Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1900
- Issue
- Heft 10 (18.3.1900)
- Date
- 1900-03-18
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10. Die Wahrheit. Seite 11. dass sie ihm vielmehr genützt hat, und werden mir die College»,! Io hoffe ich, dafür dankbar sein. Denn nicht der in Süddentschland! geboren und erzogen ist, hat die Generalpacht für den süddeutschen! -Gesang allein übernommen. Es kann Einer, der von der weiten! Fremde herkam, ebensogut und vielleicht noch besser sich mit ihm! vertrant machen und ihn naturgetreu lviederzngeben verstehen. Zn! Belgien lin ich zwar nicht gewesen, aber eine „Rheinreise"! habe ich ebenfalls gemacht und mich bei dieser Gelegenheit auch! in Holland längere Zeit ansgehalten, wo ich sogar das correcte j Hebräischlesen gelernt habe. > Hürden, den 4. März 1900. | I L a ch m a u n.! Verschiedene Nachrichten. i Wien. Freitag, den 16. März Abends, und Samstag, den 17. März - Früh wird Herr Jacob Schleifer, Obercantor in Floridsdorf, im Leopoldstädter Tempel Probevorträge halten. Beginn des Gottesdienstes : .Freitag Abends um 6 Uhr 15 Minuten und Samstag Früh um 8 Uhr. Wien. Am Sonntag, den 11. d. M. fand im Leopoldstädter Tempel die Trauung Sr. Ehrwürden, des Herrn Rabbiners Dr. I. M. B a ch mit Frl. Adele F u ch s, Tochter des Rabbinats-Secretärs und pädagogischen Schriftstellers Rudolf Fuchs statt. Der zu diesem Anlasse besonders reich geschmückte Tempel bot einen prächtigen Anblick. Außerordentlich stark war die Betheiligung des Publikums. Die Trauung vollzog der ehrwürdige Amtscollege des Bräutigams, Ober-Rabbiner Dr. Schmiedl, der sich in seiner formvollendeten Ansprache auf den Vers der Megillah bezog: ..Bei den Jehudim war Licht, Freude und Ehre!" In geistreicher Weise interpretierend, fand der Redner Gelegenheit. sowohl der Verdienste des Brautvaters um das jüdische Schulwesen, als auch der durch Begabung und Character errungenen Stellung des Bräutigams Erwähnung zu thun. Den cantoralen Theil der Trauung vollzog nnt gewohnter Meisterschaft der l. Cantor Herr Moriz Blatt, der die Feier mit einem herrlich vorgetragenen Ma-towu einleitete. Unter den Anwesenden bemerkten wir; Herrn Ober-Rabbiner Dr Güdemann und Frau, die Präsidenten der israelitischen Cultusgemeinde Dr. Alfred Stern und Dr. Gustav Kohn, die Cultusvorsteher Dr. Markus Spitzer, 'Edl. von Mieses. Direcior Simon, Dr. Alfred Berger und Rosner, die Bethausvorstände Jacob Moor, Teltscher, Jaiteles und Prof. Brüll und Gärtner, wie auch die Compositionen des Herrn Josef Königsberger und die brillant vorgetragenen Lieder des Frl. R. Rottstein von der kgl. Hofoper in Berlin gebührend hervorgehoben. Massenhaft waren die Begrüßungen von auswärts, besonders aus der Heimat des Gefeierten. Die Witwe des Verewigten — die mit ihren Kindern anwesend war — erfreute sich allseitiger Aufmerksamkeit. Wie». Der humanitäre Geselligkeitsverein „Die Szenitzer" in Wien hat Samstag, den IO. d., ein Ballfest (Jahrmarkt in Szenitz) abgehalten, das in animirtester Stimmung verlief. Um das Arrangement des gelungenen Festes haben sich die Herren Obmann Jos. Back und Frau, Paul Fröhlich, als artistischer Leiter, und Cassier Jos. Birnbaum besonders verdient gemacht. Wien. Im literarisch-geselligen Mädchen-Verein „Moria" sprach vorige Woche Dr. Leo Sofer über das Thema: „Nietzsche und die Frauen" zugleich zur fleißigen Lectüre dieses hochinteressanten Schriftstellers anregend. Nietzsche hat eine gleich ideale Auffassung von der Stellung und Bestimmung des Weibes, wie der Dichrer des hohen Liedes, entgegen