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Die Wahrheit · 1900-06-22 · Heft 22 (22.6.1900) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 22 (22.6.1900)
Date
1900-06-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 22. Die Wahrheit. Seite 5. Sr. May. als Obristen Herrn und Richter, dem gemaine Jüdischheit ohne Mitl zugehörig, gelangen zu lassen, ernstlich gebotten haben, auch wieder ihre der Juden Freiheiten und Altherkommen zum höchsten beschwert, gefangen, gemartet, vom Leben zum Todt bracht, und Ihnen Ihr haab und Güetter gewaltiglich genommen werden. Und Wür dann auß solcher päbstlicher Erklärung und Unseres Urahnherr Kayser Friedrich seel. ausgegangenen Befehls vilbericht empfangen, dass solches, so den Juden also zugem essen wirdt, notturft halber nicht sein muess, hiermnbeu auch aus anderen bewegenden Ursachen mehr, sezen und wollen nur dass hinsüro, was Stands der sey, kein Juden oder Jüdin derhalben fahren und ohne Fürgehende genuegsambe anzaig oder Beweisung glaubwürdiger Zeugen oder Befindung der That peinigen und martern, noch vom Leben zu Todt richten soll, sondern wo dergleichen Klag oder bezeug sürsiele dasselbe zuvor an uns oder Unsere Nachkommen Römische Kayser oder Könige als Gemainer Jüdischheit im Reich Obriste Obrigkeit gelangen lassen und daselbst Bescheid erwarten." Der Schirmbries Kaiser Karl V. ward vollinhaltlich vom Kaiser Friedrich III. ddo. Prag, den 23. Juli 1638 bestätigt. Wenn wir echte Juden, keine Kunstjuden waren. n. Wären wir echte Inden und hätten wir einen freien und unbefangenen Einblick in die hochaufgespeicherten Vorratskammern der Weisheit unseres Volkes, wir würden uns dort zur rechten Zeit Rath geholt haben, als noch die Hände Moses, des Königs der Wohlthäter, zu sehen waren. Damals hätten wir uns organisiren, um uns selbst und um diesen phänomenalen Mann, den edlen Philantrophen Baron H i r s ch, schaaren und nicht zulassen sollen, dass die zwölf Millionen die Mägen Weniger füllen, die Anderen aber am Hultgertuche nagen. „Lehre ist gut, vereint dem Wege der Welt." Der Weg der Welt ist aber der Gang urn’ä Örob. Hungernde..skinder chab^ii.zumeist ein blutarmes Gehirm ^Äütarine Gehirn kann wohl reiz- und erregbar letu^^^ym aber die Fähigkeit innewohnt, das Gelernte zurückznhalten, die Gedankenschätze zu sammeln und z»t ordnen, das ist eine andere Frage. Vielleicht rührt davon die Verworrenheit im Denken mancher Galizianer und der Mangel an Systematik, den man den galizischen Inden ‘ zum Vorwurf zu machen pflegt her. Wir können dieses Thema in dem Rahmen der heutigen Besprechung nicht eingehender behandeln und wenden uns dem zweiten Punkt der Gemeindelagsresolution zu, welcher für die Hebung der bestehenden und Gründung neuer Erwerbsquellen eintrat. Wie wunderbar schön klingelt diese Worte angesichts eines in banger Noth und Verzweiflultg starrenden Volkes! Was alles müsste aber zur Verwirklichung dieses Gedankens vorher geschehen? Unsere Handwerker befinden sich faktisch im Zustande eines Doppelboycotts. Vor Jahrzehnten noch hat die christliche Bevölkerung ein entente cordiale mit dem kleinen jüdischen Manne unterhalten und ihren Bedarf in vielen Fällen von jüdischen Gewerbsleuten bezogen, während die jüdischassimilatorische Partei den eigenen Handwerker, ja selbst den eigenen Handelsmann im Stiche ließ. Ein gleiches geschah selbst mit einem Theile der eigenen Intelligenz der Aerzte, der Advokaterl n. s. s. Einem aufgeklärten Juden, welcher sich stets als ein höheres Wesen, als ein Art Oberjud däuchte, schien es ein wahres Herzensbedürfnis, seinen Brüdern gegenüber den Mund voll von Untertveisungen, niemals aber voll Zuweisungen zu nehmen. Der Jude der Kleinarbeit überwand dieses frevelhafte Aussperren aus dem eigenen Hause so lafige, als ihm die fremden Häuser offen standen. Heute aber, da die Millionen Nichtjuden, die Assemiten, welche sich mehrten wie der Sand des Peltows und der Kehrricht der Kloaken, sich zurückziehen, bleiben die Rathschläge Phrase, nichts als Hilfsgeflunker, ein ' Paradewort, das