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Die Wahrheit · 1900-03-10 · Heft 9 (10.3.1900) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 9 (10.3.1900)
Date
1900-03-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 9. Die Wahrheit. :eite 7. leugnen, aber sie wird stark übertrieben. Man will von der Beobachtung, dass sich die Inden in den verschiedenen Ländern -an Körperbau und sonstigen typischen Merkmalen von einander scharf unterscheide»^, den Schluss ziehen, dass dieser Verschiedenheit ausschließlich die Blutinischung zu Grunde liegt. Das ist aber eine irrige Ansicht. Die klimatischen Einflüsse, die ökonomischen 'Verhältnisse, der blojje Verkehr in einer bestiinmten.Gesellschaft, die von äusseren Umständen abhängige, eigenartige Lebenslveise,! — diese Momente genügen, um in» Lause der Zeit bestimmten! Lndividnen ein eigenes Gepräge aufzudrücken, ohne dass eine i Blntmi chung stattfinden müßte. Diejenigen Fälle von Rasseni -»»ifchung, welche die Geschichte beglaubigt, weisen vorwiegend eine Mischung von semitischem Blute aus, eine Thatiache, die! berücksichtigt werden muss. Ferner sind die Rasseumischungen! micht bei den Juden allein der Fall. Die Germanen, die Franzosen! haben ihre Nassen rein heit längst eingebüßl. Die Mischung der! europäischen Völker uittereiuauder dtlrch eheliche Verbindung hat; niemals aufgehört. Das hindert jedoch nicht, dass der nationale; Gedanke bei den einzelnen Völkern immer an Intensität zu- .uimmt und dass sich die Eigellarten der Völker immer mehr; und schärfer ansprägen. Es ist dies auch begreiflich. Die fremden; Elemente, die von einem Volke ins andere hinüberfließen, müssen im Strome der neuen Verhältnisse spurlos verschivinden. Die! Wellen des nationalen Meeres sind zu mächtig, als dass sich i die neuen Eindringlinge, und mögen dieselben noch so zahlreich ' sein, gegen dieselben mit Erfolg wehren können. Ihre mitge- brachten Eigenschaften müssen im Laufe der Zeit verwischen und sie nehmen rasch die Gestalt an, die ihnen die neuen Verhältnisse! schaffen. So geschah es auch bei beu Juden. Und wenn auch hier und da die zn starken Jirvasionen vo.? fremden Elementen ' eine zeitroeilige Gährnng hervorrieseu, so legte sich diese bald und | der gesunde, alles üoenvindende Organismus des zähen Volkes § überwand rasch auch dieses U behagen.! (Fortsetzung folgt.) Litteratur. Tal-Kalender voor Izrael. Huisgeziunen met Bijschriften van j L. Wagenaar, Opp«rrabijn van Gelderland. Druk en Uitgave van Gebr. Haagens, Rotterdam. j Der vor einem Jahre verstorbene Oberrabbiner von Haag, Tobias j "Tal, hat diesen Kalender schon vor 10 Jahren ins Leben gerufen und; wie Alles, was dieser ausgezeichnete Mann in die Hand nahm, gelang auch; dieses Unternehmen trefflich. In Holland freilich hat man mit der früher! erwähnten Indolenz und Flauheit des jüdischen Publicums nicht zu! rechnen. Dort pocht ein jüdisches Leben, wie wir es uns hier nicht j träumen lassen. Der österreichische Besucher holländischer Groß- oder \ Kleingemeinden kommt aus dem Erröthen nicht heraus, wenn er im! Angesicht der dortigen Zustände an seine Heimat denkt. Daher hat auch - der Tal-Kalender ungeheure Verbreitung gefunden, wie jede jüdische Sache.! Haben jüngst zwei jüdische Autoren für Pentateuch- und Raschi-Ueber-! fetzung, obzwar sie 30 fl. und mehr kosten, 800 Subscribenten gefunden!! Man versuche das einmal bei uns! In wie vielen österreichischen jüdischen! Häusern ist benn überhaupt eine deutsche Bibel zu finden? — Oberrabbiner Wagenaar übernahm die Redigirung. Er ist in Schwarz und j Gold gehalten und hat als Denkblatt einen Misroch mit Schiwwithi. Das erste Abreißblatt ist ein Widmungsgedicht an Tal s. A. Der Kalender : beginnt mit dem 1. Tischri, trägt also von Vornherein jüdischeres Gepräge, : als der frühererwähnte; die auf Juden bezüglichen Daten find in Qua-! dratschrift. — Jedes Blatt gilt für eine Woche. Es ist in der Mitte durch einen Strich getheilk. Die eine Seite ist unter dem Titel: „Ge- [ danken und Lehren" mit den ausgezeichneten Beischriften Wagenaar's versehen, der wirklich eine Fülle von Geist, Gefühl, Wissen, Belehrung i und Unterweisung in dieses äußerst bescheidene Gewand gekleidet hat. Talmud und Midrasch, Bibel und Propheten, Dichter und Sänger, Sage j und Geschichte, Legende und Biographie, Poesie und Prosa, alle kommen : ' zu Wort und lebendigem Ausdruck. Und wie find die Worte mit feiner! Auswahl immer den betreffenden Zeiten und Festen angepasst! Es seien! z. B. erwähnt: Sabbath. Sündfluth. Das jüd. Haus (zu Abschn. kti). Vater j J&Iinb, die Mutter nicht (nn^in). Das hebräische