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Die Wahrheit · 1900-04-12 · Heft 13 (12.4.1900) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 13 (12.4.1900)
Date
1900-04-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 13. Seite 5. Die Wahrheit. und sie könnten *u beut „Laude ihrer Väter";urückkehreu uub j einen unabhängigen jüdischen Staat dorr gründen: nichts, gar j nichts wäre damit gewonnen, solange nicht die Ursachen ge- > schwunden sind, die einst den Untergang des Staates und die! Zerstörung des Tempels herbeigeführt, ja zur Rettung des z Judenthums und damit der Judenheü diesen Untergang unum-! gänzlich nothwendig gemacht haben. Ein jüdischer Nationalkörper j ohne jüdischen Geist wäre und bliebe todt, ein jüdischer Staat,; der nicht in Verwirklichung des Gottesgesetzes das Bild einer! uns freilich als Ideal erscheinenden Verwirklichung der ewigen Gesetze der Gerecbligkeit und der Nächstenliebe aus Grundlage i der Sittenreiuheit darböte, wäre ein todtgeborenes Gebilde imb j unrettbar der Auflösung verfallen wie vor Jahrtausenden." Der Mann, der diese Worte niederschrieb, ist soeben in! die Gruft gestiegen, nach einem thatenreichen, der Jugender-! ziehung gewidmeten Leben. Director Mendel Hirsch in! Frankfurt a. M., der berühmte Sohil seines großen Vaters,! Samson Raphael Hirsch s. A.,war kein politischer Zionist,! aber er war ein Jude in des Wortes höchster Bedeutung. Und ' als solcher war er auch Einer von denen, welche die Regenerierung - des jüdischen Volkes erhofft und ersehnt. Als er sein berühmtes j Werk die „Haphtoroth“ veröffentlichte, war von der gegen-; wärtigen politisch-zionistischen Bewegung noch Nichts zu veri spüren. Wohl hatten schon Männer wie Peretz Smolensky, I Hirsch Kalischer. Rülf n. A. ihren Hoffnungen Worte geliehen,! dem Schnett Jsiaels nach einem Fleckchen Erde, wo es sich ausleben könne, in ergreifenden unb begeisterten Gesängen gehul-! digt. Aber es - waren doch nur Hoffnungen, deren Erfüllung einer, wie sie alle meinten fernen Zukunft Vorbehalten. Und nun scheint es, als wolle diese Hoffnung sich verwirklichen. Noch nicht in Palästina, im Lande unserer Väter — dort will matt uns noch keine Stätte gewähren, die groß genug wäre, unseren nothleidenden Brüdern ein sicheres Heim zu bieten, wo sie ruhig als Juden leben und sterbett können. Als I u d e ti! Ja, das ist es, was ‘ des Propheten j Auge geschaut „auch zu den dürren G e b e i n e n weiß! einst der Gottes Ruf zu dringen: daaraniotli hajeweschoth, | höret das Wort Gottes!"! Wer sich ein Wenig in der jüdischen Journalistik nmsieht! — und es dürste wohl wenige Inden geben, die nicht all-! wöchentlich wenigstens 2 bis 3 jüdische Zeitungen lesen — wer also deren Anslassnngen verfolgt, konnte eine auffallende Erscheinung beobachten. Es klingt zwar barock, aber es ist darum nicht minder wahr und zutreffend: Früher galt nur der als conservativer Jude, der Zion in seinen täglichen Gebeten gedachte, seiner Hoffnung aus Zion Ausdruck verlieh. Heute sind die euragiertesten Zionisten jene, welche das religiöse Judenlhnme kanin de.n Namen nach kennen, ja, mau möchte fast sagen, ostentativ es verleugnen. Wir haben nicht nöthig, das weiter zu beweisen, es liegt klar zu Tage und kommt nach den i verschiedensten Seiten zum Ausdruck. Was uns aber interessiert,! ist, den Ursachen nachzuforschen, die einen solch geradezu einzige j artigen Zustand herbeigeführt haben, herbeiführen konnten. Und! da ist denn die Lösung leicht gesunden. Was zu allen Zeiten j Israels Ruhm gewesen — hier ward es sein Verderben. Die j Leichtigkeit, sich allen es umgebenden Verhältnissen anzupassen,! die Möglichkeit, den Kindern eine gute Schulbildung zu geben, i die Schnelligkeit, welche Handel und Verkehr auch ihnen darboteu, mit anderen Völkern in Berührung zu treten — kurz, die; Assimilations fähigkeit auf jedes Verhältniss angeweudet,!; wurde der Juden Unglück auf nationalem u n d auf religiösem! Gebiete. Und dieses bezieht sich vor Allem auf Westeuropa. - Daher kommt es denn auch, dass in Osteuropa, wo die! zionistische Bewegung nicht nur .in den fortschrittlich gesinnten Juden ihre Hauptvertreter hat, sondern wo auch aufgeklärte