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Die Wahrheit · 1900-08-24 · Heft 31 (24.8.1900) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 31 (24.8.1900)
Date
1900-08-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seile 6. Die lvahrkcit. Nr. 31. sich namentlich gegen den Ausdruck „Cnltur" richtete. Dr. H e r z l bemerkte, dass er ursprünglich gegen eine Discnssion der „Cnltnrsrage" gewesen, damit über die rein nationale Seite des Zionismus kein Zweifel aufkomme. Der Zionismus muffe alle Nicktungcn im Iudenthume umfassen. Lang anhaltender Applaus iolgte diesen Worten. Dr. Kahn sah sich genöthigt, die Resolution zurückzuziehen. Es gelangten einige Resolutionen Dr. I. LL. Mar m o r e k, über die ökonomische Lage der Juden zur Verlesung, aber auch ihnen erging es wie jener Dr. Kahns, rrotzdem sich d.r Vorsitzende mit seiner ganzen Autorität dafür rinsetzte. Was schliesslich daraus geworden, wird man wohl erst aus dem stenographischen Protokoll erfahren. Dr. Katzenellensohn und Dr. Rosenheck belichteten über die Lage der Juden in Russisch-Polen und Galizien, Prm. Belkowsky über die Colonialbank, deren Fonds erst 150.000 Pfund Sterling betrage, anstatt der xfA Million, das Minimum nur zu beginnen. Es wurden noch verschiedene 'Anträge eiugebracht, aber es lag schon Schlussfieber in den Anwesenden. Alle Anträge wurden dem Actionscomite zugewiesen. — Die Nachmittagssitzung wurde mit der Wahl der verschiedenen Commissionen beinahe ganz ausgesüllt. Auch dieses ging nicht ohne große Unruhe und Proteste ab. Endlich konnte Dr. H e r z l zum Schluss des Congresses schreiten, der unter allgemeinem Jubel erfolgte. — Abends fand noch ein von der englischen Federation veranstaltetes Bankett statt. 8. Verschiedene Nachrichten. Wien. Anlässlich der Vollendung des 70. Lebensjahres Sr. Majestät des Kaisers hat F'.au Baronin Königswarter dem Verbände zur Unterstützung armer ifrael. Wöchnerinnen den Betrag von Tausend Kronen zugewerrdct Wien. Anlässlich des 70. Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers fanden in sämmtlichen Synagogen der Wiener Cultusgemeinde, im Tempel der türk, israel. Gemeinde und in allen Gotteshäusern der zahlreichen Bethausvereine solenne Festgottesdienste statt, die überall einen würdevollen und erhebenden Verlauf nahmen. Wien. Anlässlich des 70. Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers wurde am i6. d. im B-ibausverein „Monrefiore", II., Taborstraße 38, ein feierlicher Gottesdienst abgehalten. Den gesanglichen Theil leitete Herr Cantor H. Groß. Die Festrede hielt Herr Dr. I Rosenseld. Ter Obmann des Vereines. Herr Jacob Weiß, ließ beim Seser einen Mischeberach für Se. Majestät machen nnd spendete bei diesem Anloste 100 Kronen für wohlthätige Zwecke; ebenso spendeten die Herren Armenrath Josef Pollak, Präses des Krankenvereines, und Herr I. A. Wastervogel, Obmann-Srellverireter, und noch andere Herren namhafte Beträge für verschiedene Wohlthätigkeitsacte. Wien. (K aise r f ei er im F er i e nh eiin.) In b<sonders feierlicher Weise wurde das Kaisersest in den Colonien des „Ferienheim" begangen. Das prachtvolle Haus, welches das „Kaiser Franz Josephs- Fcrierheim" in Vorkloster Tischnowitz bei Brünn beherbergt, war reizend decorirr und wurde drei Abende hindurch, den 17., 18. und 19. August, beleuchtet Am 18. rückten die militärisch abgerichteten 100 Colonisten in vollkommen neuer Paradeadjustirung aus. Es war ein reizender Anblick als die kleine Truppe in fünf Zügen, die neuen Kappen mit Eiäenblättern geschmückt, die Helzgewehre geschultert, unter Vvrantragung der schwarzgelben Fahne, in strammer Haltung dem im Parke gelegenen Festplatze zumarschirte. Daselbst war das lebensgroße Brustbild des Kaisers entsprechend decorirt aufgestellt. Nachdem die kleine Schaar hier Parade-Aufstellung genommen, wurde ein Fesrgvttesd enst abgehalten und unter Stellung der Colonisten „zum Gebet" das Gebet für den Kaiser verrichtet. Hierauf hielt der Präfekt eine schwungvolle Festrede nach deren Beendigung unter großer Begeisterung die Vollshhmne intonirt wurde. Entsprechend der milit. Organisation dieser Colonie schloss die schöne Feier mit einer Parade und rückten sodann die Colonisten defilirend ab. Der Eindruck dieser Feier war ein so erhebender, dass viele der Gäste aus Brünn und Tischnowitz welche derselben anwohnten, ihre Thränen nicht unterdrücken konnten. Die Vereinsleitung entsandte sodann eine Huldigungsdepesche an das Allerhöchste Hoslager nach Ischl, von wo bereits am darauffolgenden Tage, Sonntag den 19. folgende Antwort einlangte: „Seine Majestät geruhten die dargebrachten Glückwünsche mit huldvollstem Danke entgegenzunehmen P a a r." — Auch in der Colonie Petrau wurde eine ähnliche Kaiser-Feier in Anwesenheit zahlreicher Gäste aus der Umgegend veranstaltet. Wien. Der humanitäre Geselligkeitsverein „Freundschaftsbund" zur Bekleidung armer Schulkinder ohne Unterschied der Confeffion, feierte