stimmmittel und seine musikalische Auflassung wurden immer bedeutender. Sarasohn galt als einer der besten Jünger seines Lehrers und Meisters Deutsch. Und so erging an ihn der ehrenvolle Ruf vom Vorstände der Stettiner Synagogengemeinde, den vacarlten Obercantorposteu anzunehmen. Sarasohn folgte dem Rufe und sein Probevortrag fiel so glänzend aus, dass er einstimmig gewählt wurde. Da damals die Kanzel in Stettin verwaist stand, sollte Herr Sarasohn auch hier Proben seines Predigertalentes ablegen. Er entledigte sich auch dieser Aufgabe in hervorragender Weife, bis zur Anstellung seiner Ehrwürden des Herrn Rabbiner Dr. Vogelstein. Nun widmete sich Sarasohn ausschließlich seinem cantoralcn Berufe. Mn großem Geschmack und Geschick organisirte er den Gottesdienst, schuf einen gemischten Chor und brachte den Synagogengesaug auf eine künstlerische Höhe. Seine Leistungen und Verdienste wurden ihm oft von den Behörden in Wort und Schrift kundgethan. Sarasohn führte die Gesänge von Deutsch ein und errang, da er sich in den Geist dieser unsterblichen Schöpfungen vertiefte, großen Beifall. Er erfreute sich deshalb einer allgemeinen Zufriedenheit und Beliebtheit. Seinem großen Einflüsse, den er vermöge seines liebenswürdigen und einnehmenden Wesens erlangte, ist es zu verdanken^ dass mehrere Wohlthätigkeitsvereine ins Leben gerufen wurden. Unter diesen sei befoilders der „Knabenverein" erwähnt, aus dessen Jahresbeiträgen unbemittelte Kinder in höhere Schulen geschickt werden. Alljährlich veranstaltet dieser Verein eine Chanukafeier, an der alle Kreise der Gemeinde theilnehmen. Eine ganz besonders rührige Thätigkeit entfaltet Herr Sarasohn in den Ferienkolonien. Durch seinen großen Einfluss und seine ausgedehnte Bekanntschaft ist es ihm gelungen, den Schülern in Familien Freistellen zu verschaffen; denn wo er mit feiner Zaubersprache eine Bitte äußert, wird ihm dieselbe unverzüglich erfüllt. Auch nahm er sich oft der Witwen und Waisen verstorbener Collegen an und trat väterlich für dieselben ein. Zu den Gemeindemitgliedern steht Sarasohtt in freundschaftlichem Verhältnis. Er nimmt an allen Familienereignissen regen Antheil; die neugeborenen Knäblein führt er in den Bund Abrahams ein und verschönert diesen heiligen Akt durch vortreffliche Reden, gewürzt mit biblischen und talniudischen Citaten. So kann Herr Sarasohn auf ein weites, umfangreiches Arbeitsfeld und auf eine gesegnete Amtsthätigkeit zurückblicken. Aber nicht allein in seinem Berufe waren ihm viele Freuden beschieden, sondern auch im Kreise seiner Familie, wo er sich an der Seite seiner liebevollen und wohlthätigen Gattin von Kindern umgeben sieht, die in der musikalischen und medicinischen Welt einen großen Namen erworben haben. Alle Freunde und Collegen des Herrn Sarasohn werden sicherlich den 30. September nicht verstreichen lassen, ohne dem verehrten Jubilar die verdiente Ehrung darzubringen. Möge Herr Sarasohn noch recht viele Jahre in voller Rüstigkeit sein heiliges Amt zur Erbauung seiner Gemeinde verwalten! A. Friedmann, Berlin. verschiedene Nachrichten. Wien. Montag, den 10. d. M., halb 7 Uhr Abends, findet im Stadttempel, I., Seitenstettengasse 4, für weiland Ihre Majestät die Kaiserin Elisabeth eine Trauerandacht statt, Wie«. Anlässlich des 25jährigen Regierungsjubiläum des Sultans Abdul Hamid Khan fand Samstag, den l. September, halb 12 Uhr Vormittags, im Tempel der türkischen Jsraelitengemeinden ein Festgottes- > dienst statt, an welchem der türk. Botschafter Mahmoud Nedim Bey mit allen Herren der Botschaft, der türk. Generalconsul Ladislaus v. Dirßtay, der bulgarische diplomatische Agent Dr. Haralambi Sirmagiew, der erste Secretär der bulgarischen Mission Dr. Milan Schichmanow, Consul Thalberg, die Präsidenten der griechisch-orientalischen Gemeinde mit den Ausschussmitgliedern, Bezirksleiter Polizeirath Kenda, Bezirksvorsteher Niebauer, der erste Secretär der Wiener Eultusgemeinde kaiserl. Rath Dr. Theodor Lieben, kaiserl. Rath Wilhelm, Dr. L. Libitzky, die Bezirksräthe Ellbogen und Wensch, die Armenräthe Nathan Königsberger und Josef Pollak, der gesammte Vorstand der türk. Gemeinde und zahlreiche Gemeindemitglieder theilnahmen. Der Präsident Markus M. Russo und die Mitglieder des Vorstandes empfingen den Botschafter und die übrigen Festgäste in der Vorhalle und geleiteten sie unter Harfen- und Orgelklängen in die festlich beleuchtete Synagoge. Obercautor Bauer trug, mit Chor- und Orgelbegleitung einen Ma towu und einen vom Chordirigenten Lövit componirten Festpsalm vor, worauf Chacham Papo die Festrede in spaniolischer Sprache hielt. Nach dem von Obercantor Bauer vorgetragenen Gebete für den Sultan wurde die türkische Hymno gesungen, womit die weihevolle Feier schloss. Nach dem Gottesdienste wurden der Präsident der türk. Gemeinde, Herr Marcus M. Russo, mit den Borstandsmitgliedern und den Functionären, Chacham Papo, Ober- I cantor Bauer, Chordirigent Lövit. vom Botschafter im Botschaftspalais I in der Heugafie empfangen. Wien. (Auszeichnung.) Der k. u. k. Hoflieferant. Herr Hermann Beck, Chef der Firma Wilhelm Beck <fc Söhne, Präses des Tem

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