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Die Wahrheit · 1900-06-29 · Heft 23 (29.6.1900) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 23 (29.6.1900)
Date
1900-06-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6. Die Wahrheit. Nr. 23. wo er auch die Universität und das Rabbineuseminarium mit ausgezeichnetem Erfolg besuchte. 1870 wählte ihn die Ofner israelitische Cultusgemeinde zum Rabbiner. Ein Jahr später führte er Frl. Amalie Semmler zum Traualtar. Er hinterläßt drei Töchter und einen Sohn. In der letzten Zeit litt er an Herzerweiterung und Asthma. Außer den Familienangehörigen betrauern zahlreiche Verwandte und Freunde den Heimgegangenen. Am 25. Juni Vormittags halb 10 Uhr fand vom Ofner isr. Haupttempel aus das Leichenbegängnis des verblichenen Oberrabbiners der Ofner isr. Gemeinde Dr. Raphael Goldberg unter Entfaltung ungewöhnlichen Trauerpompes und in Anwesenheit überaus zahlreicher, den Tempel bis zum letzten Platze füllender Leidtragender statt. Der Trauerfeier wohnten an: Honved-General-Intendant Karl Kereßtes, Reichstags-Abgeordneter Max Falk, Universitätsprofestor Dr. Ignaz Goldziher, Dr. Ludwig Venetianer, Prof. Dr. L. Blau, Magistratsrath Dr. Karl Szabo, der Präsident der Pester isr. Religionsgemeinde Sigmund Kohner, kön. Rath Advocat Ludwig Pollak, der Präsident der Ofner isr. Religionsgemeinde Dr. Isidor Szabolcsi, Stadtrepräsentant und Präsident der Ofner ChewraKadischa Dr. Moriz Ernyei, die Rabbincn Dr. Kayserling. L. Pollak, Dr. Adler, Dr. Weißburg, Dr. Scheiber, Dr. Eisler (Klausenburg), Dr. Elfer (Heves), der Ofner ref. Geistliche Benjamin Haypük, die Vorsteher Fleischmann und Münz der Pester Chewra Kadischa, Direktor Abraham Lederer, Obercantor Professor Adolf Lazarus, die Direktoren Szenes und Kozma, die Vorstehungen der isr. Religionsgemeindeu von Altofen und Neupest, zahlreiche Wohlthätigkeitsvereine unter ihren Fahnen rc. Um halb 10 Uhr Vormittags wurde der Sarg, der in einem Trauerwagen zum Tempel gebracht worden war, von Mitgliedern der Gemeinde in den Tempel getragen und vor der Bundeslade durch den verstärkten Tempelchor aufgestellt. Dem Sarge folgten die in tiefe Trauer gekleidete Witwe und Kinder des Verblichenen. Nach dem Absingen eines Chorals hielt der Rabbiner von Altofen Dr. Elias Adler eine ergreifende Trauerrede, in der er das heilsame Wirken, die segensreiche Thätigkeit des Verbüchenen schilderte. Der Rabbiner der Pester israelitischen Religionsgemeinde Dr. Kayserling hielt hieraus eine deutsche Trauerrede. Von tiefem Schmerze ergriffen skizzirte Redner die entbehrungsvolle Jugend und das arbeitsreiche Leben des verblichenen Seelenhirten. Oberkantor Eduard W e i s s sprach sodann das Seelenheilgebet. Im Namen der einstigen Schüler des Verblichenen verabschiedete sich der Rabbiner von Klausenburg Dr. Mathias Eisler von dem verstorbenen Lehrer. Der Sarg wurde hierauf im sechsspännigen Galaleichenwagen nach dem Friedhofe im Wolfsthale überführt. In der Leichenhalle verrichtete Oberkantor Eduard W e i s s, ein sehr intimer Freund des Verewigten, die Trauerfunktionen, worauf Hilfsrabbiner Dr. Wiener von seinem Oberhirten ergreifenden Abschied nahm. Am offenen Grabe gab der Präsident der Ofner Religionsgemeine im Namen der Gläubigen dem Schmerze über den Verlust des Verstorbenen Ausdruck, der 30 Jahre hindurch ein treuer Seelenhirt seiner Gemeinde gewesen. Stadtrepräsentant Dr. Moriz Ernyei verabschiedete sich im Namen der Ofner Chewra Kadischa. Schließlich widmete Sekretär Dr. Weißmann im Namen der Beamten der Ofner israelitischen Religionsgemeinde dem Verblichenen einen warmen Nachruf. 8. Gemeinde- und Vereinsbote. . Wie«. Aus der Plenarsitzung des Cultus- Vorstandes vom 25. Juni 1900 unter dem Vorsitze des Präsidenten kais. Rath H. Klinge r. Beginn 5 Uhr Abends. An Spenden sind cingelaufen: Annonym von G. N. und Th. K. für das israel. Blindeninstitut K. 20.—, für das israel. Waisenhaus K. 20.—, für das israel. Altersversorgungshaus K. 20.—. Als Legat des Herrn Leopold Mittler für den Erhaltnngsfond des israel. Altersversorgungshauses K. 200.