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Die Wahrheit · 1900-03-18 · Heft 10 (18.3.1900) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 10 (18.3.1900)
Date
1900-03-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 10. Die Wahrheit. -Leite 7. Man hatte Rahel ebensowenig im jüdischen Glauben als in Geschichte und Geographie unterrichtet. Sie äußert irgendwo, sie wäre wie der Baum im Walde ausgewachsen und hätte nichts gelernt, Religion so wenig wie irgend etwas sonst. Doch war ihr letztere ties in die Seele eingegraben, und hatte sie auch der Verbindung mit Varnhagen ihren Glauben geopfert, so scheint ihr dieser bedeutungsvolle Schritt, durch den sie die aumnthsvlle .Kette, welche sie an ihr Vaterhaus knüpfte, zerrissen, einen scharfen Stachel in ihrer Leele zurückgelasseu zu haben. Giltst hatte sie als Unglück empsuudeu, eine Jüdin zu sein. Jetzt wird sie grenzenlos traurig, wenn der Pöbel die Juden plündert; sie erkennt den gefährlichen Einfluss der von ihr sonst vertretenen Romantik. In solchen Momenten kehrt sie mit ihren Erinnerungen ins Vaterhaus zurück; sie schwört beim Jochid (dem Einig Einzigen) und lässt sich ans dem Siddur ihrer Mutter das Gemüthsleben einer längst vergangenen, auch von ihr halbvergessenen Zeit erstehen. Hatte sie einst gesprochen: „In meinem 7. Jahre träumte mir einmal, ich sehe den lieben Gott ganz nahe; er hatte sich über mich ansgebreitet und sein Mantel war der ganze Himmel; aus einer Ecke dieses Mantels durfte ich ruhen und lag in beglücktem Frieden zum Entschlummern da. Seitdem kehrte mir dieser Traum durch mein ganzes Leben immer wieder und iir den schlimmsten Zeiten war mir dieselbe Vorstellung auch im Wachen gegenwärtig, und ein himmlischer Trost: ich durste mich zu den Fügen Gottes aus einer Ecke seines Mantels legen und da jeder Sorge frei werden; er erlaubte es," — und wiederum: „Ich lege mich auf Gottes Mantel, er erlaubt es. Wenn ich auch leide, ich bin dock glücklich, Gott ist ja bei mir, ich bin in seiner Hand, er weist alles am besten, was mir gut ist und warum es so sein muss!" — so änsterte sie jetzt: „Welche Geschichte! — eine aus Aegypten und Palästina Geflüchtete bin ich hier und finde Hülse und Pflege von Euch! Dir, lieber August, lvar ich zugeiandt durch diese Führung Gottes und du mir. Mit erhabenem Entzücken denke ich an diesen meinen Ursprung und diesen ganzen Zusammmenhang meines Geschickes, durch welches die aticft^n <2iumeiuuyeii oc-o mit der neuesten Lage der Dinge die weitesten Zeit- und Raumfernen verbunden sind. Was so lange Zeit meines Lebens mir die größte Schmach, das herbste Leid und Unglück war, eine Jüdin geboren zu sein, um keinen Preis möchte ich das jetzt missen. Wird es mir nicht ebenso mit diesen Krankheitsleiden gehen, werde ich einst nicht ebenso mich freudig au ihnen erheben, sie um keinen Preis missen wollen? O. lieber August, welch' tröstliche Einsicht, welch' bedentendes Gleichnis! Aus diesem Wege wollen wir sortgehen!" Dem allgemein fühlbaren Bedürfnisse nach einer wissenschaftlichen und doch leicht fasslichen Uutersnchung über Rahel und ihre Zeit ist der durch seine „Freundesbilder aus der neuen deutschen Litteratnrgeschichte" (Stuttgart 1899) vortheilhast bekannt gewordene Verfasser in glänzender Weise gerecht geworden. Den hohen Erwartungen, die er durch seinen in einer gut couservativen Revue**) veröffentlichten Essai „Rahel und der Berliner Salon um 1800" erregt hat, entspricht das von der Verlagsbuchhandlung trefflich ansgestattete Bnch in jeder Beziehung. Möge das Werk viel gelesen werden, auregen und — nützen. Gemeinde- und Vereinsbote. Wien. (Au s der Plenarsitzung d e s C u l t u s - v o r st a tl d e s vom 11. März I960 u n t e r d e m Vorst tz e d e s ersten V i c e - P r ä s i d e u t e n Dr. A lsred St ei n. (Präsident kais. Rath Heinrich Klinger beurlaubt.) .Beginn 10 Uhr Vormittags. Eingelaufene Spenden mtb Legate: Als Legat der Frau Franziska Kleitt K. 400. — zur Vertheilnug an IO arme Personen für die Verrichtung des Seelengebetes am Begräbnistage der Legatarin. Von Herrn Maximilian Jellinek zur Fuudirung von **) Der Türmer, Monatsfchr. für Gemüth und Geist, herausgegeben von I. E. Freiherr von Grotthuss. II. Jahrgang, Heft 5, S. 488—502. Stuttgart, Greiner und Pfeifer.! Jahresbeiträgen für verschiedene Anstalten und Wohlthätigkeits-! vereine ein Betrag von fl. 2400.