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Die Wahrheit · 1900-05-25 · Heft 18 (25.5.1900) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 18 (25.5.1900)
Date
1900-05-25
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Hesterr.- Ungar. Hantoren-Ieitung. Nr. 18. Meiläge zur Zeitschrift „Zie Wahrheit." 20. Iahrg. Wir ersuchen die Gönner und Freunde i unseres Blattes, in allen öffentlichen Localen hier und in der Provinz „Die Wahrheit" zu j verlangen. Kie Fledactiorr. I. Lach mann. Wiederum hat der Tod der Besten Einen unseren Reihen j entrissen, wiederum beklagen wir den Verlust eines der wür-! digsten, ausgezeichnetsten Vertreter unseres Standes. Cantor I.! Lachmann ans Hürben erlag einem tückischen Leiden, das! ihn schon vor einigen Zähren heimgesucht, von dem er jedoch I in letzter Zeit völlig wiederhergestellt schien. Um so erschüttern- I der wirkte die Trauerbotschaft von dem so jäh erfolgten Ableben! -unseres unvergesslichen Collegen und Freundes. Dienstag den! 15. Mai schloss er die Augen zum ewigen Schlummer, um aus- I Unruhen von einem arbeitsreichen Leben, das er dem Dienste > des Herrn geweiht hatte.! Wohl würde er nach Maßgabe seiner cantoralen Fähig-! leiten, seiner hervorragenden Kenntnisse aus dem Gebiete! hebräischer und talmudischer Wissenschaften, seines allgemeinen j Bildungsgrades, die Zierde einer jeden Großgemeinde gewesen! sein — das Schicksal aber hat es anders gewollt. Seine Lehrj und Wanderjahre absolvirte Lachmann als Meschorer bei dem! berühmten Odessaer Obercantor Osias Abraß, genannt Pitsche,! rnit welchem er auch ausgedehnte Knnstreisen unternahm. Er! amtirte daraus als Cantor 3 Jahre in Behrent, 3 Jahre in! Stolp, 5 Jahre in Lauenburg, und ließ sich endlich, des; Wanderlebens müde, in dem herrlich gelegenen bayrischen Städtchen i Hürben nieder, wo er während'''einer 27jährigen segensi eichen Wirksamkeit durch seine musterhafte Amtsführung, durch die I Biederkeit seines Charakters die unbegrenzte Liebe und Werthj schätzung seiner Gemeinde sich zu erwerben wusste. Hier ließ er es sich nicht genug sein an einer getreulichen! Erfüllung der ihm obliegenden Pflichten, er steckte vielmehr die j Grenzen für das Feld seines nimmer rastenden Thätigkeits-! dranges viel lveiter ab. Offenen Sinnes, empfänglichen Gemüthes j hatte er in den verschiedenen Ländern die verschiedenen syna-; gogalen Weisen in sich ausgenommen und unterstützt von musikalischen Kenntnissen und ästhetischem Geschmack in Noten! zu fixiren gesucht. So entstand zunächst ein stattlicher Band von! Synagogen - Gcsängen, umfassend die Rezitationsweisen des I ganzen Jahres nach polnischem Ritus. In Hürben, einer uralten j süddeutschen Gemeinde, lernte er das süddeutsche Chasonus; gründlich kennen und legte die Ergebnisse seines unermüdlichen Sammelfleißes ebenfalls in einem umfangreichen Werke nieder, dessen erster Theil unter dem Titel „Awodas Jisroel“, der israelitische Vorbeterdienst, traditionelle Synagogen-Gesänge des süddeutschen Ritus, Wochentags-Gottesdienst" vor noch nicht Jahresfrist im Druck erschienen ist. Mit lebhafter Freude rvurde diese Veröffentlichung von der gerecht und objectiv urtheilenden Kritik begrüßt und mit Nachdruch dem Wunsche Ausdruck verliehen, der Autor möge zu Nutz und Frommen der Cantoreu,! sowie der musikhistorischen Wissenschaft die anderen Theile recht! bald folgen lassen. Die Erfüllung dieses Wunsches sollte dem theuren Verblichenen nicht mehr beschieden sein. Verstummt ist der sangeskundige Mund, kraftlos herabgesunken der Arm, der so meisterhaft die Feder zu führen gewusst hat. Wo findet sich ein Mäcen, der bereit wäre, „die ebenfalls der Erlösung entgegenharrenden Brüder, die Theile für den Sabbath-, Feiertags-, Neujahrs- und Velsöhnungstags-Gottesdienst" aus der Gefangenschaft des Schreibpnltes zum Segen der Gemeinden in die allen Interessenten zugängliche Freiheit zu führen? Litterarisch bethätigte sich der Heimgegangene ebenfalls;u wiederholten Malen in unseren Fachblältern, dem „Jüdischen Cantor" und der „Oesterr.