der pessimistischen Ansicht des Philosophen Schopenhauer. Wien. Sonntag, den 18. d. wird Rabbi Elia Cohen, Arzt und Schristgelehrter aus Teheran (Persien), im Betlocale des Vereines „Talmud Thora" (H, Malzgasse 16) um 6 Uhr Abends einen Vortrag in reinem biblischem Hebräisch halten, welches Prediger Grün Absatz für Absatz wortgetreu ins Deutsche übersetzt. Da der Gegenstand des Vortrages von allgemeinem Interesse ist, sind auch Damen freundlichst geladen. Eintritt frei ZLudapek. In Anwesenheit eines großen und diitingnirten Pub» licums fand gestern Vormittags 11 Uhr im israel. Tempel in der Tabakgasse eine glänzende Trauung statt. Herr Nikolaus Beer, Procurist der Firma Adam Adlers Söhne, führte die Tochter des bekannten hauptstädtischen Bürgers D. H. Spitzer, Frln. Olga Spitzer, zum Traualtar. In Würdigung der großen Verdienste, welche sich der Brautvater in unserer Stadt und speciell auf dem Gebiete der Wohlthätigkeit in unserer Gemeinde erworben, waren auch die Spitzen fast sämmtlicher Vereine erschienen, um spontan ihre Anerkennung und Hochschätzung jenem Manne zu bezeugen, der Jahrzehnte hindurch mit unermüdlicher Thärigkeit dem allgemeinen Wohle sich widmet. Unter den zahlreich Erschienenen bemerkten wir: Ministerialrath Stefan Kissaludy-Lipthay, Abgeordnete Dr. Moriz Mezei, Ludwig v. Polnay, Berthold Weiß, Dr. Max Falk, Dr. Armin Neumann, Dr Lazar Samuel, Vorsteher Louis Baumgarten, Ludwig Adler, Max Grünbauin, Tempelvorsteher Jacob Deutsch, Julius Adler, Jacob Boschan, Stadrepräsentanten Sigmund L. Breitner, Paul Temer, Philipp Bak, Oberrabbiner Dr. L. Venetianer, Kammerralh Dr. Langfelder und Kanitz, kais. Rath Dr. Kohn, den Chefarzt der Rettungsgesellschaft, kais. Rath Dr. Charas, kais. Rath Wilhelm, die Regierungsräthe Wilhelm Neumann und Dr. Bachrach, Director Fischer, die Rabbiner Sor. Dr. Abelcs, Tr. Mandl und Reich, die Ober-Cantoren Singer, Bauer, Schorr, I. Cantor Schlesinger, Amtsvorstand Gustav Wiener mit vielen Beamten der Cultusgemeinde, die Verwalter Becker u. Koditschek, Gesangsprofessor Manzoni, Frau Dr. Jonathan Wolf u. A. Bei der hierauf in der elterlichen Wohnung der Braut abgehaltenen Gratulation erschienen die Herren Rabbiner Meyersohn, Fürst, Kramer und Baumgarten, Director Langbank, Realitäten-Besitzer Straßberg und Frau, Redacteur Hollitscker, u. A. Außerdem fanden sich ein: Deputationendes Bethausvorstandes des XVI. und XVII. Bezirkes unter Führung des Herrn Cultusvorstehers Rosner, der Chewra-.Kadischa derselben Bezirke .unter Führung des Herrn Trncka, des Vereines der Kinderfreunde und des Vereines zur Ausspeisung armer jüdischer Schulkinder, die erste von Herrn Hohenberg, die zweite von Herrn Dr. Löwy geführt, des Frauenvereines des XVI. und XVII. Bezirkes unter Führung der Frau Kallberg, des Theolog. Vereines, der durch seinen Präsidenten Dr. Margulies eine Ehrenadresse überreichen ließ. Der „Jüdische Volksverein" stellte sich mit einem herrlichen Blumengewinde ein. Ein heiteres Mahl vereinigte sodann die Familienmitglieder noch lange in bester Stimmung. Wien. Sonntag am 18. März l. I. >/, 3 Uhr Nachmittags findet im Tempel I., Seitenstettengasse die Trauung des Fräuleins Regine .Kohn mit dem langjährigen Administrator der „Oesterr. Wochenschrift", Herrn Max Schwager statt. Wien. Im „Hotel Continental" fand vorigen Mittwoch bei großer Betheiligung der Zionisten und sonstigen Freunde der hebräischen Sprache aus Anlass des 15. Wiederkehr des Todestages Smolensky's, dieses höchst productiven und für die moderne Bewegung epochemachenden -Schriftstellers, eine