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Die Wahrheit · 1900-07-06 · Heft 24 (6.7.1900) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 24 (6.7.1900)
Date
1900-07-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 24. Die Wahrheit. Seite 5. Unter diesen Gesichtspunkten trat die Schul-Section an! die Umarbeitung des Lehrplanes. Mau setzte sich ins Einver-! mehmen mit der Lehrerschaft, deren Ausschuss eine außerordent-! lich große und nützliche Thätigkeit entfaltete. Die von der j Lehrerconserenz unter der Leitung der Herren Juspectoren für; Volks- und Bürgerschulen gemachten Vorschläge müssen sehr! verdienstlich genannt werden und haben bereits in der vorigen! Plenarversammlung Anerkennung gesunden. Die Vorschläge der Lehrer-Conierenz wurden einer ein-! gehenden Beratung innerhalb der Section in vielen Sitzungen i unterzogen und in einzelnen Punkten ergänzt. Die dem Plenum des Vorstandes nunmehr unterbreiteten! Abänderungen beziehen sich aus folaeude Punkte: 1) Der früher vorgeschriebene Lehrstoff aus dem Pentateuch,! wird nach der Richtung hin gesichtet, dass alle schwer zu über- - letzenden Stellen wegfallen, dass die im Gebetbuch vcnkommen-; den Stellen und zwar aus dem G e b e t b u ch e genommen! werden, dass letzteres etwas mehr in den Vordergrund gerückt; werde, um eine nach Möglichkelt verständnisvolle Theilnahme : am Gottesdienste zu ermöglichen. 2) Die Zweistufigkeit der biblischen Geschichte entfällt;; in der Volksschule wird diese nur bis zum Tode Moses genommen, damit der Stoff so gründlich behandelt werden! Eönne, dass in der Bürgerschule eine kurze Wiederholung genügt. Der Lehrstoff aus der Zeit der Richter und der Könige wird : genau begrenzt und alles iticht Notbwendige ansgeschieden, dadurch , tvird es möglich gemacht, dass die Geschichte der Inden im; Mittelalter und in der Ren zeit, insbesondere soweit sich dieselbe , auf Wien und Oesterreich bezieht, einer ebenfalls genall ' umgrenzten Behandlung unterzogen werden könne. 3) Die systematische Religionslehre, welche mit Znhilseuahme fremder Erzeugnisse Erklärungen für religiöse Lehren gibt, welche keiner Erklärung bedürfen oder für welche keine; dem kindlichen Geiste verständliche Erklärung vorhanden ist,! «ntsällt; dagegen werden auf jeder Stufe die Lehren unserer! Religion im Anschlüsse an den Text oder in möglichst wörtlicher! Uebersetzung in entsprechender Vertheilung gelehrt und dem; Gedächtnisse eingeprägt. j Bei allen Bestandtheilen und auf allen Stufen sind die; neue [teil Leistungen der Methodik sorgsam und mit genauer; Abwägung der Fassungskraft, der Leistungsfähigkeit der Kinde; verwerthet worden, damit der Religionsunterricht niemals einer Quelle des Mißmnthes und Unbehagens in Schule und Haus werde, sondern durch starke Betonung der ethischen Lehren unserer j Religion das Gemüth veredle und die Treue zum angestammten; Glauben befestige. Der von dem Vorsitzenden zur Theilnahme an dieser Be-! rathung eingeladene Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n u spricht , in längerer Auseinandersetzung dem eben vernommenen Referate | seine ungetheilte Zustimmung aus und erklärt sich mit den vorlie-! genden Anträgen vollkommen einverstanden. j An der hierauf folgenden Debatte betheiligen sich di.- Herren: Dr. Steiner, Baurath Stiaßny, Dr. Grünfeld, Vice- Präses Dr. Kohn, Dr. Berger, und werden die Anträge der Section einstimmig zum Beschlüsse erhoben. Nachdem der Vorsitzende hervorhebt, dass diese Angelegenheit zu seiner Befriedigung im Sinne des Statutes im Einvernehmen mit dem Rabbinate erfolgt sei, spricht er unter allgemeiner Zustimmung dem Referenten, Director Simon, für das erschöpfende Referat die wärmste Anerkennung und den Dank des Vorstandes aus. Schluss der Sitzung 8 Uhr Abends. Wenn wir echte Inden, keine Ännstjuden wären. in/ Wenn wir echte Juden wären, hielten wir uns an den Rath unserer Väter, wir würden lieben das blanke Metall der That und hassen jedes Großthun, jede Wohlthätigkeit mit Kilogram men Schallwellen. Zu denen möchte ich die Bände von Gut-s achte n rechnen, welche die von einem sehr achtbaren Vereine n? Wien veranstaltete Enquete zu Skaude brachte, und in dieselbe Kuegorie möchte ich auch die