Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1900
- Issue
- Heft 13 (12.4.1900)
- Date
- 1900-04-12
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Hesterr.-ungcrr. Gcrntoren-Aeitung 13. - Aeikage zur Zeitschrift „Zie Wahrheit." 20. Iahrg. Die Zittenlehre der Juden. Als Erwiderung auf die Angriffe des Abgeordneten Tuskan gegen die jüdische Religion richtete Herr Bezirksrabbiner Dr. M- Engel in Krizevac an das „Agramer Tagblatt" folgendes Schreiben: „Löbliche Redaktion! Vorgestern las ich in Ihrem geschätzten Blatte die Rede, die Herr Abgeordneter Tuskan im kroatischen Landtage gehalten hat. Da diese Rede geeignet ist, in der Bevölkerung falsche und bedenkliche Vorstellungen zn erwecken, so fühle ich mich als jüdischer Priester und als Freund der Wahrheit und des Friedens verpflichtet, hieraus eine Antwort zu Heben und möchte die löbl. Redaktion ersuchen, derselben in Ihrem geschätzten Blatte Raum zu ertheilen: Es ist unwahr, dass der Jude nach seiner religiösen Ueberzeugung den Christen belügen oder betrügen darf; wahr ist es vielmehr, dass dies dem Inden strenge verboten ist. Siehe Maimonides im Mischna-Kommentar zu Kelim, XII, 7 und „Smag" von Rabbi Maies Couch, § 170, wo in eindringlichst ermahnenden Worten unsere Glaubensgenossen davor gewarnt werden, denJuden oder Nichtjuden zu belügen oder zu übervortheilen. Siehe auch Rabbi Salomo Alamis Sitteulehre, Seite 11: „Wenn Du kaufst oder verkaufst, übervortheile Niemanden! Wer es aber mit dem Betrüge eines Nichtjuden leichter nimmt, der ist ein Uebelthäter, er wird zu den Uebelthäter» gezählt, die dem Herrn ein Gräuel find." — Wie strenge und gewissenhaft die Jndenhe't stets darauf sah, dass dem Nichtjuden von Seite der Juden kein Unrecht zugefügt werde, bezeugt auch der Verfasser des „Lssrliagole“ zum Kodex „Choschen hamischpot-‘, 388, 12, in folgendem Berichte: „Bereits längst ist die Einrichtung und der Gebrauch verbreitet, dass die Vorsteher der Gemeinde auf der Wacht stehen, dass kein Betrug und kein Unrecht gegen die Nichtjuden von Seite der Juden geübt werde." Unwahr ist, dass für die Juden die Heiligkeit des Eides einem Christen gegenüber nicht existirt. Siehe „ Jore Deau 237, 2 : „Wenn Jemand von einem Anderen beschworen wird, etwas zu thun' oder nicht zu thun und er darauf „Aman" oder sonst ein Wort erwidert hat, woraus die Annahme des Schwures zu verstehen ist, so ist dies ein verbindlicher Eid, gerade so, wie wenn er selbst geschworen Härte, mag auch der Beschwörende ein Nichtjude sein." — Auch lehren unsere Weisen, Jom. 86, dass ein falscher Eid das allerschwerste Verbrechen ist. Unwahr ist, dass für den Juden Alles, was der Christ berührt, unrein ist, denn wie es Jedem bekannt ist, halten die Juden meistentheils christliche Dienstboten und Köchinen, auch wir Rabbiner halten christliche Dienstmägde. Wenn es sich aber so verhalten sollte, wie Herr Tuskan angab, so dürsten die Juden und insbesondere ihre Rabbinen, keine christliche Dienstboten und Köchinen halten, da diese doch alles int Hause berühren. Was die Liebe der Juden gegen den Nichtjnden betrifft, so verweise ich auf Codex „Jore Dea“ 249, 9 und „Orach Chaim“ 694, 3, wo ausdrücklich steht, dass der Jude dem Nichtjuden Liebesdienste erweisen soll u. s. w. Wie hieraus zu ersehen ist, ist Herr Tuskan in seiner Unkenntnis der jüdischen Geschichte und Literatur und des Rabbinisch-Hebräischen einer Irreführung zum Opfer gefallen. Indem ich schließlich bemerke, dass ich diese Antwort nicht für Laien und voreingenommene Menschen, sondern für christliche Theologen und Orientalisten geschrieben habe, welche im Stande sind, die hier zitirten Quellen nachzulesen, zu prüfen, wo die Wahrheit ist, sage ich der löbl. Redaktion für Ihre Freundlichkeit besten Dank und zeichne mit voller