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Die Wahrheit · 1900-03-26 · Heft 11 (26.3.1900) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 11 (26.3.1900)
Date
1900-03-26
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Die Wahrheit. Nr-. 11. statt, zu der wir alle Freunde und alle Jene, die sich für zionistische Bewegung interessireu, herzlichst einladen. Für das vorbereitende Comitö, Primär. Dr. Sigmund Kornfeld, Dr. Jacob Stößler, Dr. Hermann Engländer, Hugo Benediner. Made« Die wichtigsten Aufgaben, die eine Cultusgemeinde zu erfüllen hat, sind 1. die Förderung und Hebung des Religionsunterrichtes und 2. die Förderung humaner Institute und Ausübung von Wohlthaten nach einer von der Vernunft und dun Humanitätssinn gebilligten Richtschnur. Und diese beiden Aufgaben hat die hiesige Cultusrepräsentanz in der vom 23. Mai 1897 datirten Zjährigen Wahlperiode gewissenhaft erfüllt. Die Zahl unserer schulpflichtigen Kinder ist durchaus keine enorme und wird der Unterricht einer solchen in anderen Gemeinden gewöhnlich von einem Lehrer besorgt. Hier jedoch werden 30 Knaben von 2 Lehrern, durchschnittlich 22 Stunden wöchentlich, unterrichtet, so dass jeder Schüler täglich 2 Stunden Unterricht genießt. Für die Mädchen ist ein besonderer Lehrer bestellt, ker ihnen den gesetzlichen Unterricht, jeder Abtheilung 2 Stunden wöchentlich, ertheilt. Ein weiteres Verdienst auf dem Gebiete des Religionsunterrichtes kann der Cultnsansschnss für sich in Anspruch nehmen, indem er auch für die Schuljugend in den umliegenden Ortschaften Sorge getroffen. Bis 1897 mußte in der Gemeinde-Umgebung jeder jüdische Inwohner für den Religionsunterricht feiner Kinder selbst bedacht sein, und es kam häufig vor. dass manche Kinder ohne jeden Unterricht aufwuchsen. Diesem Uebel zu steuern, werden von der Cuttusgemeinde 2 Wanderlehrer subventionirt, welche die Aufgabe haben, allen im Sprengel der Gemeinde sich befindenden jüdischen Schulkindern den gesetzlichen Religionsunterricht, 2 Stunden wöchentlich, zu ertheilen. Die Aussicht über sämmtliche Lehrämter führt die Schulsection mit dem Gemeinderabbiner als Obmann, der alljährlich Prüfungen vornimmt, und werden außerdem während des Jahres in der Umgebung Schulinspectionen gehalten. Was das Armenwesen betrifft, wird, wer Einblick in dasselbe hat, unumwunden gestehen müssen, dass den vorhandenen .Mitteln entsprechend. eher zuviel .als zruuenig geleistet wird. Die Ortsarmen werden mit Wochengeldein, von 2 bis 8 Kronen, bedacht, jeder Unterstützung heischende Passant, nach Dürftigkeit und Würdigkeit, beschenkt, und während der Cursaisoir bilden I die curbedürftigen Armen, welche in beträchtlicher Anzahl erscheinen, eine der Haü^tthätigkeiten des Vorstandes. Die Sorgfalt für diese Armen ist eine sehr ausgedehnte und könnte dieselbe ohne mildthätige Beihilfe der bemittelten jüdischen Curgäste nicht durchgeführt werden. Aber diese humane und nothwendige Beihilfe vermindert sich von Jahr zu Jahr, während die Zahl der hilfesuchenden Bedürftigen im selben Maße zunimmt, so dass die Sorge sich einstellt, dass der gute Wille zum Helfeit beim Vorstande wohl stets vorhanden sein wird, die Mittel hiezu aber endlich fehlen werden. Einer solchen Calamität theilweise vorzubauen, gierig der Vorstand schon voriges Jahr daran, das Armenwesen zu centralisiren, indem sowohl die Chewra- Kadischa, als auch der israel. Frauen-Wohlthätigkeits-Verein, deren Sinn für Wohlthun hierorts allgemeine Anerkennung findet, zur Unterstützung der kranken Armen herangezogen wurden, wodurch bewirkt wurde, dass unsere Cultusgemeinde in der vorjährigen Curfaison hinsichtlich der Armenunterstützung mit dem größten Curorte rivalisiren könnte. An sonstigen Anregungen zur gedeihlichen Entwickelung des Gemeindelebens, sowohl auf rituellem als auf dem Verwaltuugsgebiete, hat es während dieser Wahlperiode im Cultusausschusse nicht gemangelt, und sind nicht alle gutgemeinten' Anträge in diesem Zeiträume zur Ausführung gelangt, so bilden sie dennoch den Keim für eine gute Saal, die in spätern Jahren aufgehen wird. Und auch dies kann und darf am Schluffe gesagt werden: Jedes Mitglied des bisherigen Cultusausschuffes war ernstlich bestrebt, die Gemeinde nach seinem Sinne zu heben, und wären die Menschen von Natur aus an Anschauung und Gesinnung nicht so verschiedenartig geschaffen, so könnte in unserer, wie in jeder Gemeinde wohl Treffliches geleistet werden. J. Merkt«. Einen interessanten Beitrag zur Geschichte der Juden in Preußen im abgelaufenen Jahrhundert, insbesondere zu ihrer wirthschaftlichen Entwickelung liefert die zur Jahrhundertwende herausgegebene „Chronik der Gesellschaft zur Verbreitung des Handwerks und des Ackerbaus unter den Juden in Preußen von 1812—1898." Diese Gesellschaft