Sonntag, den 19. d. M., in seinen Vereinslocalitäten (Prater, „Schwarzer Bär"V das Fest des Allerhöchsten Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers Der Festabend rahm, Dank der vortrefflichen Leitung des Obmannes, Herrn Leopold Weiß, und des artistischen Leiters, Herrn Jakob Süß, einen äußerst erhebenden Verlauf. An den zündenden Prolog, gesprochen von Prosessor Nascher, reihten sich ausgezeichnete musikalische und declamatoriiche Darbietungen. Mit der Absendung eines Huldigungstelegrammes an das Allerhöchste Hoslager nach Ischl schloss die denkwürdige Feier Wi»n. iF e r i e n h e i m.) Der letzte Abtheilungswecbsel der in den Colonien nntergebrachten schulpflichtigen Kinder hat sich in der abgelaufenen Woche vollzogen. — Aus der Coloniestation Perrau kamen ~ am 10 August 56 Mädchen zurück und am 15 August rückten daselbst 56 Knaben unter der Obhut eines Pädagogen und eines Mediziners wieder ein. — Aus dem Kaiser Franz Josephs-Ferienheim Vorkloster- Tiichnowitz kebrten am 14. August 100 Knaben unter Aussicht von zwei Präsecren nnd einem Mediziner nach Wien zurück, und am 17. August begab sich eine ebensolche Abtheilung wi-der nach dieser Col.'irie. Das Kais-rsest wurde in allen Colonien des Vereines in erhebender Weise gefeiert. Maden. Aus Anla's des 70. Geburtstages des Kaisers fand am 18. d. M. im Tempel der israel. Cultusgemeinde ein solenner Festgottesdienst statt. In gehobener Stimmung lauschte die den Tempel füllende Menge aus den vom Cantor Sch ä s e r recitirten Königspsalm. Cap. 21, und die von patriotischen Gefühlen durchwehte Festpredigt Sr. Ehrw. Rabbiners W. Reich. Rach von demselben verrichteten Gebete für den Kaiser, intonirte die Schuljugend die Volkshymne. Zu Ehren die es Allerhöchsten Festtages tvurden vom Vorstande an Gemeindearme und hier zur Cur weilenden Bedürftige 220 Kr. vertheilt und die hier garnisouirenden jüdischen Soldaten Freitag Abend und Samstag Mittag verköstigt. Die von Sr. Ehrw. Rabbiner Reich anlässlich des 70. Geburtstages des Kaisers herausgegebenen „Patriotische Rede n," weitere Folge,' wurden von Sr. M a j e st ä t huldvollst angenommen und dem 'Autor in einer Zuschrift durch die k. k. n.-ö. Statthalterei der allerhöchste Dank ausgesprochen. ZSadeu ö. Wien. Wenn mau das rege und bewegte Leben, das hier seit Beginn der Saison herscht, nur eu passant betrachtet, man wäre fast zu glauben versucht, es hätten hier ausschließlich die Reichen der Welt, die vom Glücke besonders Begünstigten ihre Sonrmerresidenz aufgeschlagen, und selbst die Leidenden und Invaliden unter ihnen, jene Jammergestalten, denen man auf Schritt und Tritt begegnet, zählen zu jener Sorte Unglücklicher, die wenigstens darin Glück haben, dass sie Geld und Gut besitzen, womit sie sich das Dasein trotz Leiden und Beschwerden so bequem und erträglich als möglich gestalten können. In Wirklichkeit aber ist dem nicht so. Genauer betrachtet zeigt das große licht- und glanzvolle Bild auch so manche Schattenpunkte. In seiner Aeußerlichkeit einfach, bescheiden und fast verschüchtert auftretend, sticht > nämlich ein gewisser TheU der Curwelt förmlich von der Menge ab und bildet gleichsam ein loset, unzusammenhängendes Glied in der eleganten, farbenreichen Menschenkette, die sich schier endlos nach all n Ecken und | Enden der Fremdenstadt hinzieht. Es sind dies die Besitzlosen, die Enterbten des Glücks, die sich den kurzen Aufenthalt in der kostspieligen Thermenstadt geradezu erkämpfen nnd erringen müssen und wenn sie dies zuwege gebrachl, nur die Leidensaber nicht die Freudensgenossen der Curgäste sind. Und doch schätzen sich diese Leute glücklich, wenn sie die ihnen dringend gebotene Badecur recht und schlecht durchmachen können, gleichviel, ob sie dies aus Eigenem oder durch Inanspruchnahme ver Wohlthätigkeit bewerkstelligen. Und dass hier auf humanitärem Gebiete speciell für unsere Glaubensgenossen, viel geleistet wird, mag aus der Thatsache erhellen, dass die hiesige Cultusgemeinde mit ihrem wackeren, vielverdienten Vorstand an der Spitze eigens eine Armencaffcr ins Leben gerufen hat, aus welcher alljährlich während der Sommersaison arme, zur Cur hier weilende Kranke ohne Unterschied des Standes! und Ranges vier bis sechs Wochen hindurch mit entsprechenden Geldspenden bedacht werden. Leider aber erweist sich dieser Born echter Humanität und Nächstenliebe, namentlich in den letzten Jahren infolge des immer stärkeren Zuzuges armer Curbedürftiger, als viel zu klein und unzureichend und der Erweiterung durch Spenden und Beiträge seitens edler Wohlthäter und humaner Menschenfreunde dringend bedürftig. Wie schon oft hat der um das Aufblühen der hiesigen Gemeinde vielverdiente Seelsorger, Herr Rabbiner Reich, auf der Kanzel dieser humanen Einrichtung Erwähnung gethan und derselben warme aus dem Herzerr stammende Worte gewidmet. Mögen dieselben auf fruchtbaren Boden

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