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Die Wahrheit · 1900-03-18 · Heft 10 (18.3.1900) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 10 (18.3.1900)
Date
1900-03-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
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:eile 8. Die IDdbvhcit. Nr. 10. Nie«, 12. Würz. < T - s Vertretung s r e ch t der i s r a e l. C U l 1 US g e m e i n b e n im Or 1 sichulraib e. Nach dem Schulzügtich wäbtrcn Vertreter der Cultusgemeinde auszuüben sei. Auf («rund des viel später in's Leben yerretenen «Gesetzes zur Regelung der israelitischen : Eultusangelegenbeiten wurden in ganz Oesterreich Cultus-Districtsbezirke eingerichtet und der Amtssitz derselben sestgestellt. So gehören auch die in Plan ansässigen Israeliten zum Districtssprengel Kuttenplan.! weshalb der Culwsratb von Kuttenplan für die israelitischen Schulkinder von Plan einen Vertreter ini Ortsschulrathe wählte. Diesem wurde jedoch vom Ortsschulrathe Plan der Eintritt verwehrt. lieber Recurs der Cultus-; gemeinde wurde dieser Beschluss als ungesetzlich ausgehoben und dem ■ Ortsschultatbe die Zulassung des israelitischen Vertreters aufgetragen. Da diese Entscheidung sowohl von der Statthalterei, als auch vom , Ministerium für Cultus und Unterricht bestätigt wurde, ergriff der Orts- : schulrath die Beschwerde an den Verwaltungsgerichtshof, der heute unter dem Vorsitz des Vicepräsidenten Dr. Freiherrn v. Lemaycr zu entscheiden hatte. Die Beschwerde machte geltend, dass in Plan keine israelitische : Cultusgemeinde sei unb nur eine Planer Cultusgemeinde ein Vertretungsrecht hätte. Ministerialsecretär Hiller bekämpfte diese Interpretation. Der Verwaltungsgerichtshof wies die Beschwerde als unbegründet ab mit der Molivirung, ..da in Plan ordnungsmäßiger israelitischer Unterricht ertheilt werde, besitze dort die zuständige Cultusgemeinde Kuttenplan das Vertretungsrecht." Wie«. (Gegen die P i ä t e r i r u n g i ü disch e r Lehre r). Ein ans D clegirten mehrerer Vereine ztlsammcngesetztes Comit« veranstaltete am 13. d. M. im Saale der Nestauration ,,zum goldenen Widder" eine Protestkundgebung gegen die systematische Präterirnng der jüdischen Lehrkräfte. Der Referent Dr. Nappaport schilderte die tristen Verhältnisse in jüdischen Lehrerkieisen und kennzeichnete die Bedrückung der provisorischen Unierlehrer und Unterlehrerinnen die seit dem christlichsocialeu Regime von jedem Vortücken tiud der definiliven Anstellung ausgeschlossen werden, als eine empörende Ungerechtigkeit. Beim letzten Lehreravancenient seien ganz vorzüglich qualificirte Lehrkräfte. die mehr als zehn Jahre zur vollen Zufriedenheit der Vorgesetzten lhälig sind, wieder übergangen worden. Einer dem Statthalter das ^tufrichisrecht über die Gemeinde zustehe, dass jedoch die Frage, wie dieses Anffichtsrecht auszuüben wäre, nicht zu lösen sei. Ter Unterrichtsminister habe erklärt, dass ihm eine Jngerenz nicht zustehe. Der Referent beantragte eine Resolution, in der das Vorgehen der Ehriftlichfocialen in scharfen Worten gekennzeichnet wird. Unterlehrer Answerber betonte, dass die Ehristlichsocialen die jüdischen Lehrer nur deshalb maßregeln, weil Letztere freisinnig seien. Diese Bedrückungen werden jedoch eine Knebelung der Lehrer nicht herbeisühren, sie werden