Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1900
- Issue
- Heft 26 (20.7.1900)
- Date
- 1900-07-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 26. Die Wahrheit. Teile 7. Tarnow, Slanislau. Kolomea und Bnczac; getroffen. Die 'Eröffnung dieser 4 Mädchenschulen erfolgte zn Beginn des Schuljahres 1899/1900. Aus demselben Fonde wurden 20 galizifche Mädchen, welche in dem vom Leopoldstädter Fvanen-Wohlthätigkeitsvereine in Wien erhaltenen Lehrmädchenhort nntergebracht sind, Stipendien zu je 120 fl. per Jahr gewährt; außerdem wurde eine Anzahl weiterer Stipendien für Mädchen, Handwerksgesellen und Knaben im Sinne der Bestimmungeudes Stiftbriefes bewilligt. In ihrer großen Fürsorge für die Kräftigung der beiden Stistungen und den Ausbau derselben hat die sel. Frau Baronin von Hirsch, welche bei Lebzeiten sämmtliche Deficite der Stiftung gedeckt hat, den beiden Stistungen letztwillige Legate vermacht, und zwar: der Baron. Hirsch-Stiftung zur Beförderung des Volksschnlunterrichtes im Königleiche Galizien und Lodomerien mit dem Großherzoglhume Bukowina 3 Millionen Francs und der Baronin Clara von Hirsch-Kaiser-Jnbiläumz-Stiftnug für Knaben und Mädchen in Oesterreich 2 Millionen Francs. Ungeachtet dieser großen Dotation der sel. Frau Baronin Do« Hit sch ist aber die financielle Lage dieser Stiftungen durch den Umstand, dass die Legate erst ein Jahr nach dem Hinscheiden der Frau Batonin von Hirsch zur Auszahlung gelangen und überdies durch französische und österreichische Gebühren stark! veducirt werden, eilte derartige geworden, dass das Zinseneri Irägnis bei der großen Ausdehnung, welche die Schulstiftnng genommen, zur Bestreitung sämmtlicher Auslagen nicht ansreicht. j Es steht somit zu besorgen, dass hie und da empfindliche Rednc-! tionen werden vorgenommen werden müssen, wenn ilicht ans j dem Lande selbst, welches nunmehr das Segensreiche der Slif-! luug einznsehen beginnt, opfervoller entg gengekommen werden i lallte. j Gemeinde- und Vereinsdote. Wien. A n s der Plenarsitzung des C u l t n s- ■ Dorstandes v o m 25. Juni I960 unter d e m Bo ri 1 i tz e des P r ä f i d e n t e ll k a i s. Rath H. K l i n g e r. j Beginn 5 Uhr Nachmittags. d Vor Uebergang zur Tagesordnung widmet der Präsident dem jüngst verstorbenen emsigen Vorstandsmitgliede und ehemaj ligen ViceprÜjidenten der Cnllnsgemeinde. Herrn Jakob Brandeis,! einen warmen Nachruf. Der Präsident gedenkt der mustergiltigen! Thätigkeit des Verewigten im Vorstande, dem er durch mehr als! drei Jahrzehnte angehörte, wie auch im Bethansvorstande, in! welchem er länger als ein halbes Jahrhundert schaffensfreudig! wirkte, hebt die seltene Pflichttreue des Verblichenen in diesen; Stellungen, sowie in seiner Eigenschaft als Leiter mehrerer j Hnmanitätsvereine, insbesondere der Chewra Kadischa hervor,! betont seine ausgezeichneten Herzenseigenschaften, ftii» couciliantes j Wesen und schließt mit den Worten, dass sich Jakob Brandeis! durch sein öffentliches Wirker» ein danerndes Andenken in der! Gemeinde gesichert habe. Die Versammlung, welche den Nachruf j stehend anhörte, stimmt zn. dass diese Traue» kundgebuug dem i Protocolle einverleibt werde. j Kais. Rath Hirsch referirt namens der III. Section über! die Verwendung des der Cnltusgemeinde zur freien Verfügung! vermachten Legates der vereivigteu Baronin Hirsch, welches nach! Abzug der sowohl für Oesterreich als auch für Frankreich zu bezahlenden namhaften Erbschaftssteuer nunmehr au der Cassa erlegt! wurde. Angesichts des Umstandes, dass die für den Bau des! Siechenhauses eingeleiteten Sammlungen bisher die erforderliche I Bansumme lauge nicht erreichen, beantragt die Finauzsection! dieses Legat diesem dringlichen Zweck zuzuwenden, wobei jedoch! allerdings darauf hingewieseu werden muss, dass auch damit die! Bausumme nicht gedeckt erscheine und die Erwartung ausgesprochen wird, dass jene Gemeiudemitglieder, welche sich bisher an den Sammlungen nicht betheiligt haben, zur Errichtung und Erhaltung dieser unabweislich uothwendig gewordenen Institution freiwillige Beiträge leisten werden. Sohin wird die von der Finanzsection beantragte Verwendung des Legates genehmigt. Vertreter Vrurai h