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Die Wahrheit · 1900-03-18 · Heft 10 (18.3.1900) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 10 (18.3.1900)
Date
1900-03-18
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seile 10. Die Wahrheit. Nr. 10. Neujahrstage 1842 in der Augustinerkirche in Wien die Tenorpartie einer großen Messe unter derselben allgemeinen Anerkennung zu singen, wie er den Wochcngoltesdienst und die Agenden des zweitrn Canto» s an rer Seite Sulzers in der Seitenstettensynagoge versah. Seine nach jeder Richtung umfassende Vorbildung. wie seine seilen schöne Tenorstimme verschafften ihm alsbald 11844), durch der Uebernahme der Breslauer ObercantorstrUe, eine Positiorl zur Bethätignng seiner außerordentlichen Fähigkeiten und Kenntn.sse. Neben den allgemein anerkannten Leistungen als Obeicaiuor galt Deutsch auch als feinfühliger Oratorium- (Händel-) Sänger, gründete im Jahre 1859 eine Bildttngsschnle für jüdische Cantoren, deren alleirtiger Lehrer er war, gab noch außerdem ersprießlichen Privatunterricht und war ein überaus rhätiger Mitarbeiter der „AUgemeiueu Zeitung des Judenthums". Im Jahre 1864 verösientlichte Deutsch seine „Orgelpräludien", 1867 die „Synagogen- und Schullieder", 1870 „die Vorbetcrschule." welche als allererste Auszeichnung ausschließlich cantoraler Recstmione gelten muss, und 1880 die „Breslauer Synagogengesänge", lvoraus noch eine Lol uickrs-Bearbeitung mit Örgelbegleitung und die zweite, erweiterte Auflage seiner „Vorbeterschule" folgte. All diese Arbeiten dettteu daraus hin, dass Deutsch mit seiner überaus reifen künstlerischen Anschauung dem Principe huldigte, beim Syitagogengesange und namentlich bei den cantoralert Recitationen möglichst die .Traditionsgesange zur Anwendung zu bringen.*) (Fortsetzung folgt.) A wo das Jisroel. Cs ist schwerlich anzunehmen, dass es de m Collegen Zivi mit seinem fulminanten Artikel gegen das genannte Werk lediglich darum zu thnn war, die Echtheit und Wahrheitstreue des süddeutschen Tradilionsgcsanges, wie er im Rosenhaupt'schen Werke zur Darstellung gebracht wurde, im Gegensätze zu dem meiuiqelt, darruthun; denn ein Musikhistoriker, der die musikalische . P. ' - .r .,—7 ----— •»■•«• MUV-II ftlllCIt OUt5 trägen in Düsseldorf und Elüerseld die seltsameMaximc zugrunde legte: „Unser verfeinerter Musikgeschmack und moderner Gehörorganismus wären nicht mehr dafür geeignet, eiti solch krauses §: Zeug, wie die allhebräische Tempelmnsik gewesen sein mochte, - j\ anzuhören und zu begreifen", dem wird es sehr wenig daran l gelegen sein, ob und wie unser traditioneller Gesang zur Veri |j auschaulichung gelangt. Es lvar also blos ein Liebesdienst, den f | der Freund dem Freunde damit leisten wollte, und da wäre j j:~ es weil besser^nnd glaubwürd ger gewesen, wenn der Artikel- T r schreibet die Sache mehr objectiv und oiuo ira. et stuckio I behandelte. | l, Nun, ich kann dem seines Freundes sich so warm anj!. nehmenden Collegen zrtr Beruhigung versichern, dass ich mit * meinem Werke keinerlei Concurrenz ausüben und Niemandem damit in die Grenzen rücken wollte. Ich habe meine Sammlung des so reichen Materials traditioneller Melodien und Gesänge des ganzen Kalenderjahres, sowohl vom süddeutschen wie vom polnischen Ritus — wie viele hervorragende Collegen es mir bezeugen fömieu — bereits seit vielen Jahren vollendet gehabt. Ich habe zunächst mit der Veröffentlichnitg des Werktags- Gottesdienstes für süddeutschen Ritus probeweise begonnen, in der zuversichtlichen Hoffnung, dass es mir gelingen wird, auch die andern Theile im selben Ilmsange und beider Riten, erscheinen *) In diese Periode fällt die Veröffentlichung „Der Tonarten des traditionellen Synagogengesanges" von Obercantor Josef Singer in Wien, und es würde gewiss eine Lücke im Rahmen dieser Besprechung bilden^ wenn diese hochbedeutsame Arbeit keine Erwähnung fände. Der Verfasser kann selbstredend über seine Kundgebung sich nickt äußern, aber umsomehr halten wir es für unsere Pflicht, auf dieselbe hinzuweisen. Berühmte Musiker und Musikkritiker, wie Hosrath Hanslik, Professor Jodassohn und Riedl in Leipzig, Einhorn in München schrieben glänzende Kritiken. Tre Cantoren theilten sich in zwei Lager, unter den Gegnern war auch anfangs Moriz Deutsch; allein in seinen Nachtrage zur zweiten Auflage der „Vorbeterschule" spricht er Singer