Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1900-03-26 · Heft 11 (26.3.1900) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 11 (26.3.1900)
Date
1900-03-26
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3062972-3063013-3063024--00707-3067234
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 11. Die Wahrheit. Seile 11. Cultusgemeinde, Herr A. Stein, der in formvollendeter Rede den Jubilar! feierte. Prag. (Der alte I u d e nf r i e d h o f.) Die Regulirung der! Josefstadt, der ehemaligen Judenstadt, bringt neuerlich eines der ältesten! Historischen Denkmale unserer an geschichtlichen Erinnerungen so reichen! Stadt in Gefahr. Der alte Judenfriedhof, über den die Stürme von! Jahrhunderten dahingegangen, der wiederholt gefährdet und wiederholt : durch ein einsichtiges Machtwort in seinem Bestände gesichert wurde! zuletzt durch eine Entscheidung Joses's II. — soll nach einem Plane des; Stadtrathes entfernt werden. Nicht nur die Prager 'Kreise, auch die ‘ gesammte gebildete Welt, die in ähnlichen Denkmalen, wie der bedrohte j Friedhof, eine Art von Gemeingut erblickt, hat ein Interesse, diesen Be-! schluss nicht ausgesührt zu sehen. Hoffentlich werden die Bemühungen.; den Friedhof zu erhalten, von Erfolg sein. Uebrigens gibt es in Oester-? reich einen Verein zur Erhaltung der denkwürdigen Alterthümer. Er! könnte keine dankbarere Aufgabe finden, als den von den Dichtern der j verschiedensten Nationen besungenen, von der bildenden Kunst in berühmten! Nachbildungen dargestellten Friedhof der Zukunft zu erhalten. Bisher ist j noch immer die Inschrift respectirt worden, die sich über dem Eingänge! des Friedhofes befindet: „Ehrfurcht dem Alterthum — Achtung dem! Eigenthum — Ruhe den Todten!"! D ie Purimfeier des jüdischen Volksvereines, die am 18. d. in Heines Grandrestaurant abgehalten wurde, fiel glänzend aus. Der'Besuch des Festes war sowohl am Nachmittag, der den Kindern gewidmet war, als auch am Abend ein massenhafter. Die künst-; lerischen Darbietungen der Mitwirkenden, unter denen sich Mitglieder des! hiesigen Dilettantenvereines ganz besonders auszeichneten, fanden den i lebhaftesten Beifall. Die Tombolagegenstände, wie auch das Koscher-Büffet, : waren von Vereinsmitgliedern beigesteuert worden. Erst nach Mitternacht konnte der Tanz in seine Rechte treten, dem mit Ausdauer gehuldigt wurde. Zkachod. Am 15. Mär; starb hier die allgemein geschätzte Kreis-; rabbinerswitwe Frau Theresia Wiesner im 80. Lebensjahre. Dr. H.! Goldstein, Rabbiner in Kopenhagen, ist ein Schwiegerenkel der Verstors denen, ein anderer Schwiegerenkel ist Dr. Gustav Gerson, Gvmnasialpro- : fessor in Prachatitz. Schültenyofen. Die Statthalterei hat dem Cantor Gerson S a m e k die Dispens als Rabbiner für Böhmen verliehen. Aatzau, lö. März. Heute starb hier Herr Leopold Weil, der seit 45 Jahren an der hiesigen israel Cultusgemeinde als Lehrer gewirkt batte. ZSudapest, 19. März. In imposanter Weise wurde gestern Nachmittags das 50jährige Jubiläum des Professors an der israel. Lehrerpräparandie Sigmund O z e r gefeiert. Aus diesem Anlass hatte sich ein zahlreiches, distinguirtes Publicum im Prachtsaale der israel. Cultusgemeinde in der Pfeifergasse versammelt. In erster Reihe richtete der tön. Schulinspector k. Rath Dr. Karl Verödy eine schwungvolle Ansprache an den Jubilar, dessen Verdienste er einer Würdigung unterzog. Dann überreichte Ministerialrath Ludwig Axanwthy in Begleitung gehaltvoller Worte dem Gefeierten ein Begrüßungsschreiben des Unterrichtsnnnister Julius Wlassics, in welchem der Minister der Wirksamkeit Ozer's warmes Lob spendet und seiner