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Die Wahrheit · 1900-06-08 · Heft 20 (8.6.1900) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 20 (8.6.1900)
Date
1900-06-08
Page
– (sequence 10)
Language
German
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€iite 10. Die Mahrhoi! Nr. 20. nossenschaften innerhalb solcher Gemeinden hingcwiesen. Es ist interessant zu beobachten, wie viele Aehnlichkeit dieser Nosenrhal'sche Plan, welcher ans persönlichen practischen Ersah» ungen sich ausbaut, aufweist mit der Idee, die seit Jahren von Dr. Franz Oppenheimer in Werken und Brochüren vertreten tvird und die demnächst aus einem Gute in der Nähe von Berlin verwirklicht werden soll. Es entspann sich im Anschluss an diese Aussührungen eine überaus lebhafte Discussiou, an welcher sich Oberamtmauu C o h n, W e r u e r -Posen, Dr. Franz Oppenheimer, Professor P h i l i p p s o n, Gustav Tuch -Hamburg, Eugen R o s e n st i e l, Consul Simon-Hannover, Rittergutsbesitzer Dr. Papilsky Redacteur Klausner, Alfons L e v y, Generalsecretär des Centralvereines deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens u. a. m. betheiligten. Gegen die Ansicht, welche vereinzelt vertreten wurde, dass durch derartige geschlossene Siedlungen der Antisemitismus noch verstärkt werden würde, wurde mit grostcm Nachdruck namentlich voll Dr. Franz Oppenheimer und Gustav Tuch daraus hingewiesen, dass im Gegentheil nur der genossenschaftliche Zusammenschluss, wie er in einer solchen Gemeinde möglich in, den Inden thatsächlich wirthschaftliche Selbstständigkeit, sociale Kräftigung gegenüber dem Antisemitismus verleihen könne, der einzeln angesiedelte Jude hingegen sei von vornherein dem Untergang geweiht, die Gemeinde böte allen Stürmen Trotz. Es wurde beschlossen, den Rosenthal'schen Vortrag dem Druck zu übergeben, um als Agitationsschrift Verwendung zu stnden. Der Vorstand, der in seiner bisherigen Zusammensetzung wiedergewählt wurde, und zu dem Dr. Oppenheimer hinzutrat, wurde damit beauftragt, einen genauen Plan für lie im kommenden Herbst anfzunehmellde Propaganda auszuarbeiten und einer neuen Generalversammlung vorzuleaen. Verschiedene Nachrichten. Wie». (Jüdisches Musen m.) Unter Führung des Religionslehrers Salomon Glück besuchten am ö. d. mehr als 60 Schülerinnen, hievon zahlreiche mit ihren Angehörigen, die reichhaltigen Sammlungen, welche I aus die jungen Damen tiefen Eindruck machten. Die einzelnen Objecte j erregten das lebhafteste Interesse, das sich speciell in der hellcrleuchten I „Sabbatbstube" außerordentlich documentirte. Der Präsident der „Ge-! sellschaft für Sammlung und Conservirung von Kunst- und historischen j Denkmälern des Judenthums", Herr Baurath Stiaßny, machte die Honneurs und erklärte einige der wichtigsten Objecte. Nach mehr als zweistündiger, eingehender Besichtigung, während welcher Herr Religionslehrer Glück die Gegenstände den wissensdurstigen Mädchen erklärte, verließen diese die Räume des Museums mit dem Wunsche, noch öfters die Sammlungen, die so viel des Interessanten bieten, besichtigen zu können. Die Sammlungen des jüdischen Museums, Wien, I., Rathhausstraße 13, bleiben für den allgemeinen Besuch während der Sommermonate geschlossen, können jedoch von Vereinen, Corporationen, sowie größeren Gesellschaften jederzeit gegen tagsvorherige Anmeldung besichtigt werden. Wien. Das Bethaus-Local der Wiener Dienstmänner wurde vorigen Donnerstag, Abend, in der Kleine Schiffgasse 8 feierlichst eingcweiht und erhielt den schönen Namen apa tripa. Es ist in der That recht klein aber gleichwol sehr würdig eingerichtet und wurde zumeist von den eigenen Mitteln der Vereinsmitglieder hergestellt. Zur Feier erschienen Vertreter des Vereines „Beth-Jsrael", „Montefiore" und anderer Corporationen. Nach dem Mincha-Gebete trug Obercantor Schorr mit seinen Meschorerim das Matowu, Psalm 30 und andere Einweihungspsalmen in sehr wirkungsvoller Weise vor. Darauf folgte die Festrede des Herrn Rabbiner Dr. Bach, der es verstand, entsprechend seinem Zuhörerkreise populär und trotzdem gedankenreich zu sprechen. Er wies darauf hin, wie sich aus rraj des Krankenvereines die Realisirung des Gebotes der entfaltete, der auch das Gebot der min bald folgen möge. Mit Absingung der Volkshymne und dem Maariw-Gebete schloss die würdige Feier. Wie». Dem kürzlich eröffneten Betlocale des Vereines „Montesiore" in der Taborstraße 38 fehlte es an der erforderlichen Zahl der Seser Thora und diesem Umstande Rechnung tragend, entbrannte ein - edler Wetteifer unter den jüdisch fühlenden