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Die Wahrheit · 1900-04-26 · Heft 14 (26.4.1900) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 14 (26.4.1900)
Date
1900-04-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 14. Die Wahrheit. Seite 5. -in Vorarlberg blutigen Widerhall fanden, sind die Zeugen jüdischer Opferwilligkeit für Kaiser und Vaterland die Hauptleute > Johannes Bauer, Franz Josef Griß, Marx Alois Luoger, der Oberlieutenant Bretschneider, der Fähnrich Mathis Gissinger und zum Schlüsse noch das glänzende, in Lobeserhebungen sich erschöpfende Zeugniß der Vorarlberger Stände. All diese Dokumente sind theils in Originalen, theils in amtlich beglaubigten Kopien vorhanden und stehen mit Vergnügen dem ehrenwerthen Herrn Reichsrathsabgeordneten Schneider — diesem, wie Franzos sagen würde, Bajazzo der Reaktion zur Verfügung, falls er sich auch in diesem Jahre eine seiner famosen Reden gegen die Juden leisten sollte. Oesterreichs Erniedrigung im Jahre 1800 fände in einer Schneidetischen Rede im Jahre 1900 jedenfalls eine würdige Säkularfeier. Die amtliche Statistik vom Jahre 1801 zeigt, dass in der Zeit vom 1. Jänner 1797 bis April 1801 an österreichischem und französischem Militär nicht weniger als 68855 Mann bei den Juden in Hohenems einqnartiert und verpflegt worden waren u. z. wie es da wörtlich heißt „ohne mindeste Entgeltung von irgend Jemandem." Im J.hre 1800 beschlossen die Vorarlberger Stünde im Lande selbst ein Darlehen zur Fortsetzung der Defensive aufznnehmen. Zwei mit einem sehr schmeichelhaft gehaltenen Begleitschreiben versehene Deputierte suchten das Darleben auch bei den Hohenemser Juden zu engagieren und schon nach 2 Tagen ward von den einzelnen Gemeinde-Mitgliedern die Summe von 2387 Gulden aufgebracht und den Ständen mit der Bitte übergeben, mehr die vaterländische Gesinnung als den Werth zu achten. Auch die Franzosen unterließen es nicht vor ihrem Abzüge den Juden eine Kontribution von mehreren tausend Gulden aufzuerlegen. Auf ihren Antheil von der vom Kaiser Franz II. dem Orte Hohenems zngesprocheuen Kriegsentschädigung leisteten die Juden Verzicht. Wie wenig aber all diese patriotischen Leistungen und schweren Opfer der Juden geeigneten Ortes gewürdigt wurden, erhellt schon daraus, daß die österreichische Regierung im Jahre 1804 klirz vor dem Preßburger Friedeit damit umgieng, für die Israelitische Gemeinde in Hohenems eine Normalzahl festzusetzen und damit jede Neuausiedlnng von Judeu unmöglich zu machen. Die Ausführung verhinderte jedoch der Preßburger Friede und die bald darauf am 13. März 1806 erfolgte Uebergabe Tirols und Vorarlbergs an Baiern. Ich lasse hier mit Weglassung der ersten bairischen Regierungsperiode direkt das Kriegsjahr 1809 folgen. Dieses für die Geschichte Oesterreichs im Allgemeinen und insbesondere für jeden Tiroler und Vorarlberger denkwürdige ruhmesreiche Kriegsjahr gab auch den Juden Gelegenheit, sich neue Verdienste um das Haus Oesterreich zu erwerben. Freilich fand auch nicht ein einziger der zahlreichen Historiographen dieser Kriegsepoche, zu deren jüngsten für Tirol und Vorarlberg der Landeshauptmann von Oberösterreich, Dr. Ebenhoch, gehört, ein Wort der Anerkennung für die Juden. Vorerst sei erwähnt, dass eine Wiener Jüdin, die durch Geist und Her; ausgezeichnete, unvergessliche Baronin Fanny Arnstein es war, die Hormayr, der bekannte Intendant Erzherzog Johanns im Tiroler Aufstande, selbst als die unermüdliche Wohlthäteriu der Tiroler bezeichnet und in deren berühmten Salons auch Speckbacher, der Genosse Hofers, vielfach und gerne verkehrte. Der Tiroler Aufstand ebenso wie seinerzeit die Kreuzzüge begannen mit einer regelrechten Judenplünderung, freilich hatten beide Kriegsunternehmungen keinen bleibenden Erfolg zu verzeichnen. Ferdinand, der Katholische, war vorsichtiger, er vertrieb die Juden erst dann aus Spanien, nachdem er bereits die Mauern besiegt hatte. In Innsbruck wurden die wenigen damals dort wohnenden Juden am 15. April 1809 von dem dort versammelten Landvolke grüudlichst ansgeplündert, und zwar fielen demselben fünf Wohnungen und drei Geschäfte zum Opfer. Die Beschönigungen und Entschuldigungen, die sich der als hervorragendste Historiker jener Keiegsepoche geltende Gubernialrath Dr. Joseph Rapp leistete und die in den allerdümmften Anschuldigungen