Ausdauer aus dem Gebiete des Ilnterrichtswesens die höchste Anerkennung zollt Dann richtete der Director der Lehrerpräparandie Dr. Joseph Bmwczi eine schwungvolle Begrüßungsansprache an ■ den Jubilar, worauf Julius Kornfeld im Namen des israel. Lehrervereins, 1 Joseph Schön im Namen des Budapester Lehrkörpers, ßLadislaus Nagh! in Vertretung des Landesvereins der Präparandie-Prosessoren, der Fünf-! kirchner Scbuldirector Jakob Klingenberg namens der Provinzvereine, Professor Wilhelm Radü namens der staatlichen Lehrerpräparandie im III. Bezirk, Bürgerschulprofessor Rudolf Rudolf Bärd im Namen der ehemaligen Schüler, Eugen Nona im Namen der jetzigen Schüler und Moriz Goldberger im Namen der Zöglinge der Uebungsschule dem Jubilar gratulirten. Auch zahlreiche Angebinde, darunter ein meisterhaft ausgesührter Silberkelch und viele Glückwunschtelegramme und -Schreiben seitens verschiedener Anstalten, Corporationen und Privaten wurden dem Jubilar überreicht. Der Nihilist. Ein Zeitroman aus dem russisch-jüdischen Lebens Von Moritz Scherbel. (Nachdruck verboten.) (29. Fortsetzung.); „Doch ich habe dabei nicht ganz selbstlos gehandelt — ich werde Sie als Verwandter anreden — mein lieber Alexander. Ich hatte,.als ich Sie suchte, mein eigenes Interesse dabei." Also, kann ich mit irgend etwas dienen?" „Dienen — wie man's nimmt." „Gut, ich werde Sie hören. Jetzt indess wollen Sie mich auf eine! Viertelstunde entschuldigen, da ich meinem Vater-einige wichtige Mitthei-! lungen zu machen habe und auch dieser mich in ernsten Angelegenheiten : |u sprechen wünscht; es gibt Familiengeheiniffe" — sagte Alexander wie; scherzend und begab sich zu seinem Vater in das Nebengemach. „Sie werden mir," wandte sich Aronson an die bis jetzt schweigend l dagesessene Doborah. „inzwischen mittheilen, was sich seit der Zeit, da! Ich Mitau verlassen. Wichtiges daselbst zugetragen hat."! „Nun, da wäre wohl manches zu erzählen. Indess wird in meinen Jahren das Gedächtnis so schwach, dass ich mich in diesem Augenblicke! ckaum auf etwas Besonderes besinnen kann. Wodurch sind Sie zu der Kenntnis gelangt, dass Alexander hier ist, da ich selbst die größte Vorsicht gebraucht, um nirgendshin etwas darüber verlauten zu laffen?" „Ich habe es durch die Glanzbergs in Gomel erfahren." „Mir ist das Haus gar nicht bekannt, ich weiß auch gar nicht, ob Alexander jemals Verbindungen nach dort gehabt." „Er weiß es doch wohl, denn man hält dafelbst große Stücke auf ihn. Man hat sogar die Absicht, sich mit ihm ver>vandtschaftlich zu verbinden." „Was Sie da sagen?!" sprach Deborah mit weiblichem Erstaunen — „wie kam Alexander zu dieser Bekanntschaft?" „Er hat auf seiner Flucht vor der Polizei Gelegenheit gehabt, eine Tochter des Glanzberg kennen zu lernen, und ist sogar in meinem Hause noch mit ihr zusammengekommen. Wie das zugegangen, weiß ich nicht, ich war zur Zeit verreist. — Nun, muss ich Ihnen, Deborah, die Sie doch der Familie Wandelowicz so nahe stehen, sagen, dass mir selbst diese Sache nicht gleichgültig ist, nicht gleichgültig sein kann." „Ihnen? ich wüsste nicht." „Nun, weil der Alexander mir von seinem Vater für meine Tochter zugesagt ist." „Gehen Sie, das ist mir ja ganz neu." „Gut, ich will Sie darüber ausklären." Er rückte näher an Debora heran, dann sprach er: „Es gab vor Jahren in Mitau eine Nacht in dem Gebhard Wandelowicz'fchen Hause, in welcher wir Beide, ich und Sie, zu Zeugen eines Auftrittes gemacht wurden, der weder bei mir noch bei Ihnen in Vergessenheit gerathen sein kann. Ich brauche Ihnen nicht mehr zu erzählen, was da geschehen ist. Ich sowohl wie Sie hatten da