-ungarischen Cantoreu-Zeitung." Auch diese Arbeiten tragen den Stempel eines vornehmen Chraclers, der selbst in der Polemik stets sachlich und besonnen bteibt und sich nicht zu verletzenden, kränkenden Aeußernngen Hinreißen lässt. Ausgestattet mit vorzüglichen Eigenschaften des Herzens war Lach mann seiner Familie ein stets liebevoller Gatte, ein zärtlicher Vater, war er seinen Amtsgenossen ein liebenswürdiger, stets hilfsbereiter College, dessen Andenken sortleben, dessen Erdenwallen vorbildlich wirken wird bei allen denen, die ihm im Leben nahestanden. Nicht würdiger, treffender könnte ich diesen Nachruf schließen, als mit den Worten, welche unser allverehrter College, Herr Obercantor Singer, dem Dahingeschiedenen anlässlich seines 25jährigen Dienstjnbilänms in den Spalten dieser Zeitung am 1. Mai 1898 gewidmet hat: ..Ein ganzer Mann in des Wortes edelster Bedeutung, ausgerüstet mit gediegenem musikalischem, hebräischem^ und allgemein litterarischem Wissen, so erscheint College I. Lach in a n n inmitten der jüdischen Cantoren der Gegenwart. Seine mannigfachen öffentlichen Kundgebungen, den alten und modernen Synagogengesang betreffend, gehören in die Kategorie der ausgezeichnetsten Leistungen ans diesem Gebiete und bekunden gleichzeitig eine überaus reise fachmännische Gesinnung, die sich keineswegs durch sogenannte Autoritätskundgebungen einschüchtern lässt, sondern ebeitso zielbewusst und streng als leidenschaftslos und schonend die eigene Meinung kund gibt." M ü n ch e n, 20. Mai 1900. E. Kirchner. Ein Mären der jüdische» Tempelmuftk. Einer Einladung von werther Frenndesseite Folge leistend, fuhr ich kürzlich nach dem nahen Münchengrätz, um einer Probe des jüdischen Chorvereines beizuwohnen. Diese alterthümliche Stadt mit einem Schloße und Parke des Grafen Waldstein, bekannt durch ein blutiges Gefecht in dem Jahre 1866 und noch bekannter durch sein in der Herrschaftsbrauerei „Kloster" gebrautes gutes Bier, hat eine alte Jsraelitengemeinde, aus deren Schoß der berühmte Dichter Leopold Kompert hervorgegangen ist. Münchengrätz besitzt unter seinen jüdischen Bürgern auch Männer, die mit vieler Liebe am jüdischen Synagogengesange hängen, der seit jeher sich dort einer großen Pflege erfreute. Ein solcher Mann, der aus jegliche Weise die Erhaltung eines geregelten Chorgottesdienstes fördert, ist einer der Chefs der renommirten Schuhwaarenfabrik, Herr- Franz Kompert. Der Name Franz Kompert ist mit dem Münchengrätzer Chor seit Decennien eng verwachsen, und all sein Trachten und Sinnen ist nur darauf gerichtet, das Beste zu finden, das Exquisiteste aus der Litteraiur synagogaler Gesangswerke seinen Zuhörern und auch seinen Sängern, die wie Kinder zu ihrem Vater emporschauen, zu bieten. Erfolgt die Aufnahme eines Cantors, der natürlich Rabbiner und Lehrer zugleich sein muß, so wird es Herrn Kompert gewiss darum;a lhun sein, eine tüchtige Kraft zu erwerben, und sollte er deshalb weite Reisen unternehmen müssen, gleich einem Impresario, der eine Jagd nach Stars unternimmt. Dabei verbindet ihn seit Jahren eine

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