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Die Wahrheit · 1900-04-12 · Heft 13 (12.4.1900) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 13 (12.4.1900)
Date
1900-04-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 13. Die Wahrheit. Seite 7. Breslau, Prof. Dr. Martin Philippson-Berlin, Oberrabbiner D. Simonsen-Kopenhagen. Rabbiner Dr. Werner-München, D. Abrahams-Amsterdam, S. Benedict und Bernard Lazare- Paris, Dr. S. A Hirsch-London; ferner wurden dem russischen Verein drei Sitze Vorbehalten. Den letzteri Berathungsgegenstand bildete das Referat des Herrn Rabbiners Dr. Werner-München über Propaganda. . Von Herrn Bernard Lazare wurde folgender Antrag eingebracht : Die in Frankfurt a. M. versammelte Conferenz der Chowewe Zion ersucht das Central-Comito, das Projekt der Errichtung einer Bank zur Entwickelung der Colonisation und der Industrie in Palästina wieder auszunehmen." Der vorgerückten Stunde wegen wird der Antrag ohne Debatte der Propaganda-Commission znm Studium der Angelegenheit überwiesen. Herr Jo'eph Wisloch dankte Namens des Präsidiums den Delegirten für ihre eifrige Theilnahme an den Berathungen und spricht die Zuversicht aus. dass recht bald ersprießliche Resultate der gemeinsamen Arbeit in die Erscheinung treten werden. Nachdem hieraus die Herren Dr. H. Hildesheimer und Bernard Lazare dem Vorsitzenden für seine vortreffliche Leitung der Verhandlungen, den Frankfurter Herren und Vereinen für ihre Gastfreundschaft wärmsten Dank abgestattet, schloß eine glänzende Ansprache des Herrn Rabbiners Dr. Horovitz, welche den Segen des Allmächtigen für das begonnene Werk erflehte, die bedeutsame Conserenz, in welcher zum ersten Male alle in Palästina praktisch thätigen Vereine zu gemeinsamer Berathung sich zusammengefnnden hatten. Heinrich Heine. (Schluss.) Mit bewnnderungswerther Conseqnenz und unermüdlichem "Eifer wird gegen Heine, den Menschen und Dichter, gleichwäßig in Journalen, Büchern und Broschüren Sturm gelaufen. „Wie lüstern mich die Journale. Was für ein miserabler Kerl din ich nach diesen Artikeln, wieviel Mängel finden sie in meinen Werken. Geht das so fort, so werde ich bald gar nicht unter den Poeten gerechnet werden!" Doppelt erfreulich ist es, wenn solchem Haberseldtreiben gegenüber Männer, wie G. Karpeles, sich zur Lebensaufgabe gesetzt, auf Grund der eingehendsten Sachkenntnis, die Einsicht in die menschliche und dichterische Bedeutung Heine's zu fördern .-und zu heben. Im Anschlüsse an seine früheren Werke: „Heinrich Heine und das Judenthnm" (Breslau, 1868), Heinrich Heine und seine Zeit" (Berlin, 1888), „Heinrich Heine's Autobiographie" (Berlin, 1888), „Heinrich Heine und Rabbi Bachrach" (Wien, 1895), sowie insbesondere an die treffliche kritische Gesammtausgabe (Berlin, 1887, 2. Auflage, 1892) bietet uns der Verfasser in seinem neuesten Buche*) Alles, was er in den letzten 12 Zähren gesammelt, d. h. keine eigentliche abschließende Heine-Biographie, für die auch feiner Ansicht nach die Zeit noch nicht gekommen ist, sondern nur die kritisch polemischen Materalien zur Beleuchtung der einzelnen Beziehungen und Gesichtspunkte, von denen aus man das Leben des Dichters betrachteit kann und muss. Und welche Fülle interessanten Materiales und Stoffes findet der Leser hier aufgespeichert! Im ersten Buche der „Jugendzeit" lernen wir des Dichters Heimat und Kindheit kennen, das Stammhaus der Familie Heine in Bückeburg, die Mitglieder der Familie Geldern, Heine's Groß- Dater Gottschalk von Geldern und Josef von Geldern, einen Bruder von Heines Mutter, sowie einen Großonkel Simon von "Geldern, sammt zwei Doeumenten „einem Amulett gegen das Fieber und einem Globus aus der Reisetasche des Jerusalempilgers, ferner insbesondere und ausführlich, des Dichters Schwester, Charlotte Embden, von der sich Karpeles noch rühmen durfte, unmittelbare Anregungen und Eindrücke geschöpft zu haben. *) „Heinrich Heine. Aus seinem Leben und seiner Zeit." Leipzig. 1899. 347 S. gb. 8». 17 Portr. 