Frauen, die sich ja bekanntlich auch beim Baue der Stiftshütte hervorragend betheiligten. So war! es auch hier der Fall, und namentlich bewährten sich Frau E. Weiß und- I Frau Kepler. Dem Wochenfeste entsprechend, fand die Einweihung anr | Montag bei großer Betheiligung stat und hielt Herr Dr. M. Roscnfeld j die Festrede. Die liturgische Function versah Cantor Groß. I Uudapest. Verflossenen Monat Elul constituirten sich die israelitischen Bewohner des 5. und 6, Bezirkes in Budapest zu einem „B et- I Haus-Verein und weil es ihnen zu entlegen ist, den großen Tempel zu I besuchen, gründeten sie in der äußern Waitznerstraße 23 ein Bethaus, j welches seiner Zeit feierlichst eingeweiht wurde. Der Vorstand der Groß-! gemeinde wählte einen Vorstand, und zwar aus den Herren: Dr. Leop. I Decsi, Franz Fisch, Simon Krakauer, die Herren Herm. Henz und Jos. j Engel zu Tempel-Curatoren, Herrn Stahl B. als Oekonomist und Herrn >S. Krauß als Cassier. Herr Religionsprofessor S. Horowitz übernahm I das Secteriat. Die genannten Herren Functionäre übten das ihnen an- I vertraute Amt mit solcher Hingebung aus, dass diese noch junge Jnsti- I tution rasch emporblühte und vielen Gemeinden als Musterbild diene, j kann. Selbst die Frauen dieser edelgesinnten Männer nahmen regen I Antheil an der heiligen Sache und veranstalteten eine Sammlung unter; den Frauen der Vereinsmitglieder, behufs Anschaffung eines prachtvollen I Thora-Vorhanges. Herr Henz und sein gleichgesinnter Berussgenoffe, i Herr Engel, gedachten gleichfalls ihren Mitgliedern einen angenehmen n'ynv zu bereiten, und machten es sich zur Ausgabe, für diesen 21a dt»' eine sehr schön geschriebenes mm isv nebst trnp •’Sa dem Tempel zu übergeben, was durch Spenden der Mitglieder ermöglicht wurde. Um! das Fest der Uebergabe würdig und feierlichst zu gestalten, wandten sich I die Herreiz Tempelvorsteher an die Großgemeinde uno baten um Entsendung eines Cuntors vom großen Tempel. Ihre Bitte wurde ihnen bereitwilligst gewährt, indem Obercantor-Stellvertreter Bela Guttmann am ersten Tag Schewuoth zur Ausübung dieser Function entsandt wurde, die er auch in ausgezeichneter Weise vornahm. Die Festrede hielt Herr Rabbiner Dr. Friedlieber. Dem Thora-Fonde wurden namhafte Spenden gemacht. Osterode a. Karz. Ein wackerer Cultusbeamter, der durch seine vortrefflichen Uebersetzungsbücher und durch die Herausgabe der Tableaux hervorragender Rabbiner und Cantoren auch in weiteren Collegenkreifen bekannt war, ist am 17. Mai zu Grabe getragen worden. Es ist der Lehrer und Cantor I. Wiese n. Seinen Sarg umstanden trauernd mit seiner Gattin und seinen Kindern auch der Landrabbiner Dr. Lewinsky- Hildesheim, die Collegen aus Moringen, Einbeck, Bovenden, Dransfeld und Duderstadt, die Schüler und zahlreiche Ortsansässige. An der Stätte seiner Wirksamkeit, im Gotteshause, woselbst der Sarg aufgebahrt wurde r fand die Trauerfeier statt. Herr Dr. Lewinsky widmete ihm einen von I Wehmuth getragenen Abschiedsgruß im Namen der Gemeinde, seiner j Schüler, Collegen, wie auch seinerseits. In beredten Worten schilderte! er ihn als strebsamen Collegen, treuen Berather, echten Juden. Es waren I Worte, die jeden Lehrer mit heiligem Eifer erfüllen, mit glühender Bej geisterung für den schweren, aber hehren Beruf. Am Grabe widmete der! Sohn des Verstorbenen, welcher Rabbiner in Laibach ist, seinem theuren j Vater den Dank Namens der Mutter und Kinder für sein rastloses I Streben, seine treue Fürsorge, seine hingebungsvolle Liebe. Mit einem j Gebete für die Seele des Dahingeschiedenen, schloss Dr. Lewinsky die I Trauerandacht n"2san.! tzökn. Einer der bekanntesten jüdischen Pädagogen Deutschlands,! der Lehrer L. Cohen in Rees (Rheinpreußen), zugleich einer der bestenj Kenner des jüdischen Kalenders, feierte am 26. Mai seinen 70. Geburtsi tag. Am l. August wird er sein 50jähriges Lehrerjubiläum begehen, j 26 Jahre wirkt er bereits in Rees. — i „Israelitische Allianz zu 'Wien.“ | Der Verein bezweckt: 1. Die Volkserziehung bei den Israeliten' durch Errichtung oder Unterstützung von Schulen und durch anderegeeignete Mittel zu fördern; 2. Israeliten, wo sie ihres Glaubens, wegen zu leiden haben, eine wirksame Stütze zu bieten. Durch Leistung eines Jahresbeitrages von mindestens drei Gulden ö. W. wird man ordentliches, durch einmalige Zahlung von. hundert fl. ö. W. lebenslängliches Mitglied des Vereines. Anmeldungen zu Beitritt werden erbeten unter der Adresse: „Israelitische Allianz zu Wien“ I., Weihburggasse 10, I. Stock.

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