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Die Wahrheit · 1900-03-10 · Heft 9 (10.3.1900) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 9 (10.3.1900)
Date
1900-03-10
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seile 10. Die IVahrhoit. Nr. 9. sie sich nicht in ihrem Künstlerstolze verletzt suhlen, wetln sie mit einem derartigen Collegen in einem Vereine als gleichwerthiges Mitglied betrachtet würden? Oder kommt es vielleicht selten vor, dass ein College den anderen öffentlich kritifirt und angebliche oder wirkliche Fehler bemängelt im Angesichte eines Gemeindemilgliedes des bekrittelten Collegen, um dadurch ein größeres Wissen zu bof'miiemh en oder sein Ansehen zu erhöhen? Wie leicht kann da ein unbedachtes Wort auf fruchtbaren Bodeil fallen und die Stellung des Collegen untergraben! Und doch find wir alle Brüder, alle sind wir Kinder eines Vaters! Das sollten hauptsächlich wir beherzigen, die wir zur Verkündung der Worte Gottes berufen sind. (Schluss iolgt.« verschiedene Nachrichten: Wie». Freitag, den 9. März Abends, und Samstag, den 10. März Früh wird Herr Markus Friedrich, Obercantor in Esset, imLeopoldftädter Tempel Probevorträge halten. Beginn des Gottesdienstes: Freitag Abends um 6 Uhr und Samstag Früh um 8 Uhr. Wien. Am Ladbar Parschat Scbekalim hielt Se. Ehrw. Herr Rabb. Dr. Schmiedl eine seiner glänzendsten und gelungensten Predigten über das „Symbol der Solidarität Israels im halben Schekel", wie auch im Anschluffe an die Sidra über den Werth und die Bedeutung der Arbeit und Kunstfertigkeit bei den alten Talmud-Gelehrten. Zugleich wies der Redner auf den 60jährigen Gründungstag des hiesigen Handwerker-Vereines hin, dessen umfassende Förderung er allen österreichischen Gemeinden angelegentlichst ans Herz legte. Wien. «Jüdisches M u s e u m). Herr Jsak D. Pick in Wien, welcher die Sammlungen des Museums wiederholt in munificenter Weise bereichert bat, spendete diesem neuerlich eine Reihe von ,Kunstblättern, Kupferstichen und Schabknnstblättern nach Schopin, H. Vernet und andere französischen Malern, Darstellungen nach der heiligen Schrift enthaltend. Die prächtigen und wohlerhaltenen Abdrücke gelangen nebst den Aquarellen von Profeffor Schauer am kommenden Samstag von il bis 1 Uhr Mittags, in den Räumen des Museums, I., Rathhausstraße 16, Hochparterre zur Ausstellung. Wien. Der Chordirigent am Leopoldstädter Tempel, Herr Julius H e i m a n n, wurde anlässlich der Vollendung seiner 40jährigen Dienstzeit bei der Wiener Cultusgemeinde von Sr. Majestät dem Kaiser mit der C h r e n m e d a i l l e für 40jähr. treue Dienstzeit ausgezeichnet. Dem langjährigen, pflichteifrigen Wirken dieses Functionärs wird gewiss auch seitens des Vorstandes und der Gemeinde die verdiente Würdigung nicht vorenthalten bleiben, und besonders muß es anerkannt werden, dass er den erhöhten Anforderungen, die in letzter Zeit anlässlich der vielen Probevorträge an ihn und den Chor gestellt wurden, vollauf gerecht geworden ifl. Die gleiche Auszeichnung wie Herrn Heimann ist auch den ehemaligen Ouarlettsängern im Stadttempel, den Herren Leopold L i e b e s n y und Ignaz Schlvarz, die jetzt noch im Bureau der Wiener Cultusgemeinde thätig sind, von Sr. Majestät verliehen worden. Wie». Der Hafenbaudirektor der Donauregulirungs-Commission, Herr Oberbaurath Sigmund T a u s s i g, feiert am 11. d. M. seinen 60. Geburtstag. Aus diesem Anlasse sind für den in Folge seinen hervorragenden Verdienste auf fachlichem wie auf humanitärem Gebiete gleich hochverehrten Jubilar mannigfache Ovationen geplant. Men. Vorigen Montag wurde Frau Pauline P o l l a t s ch e k, die Schwester des Präsidenten der Handelskammer, Herrn k. Rath Max v. M a u t h n e r, bei großer Betheiligung von Verwandten und Freunde» zu Grabe getragen. — Am Gottesacker widmete Oberrabbiner Dr. Güdcmann der Verblichenen einen warmen Nachruf, den liturgischen Theil der Trauer-Ceremonie versah I. Cantor Schiller. Wien. In der Bereinigung jüdischer Angestellter „Jordauia" hielt vorige Woche Herr Gemeinderath Lncian Brnnner einen interessanten Vortrag über das Thema: „Demokratie nnd Judenthnm." Referent ließ alle derzeit bestehenden Parteien im Juveuthume Revue pafsireil nnd kamen dabei fast fämmtliche hier beftehendell nicht gut weg — auch jene nicht, die den Redner zum Sprechen einlud; denn der Stairdpnukt des Königs Salomo ist