Gelegenheit, Wandelowicz Dienste zu leisten, die weit über das Gewöhnliche hinausgingen. Ich kann nicht sagen, dass man undankbar gegen mich gewesen, allein man hatte Ursache, sich meiner Verschwiegenheit in ganz besonderer Weise zu versichern, und was ich neben Anderem dafür forderte, war das Versprechen, einst Alexander meiner Tochter Rahel zum Gatten zu geben. Wohl sträubte sich Wandelowicz anfangs dagegen, doch willigte er schließlich darein. Erkennen Sie jetzt, Debora, meinen diesbezüglichen Anspruch aus Alexander?" „Das wäre in der That eine absonderliche, kaum zu rechtfertigende Abmachung." „Pah — Sie wissen, dass das bei uns Juden in Rußland nichts Neues ist." „Wohl, aber ich halte diesen Brauch für höchst unvernünftig, wenn nicht noch schlimmer; die Bestimmung, sich als Mann und Frau einander anzugehören, muss den Betreffenden überlassen bleiben." „Glauben Sie, dass meine Tochter dem Alexander nicht angemessen ist." „Sie mag es zehnmal sein, aber sie muss von Alexander aus eigener Eingebung gewayrr werden. Aronson wollte antworten, wurde aber in diesem Augenblicke von Gebhard Wandelowicz nach dem Zimmer gerufen, in welchem sich dieser bis jetzt mit feinem Sohne im Gespräche befunden hatte. (Fortsetzung folgt.) Notizen. Kaffee! Die bestbekannte Firma „Ali Mikado“ G. Singer, Wien, I., Wollzelle Nr. 8, eröffnete eine Filiale ihres Kaffee- und T b e e - M a g a; i n s in der T a b o r st r a ß e Nr. 28, Ecke der Rothensterngafse. Unsere in der Leopoldstadt wohnenden Glaubensgenossen werden die Einrichtung dieser Filiale gewiss freudig begrüßen, nachdem ihnen jetzt bequem Gelegenheit geboten sein wird, ihre Einkäufe von feinstem, täglich f r i s ch g e b r a n n te m Kaffee, Zucker, Thee, Cognac, Rum, Feigenkaffee :c. in ihrem Bezirke besorgen zu können. Wir wünschen der unternehmenden Firma einen recht guten Erfolg und zweifeln nicht.dass unsere israelitischen Hausfrauen der Firma ,,-V.u Mikado- G. Singer den Vorzug geben werden, umsomehr als dieselbe bekanntlich ausgezeichnete Kaffeesorten zu billigen Preisen verkauft. Anion-Dank Die dreißigste ordentliche General-Versammlung der Actionäre der Union-Bank findet Samstag, den 21. März 1900, um 11 Uhr Vormittags, in den Banklocalitäten, I., Renngaffe Nr. 1. statt. Tagesordnung: I. Bericht des Verwaltungsrathes und Vorlage des Bilanz-Abschlusses pro 1899. 2. Bericht des Revisions-Ausschusses und Beschlußfassung hierüber. 2. Beschlußfassung über die Verwendung des Reingewinnes. 4. Wahlen in den Verwaltungsrath. 5. Wahl des Revisions-Ausschusses für das Jahr 1900. Die stimmberechtigten Herren Actionäre, welche an der General-Versammlung theilzunehmen wünschen, wollen ihre Actien in Gemäßheit des H 27 der Statuten spätestens am 22. März deponiren, und zwar: in Wien bei der 2iqnioatnr der Union- Bank, in Tricir bei oer Filiale der Union-Bank, in Berlin bei der Berliner Handelsgesellschaft, i:i Frankfurt a. M. bei der Deutschen Effecten- und Wechfelbank. Die -Haie» sind un er Anichluß von Consignationen zu erlegen, welche vom Einreicher eigenhändig zu unterzeichnen und für Wien in zwei Exemplaren, für die anderen Erlagsstellen in drei Exemplaren ausznfertigen sind. Ein Exemplar der Consignationeu erhält der Deponent mit der Empfangsbestätigung versehen zurück; nach abgehaltener General-Beriammlung werden die Actien gegen Rückstellundieser Consignation ausgefolgt. Das Stimmrecht kann vom Actionär oder von deffen gesetzlichem Vertreter persönlich oder durch Bevollmächtigung eines anderen stimmberechtigten Actionärs ausgeübt werden. (Z 28 der Statuten )

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.