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Die Wahrheit · 1900-05-11 · Heft 16 (11.5.1900) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 16 (11.5.1900)
Date
1900-05-11
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seile 8. Die Wahrheit. Nr. 16. erfreuliche als lobenswerte Thatsache schoil heute Erwähnung und Anerkennung, dass der in Vertretung des Cultusvorstaudes anwesende Vorsteher, Herr Salo Cohn, augeregt durch den Vortrag des Herrn kais. Rath Lichtenstadt, welcher die ausgezeichnet organisirte und großangelcgte Londoner Armenpflege in interessanter Weise beleuchtete, dem Vereine den Betrag von 5000 Kronen spendete. Die diesbezügliche Erklärung des Herrn Salo Cohn wurde mit vielem Applaus ausgenommen. Mit Rücksicht ans die wirklich segensreiche Thätigkeit des Vereines wäre es zu wünschen, dass dieser hochherzige Act zahlreiche Nachahmung fände. 'Mrag. Der Verein zur Unterstützung unbemittelter israel. Gewerbsleute in Prag, hielt am 22. April seine Generalversammlung ab. Nach einer Trauerkundgebung für die verewigte Kaiserin widmete der Vorsitzende, Herr S. Berg, dem verstorbenen Director, Herrn M. Orlik, und allen anderen verstorbenen Mitgliedern einen warmen Nachruf. Weiters stattete er den Wohlthäteru des Vereines, der böhmischen Sparcassa, Herrn M. U. Dr. A. Morawitz in Semmering und allen Anderen den Dank des Vereines ab. Cassa- und Geschäftsbericht wurden genehmigt. In den Vorstand lvurden gewählt die Herren: S. Berg, I. U. Dr. E. Kersch, I. Großlicht, A. Beitum, und in den Ausschuss die Herren: C. Bürger, F. Bäuml, I. Frank, Z. Gold, H. Gerstl, M. Klemperer, E. Smolka, F. Stein, I. U. Dr. I. Lalud, A. Hosiovsky, S. Wimernitz, S. Jeiteles, E. Dewidels und S. Hahn. Krtiterröerg, 7. Mai. (D e r P o l n a e r M o r d p r o c e ß.) Heute Abends sind dem Vertheidiger Hülsner's, Dr. Aurednicek, die Entscheidung des Obersten Gerichtshofes und die Gründe, aus welchen das vom Kuttenberger Schwurgericht gefällte Urtheil im Polnaer Mordprocesse ausgehobell wurde, bekannt gegeben worden. In dem Schriftstücke heißt es: „Der Cassationshos hat nach Anhörung des Generalprocurators in nichtöffentlicher Sitzung das Urtheil des Schwurgerichtes in Anwendung des § 362 St.-P.-O. ausgehoben und die Sache in die nächste Schwurgerichtsseffion des Kreisgerichtes Pisek zu neuerlicher Verhandlung verwiesen. In den umfangreichen Gründen wird im Wesentlichen ausgeführt: Durch den Wahrspruch der Geschworenen wurde festgesteUt, dass Agnes Hruza von mehreren Personen tückischerweise ermordet wurde, und dass Hülsuer unmittelbar Hand an sie gelegt habe. Sowohl gegen die Feststellung einer Mehrheit der Thäter als . auch gegen die Annahme der Tücke, falls selbe im Einsangen mit einer Schlinge bestehen soll, liegen erhebliche Bedenken vor. Denn das eingeholte Faculratsachten stellte fest, dass die Thal auch von einer einzelnen Person verübt werden konnte und bei der Untersuchung der Strangulirungssurche sich gezeigt habe, dass es nicht ausgeschlossen sei, dass die Strangulirung nach dem Tode des Opfers erfolgt sei. Aber auch anderen Voraussetzungen der Anklage ist durch das Facultätsgutachten die Grundlage entzogen. Wenn auch aus dem in der Anklageschrift constatirten angeblichen Mangel der Blutmenge ein Ausspruch über das Motiv der That überhaupt nicht anerkannt werden kann, so ist durch das Facultätsgutachten die Blutentziehung als Thatmotiv völlig ausgeschlossen, da durch das Gutachten überzeugend nachgewiesen ist, dass das am Thatorte, an den Kleidern und im Körper gefundene Blur vollkommen dem Blutverluste der Ermordeten entsprechend war. In Betreff der angeblichen Blutflecke aus den grauen Beinkleidern ist das Gurachten der Doctoren Reinsberg und Slavik durch das Facultätsgutachten abgeschwächl, da dieses nur die Möglichkeit. dass die Flecken von Blut herrühren können, nicht mit voller Bestimmtheit ausschließen kann. Es steht daher fest, dass den Geschworenen das Beweismaterial, soweit es der gerichtsärztlicheu Wahrnehmung und den Gutachten unterlag, vielfach in schiefer Beleuchtung vorgeführt wurde. Auspitz (Mähren). Ohne jedes Gepränge, wie er gelebt, einfach und schlicht, wurde am sonnigen Frühlingsmorgen des 2. Mai in unserem stillen Städtchen ein Mann zu Grabe getragen, welcher in seinem geräuschlosen Gelehrten leben die alten, guten Ueberlieferungen des Juden-! thums verkörpert hatte. — Herr Marcus H e r z k a, ehemaliger erster! Religionslehrer in Olmiitz, hat hier im hohen Alter von 91 Jahren, sein der Thora und ihrer Erforschung gewidmetes Leben beschlossen. An seinem Grabe