seine ungeschmälerte Anerkennung für sem verdienstliches Streben aus. Die Redaktion. lassen zu können. Um den Vorzug der Priorität schlage ich mich gar »licht; ich muss sie deiljenigen Werken überlassen, die vor den» »»»einigen erschiene»» sind, obgleich »»»eine Arbeit und Zusam- »nenstellungen vielleicht älter si»»d. Aber »vas in meinem Pulte sich befindet, geht Niemanden an, von dem braucht keiner bie mi ndeste Notiz zu nehmen. Was der geschätzte Kritiker an meiner mnsikalischen Rhythmik und Prosodie ansztlsetzen hat, weiß ich nicht, da er sich darüber nicht äußert und vorzieht, es aus sich selbst beruhen zu lassen. Ich kann die Sache daher nur den verehrlichen Sachverständigen anheilnstellen, zwischen der Prosodie im Rosenhaupt'ichei» und der in meinem Werke gütig st zu entscheiden, welche von beiden ihnen grammatikalischer und sinngemäßer erscheint. Nur ein sicheres Kennzeichen möchte ich dem gestrengen Beurtheiler meines Werkes dennoch geben, wie eine kunstgerechte Rhythmik in einem jr"ldischen Gesangbnche imb eine sachgemäße Prosodie in» hebräischen Texte zu erkennen sind. Eine Rhythmik, die sich nicht n»»ch der grammatikalischen Konstruktion des Wortes und nach der richtigen Scheidung der Silben, sowie ihrer Länge und Kurze richtet, ist — wag sie noch so kunstvoll sein — eine fehlerhafte und falsche, und eben danach gestaltet sich auch die betreffende Prosodie. Hub eben dadurch, dass ich es mit der Prosodie so genau nehlne, ift's mir nicht wie Ander»» gestattet gewesen, in meinem Werke — um mit Herrn Zivi zu reden — Prägnanz ^»»nd Knappheit zu üben.* Denn es mag dieselbe Melodie oder Sangweise seilt, »ven,» ihr ein anderer Text unterlegt werden und die dadurch veränderte Prosodie genaue Beachtung finden sollte, bekommt diese Melodie und diese Tonweise eine ganz andere Gestalt, die wieder einen besonderen Ausdruck erfordert und daher »»niliöglich übergangen und dem Vortragenden allein überlassen »verden kann. Bald müssen gaitze Tongänge und Sätze noch hinzugesügt, bald solche verringert und abgekürzt, bald m»»ss eine und dieselbe Melodie ausgedehnt und bald zusammengedrängt »verden. So z. B. kann derjenige, der eine B'rochoh in der Sch’mauno essre gut und t" vcificiji, nocy mcyt alle anderen B'rochaus, von kürzerem und längerem Bestände, ebenso gut und correct vortragen. Jedes Gebetstück dieses Abtheils erfordert eine ganz verschiedene Behandlung und Empfindungsweise, obgleich die Rezitationsart überall dieselbe ist, und daher müssen sie alle besonders verzeichnet und verdeutlicht werden. Mögen daher um» andere prägnant und präcis sein, ich habe lieber die Ausführlichkeit und Gründlichkeit für mich gewählt. Uebrigens ließe sich auch bei Rosenhaupt Vieles verkürze»» und Manches ersparen, um eben noch prägnanter und bündiger zu erscheinen. Man könnte ja überhaupt von jedem. Gesangstücke nur das Motiv anszeichnen und hinterher die Jnitialzeichen u. s. w. hinzusügen; das könnte auch schließlich genügen, wie unsere Alten bei solchen unausgeführten Sätzen die Bemerkung zu machen pflegten und es deit Verständigen überließen, das Weitere daraus zu deduziren. Mein Werk ist aber für die Allgemeinheit geschaffen und will namentlich für Eleven rntd angehende Cantoren instructiv sein, daher muss es auch allseitig und mannigfaltig sein. Das muss doch der Kritiker zugeben, dass a»lch einige echte süddeutsche Recitative im Buche sich beftubeu und ich muss ihm dafür noch dankbar sein. Denn »vas hätte ich thnn köiinen, wenn es ihm einsiele zu behaupten, es ist gar nichts Süddeutsches darir»? Betveife giebt er ja keine, also könnte er alles Mögliche behaupten. Ich besitze aber die Kompetenz^ gerade das Gegentheil zu behaupten, dass alles darin Enthaltene süddeutsch und ausschließlich süddeutsch ist, beim die norddeutschen, resp. polnischen Recitative und Melodien, wie sie bei mir sämmtlich verzeichnet sind, laute»» ganz anders. Ja aber meine Individualität, die sich überall hervordrängt und kennbar macht, was hat diese in einem süddeutschen Werke zu thnn? Ja wahrlich, ich war nicht daraus bedacht, bei der Bearbeitung dieses Werkes die Individualität erst abzustreisen und aus mir selbst herauszukriechen. Allein ich glaube, dass meine Individualität und Eigenart dem Werke nicht allein nicht geschadet, sondern gfamrailiMm«Wa^

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