—. Der Vorsitzende lässt aus den Einläufen unter Anderem eine Eingabe der „Oesterr.. Israel. Union" in Angelegenheit j der jüngst gefassten Beschlüsse des Vorstandes wegen Äbän-! derung einzelner §§. des Statutes der israel. Cultusgemeinde in Wien zur Verlesung bringen; weiters eine Zuschrift eines j Mitgliedes der Gemeinde, welches im Namen vieler Cultusj gemeindemitglieder gegen eine in einer Versammlung des jüdischen j Volksvereines in Ottakring in Angelegenheit der Wahlresorm I des Cultusvorstandes gefasste Resolution Verwahrung einlegt; j mit dem Hinweise darauf, dass in dieser Versammlung höchstens! 20 Cultusgemeinde-Mitglieder des XVI. und XVII. Bezirkes j anwesend gewesen sein sollten; endlich eine schriftliche Anregung eines Gemeindemitgliedes betreffend die Abhaltung >iner Feier anlässlich des 75jährigen Bestandes des Tempels in der Seitenstettengasse im Mär; des Jahres 1901. Sämmtliche Eingaben werden der geschäftsordnungsmäßigen Behandlung zugeführt. Im Präsidial-Berichte macht der Vorsitzende die Miltheilung, dass er entsprechend dem ihm in der Plenarsitzung vom 12. Juni 1900 übertragenen Mandate den Obercantor- Stellvertreter Bola Gutmann in Budapest und zwar mit provisorischem Charakter auf ein Jahr als Obercantor ter Cultusgemeinde mit der Anwartschaft auf die Obercantorstelle in der Leopoldstadt ab l.jzAugust 1900 angestellt habe, und dass des weiteren die Verhandlungen mit Herrn Don Fuchs, welcher gleichfalls für eine Erste Cantor-Stelle der Cultusgemeinde in Aussicht genommen ist, demnächst zum Abschlüße gelangen werden. Bei diesem Anlasse wird betont, dass die vom Vorstande für die Frage der Besetzung der Obercarnor-Stelle eingesetzte Fach-Jury eine ganze Reihe von Cantoren, welche Probe-Vorträge abgehalten haben, als besonders befähigt erklärt hat, jedoch die genannten zwei Herren fast übereinstimmend in erster Linie in Vorschlag gebracht worden sind, welche Gutachten, wie der Präsident bemerkt, auf die Beschlüsse des Vorstandes wesentlich bestimmend eingewirkt haben. Namens des Vertreter-Collegiums reserirt Herr Banrath Stiaßny über die Graberhaltungs-Widmungen nach Dr. Bernhard Wölfler, Therese Schefteles und Anton Schey son. Desgleichen Namens der VI. Section Herr Ob.-Jng. von Mises über die Annahme der Isidor und Cäcilie Kulka'schen Graberhaltungs- Widmung. Die Anträge werden angenommen. Die Wolf Jsak Naffau'sche Künstler-Stiftung gelangt pro 1900 im Betrage von K. 84.— im Sinne des Referates des Vice-Präsidenten Dr. Kohn entsprechend dem Sectionsantrage zur Verleihung. Herr Director Simon erstattet Namens der Rechts-Section das Referat über Austrittsanzeigen ans dem Judenthume. Hierüber entspinnt sich eine längere Debatte, au welcher sich die Herren Reg.-Rath Dr. Sieger, Baurath von Goldschmidt, Vice-Präs. Dr. Kohn, kais. Rath Hirsch, Doctor Berger und Dr. Steiner betheiligen und wobei der Präsident zur Richtigstellung der vielfach gebrachten Version von „massenhaftem" Glaubenswechsel in diesem Jahre ans den Acten richtigstelleu lässt, dass vom Beginne dieses Jahres bis zum heutigen Tage gegen die gleiche Zeit des Vorjahres im Ganzen ein — immerhin bedauerliches — Plus von 9 Austritten sich ergibt. Die diesbetreffendenden durch Hearn Director Simon motivierten Anträge der Rechtsscction lauten: 1. Die Rechtssection bestellt aus ihrer Mitte einen ständigen Referenten, dem alle Austrittserklärungen behufs Aufstellnilg einer Statistik und möglichster Eruirnug der wahrscheinlichen Ursache uub der begleitenden Umstände zuzuweisen sind und welcher nach seinem Ermessen über die gemachten Wahrnehmungen berichtet. 2. Die Section schlägt dem Plenum vor, zu erklären, dass der Vorstand die Belehrung der gebildeten Kreise über die Geschichte des Judenthums, über die - ethische Bedeutung unserer Satzungen lebhaft wünsche und auf jede Weise zu fördern bereit ist. 3. Es sei vom Vorstande ein Preis auszuschreiben für die Abfassung eines Werkes, welches über die Geschichte des

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