Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1900
- Issue
- Heft 33 (7.9.1900)
- Date
- 1900-09-07
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 33. Seite 9. Die Wahrheit. pelvereines im VIEL Bezirk, erhielt vom Schah von Persien daS Commandeurkreuz des Sonnen- und LöwenordenS. Auaim. Der Präsident der hiesigen Cultusgemeinde heißt: Hermann Steiner, und nicht, wie in voriger Nummer irrthümlich berichtet wurde, Hermann Schneider. Hiöeuschitz, 27. August. Das 25jährige Jubiläum des Obercantors Herrn Wilhelm Löwensohn gestaltete sich zu einer imposanten j Kundgebung für den pflichttreuen Cultusbeamten. Wie bereits gemeldet, haben sowohl die Cultusgemeinde, als auch die politische Gemeinde in eigens hiezu einberufenen Sitzungen beschlossen, den Jubilar in einer seinen Verdiensten entsprechenden Weise zu ehren. Samstag den 25. August, nach dem Muffaph-Gottesdienste, versammelten sich der Gesammtvorstand und Ausschuss der Cultusgemeinde, wie auch der Bürgermeister und die Gemeinderäthe der politischen Gemeinde in der Gemeindekanzlei. Herr Löwensohn wurde hierauf durch eine Deputation in die Kanzlei geleitet, wo ihm der Vorsteher. Herr Lederfabrikant Isidor Sinaiberger, den von der Cultusgemeinde gewidmeten, prachtvollen Ehrenpocal überreichte. Hiebei hielt er eine warme, die Verdienste des Jubilars um die Hebung des Gottesdienstes würdigende Ansprache. Dann ergriff der erste Cultusrath Herr Jsaias Steiner — ein eloquenter Stegreifredner — das Wort, skizzirte die unermüdliche Thätigkeit, die künstlerischen Intentionen auf dem Gebiete des Synagogengesanges, die der Jubilar in dem Viertel-Säculum seiner Wirksamkeit entfaltete und' pries seinen Charakter als Mensch und Familienvater. Sein ganzes Trachten war stets das Wohl seiner Familie, und er kann heute mit Stolz auf das Resultat seiner Erziehung blicken. (Sein ältester Sohn ist momentan Auscultant beim k. k. Gericht in Znaim.) Mit einem herzlichen Wunsche für die Zukunft schloß Herr Sleiner seine innige Ansprache. Tiefbewegt von diesen Beweisen der Sympathie, dankte Herr Löwensohn mit kurzen, markanten Worten. Zum Schluffe sprach noch Herr Bürgermeister Samuel Jellinek, den Jubilar namens der politischen Gemeinde beglückwünschend, worauf Herr Löwensohn, von dieser Ehrung angenehm überrascht, dem Herrn Bürgermeister seinen Dank aussprach. Mit einem kräftigen „Hoch" auf den Jubilar schloß diese herzlich-innige Feier. Hkrag. Am 31. d. starb hier nach kurzem, schwerem Leiden Herr I. Leopold Bondy, der Vater des Schriftstellers Dr. I. A. Bondy, im Alter von 59 Jahren. Der Verstorbene war 20 Jahre hindurch Custos des neuen israelitischen Tempels gewesen und war Mitglied vieler humanitärer Vereine. Cr erfreute sich allgemeiner Werthschätzung. Wodniau. Am 27. August starb der Schwiegervater des hiesigen! Lehrers, Herrn Moritz Edelstein, der Rabbiner und Prediger. Herr! Josef Schüller, im 78. Lebensjahr. Das Leichenbegängnis fand tags darauf unter großer Betheiligung der Leidtragenden sin der Vaterstadt des Verblichenen in Schaffa in Mähren statt. Iialkena« an der Eger. Am 22. August fand hier ein vom 'Comits jüdisch-nationaler Studenten veranstalteter Unterhaltungsabend statt. Die einzelnen Programmnummern fanden berechtigten Beifall. Den Schluss bildete ein Tanzkränzchen. Kkattau. Die hiesige Cultusgemeinde veranstaltete am Abende des 17. August im festlich beleuchteten Tempel einen solennen Gottesdienst. Das Gotteshaus war in allen Räumen dicht gefüllt. Unter den Honorationen bemerkten wir den k. k. Bezirkshauptmann Herrn sJohann Strachotinsky mit mehreren Beamten, den k. k. Gymnasialdirector Herrn Robert Beer mit einigen Professoren, den Bürgermeister mit mehreren! Stadträthen, eine Officiersdeputation des hier garnisonierenden Drago-! nerregiments, Deputationen sämmtlicher Vereine u. s. w. Die Gesänge! des Chores wurden unter der Leitung des Herrn MUDr. N. Reiser j exact und mit großer Wirkung zu Gehör gebracht. Die gehaltvolle Rede! des Rabbiners Herrn Dr. M. L. Wolf, der meisterhafte Vortrag unseres l Obercantors Herrn Leo Kornitzer, insbesondere im selbstcomponierten j Psalm 61 (Cantorsolo mit Orgelbegleitung), und das empfindungsvoll gesungene Sopransolo der Frau Berta Kornitzer machten auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck. Mit der Volkshymne schloss die -schöne Feier. Am nächsten Tage veranstaltete der hiesige israelitische „Chorgesangs- und Geselligkeitsverein" einen Festabend