im Kampfe gegen die Ehristlichsocialen nicht ruhen, und wenn die freisinnigen Elemente ihre Ausgabe erfüllen, dann wird der Kamps von Erfolg begleitet sein. Hofralh Kareis forderte zu reger Agitation auf und sagte den 'Bestrebungen des Eomitös seine Unterstützung zu; es sei zu bedauern, dass es Mandatsträger gibt, die das Staatsgrundgesetz beschwören und das Recht mit Füße» treten. Wien. Donnerstag, den 15. d. M. hat in Edelhofer's Restauration II. Kaiser Josef-Straße 15, die ordentliche Generalversammlung des hutuauitäretl Vereines „Zum Armenvater'J der arme Schulkinder bekleidet und verschämte Arme unterstütze staktgesuttden. Obmauu M. Edelhoser begrüßte die Versammlung und brachte den Rechenschaftsbericht zur Verlesung, der mit Befriedigung zur Kenntnis genommen wurde. Hierauf wurde an die Wahl des Gesammtvorstandes und zweier Revisoren geschritten. ^rag (Allgemeines i s r a e l. K n a b en - W a i s e n h a u s für Böhmen in Prag.) Dieser Tage fand im Saale der Productenbörse die zweite Generalversammlung des Vereines zur Errichtung und Erhaltung eines allgemeinen israel. Knaben-Waisenhauses für Böhmen in Prag statt. Dem Jahresberichte über die Vereinstbätigkeit war zu entnehmen, dass gegenwärtig im „Kaiser Franz Joseph' I. Jubiläums- Waisenhause," welches der Verein in seiner zu diesem Zwecke angekauften Realität in Weinberge, Komenskpgaffe Nr. 16, eingerichtet hat 25 Waisenknaben untergebracht sind. Die Leitung des Waisenheims ist in den Händen des bewährten Pädagogen Herrn Directors Schwager, welchem zugleich die religiös-sittliche Erziehung der Knaben, die Ueberwachung ihres Schulunterrichts und ihrer häuslichen Beschäftigung anvertraut ist. Der Bericht verzeichnete mit Befriedigung die großen Fortschritte, welche nabezu sämmtliche Knaben nach kaum l>>sjähriger Pflege im Waisenheim erzielt haben, und appellirt an die Unterstützung uud Förderung seiner -»wecke. Ter Verein glaubt diese Unterstützungen insbesondere von den Glaubens genossen aus dem Lande in Anspruch nehmen zu dürfen, da seine philanthropische Thätigkeil fast ausschließlich den verwaisten Kindern 'uqute kommt, welche in den kleinen Orten auf dem Lande hilflos Zurückbleiben. Der Verein zählt 2 Stifter, Frau Baronin Hirsch-Gereuth mit sl 10 000 Herrn M. Joß und Frau Adele Joß mit fl. 5000, 18 Gründer mit Widmungen von zusammen fl. 18.000 und 229 Gönner mit sl. 28,420 61, zusammen also fl. 61,420.61 und 3092 Mitglieder, welche jährlich fl. 12.165 entrichten. Die Sammelkörbchen haben auf den Antheil des Vereines fl. 2515.41'/» gelieferi. In Summa betragen die Einnahmen, st 52 447 53>/o, die Ausgaben fl. 9281,54, so dass nebst dem lastenfreien' Waisenbause im Werthe von fl. 47,233.80 ein Baarvermögen von sl 48,165.99'/» resultirt. Der Bericht gedachte dankend noch der zahlreichen Wohlthäter und hilfsbereiten Persönlichkeiten, die dem Verein mit Rath und Thai zur Seite standen, insbesondere des Damencvmitös, des Jnstitutsdirectors und der Jnstitutsärzte. Nach der Genehmigung des von der Direction erstatteten Rechenschaftsberichtes gedachte der Vorsitzende^ Zerr kaiserl. Rath Philipp Falkowicz. der Verdienste einiger Vorstaudsmitalieder, insbesondere der aufopferungsvollen Mühewaltung der Herren Sigmund Waldstein als Cassier und Franz Carl Schale! als