Stiaßny berichtet über die nothwendige Vornahme von Adap iillugen im Lpilale d.r iirael. Culrusgeineinde. Hierzu gehören in erster Linie die Herstellung einer Centralheizung für säinmtliche Krankerrzimmer, Corridore, Stiegeuhänser, Clofets und Badezimmer und im Zusammenhänge damit Ergänzungen an den Lüstungsvolrichtnrigen. Ferner die Umgestaltung der War.nwa sseraulage, der Nntzwasserleitung, endlich Ersatz der bisherigeil Dampfküche durch eine neu auzulegende Gasküche. An diefe Arbeiten schließen sich andere bauliche Herstellungen an, welch.' vorgeiro mmen werden müssen, um die Einrichtungen des al'en Spitals mit jenen des neuen Spitalspavillons, ivelcher einer hochherzigen Widmung der Barone Rothschild fein Entstehen verdairkr, gleichwerthig zn machen. Hierzu zählen: Oie Herstell ung von Perfonen- und Lastenauszugen und der Ersatz der Gasbeleuchtung durch eine solche mit elektrischem Lichte in Willen Räumen. Fm Arlschlnsse hieran stehen Bananssührungen. welche über bereits errhe lieu oder demnächst zu errheilenden Auftrag der Behörde notmoendig iverden, ferner Arbeiten, deren Herstellung ans Räcksichteir der S rlnbrität und Hygierie dringend geboten erscheinen. Der als Experte anwesende Primarius des Spitales, Reg.- Rath Prof. Dr. Oser, setzt in überzeugender Weise die Rorhwendigkeit der im Vorstehenden angeregten Aaaptirungen auseinander. Rach einer diesbetreffend eingehenderr Debatte, an welcher sich der Vorsitzende, sowie Viceprüsident Dr. Kohn und die Herren Vorstandsmitglieder Reg. -Rath Dr. Sieger, Baurath von Goldschmidt, Dr. Adolf Stein, Dr. Spitzer und Dr. Grünfels berheiligen, wird das vorgelegte Banprogramm einhellig genehmigt und beschlossen, dass die Detailprojecle einzelweise unter Vorlage der Pläne und der Delai lkosteuvorauschläge der III. Section und dem Plenum, in dingenden Fällen dem Vertretercollegium vorznlege^n sind und die Dnrchfübrung der Arbeiten im Wege von Offerrverhaudlnilgen zu erfolgen habe. Nach Verleihung einiger Stiftungen im Sinne der Seclionsanlräge und Erledigung mehrerer Personalien »vird die Sitzung um 8 Uhr Abends geschlossen. Znaim. Am 12. d. fand unter Anwesenheit des Cultus- und Schulvorstandes die Religionsprüfung der Volks- und Bürgerfchüler durch den Jnspector Dr. Pollak statt. Dieselbe fiel glänzend aus und wurde dem hiesigen, allgemein beliebten Rabbiner Dr. Kahan vom Vorstande und Jnspector die vollste Anerkennung für sein ersprießliches Wirken auf dem Gebiete der Religionsschule ausgesprochen. Am selben Tage wurde ein feierlicher Schlnssgottesdienst im Tempel abgehalten, an dem auch sämmtliche Gymnasialschüler theilnahmen. Rabbiner Dr. Kahan hielt die Festrede, woraus der Chor die Kaiserhymne sang. Kkattau. Die hiesige isr. Volksschule, mit dem Rechte der Oeffentlichkeit ausgestattet, erfreut sich seit ihrer im Jahre »875 erfolgten Gründung des lebhaftesten Zuspruchs und der wohlverdienten Anerkennung. Sie wird von der israel. Cnltusgemeinde, trotz der großen Anfeindungen, die wegen der deutschen Unterrichtssprache seitens der Czechen erfolgen, unentwegt und nöthigrnsalls unter Opfern aufrechterhalten. - Das heurige Schuljahr wurde mir einem Schulausflug beschlossen, der am l2. d. M. in dem nahegelegenen Ausflugsorte Loretto stattfindend, den Lehrkörper, sämmtliche Schüler und zahlreiche Damen und Herren unserer Gemeinde vereinigte. Es waren u. A. anwesend: Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Wolf, Herr Schulinspector Dr. Steiner, Herr Josef Porges, Herr Obercantor Kornitzer u. v. A. — Nach mannig» fachen Spielen und Lustbarkeiten/ denen sich die Kleinen mit allem Eifer Hingaben, eröffnete ein von dem Gesangslehrer Obercantor Kornitzer geleiteter, flott gesungener Schülerchor die Reihe der Vorträge. Die Herren Lehrer Berka und Baum ließen ihre Zöglinge in verständnisvoll und schön gesprochenen Vorträgen glänzen, dadurch Zeugnis ablegend von ihrer vorzüglichen, von der ganzen Gemeinde anerkannten Thätigkeit. Mit der Absingung der Volkshymne schloffen die Borträge. — Nachdem das Mincha- und Maariw-Gebet. von Obercantor Kornitzer recitiert, beendigt war, wurde der Heiminarsch u>n halb 8 Uhr Abends frisch uni» fröhlich angetreten.