orthodoxe Rabbiner — wir erinnern nur au den Gaon Samuel M o h i l e w e r s. A. — mit ganzem Herzen zu ihr stehen — wir sagen, dass es dort absolut undenkbar ist, das jüdisch - religiöse derart vom jüdisch-nationalen zu trennen, wie es in Westeuropa geschieht und wovon man sich in Wien tagtäglich überzeugen kann. Ist dieses aber schon bei der große Masse der westeuropäischen Zionisten der Fall — um wieviel mehr muss es einen auf conservativem Standpunkte stehenden Juden verletzen, wenn er an denen dasjenige auszusetzen hat, was doch gerade der Assimilation Vorschub geleistet.. Man wird uns antworten, dass der Zionismus nur die nationale, nur die politische Seite der Judenfrage lösen will, in religiö'er Beziehung aber jedem freie Hand, jeden nach seiner Fa^on selig werden lässt. Gut. Aber wir erinnern uns auch, gelesen zu haben, dass der Zionismus nichts nuternimmt, was das religiöse Gefühl verletzt. Heißt das nicht, dass er Rücksicht zu nehmen hat auf diejenigen — mögen sie Zionisten sein oder nicht — welche noch religiöse Juden sind, Nation und Religion nicht von einander trennen? Will der Zionismus das unleugbare Gute, was er bezweckt, voll und ganz zur Ausführung bringen, so muss er vor allen Dingen trachten, die religiösen Massen zu Anhängern zu gewinnen, dann muss er, dann müssen seine Anhänger und vor Allem müssen seine F ü h r e r in der Oeffenttichkeil wenigstens alles unket lassen, was in Wort, in Schrift oder in Thar das religiöse Gefühl verletzt. Was sie innerhalb ihrer vier Wände thun, kümmert uns nicht — nicht der ist in unseren Augen ein conservativer Jude, beffeu ganze Frömmigkeit auf Sabbathfeiern, Koscheressen und Tefilliulegen sich beschränkt — aber nach Außen, und bei ihrem öffentlichen Auftreten muss die stricteste Jnnehaltuug der Formen — unser ganzes Leben besteht ja aus Formen uub Formeln — verlangt werden! Nicht nur in der Theorie, sondern auch, ja erst recht in der Praxis muss es heißen: Das nationale Judenthum wird jüdisch, d. h. religiös sein, — oder es wird nicht sein. Samueli. Der Statthalter über die Rttuaimordhetze. Mit Bezugnahme aus den nugu-ckifici'baren Antrag des Abge» ordneten Schrteider in der Sitzung des niederösterr. Landtages vom 3. d. M., welcher den Vorstand der israel. Cultusgemeinde zu einer energischen Protestkundgebntlg und zu einer Eingabe an den Ministerpräsidenten veranlasste, stellten die Abgeordneten Dr. Ofner und Genossen in der Landtagssi tznng vom 6. April folgende Anfrage an den Statthalter: „Die lügenhaften Blutbeschuldigungen gegen die Juden sind in Bulleit der Päpste Jnuocenz IV., Gregor X., Martin V., Michael V. und Paul III., in einer großen Reihe königlicher Edicte und Decrete, von vielen theologischen Facnltäteu, uamhasten Kirchenfürsten und ausgezeichneten christlichen Gelehrten als Lüge erklärt worden. (Abg. Schneider: Weil s' a Geld braucht haben, die Päpste!) Der Orientalistencongress zu Rom im October 1899 hat auf Antrag des Kircheurathes Profesfor Kautsch die Beschuldigung einstimmig als „schlechthin unsinnig und des zu Ende gehenden 19. Jahrhunderts unwürdig" erklärt. Nichtsdestoweniger wird dieselbe von böswilligen Personen immer wieder erneuert, um das Volk zu verhetzen, die Gemüther zu verwirren und durch diese Verwirrung ihre eigennützigen, ehrgeizigen und gehässigen Zwecke zu verfolgen. Ihre Umtriebe haben bereits zahlreiche Verbrechen gegen Personeit und Eigenthum hervorgerusen; die Strafe traf aber immer nur die Verführten, während die Urheber ungestört ihr Unwesen trieben. Die Gefertigten stellen die Anfrage an Se. Excellenz: Ist die Regierung endlich geneigt, gegenüber diesen gemeinschädlichen Verhetzungen die nöthige Energie anfzndieten, inczbesoitders aber die Urheber derselben auf das schärfste zu beaufsichtigen?" Unterschriften: Dr. Ofner, Dr. v. Philippovich, Dr. Kronawetter, Noske, Kitschelt und Blach. Diese Interpellation wurde vom Staltha lter Grafen Kielmannsegg in der Landtagssitzung vom 11. d. in folgender Weise beantwortet: „Die Beschuldigung, dass der rituelle Ehristenmord in der jüdischen Religion und deren Schriften irgendwie begründet oder

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