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Die Wahrheit · 1900-05-04 · Heft 15 (4.5.1900) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 15 (4.5.1900)
Date
1900-05-04
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit. Nr. 15. die Leistungen des neuengagirten Prediger Dr. I. Fische r, wie auch des Cantors Leo Mirsky in hohem Maße befriedigen. Die Erfolge der Cantoren wurden voll gewürdigt. Hierauf verlas Herr Dr. L. P i ck den Geschäftsbericht, dann trug Herr M. Austerlitz den Caffabericht vor. Das Plus im Vergleiche zum Jahre 1899 beträgt 2447 fl. Die Wahlen ergaben folgendes Resultat: Vorsteher: Die Herren Moritz Austerlitz, Dr. Ludwig Bendiener und Dr. Sigmund Schneider; Secretär: Herr Dr. Ludwig Pick; Beiräthe die Herren: Michel Benies, Seligman Elbogen, Robert Fuchs, Dr. Moritz Hammerschlag, Willibald HirsÄ, Dr. Isidor Petsckek, Leopold Sommer, Gottlieb Schmelkes und Director Adolf Wlaschin. Zum Schlüsse dankte der Obmann dem Verwaltungsrath für seine Thätigkeit, sowie auch den Herren David Popper, David Troller, Marcus Popper mld Samuel Wcltsch. Krag. (I s r. C u lt u s g e m ei nd e Weinberge.) Der ueugcwählte Vorstand hat sich in der am 29. v. M. stattgefundenen Sitzung conslituirt und besteht nun aus folgenden Herren: Cultusgemeinde-Vorsteher Director Ignaz Bayer, Vorsteher-Stellvertreter JUDr. Hugo Stall, Cassier Ludwig Arnstein, Rechnungsführer Jonas Heller und Salomon Adler. 'Mrag. Der alte Prager I u d e n f r i e d h o f wurde dieser Tage von mehreren Stadträthen und dem neuen Bürgermeister Dr. S r b besucht. Letzterer versicherte, er werde es sich angelegen sein lassen, dass der Friedhof in seiner bisherigen Gestalt erhalten bleibe. Aemverg. (Zweiter g a l i; i s ch - j ü d i s ch e r G emeindetag in Lemberg.) Die sechs Punkte der Tagesordnung des zweiten galizischen Gemeindetages haben folgenden Wortlaut: 1. Die ökonomische Nothlage der Juden und Mittel zu deren Abhilfe. 2. Einführung der polnischen Sprache im offiziellen Verkehr der jüdischen Gemeinde Galiziens. 3. Die Nichtzulassung jüdischer Kandidaten zu öffentlichen Staatsämtern. 4. Vertretung der jüdifch-religiösin Interessen im Landesschulrathe. 5. Ertheiluug von Stipendien an die Volksschnllehrer, mit der Befähigung zum Religionsunterricht. 6. Einsetzung jüdischer Feiertage als Ferialtage beiCiviluud Strafgerichten. Heimweh. Erzählung von Eduard Kutte. (28. Fortsetzung.) Die Mutter nahm die Tbat des Sohnes als eine vom Himmel ihr zugefügte Schickung ruhig und gelassen hin. Sie beweinte ihn, wie mau ein Unglück beweint, von dem man jählings getroffen wird; allein kein Wort der Anklage entfuhr ihren Lippen gegen den Sohn. Sie war eine fromme Frau und hatte in den Büchern, die sie las, gar manches Beispiel frommer Gottergebnng gefunden, an das sie sich jetzt erinnern und woran sie ihr schwer gedrücktes Gemüth aufrichten konnte. Sie hatte sich seit langer Zeit her gewöhnt, alle Ereignisse in der Welt, sei es im großen oder kleinen, als Bestimmung Gottes anzusehen, gegen die Bestimmung Gottes aber ließ sich von Menschenhand und Menschenverstand nicht ankämpfen und nichts ausrichten. Gott wacht über die Welt, er leitet und er regiert sie und er leitet auch die Schicksale jedes einzelnen Menschen, des Königs auf dem Throne wie des Bettlers in der Hütte. Was er will, thut er; und er will nur das Gute, wenn auch der menschliche Verstand zu beschränkt ist, eiuznsehen, was das Gute sei. Wenn Gott ihr ein solches Unglück zugeschickt, so ist es gewiss zum Guten, gewiss hat sie sich schwer versündigt gegen ihn und es hat