Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1900
- Issue
- Heft 14 (26.4.1900)
- Date
- 1900-04-26
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8. Die Wahrheit. Nr. 14. Zu großartigem Zustande fand Herr Salo Cohn die von Europa aus geleiteten Institute, so die Ackerbauschule der Alliance bei Jaffa (Mikwe Jisroel), deren Zöglinge geradezu blühend aussehen, die Handwerker- und Kunstgewerbeschule der Alliance in Jerusalem, die LLmmcl'sche Schule, das Waisenhaus, das Rothschild-Spital und das neue Spital, welches durch Beitrage holländischer und deutscher Juden, zum Theile auch österreichischer Glaubensgenossen erholten wird rc. Mit einer überaus interessanten Schilderung über den Besuch der historischen Stätten, welche wir bei anderer Gelegenheit zu verwerthen gedenken, schloß Herr Salo Cohn seine Ausführungen, welche unseres Erachtens die weiteste Verbreitung und allgemeine Würdigung verdienen. Gemeinde- und Vereinsbote. WtM (Aus der Plenarsitzung des Cultusv o r st a n d e s v o m 16. A p r i l 1900 unter be in Vorsitze des Präsidenten Herrn k a i s. R a t h K l i n g e r.) Eingelausene Spenden: Anonym von CH. mit dem Bemerken : „Anlässlich des christlichen Osterfestes als Zeichen der Liebe im Geiste der Charfreitag-Gebete der Kirche eingedenk gemeinsamer Heiligthümer" für israelitische Arme K. 20.—. Von Frau Eugenie Gerbel. für den israel. Waiseuverein K. 10.—. Ueber Einschreiten des Vorstandes der Wiener israelitischen Cultusgemeinde hat der n.ö. Landesschnlrath mit Erlass vom 26. März 1900 Z. 2861 die Mittelschul-Directionen angewiesen, dasür Sorge zu tragen, dass Versäumnisse des Unterrichtes israelitischer Kinder wegen Einhaltung der siebentägigen Trauer (Schiwah) als entschuldigt anzusehen sind. Eine gleichartige Eingabe an den Bezirksschnlralh harrt noch der Erledigung. Im Präsidialbericht macht der Präsident Mittheilung von der im Sinne des Beschlusses der außerordentlichen Plenarsitzung vom 4. April 1900 erfolgten Ueberreichung der Eingaben an den Minister-Präsidenten und den Justiz-Minister in Angelegenheit der Vorgänge im n.-o. Landtage und lässt die Eingaben vorlesen, deren Inhalt allgemeine Zustimmung findet. Der Präsident enheilt dem von einer Reise nach Palästina rückgekehrten Mitgliede des Vorstandes, Herrn Salo Cohn, nach einer Begrüßung desselben das Wort zu einem Berichte über seine Wahrnehmungen, betreffend die unter der Ober-Aussicht des Wiener Cnltusvorstandes stehende Simon Edler v. Läinmel'sche Schule. Herr Salo Cohn berichtet, dass er die Unterrichts- Anstalt eingehend besichtigt und von den Erfolgen den allerbesten Eindruck gewonnen habe. Ueber seinen Antrag wird beschlossen, dem Director der Schule, Herrn Ephraim Kohn, die Anerkennung für seine Erfolge auszusprechen und hievon auch den Verein zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina, der die Mitaussichr über diese Schule führt, in Kenntnis zu setzen. Der Präsident theilt weiters mit, dass das seitens des mit der Vorberalhung der Statuten Aenderungen betrauten Comites sertiggestellle Elaborat nunmehr de»i Vorstand zu beschäftigen haben werde, vorerst jedoch halte es für opportun, mit jenen Herren in Fühlung zu treten, welche anlässlich der im Spätherbste erfolgten Berathungen mit de l Steuerträgern die Änderungen in Vorschlag gebracht; demgemäß habe er für die nächsten Tage das Stattsinden von gemeinsamen Besprechungen dieser Herren mit den Mitgliedern des Statutencomites eingeleitet. (Zustimmung.) Herr Vice-Präsident Dr. Stern berichtet in Angelegenheit des Legates der verewigten Baronin Hirsch an die israel. Cultusgemeinde, welches infolge von Abzügen für die französische Erbsteuer und österreichische Staatsgebühren eine wesentliche Schmälerung des Betrages erfährt. Ueber die Verwendung des Legates für die Zwecke der Cultusgemeinde werden die Fachsectiouen Anträge zu stellen haben. Hinsichtlich des Antrages auf Publication der Geburten, Aufgebote, Trauungen und Sterbefälle in den jüdischen Blättern, entwickelt sich eine längere Debatte. Die Beschlußfassung wird bis zum Zeitpunkte vertagt, in welchem über eine eventuelle Veröffentlichung der Austritte referirt werden soll. Desgleichen führt das Referat der I. Section in Angelegenheit der Mohelim-Frage zu einer sehr lebhaften Debatte. Das Referat wird zur Ergänzung und Ausarbeitung der durchjührungsbeftimmuugen an die Fach-Secttonen zurückgeleitet. Die Widmung für jüdische Hochschüler, gesammelt durch Dr. Hermann Fialla, in der Höhe von fl. 2000.