Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1900
- Issue
- Heft 22 (22.6.1900)
- Date
- 1900-06-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. Die Wahrheit. Nr. 22. christlich-polnischen Boden seitens der polnischen Unter- und Oberregierung raubte unseren Initiatoren jede Aussicht auf Erfolg. Freilich haben unsere wohlwollenden Rufer die beste Zeit und die schönsten Kaufobjecte verpasst, so z. B. den Jndustrialflecken Tlumac; mit seiner Zuckerfabrik, seinen Wasserkräften, seinen Waldungen und Feldern und seinen bereits bestehenden Wohnraumeu sür eine große Zahl von Arbeitern. Ein actives, geldkräftiges Consortium hätte dort 10.000 Menschen beschäftigt, Schulen für Ackerbau, Viehzucht. Fischzucht errichtet, Mnlluer und Förster ausgebildet, Dampssägemühlen, Brennereien u. s. w. angelegt. Dieses Gut hätte eine Schule für so viele neue Lebensberufe abgegeben und Israel zur Regeneration in phhsischer und geistiger Beziehung geführt. Allein diese und ähnliche Gelegenheiten wurden übersehen. Hingegen hätten unsere eifrigen Lakaien eine schier verbrecherische Liebdienerei sür den ehemaligen polnischen Fiuanzminister begangen, so derselbe Ach noch einige Wochen am Ruder erhalten hätte. Gemeinde- und Vereinsbote. Wie«. Aus der Plenarsitzung des Cultus- Vorstandes vom 19. Juni 1900 unter dem Vorsitze des Präsidenten kais. Rath H. Klinge r. Der Präsident, Herr kais. Rath Klinger, referirt über die anlässlich des 70. Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers am 18. August zu veranstaltenden Festlichkeiten und stellt namens des Vertrerer.Collegiums nachfolgende Anträge: 1) Sämmtliche Gemeindehäuser sind zu beflaggen. 2) Im Tempel der inneren Stadt ist ein solenner besonderer Festgottesdienst zu veranstalten. Ueberdies ist 3) in allen Synagogen anschließend an beu Morgengoitesdicnst ein feierlicher Gottesdienst abzuhalten. Die Anträge werden einstimmig angenommen. Herr Baurath Stiaßny referirt über die nothwendige Renovirung des Ceremoniensaales im Tempel I.. Seitenstettengasse 4 und beantragt Namens der I. Sectiou an der Hand —» Burragen vle Ausmalung des Ceremoniensaales in einer dem Stile des Tempels Uilgcpussten Wcifc. Der Referenten- Antrag wird angenommen. Herr Baurath Stiaßny referirt weiters über die Wiederherstellung der theilweise schadhaft gewordenen Einfriedungsmauer des Währinger Friedhofes. Der erforderliche Kostenbetrag von zirka 330 fl. wird bewilligt. Die Anträge der Friedhofsection über die Vergebung der Steinmetz- und Baumeisterarbeiten für die Herstellung von Grüften am Centralfriedhofe an die auf Grund des Ergebnisses der Offertverhandlung billigsten Offerenten werden genehmigt. Ueber Antrag der I. Sectiou rvird Herr Rabbiner Meyersohn in seiner Eigenschaft als Rabbinatsassessor definitiv bestellt. Herr Dr. Grünseld referirt über die Verleihung der Otto Cohn'schen Stiftung sür Realschüler entsprechend den Anträgen des Präsentanten und im Sinne des Beschlusses der II. Section an drei würdige Realschüler. Weiters wir zur Kenntnis gebracht, dass vier Petenten die bei der Verleihung trotz ihrer Würdigkeit nicht berücksichtigt werden konnten, von dem Stifter, Herrn Salo Cohn, je ein Gratiale von K. 50 und einem Petenten aus Gemeindemittelu eine Unterstützung von K. 50 gewährt wurden. Herr Dr. Steiner referirt über die Verleihung des Ignaz Blumenfeld'scheu Bildhauer-Stipendiums im Betrage von K. 1960. Ueber Antrag der H. Section wird die Verleihung des Stipendiums an den vom Juroren-Collegium, bestehend aus den Herren Professoren Hellmer, von Zumbusch und Kundmann, primo loco vorgeschlagenen Richard Hadl und weiters beschlossen, die von der Jury besonders belobten Petenten Eugen Klein, Fritz Hetlinger und Geza Salzmann dem Curatorium der Rothschildschen Künstler-Stiftung zu empfehlen. Die dmch das Ableben zweier Stipendisten der Dr. Adolf Sacks'scheit «Stiftung für Herz- und Aorta-Kranke frei gewordenen Zinsenerträgnisse pro 1900 werden über Antrag der III. Section (Referent Herr Dr. Steiner) an