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Die Wahrheit · 1900-04-12 · Heft 13 (12.4.1900) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 13 (12.4.1900)
Date
1900-04-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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- Seite 6. Die Wahrheit. dir. 13. geboten wird, ist von den hervorragendsten christlichen Kennern der jüdischen Religion und Literatur, sowie von den hervorragendsten k i r chl ich e n Au to r it ä te n entschieden zu rückgewiesen worden. Abg. Schneider: Gegen Bezahlung! Statthalter: DieRegierung bedauert die Ritual- Mo rd h e tz e und gibt der Ueberzeuguug Ausdruck, dass die fortschreitende Aufklärung der Wirkung derartiger Wühlereien ein Ziel setzen werde. Was die Aufforderung des Abg. Dr. Ofner betrifft, die Ausstreuer solcher Gerüchte zur Verantwortung zu ziehen, bedauert es die Regierung, dass der Verfolgung dieser Leute durch die geltenden Gesetze gewisse Grenzen gesteckt sind. Die Regierung wird in jedem einzelnen ihr zur Kenntnis gebrachten Falle die b e st e h e ud e n Be st i m m unge n a u s d a s s ch ä r f st e und n a ch d r ü ck l i ch st e zur A n- Wendung bringe n." Coufere») der in Palästina thätigen Vereine. Frankfurt a. M. 28. März. Auf Einladung des Central-Comitos der Vereine zur Förderung der Colonisation Palästina's tagte gestern und vorgestern hiersellst eine Conserenz der im heiligen Lande thätigen Vereine und Institute, welche alle durch Delegirte vertreten waren. Herr Rechtsanw. Dr. Blau begrüßte die Erschienenen und leitete die Bildung des Bureaus, in welches gewählt wurden: zu Vorsitzenden die Herren Charles L.-Hallgarten, Joseph Wisloch - Frankfurt a. M.; Bernard Lazare-Paris, Dr. Kuranda-Wieu, Dr. A. Hildesheimer-Berlin; zu Schriftführern die Herren Alsr. Geiger-Frankfurt a. M., Joseph M. Goldschmidt-Kopenhage-', M. Ussischkin-Jekaterinoslaw und Dr. E. Finkel-Straßburg i. E. Hieraus uahm, Herr Josef Wisloch das Wort zu nachstehender vom lebhaftestem Beisall begleiteter Ansprache: „Hochansehnliche Versammlung! Wenn auch seit langer Zeit schon so Vieles für die Colonisation Palästina's von den verschiedenen Vereinen geleistet worden ist, so müssen wir in der heutigen schweren Zeit, in welcher vom Osten Europa's der Nothschrei unserer armen, bedrückten Glaubensgenossen an unser Ohr dringt, zunächst darauf zu sehen, dass sich die verschiedenen Colonisations-Vereine eng aneinanderschließen! Darum begrüßen wir es doppelterfreut, dass so verschiedenartige Körperschaften, wie Alliance israelite universelle und die Pekidiin und Amarkalim sich mit den Colonisations-Vereinen aller Länder und so vielen anderen Vereinen zu gemeinsamer Thätigkeit für das heilige Land zusammengefunden haben! Durch diesen Zusammenschluß wird zunächst eine Klärung der ganzen Angelegenheit herbeigeführt werden können. Und wenn dies der Fall ist, dann wird auch ein ersprießliches Zusammenarbeiten sämmtlicher Vereine möglich werden. Wenn aus unseren Berathungen dieses Resultat erzielt werden sollte, so ist dasjenige erreicht, was die Conferenz anstrebt. Nochmals rufe ich Ihnen ein „Herzlich Willkommen" zu und ich hoffe und wünsche, dass reicker Segen von dieser Versammlung ausgehen möge zum Heile der Colonisation und zum Wohle unserer unglücklichen Glaubensgenoffen!" Nach Eintritt in die Tagesordnung erstattet Herr W. Bambus das Referat über die industrielle Colonisation. Die Ausführungen gipfeln in folgenden Anträgen: 1. Die am 26. März 1900 in Frankfurt a. M. tagende Conferenz der in Palästina thätigen Vereine empfiehlt allen Colonisations-Vereinen, auch die Förderung der industriellen Colonisation Palästina's, soweit dieselbe Juden beschäftigt, in den Kreis ihrer Thätigkeit zu ziehen. 2. Es wird eine Commiffion eingesetzt, welche die Errichtung eines Bazars für den Fremdenverkehr in Jerusalem unter besonderer Berücksichtigung der Olivenholz-Jndustrie in die Wege leiten soll. 3. Die Conferenz beschließt die Einsetzung einer Commission, welche die Errichtung einer Herrenkleider-Fabrik in Jaffa in die Wege leiten soll. 4. Die Conferenz empfiehlt der «Tewish Colonisation Association die Errichtung einer Conserven-Fabrik in Erwägung zu ziehen, welche die bessere Verwerthung der landwirthschaftlichen Erzeugnisse und die Beschäftigung jüdischer Arbeiter;um Zweck hat. 5. Me Conferenz setzt eine Commiffion ein, welche die Frage der Errichtung einer Seifenfabrik