Vorschläge unseres II. galizischeu Gemeindetages einreiben. Zunächst bewegt sich in der praktische,! Welt alles um das goldene Kalb. Aber auch dieses so unschuldige und wunderthätige Thierchen, welches von Mizraim aus mit uns den Weg in die Diaspora gemacht haben soll, scheint auf dem Aussterbeetat zu sein. Wer soll nun die Stipendien für die Lehrburschen bezahlen? Haben nicht seit Olims Zeiten jeder Geselle und jeder Lehrling ihre Wanderjahre dnrchgemacht, einzig und allein mit Zehrgeld für die nächste Station? Doch die Zeiten haben sich geändert, der jüdische Wanderlehrling wird bei keinem christlichen Meister aufgenommen, also müsste dafür gesorgt werden, dass der Lehrbursche im eigenen Lande bleibe und wo möglich bei einem tüchtigen jüdischen Arbeiter untergebracht werde. Vielleicht würde die Einrichtung den Vorzug verdienen, mehr tüchtige Altmeister für eine praktische Gewerbeschule nach Galizien zu bestellen, die nicht ausgesetzt wären, im Boicott unterzugehen u,u> deren Schüler von der Laune der übermüthigen Zünftler geschützt würden. Jndess gefällt mir der Antrag auf Ertheilung vou Stipendien, nicht aber für Lehrburschen, sondern für — bitte mich ganz ernst zu uehmeu — für Lehroocloren!! Ich will keine Jeremiaden über die Lage unserer galizischeu Aerzte anstimmen, allein einen Zipfel der Wahrheit möchte ich doch lüften. Sind schon die christlichen Bürger in unserem thenern, großen österreichischen Vaierlande die Auserwählten zum Genüsse, die gleichständigen Inden aber die Auserwählten zu Verdruss, so herrscht nach dieser Richtung in dem gelobten Lande Galizien unter der Herrschaft des Krnmmstabes und der Konfödratka (vierspitzige Kappe) noch eine Superlativ. Brodkorb und Rang belohnen die charakterlosen Täuflinge, Zurücksetzung und Darben die Gewissenhaften. Im ärztlichen Fache kann ein Medicinae Doctor, dem es nicht gegönnt ist, einen Lichtstrahl akademischer Sonne auf sich zu lenken, zu keiner Bedeutung gelangen. Wie aber wird dem jüdischen Studenten die Möglichkeit gewährt, dem ärztlichen Berufe so weit nachzugehen, bis er in einen akademischen Kreis dringt? Hass, Zurücksetzung und Mangel an Hilfsmitteln hindern ihn auf allen Seiten. Der schlecht oder gar nicht bemittelte Studiosus muss, sobald er nur promovirt, in die Arena der Praxis stürmen, um sein karges Stück Brod zu verdienen. Wie gerne würden aber viele unserer jungen Aerzte Jahre ihres Lebens opfern, um an der Seite eines hervorragenden Klinikers arbeiten und der Heilkunde sich widmen zu können? Ist ja das medicinische Fach geradezu ein nationaljüdischer Beruf, gehegt und gepflegt von nuferen Besten, denn er entspricht der ganzen innern Gemüthsstimmuug unseres Volkes, er entspricht der jüdischen Seele, der gram- und qnalgebeugten, die eben zu Mitleid und Mithilfe hinneigt. Israel hat eine Ehrenpflicht, diese Seite ihres Volkes so hervorragend als möglich anszubilden, daran möge an dieser Stelle gemahnt sein. Das galizische Israel besitzt für zwei Juvidualitäten ein eigenartiges Faible. Je härter der Zeitendruck, je schwerer die Hand Esaus auf seinem Nacken lastet, desto mehr verfällt es in den Wunderglauben, zunächst an den „guten Jüden," welcher um einen bestimmten oder conventionellen Pidjau Trost und göttliche Hilfe verspricht. Ein gleich blindes Vertrauen aber hegen die Rabbipilger zu „goische Professoren." Es genügt nur der Schatten eines solchen goischen Professors, dann öffnet er seine verborgenste Tasche, die für die dringendsten Fälle bereit ist, und schüttet ihren Inhalt in die klaffenden Taschen des alleinseligmachenden goischen Professors, und letzterer weiß es immer so einzurichten, dass der kranke Jude am meisten unter die Goldschraube gelangt. Selbst Nichtprofessoren assemitischen Bekenntnisses lassen sich von den den Wunderrabbi verehrenden Juden und Jüdiunen ihr errungenes Wissen gut bezahlen. Also Wissen macht Geld, richtiger Geschäft. Will der galizisch-jüdische Gemeindetag seine Existenzberechtigung beweisen und nicht blos als politischer Vorspielball für Reichsrathscandidaten gelten, dann sollte er die Errichtung eines jüdischen Landeskrankenhanses beschließen und einige Fachdocenten

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