der Juden bestehen, sind gemeiner Volksklatsch und verdienen weder eine Erwähnung, noch gar eine Widerlegung. Dagegen sei betont, dass den Aufständische» in ihrer steten Geldnoth das Wiener Bankhaus Arnstein und Eskeles mehrfach in uneigennützigster Weise helfend beisprang, wie ebenso, dass ein Jude Nathan der Kriegskasse der Aufständischen 10.000 fl. vorgestreckt hat. Ende April 1809 organisirte sich auch in Vorarlberg der Aufstand unter Leitung des Bregenzer Advokaten Dr. Schneider — auch Vorarlberg hat seinen Schneider, aber einen, auf den es stolz sein kann. Aus j.dem Orte wurden Schützeucompagnien gebildet und für die Hohenemser Compagnie, die kaum 3 Monate umer Waffen blieb, leisteten die Juden allein einen Betrag von nahezu 1000 fl. — Requisitionen an Pferden, Waffen, Kleidern u. s. w. waren an der Tagesordnung, ebenso auch einmal an baarem Gelde in der Höhe voit 1200 fl. und in den 3 Monaten der Insurrektion waren 1837 Mann bei den Juden allein einquartirt. Bereis im Mai verlangten die in Feldkirch tagenden Stände Vorarlbergs von den Juden ein Darlehen von 20.000 Gulden; doch zerschlugen sich die Verhandlungen hierüber in Folge der bald darauf durch eine falsche Nachricht aus Tirol erfolgten Kapitulation. Als der Krieg wieder aufgenommeu wurde, erneuten die Staude ihr Verlangen unter Androhung, dass „sonst gegen die Judenschaft die unangenehmsten Vorkehrungen unvermeidlich wären," was zur Folge hatte, dass die Juden im Auslände gegen hohe Zinsen Geld aufnahmen und den Ständen 400 fl. als verzinsliches Darlehen, rückzahlbar in einem Halen Iahe — vorstreckteu. Später versuchten die Stände mit gleichen Mitteln ein zweites „freiwilliges" Darlehen bei den Judeu zu erzielen, doch schon war der Aufstand gebrochen. Auch Hormayr wusste durch seinen Vorarlberger Gesandten, der Ger ichtsschreiber Fischer, die Juden unter nachdrücklichem Hinweis auf die Innsbrucker Plünderung zu zwingen, einen von ihm — Hormayr — unterschriebenen Wechsel von 1000 fl., zahlbar in 14 Tagen, einzulösen. Als der Wechsel nach einem Jahre Herrn v. Hormayr zur Bezahlung präsentirt wurde, konnte er sich desselben nicht mehr entsinnen und — er blieb unbezahlt. Hormayr hatte, wie noch viele andere Beispiele beweisen, in dieser Hinsicht überhaupt ein sehr schwaches Gedächtnis. Am 5. August war der Vorarlberger Aufstand beendigt, die bayrische Regierung zog wieder ein, für die Jude aber begann eine Zeit langwieriger, nahezu 11 Jahren andauernder Prozesse und Verhandlungen zur Eintreibung des Darlehens von 4000 fl. von den Ständen, die überhaupt jetzt rundweg leugneten, dass diese jemals existirt hätten. Ein Theil dieser Schuld ist noch ausständig und dürfte nebst der Hormayr'scheu Schuld erst daun bezahlt werden, wenn die Menschheit insgesamml einmal den Muth haben wird, ihr endloses Schuldenregister gegen die Judenbeit zu tilgen. Als weitere bleibende Erinnerung au das Kriegsjahr 1809 behielt die Hohenemser Judengemeiude eilte Schuldenlast von nahezu 10.000 fl., mit der Tilgung sie Jahrzehnte zu kämpfen halte. Als interessantes Moment jener Jahre sei noch erwähnt, dass ein Auszug der amtlichen Handelsstatistik von 1810 folgende Zusammenstellung ergibt: 52 Hohenemser jüdische Kaufleute hatten im Jahre 1810 ein jährlichen Absatz an inländischen Waaren von 30.550 fl., an ausländischen Waaren voll 655 500 Gulden — also insgesammt einen Jahresabsatz von nahezu 700.000 fl. Davon wurden im Jnlande Waaren um 223.690 Gulden und im Auslände um 462.360 fl. verkauft. Zur besonderen Werthschätzullg dieser Zahlen sei noch betont, dass sie bei der Steuerbemesfllng von den Kaufleuten selbst fatirt wurden, also wohl kaum zu hoch gegriffen wurden." . Ich habe meinem vorstehenden Auszuge vorläufig nllr das noch hinzuzufügen, dass er nur einen überaus kleiiten Theil aus den Ehrenbildern vorführl, an denen die Geschichte der patriotischen Handlungen der Juden in Tirol und insbesondere tn Vorarlberg so überreich ist und mit deren vollständiger Darstellung ich auf mein Gefchichtswerk verweisen resp. vertrösten muss. Mein gefeierter Lehrer und Gönner, Herr Geheimrath Prof. Dr. Lazarus in Meran, bemerkte im Vorworte zn feiner unvergleichlichen „Ethik des Judenthums" — deren Studium ich, nebenbei bemerkt, den „Burggräflern" wärmslens empfehle

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