Hochachtung Dr. M. Engel, Bezirks-Rabbiner in Krizevac. Gemeinde- und vereinsdote. Wie». (A n s der Plenarsitzung des Cultus- Vorstandes vom 8. April 1900 unter dem Bors i tz e d e s e r st e n V i c e - P r ä s i d e n t e n Dr. Alfred Ster n. Beginn der Sitzung 10 Uhr Vormittags.) Ter von einem mehrwöchentlichen Urlaube zurückgekehrte Präsident, Herr kais. Rath Klinger, welcher im Laufe der Sitzung erscheint, wild von der Versammlung aufs Wärmste begrüßt. Im Einlaufe befindet sich : Ein Dankschreiben des Präsidenten der Prager Cultnsgemeinde, Herrn Dr. Arnold Rosenbacher, für die ihm seitens der Wiener Cultnsgemeinde anlässlich seines 60. Geburtstages gewordene Beglückwünschung. — Zustimmungskundgebungen zu den Maßnahmen des Cultusvorstandes gegenüber den jndenfeinlichen Vorgängen int n. ö. Landtage. — Ein Condolenzschreiben des Bürgerschuldirectors, Herrn Hüber, namens des Lehrkörpers der Bürgerschule II. Wittelsbachstraße, anlässlich des Ablebens des Religionslehrers, Herrn Aron Schnürmacher. Die Versammlung ehrt das Andenken dieses vortrefflichen Lehrers durch Erbeben von den Sitzen. — Herr Cultnsvorsteher Dr. Alfred Berger übermittelt in einer Zuschrift namens der Hinterbliebenen nach seinen verewigten Vater, Herr» HeinrichBerger s.A.,die von den bekannten PragerCensor u. Translator Carolus Fischer verfasste „Gukmeinung über den Talmud der Hebräer" im Originale nebst anderen auf deir Talmud bezughabenden Attesten in das Eigenthum der Cultnsgemeinde. — Diese werthoollen Schriften jueröeu vom Vorstande unter lebhaftem Beifalle mit bestem/Dank eurgegengenommen. An Spe den sind eingelanfen: Von Frau Diana Fichtenholz für einen armen Studenten K. 20.—. Von einer Dame für einen Kranken, anlässlich der Osterfeiertage K. 10.—. Von Frau Sophie Deutsch und Herrn Simon Deutsch, anlässlich des Ablebens des Gallen, resp. Bruders. Herrn Heinrich Deutsch, K. 600.— zur Verleihung der jährlichen Zinsenerträgniffe am Sterbetage des Dahingeschiedenen an 10 männliche Insassen des Altersversorgungshauses. Den Spendern wird der Dank voti: t. Herr Docent Dr. Josef Grünfeld erstattet namens der III. Section das Referat betreffend die Besetzung der Stelle des Abtheilungsvorstandes der neu zu eröffnenden chirurgischen Abtheilung im israelitischen Spitale. Die dritte Section stellt auf Grund eingehendster Berathnng, couiorm dem motivirten, auf Atteste hervorragender mediciuischer Autoritäten sich stützenden Gutachten des Primararztes Regiernngsrath Prof. Dr. Oser, den Antrag, als Vorstand der neuen chirurgischen Abtheilung des israel. Spitales den Herren Docenten Dr. Otto Zuckerkandl im Sinne der Concursbedingungen zu berufen. Der Sections- Antrag wird einhellig angenommen. Wie», 6. April. (Eine Deputation beim M i n i st e r p r ä s i d e n t e n.) Gestern Mittags wurde eine Deputation der Oefterreichisch-ifraelitischen Union, bestehend aus dem Präsidenten kaiserlichen Rath Wilhelm Anninger, dem Vorstandsmitgliede Dr. Philipp Meitner und dem Secretär Siegfried Fleischer, vom Ministerpräsidenten Dr. v. Koerber empfangen. Die Herren überreichten ein Memorandum, in welchem an einer Reihe concreter Beispiele nachgewiesen wurde, dass die Anbringung nachträglicher Beschwerden nicht geeignet sei, die lhatsächlichen Folgeübel der gegen die Inden begangenen Gewaltthätigkeiten und sonstigen Gesetzesverletznngen zu beseitigen. Aufgabe der Regierung wäre es vielmehr, eine vorbeugende Thätigkeit zu entfalten und durch unzweideutige Instructionen an alle Organe der Staatsverwaltung dahin zu wirken, dass ein Anlass zu Beschwerden überhaupt nicht oder doch mir in seltenen Fällen vorkämen. In vielen Fällen, so namentlich gegenüber den antisemitischen Angriffen auf die obersten Gerichtsbehörden und auf die ftaatsanwaltschaftlichen Funktionäre,