keinen Einsichtigen täuschen kann. Sehen wir uns uun einmal die angegebenen Hilfsmittel an : a) Gediegene Ausbildung des Kaufmannes und des Handwerkers; V) Stipendien für die Lehrburschen; <r) Ackerbau in größerem Selbstbetriebe; ä) Darlehenskassen mit ganz geringem Zinsfuß; e) Unterstützung des Handelstandes, besonders der Hausindustrie. Gesetzt den Fall, die jüdischen Kanfleute und die Handwerker rekrutiren sich just aus den Handels- und Gewerbsakademieu, was dann? Wer kaust bei ihnen die semitische Waare? Der jüdische Antisemit nicht aus blöder Selbstverachtung und Hintansetzuug, der Assemit nicht aus einem ihm eingeimpsteu religiösen, uatiollalen und politischen Hasse und geleitet von dem entschulbbaren Motive, seine Connationalen zu ulllerstützen. Die Hausindustrie, welcher ich auch das Wort rede» möchte, kann in den einzelnen Familien den Werth eines Gegenmittels gegen Schmutz und Zersetzung besitzen und zur Hebung des Exterieurs der Hausgenossen beilragen, ivie dies v D. im ganzen Vororient und im Oriente anzutreffen ist. Die Landbevölkerung erzeugt sich ihre Sommer- und Winterbekleidnng mit eigener Hand, vom Hemde bis zum wasserdichten Winterrock und Mantel, am eigenen Webestuhle der emsachsteu vererbten An Genau so wie König Salomo es in seiner Hymne au die Heldensrau mtw in Israel rühmt, die mit fleißigen, kunstgeschickten Händen den Spinnrocken ergreift, Wolle und Flachs verlaltgt, die Kleidungsstücke bereitet und ihr Haus vor Schnee und Kälte schützt. Welch ein Gewinn wäre es für die Nachkommen jener jernsalemischen Heldensrauen, wenn sie als Mädchen schon ihre Finger übten, die Webespindel zu ergreifen, statt aus die Saiten des Claviers loszudreschen? Welches Hochgefühl ergreift die Serben, die Bulgaren, die spaniolischen Juden oder die Türken, wenn sie;. B. ihr Paradebetl für Gäste, Mussafiri, als ein wahrhaftiges Ausstellungsobjekt in ihrer kleinen, sauberen Kammer dem Gaste anbieten können? Die Leinen von blendender Weiße und kunstvoller aber doch cinsucyer Weonri srssr-t^ w Augen jeoes Europäers, der Damen wie der Männer. Zu alldem erweist sich ihre Hausarbeit als äußerst dauerhaft und wetterfest. Erbstücke von Urgroßmüttern an Kleidungs- und Bettstücken finden sich ziemlich oft in ihren Häusern vor. Welchen großen Dienst würde die Hausindustrie, in jüdischen Häusern wieder eingesührt, erweisen gegen Schmutz des Körpers, gegen die durch seine auffallende Zerlumptheit hervorgerusene Verächtlichkeit des galizischen Juden, und um wie viel Gesundheilseinheiten würde unser armes galizisch-jüdisches Volk bereichert werden, so dieses uralte, unschätzbare Instrument Eingang fände in unsere Zelten. Unsere Mädchen würden dann weniger Zeit dem Tande, der Gassen- und Straßenstreicherei, und was alles Schlimmes durch den Müssiggaug Hervorgei useu wird, widmen und sie würden sich vielleicht auch seltener unüberlegten Liebeleien hiugeben, die oft zu bitteren Enttäuschungen führen. Dieses allein erkennen wir als ein Heilmittel gegen das jüdische Elend in gewiffen breiten Schichten unseres Volkes. Das kleine, billige Geräth kann Großes und Kostbares leisten uud der christliche» Umgebung Achtung abgewinnen. Der Gemeindetag hätte mit diesem biblischen Gerälhe, welches das Augenmerk des größten und weisesten jüdischen Königs vor über zweieinhalb tausend Jahren aus sich zog. Die siegreichste Waffe zur Bekämpfung des häuslichen Elends geschaffen, die Romanlitterarur der alleinseeligmachenden Polen wird unsere Mädchen stets nach abwärts, in den Pfuhl deS Elends und geistigen Niederung und aus der bescheidenen Hütte Jakobs führen, der Spinnrocken hält^alle weiblichen Familienglieder zur Arbeit und zu unschuldiger Geselligkeit an. Neben der häuslichen Industrie halten wir auch den Ackerbau als in jeder Beziehung heilbringend für unser im Getho so herabgekommeues Volk, wie wir dies schon vor 27 Jahren im Lemberger „Israelit" befürwortet haben. Allein die 2 Decenuien gehäuften Haffes und das nicht minder zähe Festhalten an dem

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