— Nominale 4-10% Rente : --- K. 4800.—. Von Herrn Heinrich Teltscher für arme Schnl-! kinder K. 100.— . Von Familie U. durch Herrn Religionslehrer ' Aron Schnürmacher für arme Schulkinder St. 20.— statt eines i Kranzes für den am 12. Februar beilatteteu Herrn Leopold! Kohn. Von Frau Franziska Bermann für den israelitischen; Waisenverein K. 30.—. Voll Herrn Leopold Kronait für den! Waisenverein K. 10.—. Voll einem Ungenannten durch Herrn i Dr. Alfred Berger K. 100.— für die Brigiltenaner Schulküche, j Frau Rosalia Riest spendet anlässlich des Ablebens des Herrn j Samnel Riest je K. 200 für das Ältersversorgungshaus, die j Armenanstalt, das Blindeniilstitnt, für die Ehewra Kadischa,! den Frauenverein, die Kinderbeivahranstalt, Mädchen - Unter-? stützungsverein, Taubstummen - Unlerslützungsverein, Theresien-! Kreuzvereiu, Israelitische Volksküche. — Anlässlich des Hinscheidens ' ihres Vaters resp. Großvaters, des Herrn I. P. Frisch speilden für das Mädchen Waisenhaus die Damen Henriette Fleischer in Wien und Ella Machlnp in Budapest je K. 400.—. Für den israelitischen Franenverein die Damen Henriette Fleischer in Wien, Ella Machlnp, Betli von Ullmann in Budapest uub Lili Bach in London je K. 100.—. Vom Vereine .,Moutesiore" anlässlich der Tempeleinweihung für die Insassen des Altersversorgnngshaus Wein imb Weißbrot. Den Spendern wird der Dank votirt. I m A n s ch l n s s e a n d i e V er l e s n n g der Spende n t h e i l t Herr De. B e r g e r m i t, dass der A n d r a n g der Schulkinder zur n n e n t g e l t l i ch e ii A u s - s p e i s u n g i ll der B r i g i l t e u a n e i tl u n g e m e i n großer ist, und dass mit Rücksicht aus die zu Gebote st e h e » d e n Mittel, io b e d a n e r l i ch d i e s auch s e i, d i e A n s s p e i s u il g E n d e M ä r; g e s ch l o s s e n lv erden m ü s s e. Der Vorsitzende druckt die Hoffnung mis, dass löie im ^st^nng ar'mer^Lchü^inder'ermöglicht Herr Ober-Ingenieur Arthur Edler von Mieses referirt Namens der Hl. Seelioil über Ausnahmen ins Altersversorgungs- Haus. Entsprechend dem Vorschläge der III. section werden 4 Mäniler, 7 Frauen uub 2 Ehepaare ins Altersversorguugshaus ausgenommen, beziebnilgsweiie zur Ansllahme vorgemerkt. lieber Antrag der V. Sectiou wird die von dem verstorbenen Armenärzte Dr. Salomon 2keumanil errichtete There'e Neumann'sche Witwenstistung und das Legat des Herrn Bernhard Friedmann für Arme tu die Verwaltung der Enltnsgemeinde übernommen. Eine längere Debatte entwickelte sich über oen Antrag des Euratoriums der L. D. Königsberg'ichen Stiftung auf Erwerbung eines eigenen Heimes für das Fnstitut. (Referent Herr - Dr. Grünseld.) Allseitig wird die vrothweudrgkeit anerkaultt, für; die Unterbringung des Institutes in geeigneterer Weise als! bisher Sorge zu tragen. Der coucrete Antrag auf Ankauf eines; bestimmten Objectes wird jedoch in Hinblick auf mehrfache : Bedenken über Antrag der Finanzsecliotl adgelehnt. Das Curai torium wird beauftragt, dieser Angelegenheit besonderes Augeu-; merk zuzuwettdeu. i Zur Verleihung gelangen entspreche,ld dem Anträge der j III. Section über Referat des Herrn Dr. Josef Grnnield aus den Erträgilissen der Dr. Adolf Sacks'schen Lüftung für Herz- und Aortakranke pro 1900 an 28 Eompetenten 10 Stipendien a fl. 300.—, 2 Stipendien a fl. 200.—, 6 Stipendien a fl. 120.—, i und 10 Stipendien ä fl. 60.—.! Plincipielle Einträge des Referellteil vetresfe>l0 die Bei Handlung dieser Stiftung werden an die Rechtssectlou geleitet. ■ Nach Erledigung von Personalien wird die Sitzung um 1 Uhr - Nachmittags geschlossen. Wien. Der Vorstand der Wiener Eultusgemeinve ver-! anftaltet Sonntag den 18. März, 6 Uhr Abends im kleinen; Mustkvereinssaale eine Eentennarfeier für Joses Ritter v. W e r r h e i m e r.

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