— wird mit einer von der Rechts-Section vorgeschlagenen Modifikation des» Widmungs-Briefes angenommen. Die für die Beaufsichtigung der Mazzoth-Bäckerei durch Bezahlung der Mascbgichim erwachsenen Mehrkosten über das- Budget werden entsprechend dem Anträge der I. Section genehmigte Nach Erledigung mehrerer Personalien wird die Sitzung geschlossene Wien. (Verein zur Hebung der G e werbe, W i e n.) Dieser in den Wiener Kreisen aus seiner Thätigkeit bekannte Verein hielt am Sonntag, den 22. d. M. in Hirschfelds Saallocalitäten seine X. ordentliche Generalversammlung, ab. Trotz der hohen Temperatur, die Versammlungen gewiss nicht günstig ist, war kein Plätzchen leer, und Herren und Damen brachten ein so warmes Interesse allem, was sie dort sahen und hörten, entgegen, so dass bis 11 Uhr Niemand den Saal verließ. Der Präsident, Herr S. B r o d, hielt einen ausführlichen Bericht über die Vereinsthätigkeit, aus welchem mtter ungetheiltem Beifalle zu entnehmen war, dass der israelitische Gewerbestand unter dem Rechtsschntze des Verbandes in jeder Richtung edeihe, dass ferner im verflossenen Jahre Darlehen in der Höhe von ca. 10.000 fl. an Gewerbetreibende durchden Verein vermittelt, die in Beträgen von je 3—400 fl. an. Handwerker zur Sicherung ihrer Existenz nach erfolgter gründlicher Recherchirung verabfolgt wurden. Auch gab er seinen Gedanken Ansdruck, dass der gesammte österreichische Gewerbestand uild in der Selbsthilfe das Mittel zur Hebung finden könne, unberläuterte, wie solches practisch angeweudet werden müsse. Vorstandsmitglied, Fabrikant Herr S. Steiner, erstattete den Cassabericht, den Tischlermeister Herr Jakob Vogl Hut der Genehmigung empfahl. Nun hielt Herr Prof. R i ch a r d Singer einen derart anregenden und interessanten Vortrag über „Geld und Zahlmittel," dass zum Schluffe die Versammlung demselben eine Ovation, anlässlich seiner in diesem Monate gefeierten 25jährigen Jubiläen, bereitete, die ein Echo in Allere Herzen fand. Sodann besichtigte man die wirklich herrlichen Ausstellungen der beiden Meister, des Photografen A. Weiner^ und des Sattlermeisters M. G r ü n w a l d, die allseitigen Beifall fanden. An der Debatte betheiligten sich die Industriellen Beck, F r i e d m a n n, Steine r, ferner die Herren I u st h und Ritter. Unter den Anwesenden bemerkte man Herr und- Frau kaiserl. Rath Dr. K o h n, die Vertreterinnen vieler Frauenvereine, Herrn Dr. W e i ß m a n n für die Baron Hirsch Stiftung, Commercialrath St i a ß n y, Bezirksausschuss W a l dst e i n, Architekt Moder n, Industriellen H e r m. K ö n i g rc- Wien. (Zur N achahm nn g.) Die verlebten Pessachfeiertage lehrten uns, was guter Wille, aufrichtige Begeisterung und fromme jüdische Herzen zu leisten im Stande sind. Der Wohlthätigkeitsverein „Tomach Ewjonim“ hat an den beiden Sederabenden für arme jüdische Zugereiste einen Freitisch mit Seder veranstaltet, jeden Abend über 100 Gedecke; das war das wirkliche kol dickfin jesse wejechol int wahren Sinne des Wortes. Außerdem wurden im Laufe der übrigen Peffachtage über 200 Mahlzeiten verabreicht und an hier domicilirende Arme 200 Kronen mca vertheilt. Dieser Verein, der es sichzur Aufgabe gemacht hat, jeden zugereisten jüdischen Armen am Schabbos und Jom tow mit Küscherkost zu versorgen, fristet seitr Dasein davon, dass außer den Monatsbeiträgen von Mitgliedern und den persönlichen Opfern der Vorstandsmitglieder, die Letzteren noch für die Armut unermüdlich sammeln. An der Spitze und als Stütze dieses Vereines steht ein 78jähriger Greis, Herr Prof. S. Hoffman n, der selbst sein ganzes Lebett der Menschheit gewidmet hat und nur noch dafür lebt, dass er Andere veranlasst, Gutes für Arme zu thun. Jbm zur Seitestehen der nicht minder bekannte Menschenfreund und Wohlthäter, Herr Will). Kohn, und die Herren Vorstandsmitglieder: Osias Goldschmied, S. und M. Victor und W. Lamm thakkräftig und aufopfernd im Interesse des Vereines wirkende Ihnen Allen Dank im Namen der Armen. Hoffen wir, dass sich noch viele Menschenfreunde finden werden, um ähnliche Vereine ins Leben zu rufen, oder den schon bestehenden „Tomach Ewjonim“ bestens zu unterstützen. E...r