im Hotel „zur weißen Rose", bei dem das Ehepaar Kornitzer wahre Triumphe feierte. Hachau. Herr Oskar N e f e l e s, Cantor und Lehrer in Rican bei Prag, wurde als Cantor für die hiesige Gemeinde gewählt. j Akt»««. Der Verband der schleswig-holsteinischen Thierschutz» vereine hat sich mit einer Eingabe an die Regierung gewendet, in welcher u. A. um obligatorische Einführung der Betäubung der Schlacht» thiere gebeten und ausdrücklich die Ausdehnung ^derselben auf da» Schächten gefordert wird. Die nunmehr eingegangene Antwort des Regierungspräsidenten Herrn v. Köller wird nicht verfehlen, lebhaftes Befremden zu erregen. Ein Paffus in derselben lautet: „Der weiteren Forderung, auch beim Schächten nach mosaischem Ritus die Schlachtthiere vorher zu betäuben, steht an sich nichts entgeg en; doch halte ich es nicht für richtig, für den ganzen Umfang des Regierungsbezirkes schon jetzt eine Polizeiverordnung hierüber zu erlaffen. In einer ganzen Reihe von Kreisen unserer Provinz kommt daS Schächten überhaupt nicht vor, und wo es stattfindet, find die Ansichten darüber, ob das Thier bei dieser Procedur größere Qualen zu erleiden hat, als bei der sonstigen Schlachtmethode, sehr getheilt. Ich glaube, dass es angezeigt ist, mit einem Vorgehen in obigem Sinne zu warten bis sich die Meinungen weiter geklärt haben." Litteratur. tzombinirtes Heschäfts »ns KauptSnch. Dem Inhaber der Handelslehranstalt Bäck, Breslau. Herrenstraße 6. ist eine praktische Neuerung auf dem Gebiete der Handelsbücher unter dem Namen „Combiniertes Geschäfts- und Hauptbuch" patentamtlich geschützt worden. Die Führung dieses Buches erspart jedem Handels- und Gewerbetreibenden, welcher nach Paragraph 1 und 2 des neuen Handelsgesetzbuches zur Führung der Bücher verpflichtet ist. viel Arbeit, sowie die Führung aller übrigen Geschäftsbücher, und erreicht mit diesem combinierten Geschäfts- und Hauptbuch nicht nur Uebersicht über alle Sch u l dsondern alle Geschäftsverhältnisse. Dieses patentierte Buch erscheint in zwei Stärken zu 5 und 10 Mk. incl. Beschreibung und Belehrung. Der Verwandt erfolgt franco nach ganz Deutschland direct von den Verkaufsstellen; dort, wo keine solche sind, wende man sich direct an Bäck's Handelsschule, Breslau, Herrenstraße 6. Die Licenz zur Fabricatton deS Buches wird an Gefchäftsbücherfabriken für einzelne Provinzen oder für das ganze Reich durch Bäck's Handelsschule. Breslau, Herrenstraße 8, billigst abgegeben. 8. Sil. Kiinger’sche Widmung für jüdische mittellose Wöchnerinnen. Am 10. November d. J, gelangen die Erträgnisse der von Herrn Samuel Klinger zum Andenken an seine Gattin Frau Paulin» Klingel* errichteten Stiftung an vier arme israelitische 'Wöchnerinnen im Betrage von je K 95*50 zur Verleihung. Die Bewerberinnen haben die mit ihrem Geburts- und Trauungsscheine und dem Armutszeugnisse versehenen Gesuche bis längstens 30. September 1900 im Einreichungsprotokolle der Israel. Cultusgemeinde 1., Seitenstettengasse 4, II Stock, während der Amtsstunden von 9- 12 Uhr Vormittags. woselbst auch Gesuchsblanquette unentgeltlich zu beheben sind, zu fiberreichen. Auf mit den oben geforderten Beilagen nicht versehene Gesuche wird keine Rücksicht genommen. Wien, am 1. September 1900. Der Vorstand der Israel. Cultusgemeinde. Mas Marmorosch-Stiftung. Am 5. Kislew (27. November 1900) als dem Sterbetage de» Herrn Max Marmorosch gelangen aus obiger Stiftung zwei Plätze ä Kr. 275.— an arice israelitische Schüler der Wiener Handelsacademie zur Verleihung. Unter den Competenten gemessen bei gleicher Würdigkeit in erster Linie den Vorzug solche Bewerber, welche mit dem Stifter Herrn Jacob Marmorosch, mit dessen Gattin, Frau Rachel, geb. Löbl oder mit den Schwiegersöhnen Herrn Hermann Lemberger und Herrn Carl Pisling verwandt sind, in zweiter Linie solche, welche in Bukarest geboren oder dort ihre Erziehung ganz oder zum Theile genossen haben. Die mit dem Geburts- Armuts- und den bisherigen Schulzeugnissen, sowie eventuell mit den im Sinne des vorhergehenden Absatzes ein Vorzugsrecht begründenden Nachweisen belegten Gesuch» sind im Einreichungsprotocolle der israelitischen Cultusgemeinde, Wien, I, Seitenstettengasse 4, II. Stock, woselbst auch Gesuchsblanquette unentgeltlich zu beheben sind, bis 30. September 1900 zu überreichen. Nicht entsprechend belegte oder verspätet überreicht» Gesuche werden nicht berücksichtigt. Wien, 1. September 1900. D«r Vorstand der Israel. Cuttusgemeinde Wien.