Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1900
- Issue
- Heft 12 (3.4.1900)
- Date
- 1900-04-03
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile 8. Die Wahrheit. Nr. 12. Berücksichtigung bei Bewilligung der Subventionen erheische.! Der Bericht des Präsidiums über die im Hinblick auf den Ge-! setzentwurf über die allgemeine Altersversorgung der Privatan- - gestellten beschlossene Vertagung der im vorigen Jahre äugej regten Ausarbeitung eines Statutes für den Jubiläums-Pensi-! onsfond wird zur genehmigenden Kenntnis genommen. Hieraus wurde die Neuwahl des Curatoriums für die elfte Wahlperiode 1900—1902 voi genommen und hiebei gewählt: aus den sechs Wahlgrnppen die Herren: Adolf Lieblich (Jglan), Philipp Kohn (Nikolsburg), Josef Ornstein (Wessely), Josef Singer (Prossnitz), Dr. Alois Hilf (Mähr.-Ostran), und Dr. Siegmund Weiß (Boskowitz); aus dem Plenum die Herren: Julius Ritter von Gomperz, kais. Rath Mandl, Dr. S. Spitzer, Max Kohn, sämmtliche in Brünn und Eduard Hamburger (Olmütz). Zu Eriatzmännerlt wurden gewählt die Herren: Emanuel Oppenheimer, Gustav Tandler, S. Rosenfcld, Josef Hauser; zu Revisoren die Herren: G. Fischer, G. Tandler und Heinrich Bittner. Nach den üblichen Danksagungen sür.das Curatoriuul und den Vorsitzenden wird die Versatnmlnng geschlossen. Bei der Nellconstituirnng des Curatoriums wurden die Herren Julius Ritter von Gomperz zum Obmann und kais. Rath David Mandl zum Obmann-Stellvertreter des Curatoriums wiedergewählt. Wrürm. (M ä h r. - j ü d. Waise nhilfs-V er e i n.) Am 18. d. M. fand die diesjährige Generalversammlung unter Vorsitz des Viccprästdenten kais. Rath Mandl statt. Wir entnehmen dem zunächst vorgetragenen Rechenschaftsberichte über das Jahr 1899 folgende Stellen: Das abgelausene Jahr ist das dritte seit der namhaften Vermehrung uitseres Vermögens durch das große Legat des Baron Hirsch-Gereuth, das uns in den Stand setzte, unseren Vereinszweck in viel ausgedehnterem Umfange zu erfüllen, als früher. So können wir mit Befriedigung darauf Hinweisen, dass wir im Berichljahre unserer Thätigkeit eine größere Ausdehnung verliehen, eine größere Zahl von Waisenkindern in unsere Obsorge aufgenommen und eine höhere Summe für deren Pflege verausgabt haben. Infolgedessen haben wir unsere gesammten Einnahmen bis auf den Betrag von fl. 468 67 verausgabt, während sonst der Gebahrungs-Ueberschuß nie unter 1000 fl. zuiückblieb. Hingegen hat unser Fond durch das Legat des Herrn Bernhard Morgenstern per 5000 fl. und eine Stiftung des Herrn Josef Löw Beer per 500 fl. eine Vermehrung ei fahren, wofür wir den Namen der edlen Stifter ein dankbares Andenken bewahren werden. Die Spenden sind Dank der beträchtlichen Spende der Herren Brüder Epstein anlässlich des Hiuscheidens ihres Bruders Isidor per 500 fl. gegen das Vorjahr gestiegen, die Jahresbeiträge hingegen per 1002 fl. 34 kr. bleiben weit hinter den berechtigten Erwartungen fotvohl als hinter dem Bedürfnisse zurück, weil die an den Verein gestellten Anforderungen nicht durchivegs erfüllt, so manche Hilfesuchenden zurückgewiesen werden müssen, was beim Zuflüsse größerer Beiträge und Spenden vermieden werden könnte. Der Vorstand richtet deshalb einen dringlichen Appell an alle Wohlthäter, dem Vereine beizutreten, andere zum Beitritt zu veranlassen und den Verein mit ergiebigen Spenden zu bedenken. Für die Waisenpflege wurden 11.657 fl. 80 kr. verausgabt, um 560 fl. mehr als im Vorjahre. In der Vereinspflege standen im vorigen Sommercurse 155 Waisen, und zwar 33 in Brünn, 122 auswärts, im Wintercürse sind in Obsorge 150 Waisen, 32 hier und 118 auf dem Lande. Hiezu kommen 3 Pfleglinge, welche die Heinrich Gomperz'schen Stipendien a 70 fl. genießen. Die Pfleglinge besuchen Volks-, Bürger-, Mitteluud Fachschulen oder eine Lehre und werden auch über das 14. Lebensjahr hinaus unterstützt. Der Bericht schließt mit eitlem warmen Danke au die Mitglieder und Gönner des Vereines. Hierauf wird der Cassabericht von Herrn Leopold Löw Beer vorgetragen und beschlossen, den Jahresausweis in Druck zu legen und an die hiesigen Gemeindemitglieder mit der Aufforderung zum Beitritt zu übersenden. Nach