vier würdige Petenten verliehen. Weiters wird über Antrag der III. Section beschlossen, eine Abänderung des Stiftbriefes der Dr. Sacks'schen Stiftung für Herz- und Aorta-Kranke dahin zu erwirken, dass die ans Lebensdauer verliehenen Plätze, insolange die Stipendisten competent erscheinen, was alljährlich nachzuweisen wäre, nicht zur Ausschreibung gelangen. Nach Erledigung von Steuer-Angelegenheiten wird die Sitzung geschlossen. Wie«. Der vierte Zionisten-Congreß findet am 13. August in London ftattl Die „English Zionist Federation" hat die Vorbereitung des Congresses übernommen. Dieselbe trifft umfassende Anstalten zum würdigen Empfange der Delegierten. Auch wird den Delegierten und Gästen zu Ehren ein öffentlicher Gottesdienst in einer Londoner Synagoge abgehalten werden. Ferner wird die Veranstaltung von Ausflügen geplant, die einige Tage vor dem Congreffe unternommen werden sollen. Nach Schluss des Congresses will die Federation die Delegierten noch einmal bei einer Festtafel vereinigen. Wie«. (Eine j ü d i s ch - c o n f e s s i o n e l l e Realschule.) Die vom Vereine „Marpe Lanefesch" in Gemeinschaft mehrerer conservativer Vereine ausgearbeiteten Statuten wurden der k. k. Statthalterei zur Genehmigung eingereicht. Als Proponenten figuriren die Herren Rabbiner Dr. M. Jung, Wilhelm Morgenstern, Dr. Grünfeld und Dr. A. Reiß. Wie«. Das Professoren-Collegium der philosophischen Facultät der Wiener Universität hat in seiner Sitzung vom 13. d. M. den ordentlichen Professor und Vorsteher des orientalischen Instituts an dieser Universität, Dr. David Heinrich Müller, zum Decan für das nächste Wintersemester gewählt. Professor Müller, bekanntlich einer der bedeutendsten Arabisten und Semitisten der Gegenwart, ist einer der wenigen ordentlichen Professoren jüdischer Confession an der Wiener Universität. Er dotiert auch an der israelitischen theologischen Lehranstalt in Wien. Wie«. Unter den zahlreichen humanitären Vereinen Wiens nimmt der humanitäre Verein „Marpe' seines uneigennützigen menschenfreundlichen' 'Hjß'LApf i a KjtTciy eine hervorragende Stellung ein. Die Mitglieder und insbesondere der Vorstand dieses Vereines bringen alle erdenklichen Opfer an Geld, Zeit und Mühe, um den täglich so zahlreich an sie herantelenden Kranken und Reconvalescenten, sowie verschämten Armen nach bestem Können Hilfe zu gewähren. Leider reichen die vorhandenen Mittel bei Weitem nicht hin, um den stetig wachsenden Anforderungen Genüge zu leisten. Obwohl seitens der Behörde dem Vereine „Marpe Lanefesch" in Berücksichtigung seiner Verdienste auf humanitärem Gebiete die Bewilligung zur Vornahme von Sammlungen mit Büchsen ertheilt wurde, wird diese Begünstigung dadurch beeinträchtigt, dass Vereine auch ohne behördliche Bewilligung Sammlungen vornehmen lassen, deren Erträgnis keineswegs wohlthätigen Zwecken zugeführt wird. An unsere edlen Glaubensgenossen ergeht demnach die dringende Bitte, nur für den Fall eine Spende in die Büchse legen zu wollen, wenn die betreffenden Sammler mit einer behördlich ausgestellten Legitimation (vom Vereine allein genügt es nicht) sich auszuweisen im Stande sind und deren Sammelbüchse mit der Aufschrift „Marpe Lanefesch" versehen ist. Im Interesse der vielen nothleidenden Petenten, welche die Hilfe dieses wahrhaft humanen Vereines in Anspruch nahmen, wäre es wünschensiverth, dass demselben ein allseitiges Wohlwollen entgegengebracht werden möchte. Stamskau. Einige Vorsteher unserer jüdischen Gemeinde haben derselben einen Streich gespielt, der uns außer vielen vorhandenen, abermals einen Beweis liefert, dass die gefährlichsten Feinde des Volkes jüdische Antisemiten sind, und der unserer Gemeinde wahrscheinlich noch viel zu schaffen geben wird. Als nämlich bekannt wurde, dass am 1. Juni l. I. 118 rumänische Auswanderer in unserer Stadt eintreffen und bei uns die Feiertage zubringen würden, constituirte sich in aller Eile ein I 8 ] ii! g i K E ki gl ei , ei! fi! 1L «I I so | W 11t; ih de ii so de sei T «ii fo S Ui M ge