der einzig richtige: Der Vortheil eines Landes liegt in der Wohlfahrt der Gesammtheit; mit anderen Worten salus rei pub- | licae summa lex esto! .. Auf dieser Basis fußt aber einzig ■ und allein die demokratische Richtung, welche mit dem religiös-! socialen Princip des biblischen Judenthums vollkommen harmonirt. Nach dem Vortrage entwickelte sich eine nahezu heftige Discufsion, au der die Herren Lederer, Süß und Weißberg sich! betheiligten. Letzterer sprach besonders in sachlicher, selbst beit | Gegner genügend respectirender Weise. Das Schlusswort benützte; Referent nochmals zur Mahnung, nur in Förderung der Cultnr j und des Gemeinsinnes dem jüdischen Volke und der Gesammt-- i Menschheit zu nützen und alle unrealisirbaren Utopien fallen zu; lassen, die uns die so nöthige Kraft unnütz entziehen. Wien. Der Verein „Tifereth Bachurim," der sich zur i löblichen Aufgabe macht, junge Talmudbeflisseue aus Wien mora-; lisch und materiell zu fördern und ihnen namentlich den Besuch! der Preßburger Jeschitvah zu ermöglichen, hielt vorigen Sonn-! tag in Fischer's Cafe „Adria" seine Generalversammlung ab-! Laut Rechenschaftsbericht wurden 16 Talmndjünger mit entsprej chenden Subventionen bedacht, zu denen auch Baron Albert 0. j Rothschild eine namhafte Summe beiträgt. Der Cassastand beläuft j sich aus blos 60 fl., was insoferne anzuerkennen ist, da es j sonst Vereine gibt, die sich auf's Sparen verlegen und ihren i Zweck hintansetzen. Präses Beckmann hielt gleichzeitig eine ' gedankenreiche und zum Studium des Talmud, wie auch zur! Unterstützung der Bnchnrim anregende Rede, ebenso Herr Obi mann-Stellvertreter I. Rosner. Wir wünschen dem jungen uni> j aufstrebenden Verein kräftiges Blühen und Gedeihen, damit das! Judenthum die Waffen zur Rüstung gegen unsere geistigen! Feinde bereit habe und zu handhaben wisse. > Wien. Der Verein zur Hebung der Gewerbe ladet durch! seinen Präsidenten Herrn S. Brod für Montag, den 12. d. M.! um 3 Uhr Nachmittags zur corporativen Besichtigung I. des! neuen k. k. Telephon-Hauses IX., Berggasse 35, dessen Einrich-! tungen als die neuesten und besten der Erde bezeichnet werden, j II. des Gewerbe-Förderungs'Dienstes des k. k. Handels-Mini-! steriums nnd der großen Maschinenhalle, IX., Severingasse 9. i Die Vereinsleitung hat vom k. k. Handels-Ministerium die! besondere Einwilligung erwirkt, dass für die Stunde unseres, i Besuches fämmtliche Maschinen in Bewegung gesetzt und Fach-; organe die nöthigen Erläuterungen erlheilen werden. Diese beiden i hochinteressanten Objecte umfassen äußerst nützliche Einrichtungelt i für alle Gewerbe und Handelsangehörige. Mitglieder haben mit : Abzeichen;n erscheinen. Die Zusammenkunft sindet präcise ^3 | Uhr Nachmittag im Cafe City, IX., Porzcllangasse 1,1. Stock,! statt. j Wien. Der humanitäre Geselligkeitsverein „Rudolfs- , bund" veranstaltet am 17. März im Hotel „Bayerischer Hof," II., Taborstraße 39, eine Masken-Redoute, deren Reinertag dem; Bekleidnngssonde des Vereines zufließt. Die Musik besorgen die! Kaiserjäger. — Drei werthvolle Damenpreise für Masken, drei.! Herrenpreise bilden unter Anderm Ueberraschnngen, die eine angenehme Erinnerung an das Fest bilden. — Karten, nur auf den Namen lautend, sind beim Obmanne, Herrn Armenrath! Pollak, II., Gr. Mohrengasse 23, erhältlich. Preis für Herren- I Kr. 2.—, für Damen Kr. 1.40.! Wien. Der humanitäre Gefelligkeitsverein „Die Szenitzer! in Wien" veranstaltet den 10. d. M. im Prachtsaale des Hotel; „Bayerischer Hof," 11., Taborstraße 39, ein Costumfest unter dem j Titel: „Ein Jahrmarkt in Szenitz." Karten find beim Ob-! mann des Comiläs, Herrn Jof. Bach, IX., Hahngaffe 16, und! beim Caffier, Herrn Jof. Birnbaum, I., Judengasse 8, zu haben.! Igt'au. In dem am 19. Februar a. c. abgehaltenen Repräsentanz- | Sitzung der israelitischen Cultusgemeinde wurde dem hiesigen Obercantor, Herrn David Weiß, in Anerkennung und Würdigung seiner vollkommen! befriedigenden Amtsthätigkeit noch vor Ablaus des Probejahres das! D e f i n i t i v u m mit Stimmeneinhelligkeit verliehen.! »'rag. Im Centratverein zur Pflege jüdischer Angelegenheiten j sprach am 22. v. M. Herr Docent Dr. M. Winternitz über: „Rasse,; Volk und Religion nach den Lehren der Völkerkunde." Der Vortragende i gab eine wissenschaftliche Definition der Begriffe: „Rasse" und „Volk",.

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