Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1900
- Issue
- Heft 25 (13.7.1900)
- Date
- 1900-07-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. Die WahrhcU. Nr. 25. sollen freundlich sich zueinander stellen. Einerseits erkennt das Religionsgesctz die Lehren der Veterinärkunde als bindend und verbindlich an, es erwartet aber auch von dieser, dass sic die religiösen Vorschriften, die es nur für seine Bekenner ausstellt, ochtungsvoU behandle, auch wenn sic denselben nicht zustimmr. Uns aber braucht es auch wieder nicht zu beunruhigen, wenn einmal ein Thier bei der Fleischbeschau beanständet wird, das llei der Bedika snr koscher erklärt werden könnte, was, wenn -es auch zu den Seltenheiten gehört, doch hin und wieder eintreteu kann." In jedem Falle — nnd das ist die Hauptsache — ist es zu empfehlen, dass der Schächter das Koschersiegel nicht früher anlegt, bevor nicht das Ergebnis der thierärztlichen Untersuchung seststeht. KL B—r. Gkmrm-r- und Äneinsbotc. Wie«. Im Gegensätze zu der vorige Woche in Butapestcr und Wiener Tagesblättern erschienenen Notiz, dass Cantor Beta Guttmann, der von der Wiener Eultusgemeinde ats Obercantor" an die Leopoldstädter Synagoge bernsen wurde, diese Wahl abgelebnt habe nnd in Budapest verbleibe, sind wir aus Grund einer an competenter Stelle eingeholten Information in der Lage untzutheilen, dass der Amtsantritt des Obercantor Guttmann in Wien am 15. October d. I. erfolgt. Wie». Es mag nur wenigen von den vielen zeitweiligen Besuchern der Vereinssynagoge nach polnischem Ritus in der Leopoldsgasse bekannt sein, dass an ras geränmi e Gotteshaus auch ein kleiner, bescheidener Raum grenzt, der gleichsam als ein Theil des großen, schönen und gottgewciblen Werkes angesehen werden kann und mit zu den Errnngenchaften des Vereine s „Beih Israel" aus dem Gebiete religiösen und gottesdienstlichen Wirkens zählt. Es ist dies ein sehr einfaches aber entsprechend eingerichtetes Local, das ursprünglich als Beih Hamidrasch, später zum Abballen des wochentägigen Gottesdienstes und erst in letzter Zeit seiner eigentlichen Bestimmung gemäß zur Absolvirung sabbathlicher Schiurim und Vorträge Verwendung fand. Der große Zuspruch, dessen sich die Vorträge des Obercantor dieser Synagoge erfreuen, bestimmten auch mich, zuweilen der Andacht in diesen gottgeweihten Hallen anzuwohncn, und seitdem ich gelegentlich von dem Bestände des mit der Synagoge in Verbindung stehenden Beth Hamidrasch erfuhr, zählte auch ich zu den ständigen Besuchern desselben und nehme an den Schiurim nnd exegetischen Vorträgen theil, die daselbst allsabbathlich vor dem Mincha-Goitesdienste abgebalten, von dem Secretär des Vereines, einer besonders im Talmudischen sehr tüchtigen Kraft, geleitet und von den Vorstehern der Synagoge, anderen Mitgliedern des Vereines und einer Schaar fremder Zuhörer fleißig frequentirt werden. Am verflossenen Sabbath wurde an mich seitens der anwesenden Vereinsmitglieder das Ersuchen gerichtet, in Vertretung des abwesenden Schiurleiters den üblichen hagadischen Vortrag zu halten, und trotzdem ich unvorbereitet war. kam ich im Interesie der guten Sache diesem Wunsche nach und stellte der Gepflogenheit gemäß eine exegetische Betrachtung über den laufenden Wochenabschuitt an. Als eifriger Förderer jüdischer Gemeinderind Vereinsangelcgenheiten werden Sie, sehr geehrter Herr Redacteur, sicherlich nicht ermangeln, diesen Zeilen die Spalten Ihres geschätzten Blattes zu öffnen. Sie können aber auch versichert sein, dass Ihnen dafür alle Jene — es ist dies eine nicht unbeträchtliche Zahl — denen der Besuch der Synagoge oder des Beth Hamidrasch in der Leopoldsgaffe einen Oneg Schabbes, einen angenehmen, einen genußreichen Sabbath bereitet, vielfach Dank wiffen werden. Daniel Skutezky, Religionslehrer. Atzgersdorf. „Löbliche Redaetion der „Wahrheit" in Wien. Der ' gefertigte Vorstand bittet ergebenst die in letzter Nummer veröffentlichte Notiz bezüglich des Aufwandes bei der Grundsteinlegung unseres Tempels in folgender Weise richtig zu stellen: 1. Der hiesige Tempelbau wird nicht erst am 18. August, sondern schon früher, sobald die täglich zu erwartende Baueommiffion die Zustimmung ertheilt, und zwar mit Ausschluss jeden Zeremoniells in Angriff genommen werden, und auch bei deffen Vollendung wird die usuelle rituelle Einweihung ganz bescheiden, gemäß unserem kleinen Vereinskörper, vor sich gehen. 2. Der zu erbauende Tempel wird nicht 400, sondern höchstens 200 Sitze umfaffen. Hochachtungsvoll, Der Vorstand der Liesing-Atzgersdorfer Bethaus- Genoffenschaft, Jacob Papanek. Atzgersdorf, 9. Juli 19c0. D'ünn. Zur Polnaer Affaire wird dem Brünner Blatte „L. N.