studiert. Nach längerer Discuffion wurden sämmtliche Anträge einstimmig angenommen und eine alle Länder umfassende Commission von siebzehn Mitgliedern mit deren Durchführung beauftragt. In der Nachmittags ^Sitzung verlas Herr Prof. Dr. Landau ein von Herrn Dr. Paul Nathan-Berlin, der durch Berufspflichten am persönlichen Erscheinen verhindert war, übersandtes Expose über die Nothwendigkeit einer gründlichen Erforschung Palästina's, feiner Hilfsquellen, seiner Bodenschätze, seiner ökonomischen Zustände und seiner handelsrechtlichen Verhältnisse. Herr Dr. Nathan beantragt, mit dieser Exploration eine Commission zu betrauen und derselben die erforderlichen Mittel zur Verfügung zu stellen. In lebhaftem Gedankensaustausch, welcher sich auf alle Seiten dieser schwierigen Frage erstreckte, wurde der Antrag in folgender, von Herrn Prof. Landau amendirter Fassung einstimmig angenommen: „Die Conferenz stimmt den Vorschlägen des Herrn Dr. Nathan principiell bei und beauftragt die Propaganda-Commission des Central- Comitös der Colonisations-Vereine, der nächsten Conferenz einen concreten Voranschlag über die Kosten einer solchen Expedition zu unterbreiten. Zugleich wird die Propaganda-Commission beauftragt, die Vorstudien für diese Expedition zu machen und sich über die rechtlichen Verhältniffe in Palästina zu instruiren." Ein Antrag des Herrn Ussischkin, dass „diese Commission zur Erforschung Palästina's mir der aus dem dritten Baseler Zionisten-Congreß gewählten Colonisations-Commission in Verbindung treten möge", wird angesichts der ablehnenden Haltung der Versammlung vom Antragsteller zurückgezogen. Nach Verlesung einer Reihe von telegrafischen und brieflichen Begrüßungen erstattete Herr Dr. Hirsch Hildesheimer das Referat über die landwirthschaftliche Colonisation, das zunächst die Veränderungen, welche der Uebergang der Besitzungen des Herrn Baron Edmond v. Rothschild auf die Jewish Colonisation Association zur Folge hat, hervorhob, um dann über die gegenwärtige Situation der Colouien sich zu verbreiten und mit der Begründung des Antrages zu schließen: „Die Conferenz empfiehlt den Vereinen, zunächst mit allen vereinten Kräften diejenigen Colonien zu unterstützen, die der Hilfe noch bedürfen, und zwar in erster'Linie Machanajim, in zweiter Linie B'nei Jehuda." Sodann erstatteten Herr Dr. S. A. Hirsch über B'nei Jehuda, die Herren Dr. A. Sal; und S. Bromberg über Machanajim ausführliche, demnächst im Druck erscheinende. Special-Referate, welche den Rest der Nachmiltagssitzung ausfüllten. Den zweiten Verhandlnngstag (27. März) cröffnete die Discuffion über das Colonisations Referat. Nach mehrstündiger Debatte wurden der Antrag des Referenten und nachstehende von den Herren Ussischkin und Bambus befürwortete Resolution einstimmig angenommen : „Die Conferenz lenkt die Aufmerksamkeit der «Jewish Colonisation Association auf die ernste Frage der Versorgung der jüdischen Landarbeiter in Palästina und empfiehlt, diesen in der Landwirthschaft erprobten Arbeitern die Möglichkeit zu schaffen, in ihrer bisherigen Beschäftigung sich zu bethätigen." Ganz besonders interessant und bedeutsam gestalteten sich die Verhandlungen über das Schulwesen in Palästina. Herr Rabbiner Dr. Horovitz legte in Überalls eindrucksvollem Referat die Grundlagen dar, auf denen sich das Umerrichtswesen im heiligen Lande aufbanen müsse, dass dasselbe nur dann von wirklichem Rutzen sein und seinen Zweck erfüllen könne, wenn es voll und ganz den Anschauungen und Bedürfnissen der jüdischen Bevölkerung Palästina's angepasst sei. An die Ausführungen des Referenten knüpfte eine gründliche Debatte an, deren Ergebnis die Annahme nachstehender, von Herrn Rabbiner Dr. Werner begründeter Resolution bildete: 1. Die jüdischen Schulen in Palästina sollen auf dem Boden des gesetzestreuen historischen Judenthums stehen. 2. Die jüdischen Schulen in Palästina sollen ihre Schüler zu tüchtigen, erwerbsfähigen Juden heranbilden. 3. Die jüdischen Schulen in Palästina sollen neben der Landessprache in erster Reihe die hebräische Sprache pflegen. 4. Die Conferenz ernennt eine Commission, welche die Aufgabe hat, das Schulwesen in den von den Chowewe Zion (Colonisations- Vereinen) subventionirten Colonien zu regeln und zu beaufichtigen. In die Commission wurden gewählt die Herren Rabbiner Dr. Horowitz und Prof. Werner-Frankfurt a. M., Dr. Braun-

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