Smolensky-Feier statt. Nachdem üblichen „6»u«l6s>mu3^ begrüßte Präses Korngold von der „Kadimah", welche das schöne Fest veranstaltete, die zahlreich Erschienenen und ertheilte Herrn Dr. Leon Keller das Wort zur Festrede. In derselben zeichnete der Vortragende in knappen, charakteristischen Zügen den so interessanten Lebenslauf des gefeierten Dichters, zugleich eine Parallele ziehend zur Biografie Moses Mendelssohn's und besonders die Bedeutung des Buches: „Das Labyrinth des Lebens" rühmlichst hervorhebend. Die schwungvolle Rede war selbst ein klares Meisterstück in literarhistorischer Beziehung und erntete Redner mit Recht reichen Beifall. Ebenso acclamirt wurden die Reden der Herren Dr. Herzl, Dr. Kahn und Dr. Werner. Von den anusikalischen Leistungen seien die kunstvollen Darbietungen der Herren Mikos vom Honvedasyl, Prof. Ren, Großkaufleute David Brust, Moriz Rosenberg, Älarich v Schultz, Weiß de Szurda, Fürst de Maroth, Fischer v. Tovaros, Hatvany-Deütsch, Schoßberger de Tornya, Dr. Fuchs, Dr. Rudolf Ehrenhaft, Dr. Ferdinand Adler, Dr. Victor, Dr. Moriz Wittmann, Ausschussmitglied der Advocatenkammer, Eduard Fleischmann, Dr. Josef Reich, Dr. Armin Muranyi, Kanzleichef Theodor Glück u. A. Dem Trauungsact vollzog Rabbiner Dr. Samuel Kohn und richtete eine schwungvolle Ansprache an das Brautpaar, in welcher er die Verdienste des Vaters ganz besonders hervorhob, und indem er die Tugenden einer musterhaften Gattin pries und die Brautmutter als nachahmenswerthes Beispiel der anmuthigen Braut empfahl, ertheilte er noch den Segen der Religion dem jungen Paare. Hierauf folgte der gesangliche Theil, welchen Obercantor Prof. Lazarus besorgte. Auch er blieb mit seiner Ehrenbezeugung nicht zurück und verfasste zu dieser Hochzeitsfeier einen Trauungschor für gemischte Stimmen und Solo „Melieroh adono.j elauhenu.-* Die Composition fand allgemeinen Beifall und erfreute ganz besonders die Familie. Zum Schluffe sprach der Rabbiner den Priestersegen über das junge Paar. Möge er sich ihm voll und ganz erfüllen zum eigenen Heile und Wohle, zur Freude der Eltern und der ganzen Familie. Herr D. H. Spitzer konnte noch im Lause des Tages die Wahrnehmung machen, dass das Sprichwort: „Dem Verdienste die Krone" sich bei ihm im vollsten Maße bewahrheitete. Durch viele Stunden drängten sich die Kommenden und Gehenden, die ihre Wünsche in der Wohnung darbrachten. Die Zahl der eingelaufenen Depeschen und Begrüßungszuschriften konnte noch nicht festgestellt werden. Unrer den Gratulanten befinden sich auch Grand-Rabin Zadoc Kahn, Paris, Oberrabbiner M. Hirsch. Hamburg. Aaja. Am 19. v. M. ist hier Herr Tr. Heinrich Lemberger im 90. Lebensjahr gestorben. Der Heimgegangene, der als Arzt und Menschenfreund allgemein geschätzt wurde, genoß auch den Ruf eines großen Sprachenkenners und beherrschte wie selten Einer die hebräische, , chaldäiiche, lateinische, griechische und viele andere Sprachen. Der Erz- ’ biichof von Kalocsa hat öffentlich einmrl gesagt, er kennt keinen solchen Lateiner in Ungarn wie Dr. Heinrich Lemberger. Dieser seltene Mann i war auch ein außerordentlicher Verehrer der indischen Cainoren. und als der seelige Obercantor Mandl sein 25jähriges Amtsjubiläum feierte, . wie auch beim 70. Gebnrtsfeste desselben war er der Dolmetsch der! Gefühle der Gemeinde und der Repräsentanz. Möge es Anderen zum! Musterbild dienen, wie ein Mann wie Dr. Heinrich Lemberger, der auf! der höchsten Stüfe der Wissenschaft stand, über einen jüdischen Cantor! dachte und wie er jüdische Kunst und die hebräische Litteratur zu wür- - digen wusste.