schilderte sein Schüler und Nachfolger im Amte, Prof. Dr. Max Grünfeld aus Brünn, dieses edle Gelehrtenleben. Marcus Herzka gehörte noch zu jenen, immer seltener werdenden Männern im Judenthum, welche die Thora um ihrer selbst willen nov^ studierten. Tiefgerührt schieden die wenigen Theilnehmer an dem Leichenbegängnisse von dem „guten Orte". Sie nahmen das Bewusstsein mit sich, hier einen edlen Lehrer, einen wahrhaft frommen Mann, einen treuen Juden bestattet zu. haben. Sein Andenken wird bei Allen fortleben, die ihn kannten, und man wird wohl auch in der Gemeinde Olmütz, wo er lange segensvoll, wirkte, des edlen Priesters nicht vergessen, welcher Generationen im G ottesworte unterwiesen, n"2X3n S Ajhely. Ein außergewöhnliches Leichenbegängnis hat am ersten Tage Rosch-Chodosch Jjar (29. April) in der kleinen Filial-Gemeinde Velejte in der Nähe von Marmaros-Sziget stattgefunden. Es galt nicht den Resten eines aus dem Leben geschiedenen Menschen, sondern den Resten der am Sabbath vorher in der genannten Gemeinde verbrannten Thora-Rollen. In der Nacht des vorhergegangenen Freitag wurde) durch eine Kerze, welche man auszulöschen vergessen hatte, die heilige Lade mit den darin stehenden Thora-Rollen ein Raub der Flammen uni> blieben von letzteren nur einige Reste. Noch am Sonnabend wurde der Szigeter Rabbiner von dem traurigen Vorfall benachrichtigt und Sonntag. Früh eilte er mit noch 2 Rabbinen nach Velejt und ordnete einen Trauergottesdienst an. Die Rabbiner hielten Trauerreden, worauf 'die Reste der Thora-Rollen in einen Sarg gelegt und unter Begleitung der ganzen Gemeinde auf den Friedhof gebracht, wo sie nach Vorschrift unter Absingung von Trauerpsalmen begraben wurden. Diese Ceremonie beweist, welch große Pietät wir Juden für Thora-Rollen haben,, auch wenn sie zum Vorlesen unbrauchbar geworden sind. Bekanntlich wird alljährlich am 9. Ab nebst den Klageliedern über die Zerstörung des Tempels noch ein besonderes Trauerlied über Verbrennung der^ Thora-Rollen noinv gesungen. Litteratur. Lvkire Todol Lo-El von Obercantor I. Heymann in Amsterdam.. — Diese vierstimmigen Psalmencompositionen, welche der Componist der Königin von Holland gelegentlich der im Vorjahre stattgefundenen Krö-! nung ehrfurchtsvoll gewidmet hat, haben im hohen Grade die Anerkenj nung Ihrer Majestät gefunden. Sowohl in einem an Obercantor Hey-- j mann gerichteten Briefe als auch gelegentlich einer Audienz des Comj ponisten erklärte die Königin, dass sie diese Gesänge sehr hochschätze, unk auch die Musikkritik hat dem Werke ein sehr^günstiges Urtheil gesprochen^ „Wiener lllustrirte Frauen-Zeitung1*, Familien- und Modejournal.. Verlag M. Breitenstein, Wien, IX.. Währingerstraße 5. Preis vierteljährig 90 kr. Einzelne Hefte 15 kr. — Probenummer gratis vorräthig in allen Buchhandlungen. Inhalt aus Heft 15: Gewohnheit. Von Clara Reichner. — Begegnung. Von Lulu v. Strauß und Torney. — Lebensstürme und Herzensfrieden. Novelle von Clara Düsterhoff. (Schluss ) — Samariterdienst. Ein Wort an deutsche Frauen und Mädchen. Von C. Schall. — Trost im Leide. Von Thekla Höhne. — Gruß in das Sommerheim. Von M. Gervic. — Die Frau im Sprichwort. — Frühstück. — Zeitgemäße Kochvorschristen. — Haushaltungswage. — Eine praktische Einrichtung. — Neue Sommerstoffe. — Aussteuerfragen. — Polterabendgedicht. — Putz. — Menu. — Spielecke. — Modetheil, enthaltend^ über 70 Illustrationen und einen Schnittmusterbogen. — Inserate. §. (§. Gllldstem'schr Hkirats-Ausstüttullgs-Mtlilig. Der Vorstand der israel. Cultusgemeinde in Wien, bringt hiemit^ zur Kenntnis, dass die Zinsen der L. G. Goldstein'schen Stiftung zur Ausstattung armer israel. Mädchen, im Betrage von Kr. 280.— zu verleihen kommen. Die Bewerberinnen haben nachzuweisen, dass sie 1. arme Waisen (Vater- oder mutterlos), 2. streng sittlich sind und 3. sich im Brautstande befinden. Verwandte des seligen Stifters, des Herrn L. G». Goldstein, geb. zu Altstadt in Böhmen (ehem. Taborer Kreises), oder seiner Gattin Katharina, geborene Landauer, bis zum 3. Grade, erhaltenden Vorzug und muß der diesfällige Nachweis dem Gesuche beiliegen Bewerberinnen, die vor dem 4. August 1900 sich verehelichen, haben auf; die Stiftung keinen Anspruch. Die Gesuche werden im Einreichungs» I Protocolle der israel. Cultusgemeinde (I., Seitenstettengaffe 4, I. Stock),, woselbst auch Gesuchsblanquette unentgeltlich zu beheben sind, in den. Amtsstunden von 9—12 Uhr Vormittag bis 31. Mai 1900 entgegengenommen. Wien, am 1. Mai 1900. Drr Vorstand der isr. EuUusgemeinde Wicn..

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