Genehmigung des Jahresabschlusses uud Berichtes, sowie des Voranschlages pro 1900 werden die ausscheidenden Vorstandsmitglieder D. Mandl uud Tr. B. Placzek einstimmig wieder- und zu Revisoren die Herren Ignaz Schul; uud Gustav Tandler gewählt, worauf die Versammlmtg geschlossen wird. Wrag. Der Mchftenliebeverein zur Unterstützung verschämter isr. Hausarmer in Prag hielt am 18. März inr Altstädter Rathhäuse seine 59. Generalversammlung ab. Der Vorsitz führte der Direktor Herr Dr. L. Bendiener. Der Geschäftsbericht wurde genehmigt, auch dem Revisionsberichte^ wurde die Zustimmung ertheilt. Der Jahresbeitrag wird auf 6 Kronen erhöht. Nach Erledigung einiger Vereinsangelegenheiten wurden die Wahlen in den Vorstand vorgenommen imb wurden gewählt die Herren: Simon Dewidels, L. Knhs, S. Plohn, M. Popper, G. Schmelkes, G. Weltsch und E- Busch (neu), zu Revisoren die Herren A. Hahn, S. Kohn und H. Schulhof. Lemberg. In zionistischen Kreisen wird die Frage der nationaljüdischen Erziehung der Jugend in öffentlichen Versammlungen eifrigst besprochen. Herr Dr. Vierer ssn. weist auf den Niedergang des Judenthums uud auf den Abfall als das moderne nationale Unglück hin, welches zu allermeist auf Unkenntnis der nationalen Wissensschätze und der Mangelnden. Pflege unserer nationalen Sprache als Muttersprache beruht.. Die Unwissenheit des Volkes, welche in so horrender Weise die Zelte Jakobs wie einst in dichter Finsternis gefangen hält, bildet den fähigsten Helfershelfer der Assimilation und verleitet zu Charakterlosigkeit in Lehre und Leben. In diesem Sinne hielt Dr. Vierer Reden in allen drei Vereinen der zionistischen Richtung. Sein Bestreben geht dahin, das Judenthum zum: Urquell seiner Geisiesschätze hinzuführen und durch Reorgaiti- I sation der Schulen, die hebräische Sprache, Litteratur und dienationale Geschichte, von der Spielschnle bis zur Universität, zu pflegen und die nationale Sprache für das praktische und Volksleben auszubilden. Wie wir erfahren, soll derselbe gewillt sein,, behufs Agitation eine diesbezügliche Broschüre zu veröffentlichen,, unter dem. Titel: „Die nationaljüdische Schule im Lichte des Zionismus." Mudapest. Der ungarische israel. Handwerks- und Ackerbauverein hielt vorige Wache unter Vorsitz des Reichstagsabgeordneten Dr. Armin Neumann eine Ausschusssitznug ab. Vor der Tagesordnung wurde dem Andenken der Heimgegangenen Präsidentin des Damencomites, Frau Peter von Herzog, sowie der Ausschussmitglieder Jacob von Fürst uud Samuel Fleischt der Zoll der Pietät abgestattet. Es wurde sodann dankbarst zur Kenntnis genommen, dass Herr Peter von Herzog zum Andenken au seine verstorbene Gattin 2000 Kronen, ferner Frau Jacob von Fürst zum Andenken an ihren Gatten 1000 Kronen dem Verein als Stiftungen zukommen ließen, und es wurde beschlossen, diese Stiftungen auf der Marmortafel des Lehrlingsheims zu verewigen. Das Budget pro 1900 (Einnahmen. 34.400 Kronen, Ausgaben 35.700 Kronen) wurde in der Erwartung genehmigt, dass das Propagandacomits auch fernerhin erfolgreich thälig sein werde. Auf Antrag der Schulsection wurden an 15 Stipendisten der höheren Gewerbe- und Bauschule die Stipendienbeträge für das zweite Semester angewiesen. Der Bericht des Secretärs, wonach die in den Ackerbauschulen (Ada, Hodmezö'Vasärhely, JLßbereny und Szabadka) nntergebrachten Ackerbanzöglinge im ersten Semester sämmtlich vorzügliche Zeugnisse erhielten, wurde mit Befriedigung zur Kenntnis genommen. Aus der Markus und Babette Pollak'schen Stiftung wurden einem ehemaligen Vereinszögling (Elektrotechniker) zur ersten. Einrichtung seiner Werkstätte 100 Kronen bewilligt. Auf Antrag des Ausschussmitglieses Paul Tencer, welcher auf die Nolhwendigkeit der patriotischen Erziehung der Vereinsjugend hiuwies, wurde beschlossen, für die Handwerkszöglinge des Vereins alljährlich eine Märzfeier zu veranstalten; ebenso wurde der Antrag des Ausschussmitgliedes Dr. Emil Farkas, der Verein möge die Namensmagyarisirung der Vereinszöglinge! wirksam fördern, einstimmig mit dem Zusatz angenommen, dass! die erforderlichen Kosten durch freiwillige Spenden der Aus-- I schussmitglieder aufzubringen seien.