Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1900-05-18 · Heft 17 (18.5.1900) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 17 (18.5.1900)
Date
1900-05-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3062972-3063013-3063030--00782-3067315
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seile 8. Die Wahrheit. Nr. 17. Oesterreich und besonders aus die Verhältnisse der Juden in unserem Lande einwirken muss. Herr Dr. Herzl wünscht vom Vorstande zu hören, ob er sich mit der rumänischen Judeusrage beschäftigt habe in der Absicht, eine umfassende Hilfsaktion einzuleiten, und zwar erwartet Redner Vorschläge ernsten Characters, wie sie dem Ernst der Lage angemessen sind. Dr. Bloch begrüßt die Anregungen des Vorredners sund hält diese Krage um so ernster, als auch Ungarn seine Grenzen verschlossen habe. Schließlich beantragt er, es möchte der Präsident der Allianz vermöge seiner einflussreichen Verbindungen aus die europäischen Finanzinstitute einwirken, dass sie der rumänischen Regierung vor Regelung der Judensrage im Sinne des Berliner Vertrages jede Anleihe verweigern. Herr Sigmund Meyer bedauert die im heurigen Berichtjahre unterbliebene Unterstützung der Rechtschutz- und Abwehraclion der „öfterr. israel. Union," die ja eigentlich Ausgabe der Allianz wäre und darum auch von ihr gesördert werden sollte. Redner kömmt auch aus den Zionismus zu sprechen, und feine absälligen Aeußerungen über denselben erregen den lebhaftesten Protest der anwesenden Zionisten. Herr Salo Cohn berichtet über seine Palästina-Reise, namentlich über die Ackerbau- und Handwerkerschulen der Pariser „Allianz." Hieraus wendet er sich zum Zionismus, dem er die Schuld an dem von der Türkei erlassenen Einwanderungsverbot beimisst. Im Allgemeinen hält der Redner nicht viel von den Aussichten Palästinas für die Zukunst, da das Land in seinem größeren Theile zu unsruchrbar und dann auch gar zu abseits vom Verkehr läge. Hingegen hält der Redner die Ausiedlungen in Kleinasien, die sich auch der Förderung des Sultans erfreuen, für viel vortheilhaster. Dr. Herzl ergriff abermals das Wort und versuchte die gegen den Zionismus erhobenen Auschuldigungeu zu widerlegen und das bezüglich Palästina Gesagte unter Bezugnahme aus ihm vorliegendem autoritativen Aeußerungen richtig zu stellen. Er wurde darin in wirksamer Weise von einem späteren Redner, Herrn Schriftsteller 2) o r k-S t e i n e r, unterstützt. Letzterer bemängelte das ganze System der Wohlthätigkeits Actionen in den Vereinen. Es sprachen noch die Herren Dr. Zins, Wilh. Pappenheim, Beer, Redacteur Fleischer, Deiches. Rach einer Erwiderung des Vorsitzenden, dem sich der Vicepräses Herr Dr. Alfred Stern anschloss, indem er ersuchte, die gestellten Anträge als nicht opportun zurückzuziehen, wurde durch den Präsidenten die Zusicherung gegeben, der Vorstand werde die Sachlage einer crnsten Prüfung unterziehen und im gegebenen Momente eine Actiou für die rumänischen Juden einleiten. Hieraus wurden die ansscheidenden Vorstandsmitglieder per Acclamation wiedergewählt, und zwar: in den Vorstand <mit 4jähr. Functionsdauer) die Herrerr: Theodor Cohn, Adolf Klein, Dr. A. Schmiedl, Rabbiner und Prediger, Fritz Singer, Sigm. Taußig, k. k. Oberbaurath, in den Beiralh (mit Zjähr. Fuuctionsbauer) die Herren: Jacob Brandeis, Max Ritter v. Gutmanu, S. Ritter v. Hahn, Moritz Edler v. Kuffner, Maximilian Paul-Schiff, Mor. Pollak Ritter v. Borkenau, Dr. Arnold Rapaport Edler v. Porada, Dr. Arnold Rosenbacher in Prag, Philipp Thorfch, Moriz Hirsch, Moriz Lazarus, Direktor in Lemberg, Moriz Karpeles, Sigmund Trebitsch, S. Eiseuberger. Wien. (Verein zur Unterstützung israel. Handwerker u u d K l e i n g e w e r b et r e i b e n d e r). Donnerstag, den 10. Mai d. I. fand im Sitzungssaale der israel. Cultusgemeinde die XI. ordentliche Generalversammlung des Vereines zur Unterstützung israel. Handwerker und Kleingewerbetreibender statt. Der Vereinspräsident Baurath S t i a ß n y begrüßte die zahlreich erschienenen Mitglieder und Gäste und theilte mit, dass dem Vereine im abgelansenen Geschäftsjahre namhafte Spenden zugesallen seien, und zwar aus dem Nachlasse nach Herrn Felix Epstein K. 800 und aus dem nach Herrn Ignatz- Ritter^ von Ephrussi K. 2000; beide Herren erscheinen hiemit als Stifter des Vereines. Nach einem Ueberblick der Vereinsthätigkeit im letzten Jahre konnte der Vorsitzende mit Genugthuu: g constatieren, dass der Verein, der leider noch immer über kärgliche Mittel verfügt, während seines 11jährigen Bestandes nicht weniger als 445 Darlehen in der Gesammthöhr von K. 69750 bewilligt hat. Mit einem warmen Appell an die Versammlung, die humanen Zwecke des Vereines auch weiterhin fördern und demselben neue Gönner zuführen zu wollen, schloss der Präsident seine Ausführungen, wobei er noch der Unterstützung des Vereines durch die Wiener Presse rühmend gedachte. Hieraus hielt Herr kaiserl. Rath L i ch t e n st a d t einen sehr interessanten Vortrag über die jüdische Armenpflege i n L o n d o nr welcher bei aller Anerkennung, die der Armenpflege unserer Gemeinde gezollt wurde, auf eine Reform in deren Organisation, hinzielte. Nach Schluss der sehr beifällig ausgenommenen Ausführungen Li ch t e nstad t's sprach sich namens des Cultusvorstandes Herr Salo Cohn in schmeichelhafter Weise über die Thätigkeit des Vereines aus und spendete, wie bereits in voriger! No. dieses Blattes gemeldet wurde, offenbar durch den actuellew! Vortrag seines Vorredners augeregt, den namhaften Betrag von j K. 5000, was einen lebhaften Applaus hervorries. Möge der! hochherzige Spender zahlreiche Nachahmer finden. | Wien. Ueber Anregung des Vereines “wq:1? tisno„ fand j Sonntag im Clublocale des Cafe „Adria" behufs Gründung eines-! „Jüdischen Schulvereines" zur Errichtung einer consessiouelleu j Realschule eine gut besuchte Versammlung statt, an der sich jedoch! die anderen hiesigen conservativen Vereine officiell nicht betheil ligten. Obmann Steiner begrüßte die zahlreich Erschienenen und! ertheilte dem Referenten, Herrn Rabbiner Dr. M. Jung aus j Uug.-Brod, das Wort. Der Redner verwerthete in seinem Vor-! trage die au seiner gegenwärtigen Wirkungsstätte mit dem Pro-! seminar gemachten Erfahrungen und plaidirte dafür, dass mau : in der Residenz eine Schule gründen möge, au welcher junge! Leute fürs practische Leben vorbereitet, zugleich aber als gute- : Jehudim herangezogen werden sollen, was bei den der Mittel-! schulen entwachsenen Männern, so tüchtig sie auch sonst sein, j mögen, leider nur selten der Fall ist. 'Auch die vielen Vereine^ j welche in Folge der antisemitischen Bewegung gleich Pilzen! aus der Erde wachsen, tragen mehr das nationale, als das > religiöse Gepräge, daher der grassirende Materialismus und Jn-; disferentismns zu bekämpfen sei, was am besten durch eine guc i geleitete jüdische Realschule geschehen könne. An der Discnssion! betheiligten sich die Herren Rabbiner Sor und Buchsbaum, > welche einen Anschluss an die „Talmud-Thora" befürworteten,. was jedoch aus verschiedenen Gründen abgelehnt wurde. Es j sprachen noch der ehemalige Lehrer der Talmud'-Thora, Herr! Daniel Skutezky, welcher die Leistungen dieser Anstalt in Schutz. > nahm, ebenso ein gewesener Schüler derselben, Herr Fleischmann,! Vorstands-Mitglied des Vereines ..Montefiore", und Andere. - Hierauf wurde der Beschluss gefasst, ein 18gliedriges Comite! zu wählen, welches demnächst das Programm der neu zu gründenden Anstalt entwerfen und ein Plenum, aus sämmtlichen con-- servativen Vereinen bestehend, vorlegen soll. Herrn Dr. Jung wurde zum Schluffe für seine Bemühungen im Interesse der > guten Sache der Dank der Versammlung votirt. | CONCURS. Bei der israelitischen Cultusgemeinde Patzau (Böhmen} gelangt die Stelle eines Rabbiners mit einem Jahresgehalte von 1400 Kronen, Naturalwohnung,, j separatem Gehalt für den Religionsunterricht an dem j Yolks- und Bürgerschulen und üblichen Emolumenten zur; Besetzung. Bewerber dürfen das 40. Lebensjahr nicht überschritten.! haben, müssen akademische Bildung besitzen, der böhmi- | sehen Sprache mächtig und österreichische Staatsbürger sein j und wollen ihre gehörig doeumentirten Gesuche längsten» | bis 31. Mai an den gefertigten Cultusvorstand richten, j Reisespesen werden nur dem Acceptirten vergütete I Vom Vorstände der isr. Cultusgemeinde za Patzau, am 9. Mai 1900. ' Der Cultusvorsteher: Ignaz Ascher.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.