Alphabet (ein Gedicht) Moses Flucht. Der erste Keim. Die treuen Wächter (Gedicht). Wächter, wie spät ist's in der Nacht? Liebe Deinen Nächsten, wie Dich selbst. Am Fuße des Sinai. Ales und Beth l Gedicht). Zwischen den Lebendigen und Todten. Das ist die Lehre. Des Blinden Segen. Das Gelübde der Verstoßenen. Der Lahme und der Blinde ^Gedicht). Abschied. — Das ganze Omer-Zählen ist ebenfalls untergebracht. — Kurz, eine ganz musterhafte Sammlumg, aus der sogar mancher Prediger viel lernen kann. Nach diesem Beisviele sollte gearbeitet werden. F. .f>er Zlebertritt Wo« es Waimonides zum Askam. — Die Verwirrung, welche bei den verschiedenen Geschichtsschreibern betreffs der Annahme des Islams unseres großen Meisters Maimonides herrscht, hat Herman Kahau in seiner Brochure: „Hat M. Maimonides dem Krypto-Mohamedanismus gehuldigt?" (Erschienen M.-Sziget 1890), in jeden Zweifel ausschließender Weise dargelegt. Carmoli, Munk und Grätz. die Alle darin übereinstimmen, dass Maimonides aus Zwang eine Zeitlang als Scheinmohamedaner gelebt, scheinen nach unserem Verfaffer von arabischen Geschichtsschreibern verleitet worden zu sein. Diese haben theils wissentlich gelogen, theils aus Rachsucht ihn zum Mohamedaner gestempelt. Dass aber Grätz den Fußstapien dieser Fälscher folgt, ist zu verwundern. Der Theologe und Dichter Jbn Moischa erzählt, wie er unverhohlen feinen Ingrimm Ausdruck gegeben, als er den Rabbiner Kahira, den er in Fez als Moslim kannte, dem Gerichte überlieferte, weil er ihn dermaßen betrogen. Der Besir Alkisti berichtet den ganzen Hergang des Uebertrittes. Ter Herrscher Abdulmumen gab einen strenge» Befehl, dass unter Androhung der Todesstrafe und Eonfiscirung der Besitzthümer Jude und Christ in seinem Reiche zum Mohamedanismus ütertrete; daraufhin habe M. Maimonides, weil er das Leben seiner Familie gefährdet hielt und seinen Reichthum nicht ganz verlieren wollte, zum islamitischen Glauben sich bekehrt, später sei er in Egypten wieder Jude geworden. Gestützt aus diese angeführten unsicheren Quellen, hat nun Grätz ein abfälliges llrtheil über den großen Lehrer Israels gefällt und seinen Character unwillkürlich angetastet, ihn dergestalt in den Koth gezerrt, dass seine großen tieserhabenen Lehren dadurch ganz in den Schatten gestellt wur. en. Herman Kahan hat den Unglimpf, der unserem Maimonides zugefügt worden, von dem felsenfesten Character abgewälzt. Jbn-Abi Osaibija, der mit dem Sohne Maimonides eng befreundet war, schreibt in seiner Geschichte der arabischen Aerzte von unserem Lehrer: Man sagt, er sei zuin Islam übergangen, während welcher Zeit er den Koran fleißig studirte, nachher sei er aber wieder zum Judenthum zurückgekehrt. Wenn daher es fest stünde, so deducirt Kahan in seiner trefflichen Schrift, dass Maimonides eine Zeitlang Mohamedaner gewesen, wie konnte ein Zeitgenosse von ihm noch in Zweifel darüber sein, er, der mit seinem Sohne vertraulichen Umgang Pflog, uud daher genau von den Verhältnissen unterrichtet war, musste doch über den Uebertritt genau Auskunft erhalten haben. Und hätte sein Sohn nicht alles angewandt, um diese Schmach von seinem Vater abzuwälzen, wenn in Wirklichkeit ein Glaubenswechsel stattgefunden? Er, der seinen Vater gegen viele Angriffe vertheidigt, hätte gewiss Alles daran gesetzt, auch betreffs des Uebertrittes ihn reinzuwaschen. Hauptsächlich seine unbeugsamen Gegner hätten sich die gute Gelegenheit nicht verstreichen lassen und hätten sicher Capital daraus geschlagen, wenn es über allen Zweifel erhaben gewesen wäre, dass Maimonides dem jüdischen Glauben den Rücken gekehrt. Die größte Stütze scheinen diejenigen zu haben, welche die Abtrünnigkeit Maimonides behaupten, die den Iggoreth ha-Sehemad (Brief über den Glaubenswechsel) für baare Münze annehmen und die daraus schwören, dass Maimonides darin die Entschuldigung für seine Apostasie angibt. Jedoch, wie viele andere Falsificate dem Maimonides unterschoben werden, so ist auch dieser Brief unecht, stellt daher auch nur die vage Behauptung von dem Uebertritte aus, bemerkt aber zugleich in seiner Geschichte der Israeliten, dass hiefür keine sichere Quelle anzugeben ist. Ueberhaupt theilte Maimonides die Anschwärzung seines Charakters mit so vielen Gelehrten, dass es nicht verwundern kann, wenn der fanatische Abulfarad sch und der trügerische Leo Afrikanus bald ungenau bald wiffentlich falsche Nachrichten über Maimonides aussireuen, indem sie sich von der Gehässigkeit und der blinden Parteiwuth Hinreißen ließen. Wer einen genauen Einblick in die Mischneh Thora (Hilchoth Jeffode

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