wurde im Jahre 1812 begründet und im Jahre darauf von dem damaligen Berliner Polizeipräsidenten Lecoq formell genehmigt. Sie entfaltete gleich in den ersten Jahren ihres Bestehens, über di^ allerdings nur spärliche Nachrichten vorliegen, eine rege Thätigkeit, so dass sie zn Beginn der zwanziger Jahre bereits 107 Lehrlinge ausgebildet hatte. Von 1825—1840 nahm die Tätigkeit der Gesellschaft den höchsten Aufschwung. Während bi^ dahin ihre Pfleglinge zumeist der Provinz Posen entstammten, wandte sich in dieser Zeit vornehmlich die jüdische Bevölkerung Berlins dem Handwerk zu. Bis 1872 gieng die Thätigkeit der^ Gesellschaft wieder zurück, um von da und besonders, seit dem Jahre 1882 wieder einen erneuerten Aufschwung zu nehmen, der noch andauert. Bis zum Jahre 1898 haben 1105 Pfleglinge die Fürsorge der Gesellschaft genossen, die im Durchschnitt nur 111 Mark jährlich kosteten. Nach dem Vorbild dieser ersten in der erwähnten Richtung wirkenden, Gesellschaft haben sich inzwischen zahlreiche andere gebildet. Verschiedene Nachrichten. Wien. Wir erhalten folgende Zuschrift: In der letzten Nummer Ihres geschätzten Blattes berichtet der Verfasser des Artikels „Josef Werlheimer" u. A. Folgendes: „Josef Wertheimer's Hand war mit einem Ringe geziert, der in Edelsteinen ausgeführt, die Inschrift trug : " 'n Wp inpivH,, Von Josef, dem Sohne Jacobs, wird rühmend erwähnt^ dass er stets und immer Gott vor sich hatte." Vielleicht vermag der Verfasser anzugeben oder zu eruiren, an wen dieser interessante Ring, vererbt wurde. Es wäre jedenfalls angezeigt, ein solches Kleinod pietätsvoll zu conserviren. B. M. Wien. Freitag, den 23. März d. I. Abends und Samstag, den 24. März Früh hat Herr Eugen Dawisohn, Obercantor in Teplitz, im Leopoldstädter Tempel Probevorträge abgehalten. Wien. Samstag, den 17. d. M. fand im türkischen Tempel die Barmizwah des Sohnes des Herrn Mathias jR u s s o und Enkelkindes des Präsidenten Marcus M. Russo statt, aus welchem Anlässe fast die gesammte Gemeinde dem Gottesdienste beiwohnte. Der Confirmand, Marcell Russo, las die Parascha selbst und hielt eine Rede in spanischer Sprache. Rabbiner M. Papo richtete an denselben eine gemütvolle Ansprache und Obercantor Bauer recitirte einen für diese Feier verfassten »Msodoboraok«. Schuldirektor Groag widmete dem Confirmanden ein Gedicht. Nach dem Gottesdienste fand im Hause der Eltern ein Dejeuner statt, an welchem viele Mitglieder der Gemeinde mit ihren Damen theilnahmen. Einen besonders erhebenden Anblick bot ein großer Speisesaal, in welchem alle Armen der Gemeinde und sämmtliche Chorknaben reichliche Bewirthung fanden. Unter den vielen werthvollen Geschenken erregte das des Vicepräsidenten Licco Adutt, welches den türk. Tempel mit seiner Facade darstellte, besondere Aufinerksamkeit. Wien. Herr Max Stärk hat sich mit Frl. Rosa Beck, Tochter des Vorstehers im Fugbachtempel Herrn Salomon Beck, verlobt. Wien. Sonntag, den 18. d. M. fand im Tempel VI., Schmalzhofgaffe die Trauung des Herrn Sigmund Zeisel, Cafetier im II. Bezirke, mit der Tochter des durch seine Frömmigkeit und seinen' Wohlthätigkeitssinn bekannten Fabrikanten, Herrn Josef Feitler, (Firma Feitler u. Comp.) statt. Den Trauungsakt vollzogen Rabbiner Dr. Taglicht und Obercantor Dünnmann. Wie«. Sonntag, den 18. d. M. fand im Tempel in der Seitenstettengaffe in Anwesenheit eines zahlreichen Publicums die Trauung des Herrn Max Schwager, Administrator der „österr. Wochenschr." mit Fräulein Regine K o h n statt. Den Trauungsact vollzogen Oberrabbiner Dr. Güdemann und Obercantor Singer. Wien. Donnerstag, den 22. d. M. fand das Leichenbegängnis des im Alter von 85 Jahren verstorbenen Volksschnldirektors Herrn Albert Wand l, Vater des bekannten Leopoldstädter Arztes Dr. Herm. M a n d l, unter großer Betheiligung statt. Der Verblichene war ein. tüchtiger Schulmann und genoß allgemeine Verehrung. Die cantorale Funktion beim Leichenbegängniße versah l. Cantor M. Blatt. Arän« Dienstag den 27. März findet hier die Trauung des Herrn Leo K o r n i tz e r, Obercantor in Klattau, mit Fräulein Bertha Schmidt, statt. Wadnitz. Am 15. März feierte in vollkommener körperlicher und geistiger Frische der Chef der Firma Brüder Treulich in Radnitz, Herr Salomon Treulich, durch mehr als 30 Jahre Mitglied des hiesigen Gemeinverathes und früher Cultusvorsteher, seinen 70. Geburtstag, aus welchem Anlasse derselbe Gegenstand vielfacher Ovationen war. Zunächst versammelten sich die zahlreichen Mitglieder der Familie, um ihr geliebtes Familienoberhaupt zu beglückwünschen, und außerdem liefen während des Tages viele briefliche und telegrafische Gratulationen ein. Unter den persönlich erschienenen Gratulanten war auch der Rabbiner der hiesigen.

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