6 Facs. (Mk. 7.50). . Im zweiten Buche, den „Lehr- und Wanderjahren", erfahreu wir von den bis jetzt unbekannten Beziehungen Heine's zu einem Lehrer Braunhardt aus der Zeit, wo der Dichter mit Eduard Gans. L. Zun; und Moses Moser den von Strodtmann sonst ausführlich geschilderten Culturverein zur Hebung des Judenthums gegründet, von den unerquicklichen Beziehungen zu Maßmann, Platen und — Döllinger, im Gegensätze zu dem Freundschaftsbunde mit K. Zmmermauu. Im dritten Buche sind wir im „Exile", welches für Heine trotz Treitschke leider ein solches war. Wenn wir es als ein Unglück für Heine betrachtet haben, dass die Freigebigkeit eines reichen Verwandten ihn nur zu sehr an Abhängigkeit von fremder Güte gewöhnte, so war es ein zweites Unglück für ihn, dass ihn das Schicksal an Paris fesselte, wo seine Leichtlebigkeit sitz nur zu sehr zu Hause fühlte und seine bessere Natur der schützenden Heimat entbehrte. Heine hat Frankreich viel gegeben aber spottwenig von ihm empfangen. Alle Wurzeln seines Dichtergenius ruhen auf deutschem Boden, hier können wir trotz der Ureigenheit seines Talentes die zahlreichen Fäden entdecken, welche ihn mit verwandten heimischen Poeten verbinden. Der französischen Litteratnr hat Heine kaum eine Zeile seiner Werke;u verdanken. Dass Heine seine Feder nicht verkauft, sucht Karpeles scharf nachzuweisen. Das Stipendiatverhältnis Heine's wird ausführlich beleuchtet, sowie die Beziehungen zu Ad. Chamisso, Fr. Hebbel, Richard Wagner, Ferdinand Lassalle, Mignet, Thiers, Guizot, George Sand, Alfr. Muffet, Alex. Dumas, Jmm. Fichte und Alexander Weil, dem Verfasser der „Elsässischen Dorfgeschichten" der berüchtigten »Zonvenirs intime de H. Heine.« Wir hören hier von der ergötzlichen Scene, wie der frühere Vorbeter Weill dem todtkranken Dichter die hebräischen Melodien auf der „Matratzengruft" Vorsingen musste. Die dicke Mathilde wunderte sich aber nicht wenig, wenn sie dieses unerhörte Lamento, dieses Tremoliren, Ouiuqueliren zu Ohren bekam. Als Weill seine erste Melodie vortrng, verkroch sich der Pudel Minka unter dem Sopha und Kokotte, der Papagei, wollte sich zwischen dem Käsiggitter erhängen. „Herr Weill, Herr Weill," rief Mathilde ängstlich „treiben Sie doch den Spafs nicht zu weit!" Weill fuhr aber auf Heines Geheiß fort, zu singen. Nun wandte sich Mathilde an ihren Gatten und fragte dringend: „Henri, sage mir doch, was sind das für Lieder?" „Es find unsere deutschen Volksgesänge", erwiderte Heine, und bei dieser Aussage ist er — nach A. Meißner — verblieben. Das Verhältnis Heine's zu Mathilde von der „Mouche" wird überhaupt in das rechte Licht gerückt. Das vierte Buch „die Nachwelt" genannt, bietet als interessantestes Capitel eine verschollene Grabrede H. Lanbe's, welche letzterer in Folge einer irrthümlichen Nachricht vom Tode des Dichters an die Augsburger „Allgemeine Zeitung" geschickt hatte. „Mein Auge ist trübe und unterscheidet keine deutlichen Umrisse von deiner ohnedies für das klarste Auge so schwer zu fassenden Gestalt. Ich versuche es nur, um sogleich und öffentlich zu sagen, dass auch persöitliches Interesse vertreten sein soll durch deine Freunde, und dass ich unter diesen jeden Augenblick bereit bin, für deines bürgerlichen Namens Wort mit allen Kräften einzufteheu, wenn die Widersacher ihn anlasten wollen — für deinen Dichternamen braucht es keines Testamentsvollstreckers; keine Macht der Erde löscht ihn aus der goldnen Tafel der Geschichte, welche die Namen der großen Dichter verewigt. Du hast unsere Welt verherrlicht; wie wenige können sich das uachsagen lassen, ohne Furcht vor Widersprach! Und dein Dichternamen hat keinen gegründeten Widerspruch zu fürchten"- Es würde zu weit führen, alle interessanten Abschnitte näher zu beleuchten, wir würden in die Versuchung kommen, das Buch ganz ausschreiben zu müssen, begnügen uns daher nur noch zu erwähnen: die Ausstattung des Werkes ist glänzend, der Preis nichtsdestoweniger sehr mäßig zu nennen.

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