Schriftführers, wobei er von der Versammlung auf das lebhafteste acclamrrt wurde.' Aus der Mitte der Versammlung wurde ferner dem nnermüd-; tidjen und opferwilligen Obmanne Herrn M. Joß der Dank ausgesprochen. Von den ausscheidenden Directionsmügliedern wurden die Herren Philipp Beck, Heinrich Denhof, Robert Fuchs, Hermann Grab.! kaiserl Rath Sigmund Kann, JUDr. Sigmund RauderS, Ludwig Moser * (Karlsbad,. Wilhelm Oesterreicher, Sigmund Waldstein, Fritz Winterberg.; und die Revisoren Herren Eduard Götz, L. S. Klatscher, Director Ad., - Wlaschim wieder und der Zuckerfabrikant Herr Julius Dub (B.-Leippa) als Directionsmitglied sür den ausscheidenden Herrn Director Moritz Mautner, welcher wegen Abeitsnberbürdung eine Wiederwahl abgelehnt batte, neugewäblt. r ,L; ' Traq. Der Centralverein zur Pflege jüdischer Angelegenheiten i veranstaltete am 8. d. M. im Hotel „Roubischek" einen Vortragsabend. Herr Dr. I. Hirsch, Rabbiner in Carolinenthal, sprach über: „Die Frau; im Judenthum einst und jetzt." Der Vortragende führte aus, welchen segensreichen Einfluss die Frau allezeit im Judenthum ausübe. Im Mittelalter zeichneten sich viele jüdischen Frauen durch hohe Bildung und durch rege Antheilnahme am Geistesleben aus. Es gab viele : beldenhaste Märtvrerinnen unter ihnen Immer wirkten sie in edelster vvA!r «... vti Luvyrryangreil, rer vaustichkeit und des Familienlebens. Darum beruhe auch die Zukunft des Judenthums auf den; jüdischen Frauen und Müttern. Reicher Beifall folgte diesen Ausführungen. Steinamangcr. Am Sterbetage Moses veranstaltete die Chewra-- Kadischa in Steinamanger — wie alljährlich — einen Trauergottesdienst,; bei welcher Gelegenheit ein zahlreiches Publicum — ohne Unterschied! der Conseffion — erschienen ist. Nach einem feierlichen Mincha-Gebet wurde Sulzers „Ach elohim“ (Psalm 49) mit Chor- und Solo-Gesang i vorgetragen, eingeleitet mit einem weihevollen Orgelpräludium vom. Obercantor Max Goldstein. Hierauf folgte ein Predigtlied, sodann eine Trauerrede vom Rabbiner vr. Bernstein. Zum Schluss trug Obercantov i Goldstein das „El raole rachamim1* mit vielem Gefühle vor. Ein Üubenstück. In letzter Zeit wurde uns mitgetheilt, dass irgend ein Individuum, das den gewiss falschen Namen „A. W o l f" zeichnet, ans persönlicher oder geschäftlicher Rancune an mehrere Cultusgemeinden Correspondenzkarten gesandt hat, die abfällige Aeußerungen über unser Blatt enthalten und von der Abonnirung desselben abrathen. Wicwol wir es sür nngezeigt finden, hierüber der Oeffentlichkeit zu berichten, halten wir es dennoch unter unserer Würde, den Spuren dieses Raubthicres zu folgen tnib sein Fell nach Gebühr zu garben, da wir uns mit Leuten von s» niedriger Gesinnung nicht einlassen wollen. Wir sind übrigens überzeugt, dass jeder anständige Mensch ein solches Brtbenstück verurtheilt, und wir können mit Genugthuung constatiren, dass wir i»l den letzten Tagen von mehreren Cultusgemeindevorstehern, denen gleichfalls eine derartige Correspondenzkarle zugesandt wurde, Zuschriften erhalten haben, worin sie ihrem Unwillen über diesen gegen uns gerichteten, unlauteren Concurrenzkampf Ausdruck gebett und auch fernerhin nuferer publicistischen, Thätigkeit die kräftigste Forderung versprechen. * Pie Redaktion.

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