Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1900
- Issue
- Heft 11 (26.3.1900)
- Date
- 1900-03-26
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Hesterr.- ungar. Kantoren-Aertung. Ir. 11. Beilage zur Zeitschrift „Die Wahrheit." 20 Ichrg. Gemeinde- und Neremsbote. Wien. (Aus der Plenarsitzung des Cultus- Vorstandes vom 18. Marz 1900 unter demVor- 1 i tz e d e s ersten V i c e - P r ä s i d e n t e n vr. Alfred Stern. (Präsident kais. Ralh Heinrich Klinger beurlaubt.) Im Einlaufe befinden sich eine Note des Magistrates, mit welcher mitgetheilt wird, dass seitens des Ministeriums für Kultus und Unterricht dem Rabbiner Mayer Mayersohn die erforderliche Dispens ertheilt wurde, und die Statthalterei gegen die beabsichtigte Bestellung des Genannten zum Rabbiner resp. Mabbinatsassessor nichts ein nwenden hat. An Spenden sind eingelaufen: Von den Erben, nach dem sei. Herrn Jgnace Ritter von Ephrussi zur Fundirung der Jahresbeiträge desselben, für die Armen-Anstalt K. 4000.—, für die Speise-Anstalt Kronen 4000.—, für den Waisenverein K. 2000.—. Von Herrn Julius Reitlinger für arme Schulkinder K. 100. —. Von Herrn Albert Mayer als Gratiale für einen Siftnngsbewerber Kronen 20.—. Durch das „Neue Wr. Tagblatt" für israel. Waisen K. 20.—. Von Herrn Aouis Fischt für das Siechenhans K. 10.—. Die Dr. Adolf und Emannel Stern'sche Stiftung für Rigorosanten der Medicin (6 Plätze ä fl, 109.—) wird über Referat des Herrn Docenten Dr. Grünfeld an 6 Hörer der Medicin verliehen. — Zn Juroren für die Ignaz Blumenfeld'sche Widmung für Bildhauer werden über Referat des Vertreters Herrn Dr. M. Steiner berufen die Herren: Prof, von Zumbusch, Prof. Kundmann und Prof. Hellmer. Sodaml wird eine große Zahl von Personalien erledigt und hierauf die Sitzung geschlossen. Wien. (O e st e r r e i ch i s ch - I s r a e l i t i s ch e U n i o n). Am 17. d. M. fand im Restaurant Guth eine zahlreich besuchte! Vereinsversammlung der „Oesterreichisch-Jsraelitifchen Union", I statt, in welcher Herr Rabbiner und Feldprediger Dr. A. Kisch l uns Prag eitlen interessanten geistvollen Vortrag über „Die! Prager Judenstadt zu Beginn des 17. Jahrhunderts" hielt. —! Nachdem der Präsident, kais. Rath Anninger, die Versammlung,! darunter insbesondere die Vertreter des Verbandes jüdischer; Religionslehrer Professor Dr. Weiß und Professor Pollack, | begrüßt hatte, erstattete zunächst Secretär Fleischer eingehenden Bericht über die Thätigkeit des Abwehrbureau während der letzten Wochen. Der Bericht schilderte die wechselnden Phasen der Klosteraffaire Araten, in welcher trotz strengster Weisungen des Justizministers sich — bisher wenigstens — das Wort j bewahrheitete, dass an den Klostermanern die Staatsgewalt l aufhöre. Mit Erfolg ist dagegen das Abwehrbureau gegen eine! neue, ilt Prag erschienene Hetzschrift „das jüdische Pessachfest"! eiligeschritten, deren Confiscation vom Prager Staatsanwalte trotz der unerhörten Lüge, dass die Juden von jeher zum Pessachseste Kinder schlachteten, verweigert worden war. Der Justiz- I minister sprach seinen Unwillen über die Duldung solcher Publij cationen aus und verfügte die sofortige Beschlagnahme dieser Brochüre. — Das von einem jüdischen Kaufmann in Pforzheim namens Leopold Landau an antisemitische Blätter versendete Eirculär, in welchem der Polnaer Mord einer jüdischen Geheimfecte zugeschrieben wurde, veranlasste die Entsendung des Bureauleiters nach Pforzheim und Karlsruhe, wo auch eine amtliche Bescheinigung des großherzoglichen badischen Bezirksamtes Pforzheim festgestellt wurde, dass Landau geistesgestört ist und Wiederholt in Irrenanstalten untergebracht war. — Einem Allsuchen um Schutzmaßregeln für die durch Pöbelexcesse bedrohten j Huden in Rauchowan wurde vom Minister des Jllnern unverweilt entsprochen. — Der Bericht wurde mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Hierauf folgte der