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Die Wahrheit · 1900-07-13 · Heft 25 (13.7.1900) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 25 (13.7.1900)
Date
1900-07-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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ie ZAakrhsit Redaction u Administra.ion | Wien, II/l, Novaragaffe 27. » —!! K k. rsterr. Postspurcaiia ji Check-Conto Nr. 816.251. :j Infeiate: 20 Heller per Nonpareille-Zeile. Abonnements- »nd Jusertionsbeträge sind i» Wien «iblbar. j Unabhängige Keitschrift str jnöische Hntere^en. Erscheint jeden Freitag. Aloiko: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!" | Jfcjugspteis: | | Ganzjährig . . . St. »2.— j I Halbjährig . ... St, 6.— | I Für Lultusbeamte:! n Ganzjährig ... St. 10.—; ij :j Für Ausland: i ] Ganzjährig .... 2 Mark j| ij 6 Rubel ober 16 Frc4. i| 1 '! Nr. 25. Wien, 13. Juli 1900. Inhalt: Wenn wir echte Juden, keine Kunstjnden wären. Unsere Kinder. — Das Verhältnis der rituellen zur thierärztlichen Fleisch-Untersuchung. — Gemeinde- und Vereinsbote. — Verschiedene Nachrichten. Wir ersuchen die geehrten Herren Abon-! nenten um umgehende Einsendung des Abonnementsbetrages. Are Administration. Wenn wir echte Juden, keine Kunkjuden wären. in. Zur Besprechung des Gemeindetages znrückkommend, müssen : wir fragen, woher denn das Geld für billige Kredite beschafft j werden soll? Die jüdischen Handels- und Gewerbsleute sind durch ' die Intensität und Extensität des Boycots herabgekommen und benöthigen gleich anderen Erwerbskategorien billiges Capital mit langer Rückzahlnngsfrist, um die alte Rückständigkeil über-; winden zu können. Woher nun das Geld nehmen? Wohl nicht von dem Ueberschusscapital unserer wenigen galizischen Millionäre, da deren Capitalsüberschnsse in keinem Verhältnisse zu solcher Finanz-Großthat stehen. Wenn aber dennoch etwas geschehen sollte,! kann es nur von der todlen Hand Moscho's — Baron Moritz : Hirsch — resp. von den Capitalien der Io wisst Colonisation i Association kommen. , Gesetzt den Fall, dass dies beabsichtigt und von der i maßgebenden Körperschaft gutgeheißen wird, bleibt noch immer die Frage offen, wie sich hiezu die polnische Herrschaft, die offiziell-assemitische und die Unterströmnng. verhalten wird. Werden es die Polen zngeben, dass eine auswärtige Bruderhand, welche der Schlachtawirtschaft nicht unterthan ist, die Schlingen j durchschneidet, in welche sie die Judenhälse gebracht haben?!! Wird man da nicht rasch von den Salonjuden das neue polnische! Feldgeschrei nach Polonisirung und Schulung des Gewerbe- und | Kaufmannsstand es erheben lassen? Diese Frage erscheint mir als! die ernste Seite der Hilfsaction in spe. j Indessen hat Israel auch zu anderen bösen Zeiten Rath gewusst. Es bestanden nämlich an den Synagogen kleine Darlehenskassen für unverzinsliche Darlehen, welche in momentanen Nothlagen aushalfen. Wenn die jüdischen Gemeinden ihre alten Institutionen wieder Herstellen wollten, könnten sie selbst in den schlechtesten Situationen hilfreich eingreisen. Dabei wäre vielleicht folgender Modus vorzuschlagen. Jeder Cultussteuerzahler trägt zu seiner Domesticalstener 10°/0 Aufschlag für den Darlehenssond, die Nichtzahler und die Frauen, welche vom Kleingewerbe leben, haben je 1 fl. jährlich an die Kassa zu entrichten, wodurch sie Anspruch aus ein entsprechendes Darlehen erhalten. Dieser Fond wird noch durch die verschiedensten zufälligen Beiträge gestärkt, und nach ein bis zwei Decennien würde jede jüdische Gemeinde in die gewiss sehr angenehme Lage versetzt sein, ihre Creditdedürftigen je nach ihrem Geschäftsbetriebe väterlich zu unterstützen und das heilige Gebot der Thora zu erfüllen, welches befiehlt: „So, Du leihst meinem Volke, dem Armen, der mit Dir ist, fei ihm nicht wie ein Dränger,setze ihm keinen Zins aus." Noch größer und erhebender muss jene Vorsorge für die Armen des Volkes Israel durch die heilige Thora erscheinen, wenn man die Stelle in III. B. M. Cap. 35 mit Andacht liest. Sie lautet: „So dein Bruder verarmt und es finkt seine Hand in deinem Dabeisein, stärke ihn. Fremdling, Ansässiger, jeder lebe bei Dir, nimm bei ihm weder Zins noch das Mehrfache und fürchte deinen Gott." Wenn dieses eine Gebot der werkthätigen Bruderliebe eingehalten worden wäre, auf welcher neidenswerthen Höhe der Moral würde unser Volk dastehen, welche Summen irdischer Wohlfahrt hätte es uns eingetragen, wie viel Unglück und Verzweiflung wäre verhütet, und wie vielen Tausenden wäre Leben Ehre erhalten worden. Heute, wo das Wasser uns an die Kehle dringt, wo alle jüdischen Gemeinden Galiziens den schwersten Kampf der Selbsterhaltung kämpfen und mit ihnen ihre Balbatim, dürfte eine großangelegte Action im Sinne des Gemeindetages in Lemberg ohne Unterstützung von außen und ohne die größten Anstrengungen der noch gutgesinnten Juden aussichtslos sein.' Immerhin SintP' faSy xV ist Israel nicht verwaist und es geschehen oft noch Wunderdinge der Humanität, so z. B. die Erbauung eines großartigen jüdischen Krankenhauses seitens des Herrn Director Lazarus; die 100,OM Kronen-Spende des Herrn Samuel Horowitz zu Gunsten eines noch nicht definirten Wohlthätigkeitsinstitutes; man hört auch schon von dem projectirten Bau eines Mädchenwaisenhanses seitens des Herrn Dr. S. Schaff, und wenn wir unter Anderem die Stiftung des hochherzigen Banquiers, Herrn Regiernngsrath Jakob Stroh, hervorheben, der zum Andenken an seine dahingeschiedene Gemahlin, welche selbst noch bei Lebzeiten den Ban und die Einrichtung zwei r Zimmer für Sieche bestritt, einen Mädchen- Ausheiratnngsfono in der Höhe von 40.000 Gulden creirle, und eine weitere Schenkung eines prächtig gelegenen und gut erhaltenen Hauses und Gartens, als den Anfang für ein Wittwenheim der jüdischen Gemeinde, so können wir uns nicht aller Hoffnung entschlagen, dass unsere Kleinmillionäre noch bei ihren Lebzeiten sich zu einer Großthat aufraffen, die unvergänglicher wäre als Stein und Erz.

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