“- aus Pisek gemeldet: Hier verlautet, die Verhandlung gegen Hilsner sei deshalb in den Herbst hinausgeschoben worden, weil die Behörden im Sommer einen zu großen Andrang des Publicums fürchten. Ferner wird erzählt, Hilsner werde gegenwärtig ärztlich beobachtet und die jetzige Untersuchung zeige seine geistige Unzurechnungsfähigkeit, weshalb er für geisteskrank erklärt werden soll. In diesem Falle würde es allerdings nicht zn einer neuen Verhandlung kommen. L>oritz. (Israelitischer G e s a n g s v e r e i n.) Mehrere Damen tur hiesigen israel. Gesellschaft haben einen israel. Gesongsverein zur Verherrlichung des Gottesdienstes gegründet, der trotz seines kurzen Bestandes unter der Leitung unseres Cantors A. M e l i o lt Nennenswertstes leistet und mit seinen Darbietungen dem Gottesdienste an den Sabbath- und Festtagen ein feierilches Gepräge verleiht. Lcmöerg (Ablehnung einer Spende.) Dem Krakauer „Naprzod" zufolge hat der Lemberger Cultuspräsident Reichsraths-Abgeordneter Dr. Byk das Anerbieten des Lemberger Advocaten Dr. Schaff, für die Vergrößerung des Waisenhauses in Lemberg 100.000 Kronen zu spenden, mit der Begründung abgelehnt, dass es die financiellen Verhältniffe der Cultnsgemeinde nicht gestatten, sich der an die Vergrößerung der Anstalt sich knüpfenden Erhöhung der Verwaltungskosten zu unterziehen. (Wie wir vernehmen, hat Dr. Byk diese Meldung als unrichtig erklärt. Die Red.) Gisegg, 10. Juü. Es darf als erfreuliche Thatsache gelten, dassdie Judenschaft Croatiens und Slavoniens endlich nach langer Frist zum intensiveren Bewusstsein ihrer noch zu erfüllenden Aufgaben und ihrer wahren Interessen gelangt ist. In Bezug auf die Pflege des Judenthum^ und der Vermittlung jüdischer Kenntnisse geschah hier seit Menschengedenken so gut wie Nichts. Daher mag es auch kommen, dass dem Boden -dieser Länder keine einzige jüdische Autorität, ans religiösem Gebiete nämlich, entsprossen ist. Die Juden dieser Länder kamen auch mit Recht in den Nus religiöser Gleichgiltigkeit und crasser Unwissenheit. Nun aber macht sich auch hierzulande eine dem Judenthume günstigere Strömung fühlbar. Nicht nur in Agr.im, sondern auch in Essegg bestreben sich die leitenden Factoren im Gemeindeleben, die Heranwachsende Jugend mit jenem Maße religiösen Wissens auszurüsten, ohne welches ein modern, gebildeter Jude nicht bleiben soll nnd bleiben darf. Der thatkräftigen Initiative des Culmsvorstehers, Herrn Dr. Hugo Spitzer, ist es hauptsächlich zu verdanken, dass hier bereits der Bau einer jüdischen Schule in Angriff genommen wurde, deren Aufgabe es sein wird, die israelitische Jugend im modernen aber gleichzeitig auch im jüdischen Sinne entsprechend vorzubilden. Welch großen Beifall das Project gefunden,! erhellt schon aus dem Umstande, dass der Gemeinderath der königl. Freistadt Essegg kostenlos einen prachtvollen Baugrund zu diesem Zwecke schenkte, ferner, dass sowohl die hiesigen Mitglieder der Gemeinde, als auch die in der Ferne weilenden einstigen Frequentanten der alten israel. Schule mit rührender Opferwilligkeit ihre Spenden dem Cultusvorstande übermittelten. Doch sind die Baukosten sehr groß und das voraussichtliche Erfordernis für die Neueinrichtung dieser Schule ein ziemlich bedeutendes. Möge diese Nachricht zu den Ohren aller einstigen Essegger dringen und deni ebenso schönen wie wichtigen und nothwendigen Werke zahlreiche Freunde und Förderer erwerben. — Eine erhebende Feier fand am verflossenen Samstag im Essegg- Oberstädter israel. Tempel statt. Die israel. Mittelschüler hatten sich unter Führung des Professors Heumer und der Religionslehrer im. Gotteshause versammelt, wo auch der Gesammtvorstand und ein zahlreiches Publicum erschienen war, um dem feierlichen Schulschluss-Gottesdienste anzuwohnen. Der im Oberrabbinate stellvertretende Rabbiner, Herr Dr. Markus Ehrenpreis aus Djakovar, beziehungsweise Landesrabbiner von Bulgarien, hielt bei diesem Anlässe eine ebenso ideenreiche wie aktuelle Gelegenheitsrede. Hernach verrichtete erin kroatischer Sprache das Gebet für den Landesvater. Zum Schluss begaben sich die Versammelten in den prächtig decorirten Berathungssaa l der Cultnsgemeinde, wo Vorsteher Dr. Hugo Spitzer an die Schuljugend eine schwungvolle, patriotische Ansprache richtete und sie an ihre Pflichten, als Juden wirkungsvoll erinnerte. Schließlich wurden vierzig werthvolle Prämien an die besten Studenten vertheilt, und die schöne Feier nahm mit dem Absingen der vom Cantor Kischitzky trefflich einstudirten und dirigirten Gesänge ein harmonisches Ende. N. Soll.