sie nur die bestimmte Strafe getroffen. Gewiss ist sie es nicht besser werth, wenn Gott sie so züchtigt. Gott züchtigt aber nur, wen er liebt; denn er ist erbarmungsreich wie ein Vater mit seinem Kind, und will nicht, dass der Süud.'r sterbe, sondern, dass er sich bessere und bekehre. Nicht mit solcher Gelassenheit, nicht mit solcher Ruhe wie die Mutter, vermochte der Vater das Unglück zu ertragen, das ihn traf. Nicht beseelt von jenem großen, erhabenen Gottvertrauen, welches sein schlichtes Weib beseelte, besaß er auch nicht jenen Duldersinn und jene Demuth, die sich unter das von Gott auserlegte Joch willig beugt — und die in dem Glaubett air die göttliche Vorsehung die Stütze findet, sich im Unglück daran aufzurichten, und die Kraft es zu tragen. Er rvard von dem Fall am härtesten getroffen, und trotz aller Tröstungen seines- Weibes blieb er bei seiner Rede: Das überleb ich nicht! Das überleb ich nicht! Der Schmerz des Vaters erfüllte das Herz des^ Mädchens mit Hass gegen den Bruder. Den Vater in solcher Weise leiden zu sehen, verursachte ihr größere Qual als selbst der Verlust des Bruders, und so ward sie seine heftigste Gegnerin, seine strengste und unerbittlichste Richterin; und ihr Hass gegen ihn lvard mit jedem Tage um so stärker, je mehr sie sehen musste, dass des Vaters Leiden von der Zeit an keine Heilung erfuhren, dass sein gequältes Gemüth durch nichts beschwichtigt werden könne. Der traurige Vorfall warf den Vater, dem in seinen eilten Tagen eine solche Prüfung anferlegt war, ans das Krankenbett. Anfangs schien die Krankheit unbedenklich, eine Nachwirkung, der vergangenen Tage, der Aufregung nach dem erschütternden. Vorfälle. Allerdings war sie nichts anders als eine Wirkung dieses Vorfalls, aber wie lief und nachhaltig diese Wirkung war, das sollten Gattin und Tochter schmerzlich erfahren; denn die Aufregung ward nicht geringer, die Krankheit nahm von Tag zu Tag eine bedenklichere Wendung; sie hatte den Organismus des zum Tode erschrockenen Mannes zu heftig angegriffen, und der herbeigernfene Arzt, der alle Mittel seiner Kunst ausbot, konnte dem betrübten Weibe und der geängstigten Tochterkeine Aussicht auf Besserung eröffnen. Man schickte um Aerzte in die nächst gelegene Stadt; auch diese waren unvermögend die Gefahr des Kranken zu beseitigen. Er lag in Fieberphantasien und sprach unverständliche Worte, deren Zusammenhang niemand heransznsinden vermochte, nur den Namen „Joffes" konnte man deutlich wahrnehmen; man wusste aber nicht, ob er nach ihm verlange, ob er sich vor ihm entsetze, ob man den Sohn holen, ob man ihn ferne halten solle. Die Aerzte konnten aus diesem Grunde bezüglich des Sohnes keinen Rath ertheilen, sie behaupteten, der Kranke befinde sich in einer Krise, von deren Verlauf alles abhänge. (Fortsetzung folgt.) CONCURS. Bei der israelitischen Cultusgemeinde zu Boskowitz. in Mähren ist die Stelle eines O-A-HSTTOIE^S ("V03?Toetea?s)3 mit musikalischer Bildung und Befähigung zur Heranbildung und Leitung eines Chores, der auch als Koreh und Schochet zu fungiren hat, mit einem garantirtem Einkommen von 1500 K. zu besetzen. Theologisch Gebildete können auf ein bedeutendes. Nebeneinkommen rechnen. Bewerber haben ihre gehörig documentirten Gesuche mit dem Nachweise ihrer Befähigung und des österr. Staatsbürgerreclites, sowie eines kurzgefassten Curriculum vitae bis längstens 1. Juni 1900 bei dem gefertigten Yorstande einzubringen. Reisespesen werden nur dem Acceptirten vergütet.. Der Cultusvorstand. Boskowitz, 2. Mai |1900.

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