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Die Wahrheit · 1900-06-01 · Heft 19 (1.6.1900) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 19 (1.6.1900)
Date
1900-06-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 19. Die Wahrheit. Seite 7. in Hand gieng hiemit die Einführung einer 5 fl.-Steuer für jene Gemeindemitglieder, welche sich zur Zahlung einer solchen freiwillig bereit erklären, weswegen auch diese Steuerzahler nicht exequirt werden können; weiters sollen die Vertrauensmänner in die Stenereinschätzungs'Commissionen nicht blos vom Vorstande ernannt, sondern zur Hälfte (100) von den Mitgliedern bezirksweise gewählt und aus denselben Bezilks-Commissionen gebildet werden, welche Angelegenheiten ihres Bezirkes zu berathen und Anträge an den Vorstand zu stellen haben. Die oft laut gewordenen Beschwerden, dass Angelegenheiten lange Zeit unerledigt bleiben, haben eingreifende Aenderungeu in der Verwaltung beding!. Die gegenwärtige Administration sei aus den Sectionen ausgebaut, welche, wenn schon Alles klappt, eine höchst comcplicirte und schwerfällige Geschäftsführung bedingen. Nach Wegfall der Sectionen soll das Gros der lausenden Agenden vom Secretariate erledigt werden. Nach Ausscheidung der rein administrativen Geschäfte kommt der Nest in das Ver- Iretercollegium oder den Cnltusvorstand. Die Agenden des letzteren .werden im Statut taxativ angeführt. Alles übrige besorgt das Vertrelercolleginm, welches wichtige Angelegenheiten an den Culrnsvorstand leitet. Der Referent schließt mit der Bitte, der Vorstand möge eventuell austanchende Bedenken, wenn sie auch begründet sind, lahren lassen und der Aenderung zustimmen, da es mit Ler Sectionswirthschast nicht mehr weiter gehe. Bice-Präsideut Dr. Stern erklärt sich gegen die Statutenänderung. Die Ertheilung des Plnralitätswahlrechtes an die Höherbesteuerten halte er für einen höchst reactionären Schritt, freiwillige Steuerleistungen für große Gemeinden nicht angezeigt, und die Wahl der Steuer-Einschätzungs-Commissionen für geehrlich. Die Vereinfachung der Administration könne auch mit dem alten Statut herbeigeführt.werden, wenn gegenseitige Coulance geübt wird. Redner hält zudem die Zeit nicht für opportun, an die gegenwärtige Regierung mit einer Statutenänderung heran zutreten und beantragt deren Vertagung. Schuldirector S i m o n acceplirt sämmtliche Aenderungeu, begreift aber nicht die Auflassung der Sectionen, die eine ausgezeichnete Schule für' neueintretende Vorstandsmitglieder sei. Die Verschleppung der Agenden liege nicht an den Sectionen, sondern am Plenum. Regierungsrath Dr. Sieger sieht im Widerspruche mit Dr. Stern in den beantragten Aenderungeu ein praktisches Bedürfnis und stimmt denselben mit um so größeren Beruhigung zu, als der Präsident der Cultusgemeinde so warm für dieselben eintritt. Dr G r ü n s e l d sieht einen Widerspruch in der Vermehrung der Vorstandsmitglieder und der gleichzeitigen Auflösung der Sectionen. Ritter v. G o l d s ch m i d t erklärt sich gegen den Vertagnngsantrag, aber ebenso auch gegen die Aenderung. Er findet keine Nothwendigkeit für die Einführung von Wahlkörpern, da die Höchstbesteuerten auch ohne dieselben gewählt werden können und mit denselben ebenfalls nicht in den Vorstand eintreten werden. Die Aufhebung der Sectionen werde ähnliche Zustände herbeiführen, wie im Wiener Gemeinderathe, wo man kur; nach Einführung des Sladtrathes zur Ueberzeugung gelangte, dass die Administration durch denselben nichts gewonnen habe. Uebrigens werde er gerne für die Aushebung der Commissionen stimmen, wenn vorher eine Organisation des Secretariates vorgenommeu wird. Die 5 fl. ohne Beschränkung fände seine Zustimmung, aber eine sacultative erscheine ihm als Heiterkeitseffect. Dr. Spitzer freut sich., dass von dem Drei-Wahlkörper. System abgegangen wurde. Für die Beibehaltung deo-Seclionen werde er nur dann eintreten, wenn sie zur selbstständigen Erledigung der ihnen zugewiesenen Agenden ermächtigt werden. Die 5 fl.