obenerwähnte Vortrag. Wim (D i e G run d st e in l e g u n g des B rig i tt ena u e r Tempels.) Am Purimtage herrschte in der Brigittenau in doppeltem Sinne „bei beu Inden Licht und Freude." Der Vorstand des Tempelvereines halte nach Laugell Mühen für diesen Tag die Grundsteinlegung zu seinem Tempel festsetzeti können. Der Bauplatz war von Festestheilnehmern dicht gefüllt. Auch auf der Straße herrschte dichtes Gedränge und die Fenster der Nachbarschaft, die einen Ausblick auf den Platz boten, waren besetzt. Von manchem Fenster aus aber sagte der Schmuck der Fahnen und der Teppiche, dass hier Leute wohnen, die nicht blos mit den Augen, sondern auch mit dem Herzen an der Feier da unten theilnehmen. An der Spitze des Vereines, der bald hier Hausherr werden soll, erschien dessen verdienstvoller Obmann, Herr Hermann E l t b o g e n. Er nahm das Wort zur Begrüßung der Versammlung und statt te namentlich Herrn Polizeirath S k a c i l, der sich mannigfache Verdienste um den Verein erwarb, für sein Erscheinen den besten Dank aus. Zur Uebereiustimmung mit dem Vorstände der Cnltnsgeineinde trage die heutige Feier den Charakter eines intimen Festes für die Mitglieder des Vereines, weshalb auch von der Einladung der ofiiciellen Persönlichkeiten Abstalld genommen wurde. Nachdem hierauf Herr Rabbiner Dr. Templer dem Stein mit einigen kurzen, aber frommen und herzlichen Worten die Weihe gegeben hatte, hielt Herr Ellbogen an die Versammelten eine zündende Ansprache, welche mit den schönen Worten schloss: „Ich hoffe, dass der heute beginnende Ban unter dem Schutze „des mächtigsten Bauherrn aller Welten zu einem glücklichen „Abschluss gedeihe, dass den Mauern des Hauses gleich auch der „Verein stark und mächtig dastehe, als ein Zeichen des Zusammen- „haltens, des Friedens und des Gottesvertrauens. So sei denn „dieser Bau geweiht, zur Ehre Gottes, der Religion und unserer „Glaubensgenossen." Die Rede deL Herrn Eltboae». der bei deur lekt-r^ die ersten drei Hammerschläge gethan halte, wurde lebhaft acclamirt. Polizeirath Skacil hob hierauf die Bedeutung des Baues hervor und schloss mit beu Worten: „Zur Ehre Gottes, für die Nächstenliebe und für's Vaterland!" Hierauf brachte Cantor Rnhmann mit seinem wohlgeschulten Chor beu Psalm: 'tfvr; »3 “pis zum Vortrag, worauf sich die Versammlung zum Festgottesdienst in das alte Belhaus begab. Der Raum hatte wohl noch niemals ein so zahlreiches Publicum gesehen. In seiner Festrede knüpfte Herr Dr. Templer an das Wort aus Esther an D'iirrn bj ns DU3 und hob nebst den Verdiensten des Vorstandes besonders jene der Damen, der Muttergemeinde und vieler Wohlthäter um das Zustandekommen des Tempels hervor. Mit dem Kaisergebete, der Absingnng der Volkshymne und dem Vortrage eines Psalmes schloss dann die Feier. Wien. Dienstag, den 13. d. M. fand die erste ordentliche Generalversammlung des vor Kurzem gegründeten Bethaus- Vereines „Montefiore" unter zahlreicher Betheiligung seiner Mitglieder statt. Der Vorsitzende, Herr Jacob Weiß (in Firma Kohn & Weiß) begrüßte in freundlichen Worten die Erschienenen und erstattete einen erschöpfenden Bericht, welcher allseitig beifälligst ausgenommen wurde. Bei der hierauf stattgehabten Borstandswahl wurden die Herren Jacob Weiß, I. A. Wasservogel, Edmund Hofmann, Dr. Leopold Brady und Wilhelm Fleischmann in das Präsidium, die Herren Ignaz Beckmann, Jacob Winter, Adolf Hirschler, Emannel Taub, Wilhelm Kleppner, Moritz Schlesinger, Samuel Pick, Josef Gnttmann, Salomon Braun, A. Löwy, Alois Duckes, Nathan Königsberger und Michael Goldsand in die Vereinsleitung gewählt. Zu Bethausvorstehern wurden gewählt, die Herren: Elias Weiß, Meyer Kunstadt, Jacob Sputz, Moses Klein, Wilhelm Kohn und Josef Braun. Wim. Samstag, den 24. März, 8 Uhr Abends, findet in Khuners Restauration, I. Adlergasfe, eine Versammlung, behufs Gründung einer zionistischen Ortsgruppe „Innere Stadt"