-Steuer in der gewählten Form billigt er nicht, hingegen begrüßt er es mit Freuden, dass durch Einführung von Bezirkscollegien so viele Gemeindemitglieder zur Theilnahme an den rGemeindeangelegenheiten werden herangezogen werden. Dr. Stein sieht in den dem Höchstbesteuerten gewährten Plnralitätswahlrecht keine Concefsion, sondern die Erfüllung einer Forderung der Gerechtigkeit gegenüber jenen Schichten der Gemeindemitglieder, welche einen großen Theil der Steuer leisten. Kais. Rath P o l l a k wünscht, dais die Vertretung der Vororte im Ltature kräftigeren Ausdruck finde. Vorsteher Rosner nimmt die früheren 5 fl.-Steuermänner der Vororte gegen eine abfällige Bemerkung eines Vorredners in Schutz. Nach Schluss der Generaldebatte 'wird der Vertagungsantrag mit allen gegen eine Stimme abgelehnt und hieraus das Eingehen in die Specialdebatte beschlossen. Der Präsident schließt die Sitzung um halb 2 Uhr Nachmittag und beraumt die nächste Sitzung für Mittwoch, den 30. Mai, 5 Uhr Abends, an. In dieser Sitzung wurde nach einem eingehenden Referate des Herrn Tr. Spitzer die Wiedereinführung des .Hoch Schmone Eßre" beim Mussaphgebete au Sabbath und ^Feiertagen beschlossen und hieraus in die Specialdebatie über die Statutenänderungen eingegangen. Wien. (Z iir Cantorensrag e.) Wir erhalten von uns bekannter Seite folgende Zuschrift: ..Löbliche Redactiou! Es verlautet, das die Bethaussectiou des Cultusvorstandes in der jüngst bezüglich der Besetzung am Leopoldstädter Tempel abgehaltenen.Sitzung den Beschluss gefasst hat, dem Plenum die Anstellung ziveier Eantoren zu empfehlen. Da wir allen Caudidateu unparteiisch gegeuüberstehen und uns die in Betracht kommenden Personen gleichgültig sind, wollen wir die Namen auch nicht nennen; aber die Frage drängt sich uns und vielen Gemeindeinitgliedern mit Recht aus, woher denn aus einmal das Bedürfnis na h zwei Eantoren entstanden ist. Es scheint denn doch die Zusage des Präsidenten der Cultusgemeinde, dass in dieser Frage weder Protection noch Agitation ausschlaggebend sein werde, sich nicht vollauf zu erfüllen, oder hat die Cultusgemeinde soviel Uebersluß an Mitteln, dass sie sich den Luxus gestatten kann, für eventuell später eintretende Bedürsniße einen Cantor „ans Lager" zu halten? Sie würden, geehrter Herr Redakteur, gewiss den Interessen der Gemeinde dienen., wenn Sie die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit aus diesen merkivürdigen Beschluss lenken wollten. Ein Leopoldstädter. (Der Beschluss der Secrion ist uns, da er geheim gehalten I wird, nicht bekannt, jedoch können wir kaum annehmen, dass der; Vorstand ohne jede Ursache zwei Eantoren anstellen wird, zumal doch! nur einer gesucht wird. Die Red.) Wien Mittwoch, den 6. Juni, Nachmittags 5 Uhr, findet; in öffentlicher Sitzung des Cultusvorstandes die Fortsetzung der! Specialberathung über die Statutenänderung statt.! Wien. Am 1. Tage Schewuoth findet im Tempel 9. Bez.,! Müllnergasse in Verbindung mit dem Hauptgottesdienste gleich-! zeitig auch die Mädchen-Confirmalion statt. Wien. Am 3 und 4. Juni d. I. findet in Rosuer's! Festsaal, II., Praterstraße 11 der II. Derdandslag der jüdischen > Handlungsgehilfen Oesterreichs statt und wurde für denselben! folgende Tagesordnung festgesetzt: 1. Begrüßung, Wahl des j Bureaus. 2. Rechenschaftsbericht. 3. „Die Lage des jüdischen! Proletariates", Res. Salomon Rubinstein, Brünn. 4. „Die : Lage der jüdischen Handelsangestellten", Res. Rab. Schwab, Wien. Correfenteu: 1.) Leo Koffler, Lemberg, „Die Lage der . galizischeu Handelsangestellten." 2.) Leo Obernik, Prag, „Die i Lage der böhmischen Handelsangeftellten." 5. „Unsere Stellung im Zionismus," Res. Egon Lederer, Wien. 6. Programm, Res. Max Hickl. Brünn. 7. „Bildung und Bildungsverein," Res. Bernhard Tag, Wien. 8. „Organisation und Agitation," Res. Alfred Weißberger, Wien. 9. Parteipresse. 10. Stellenvermittlung. 11. Wahl der Verbandsexecutive. 12. Eventualia. Alle Diejenigen, welche Gastkarten für diesen Verbandstag wünschen, werden ersucht, sich an Egon Lederer, Wien, I., Wippliugerstraße 12 zu wenden.

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