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Die Wahrheit · 1900-03-10 · Heft 9 (10.3.1900) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 9 (10.3.1900)
Date
1900-03-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Die Wayryen. 'JIr. 9. 2. Vom Standpunkte der Hygiene gibt es keine rationellere Schlacht Methode als die jüdische, denn a) infolge der reichlichen und zumal der wesentlich schneller sich vollziehenden Ansblutung, sowie infolge der gegen Ende der Verblutung auftretenden epileptoiden Zuckungen wird im Organismus der geschachteten Thiere Milchsäure entwickelt, welche durch ihre weitere chemische Verbindung mit phosphorsaurem Kalium dieses in milchsaures und saures phosphorsaures Kalium verwandelt; saures phosphorfaures Kalium aber verhindert die Entwickelung der Mikroorganismen, verzögert also die Bildung der Fänlnißprodukte (Ptoma'ine, giftige Substanzen) und verleiht dem Fleische erhöh.e Schmackhaftigkeit (vgl. S. 94 f.); b) infolge der epileptoiden Zuckungen rvird das im Fleische zurückgebliebene Blut weniger alkalisch und bildet auch deshalb einen weniger günstigen Boden für die Entwickelung der Bacierien (vgl. S. 88); c) infolge der epileptoiden Zuckungen ist das Fleisck mürber und bat ein besseres Aussehen. 3. Vom Standpunkte der Zweckmäßigkeit gibt cs keine empfehlen s w e r t h e re Schlacht- Methode als die jüdische, denn a) durch das schnellere Eintreten der Starre wird das Fleisch früher genußfähig (vgl. S. 66); b) durch das spätere Eintreten der Fäulnis bleibt das Fleisch auch im Sommer 2—3 Tage länger genußfähig (vgl. S. 78); o) durch den wesentlich geringeren Gehalt an Blut und Wasser im Fleische geschächtetcr Thiere wird der Käufer weniger benachtheiligt (vgl. S. 101)." Damit man uns aber nicht sage, dass eine jüdische Autorität als „parteilos" nicht zu betrachten sei, lassen wir den vollen Wortlaut eines Schreibens folgen, das der berühmte Phyfiolog Professor Dr. W. P r e y e r von der Berliner Universität-an Herrn Dr. Dembo richtete und das in der oben erwähnten Schrift an Stelle des „Vorwortes" abgedruckt ist: An Herrn H o f r a l h D r. D e m b o Z. in B e r l i n. S e h r g e e h r l e r H e r r? Mit lebhaftem Interesse habe ich von Zyrer Schrift, deren Druckbogen Sie mir zugefandt haben, Kenntnis genommen und freue mich bezüglich der Schlachrfrage mit Ihnen in der Hauptsache vollkommen übereiuzusiimmen. Wie ich in einem Gutachten über die beste Schlachtmethode auf Grund von vergleichenden Beobachtungen und Experimenten im Laboratorium und Schlachthaus erklärte, ist das von ben Israeliten mit bemerkenswerthem Erfolge geübte „Schächten" allen anderen Tödtnngsarten vorzuziehen, weil es von allen die sicherste und schnellste ist, die Thiere dabei am wenigsten Schmerz empfinden und die Entblutung am vollständigsten vor sich geht. Nachdem Sie nun auf Grund von mehrjährigen ausgedehnten eigenen Untersuchungen nicht allein zu eben jenem Ergebnis gelangt sind, sondern auch die praktisch sehr wichtige Thatsache durch genaue Versuche festgestellt haben, dass in hygienischer Hinsicht das Fleisch der geschächteteu Thiere das «mderer weit übertrifft, haben Sie sich ein unbestreitbares Verdienst erworben, zu dem ich Sie aufrichtig beglückwünsche. Ich bin zu wenig mit der Geschichte des Jndemhums uub dem jüdische,! Ritus bekannt, um zu verstehen, weshalb a» dem letzteren mir erstaunlicher Zähigkeit seit Jahrhunderten festgehalten rvird, dass aber diese Couseqnenz physiologisch durchaus berechtigt erscheint, den humanen Bestrebungen des Tierschutzes bester entspricht, als das unsichere Verfahren der christlichen Metzger, und das Wohl der Nation mehr zu fördern geeignet ist, als dieses — das haben Sie bewiesen. Wenn Sie meinen, dass diese Anerkennung Ihrer gründlichen und mühevollen Arbeit derselben zur Empfehlung dienen! und die Verbreitung Ihrer, wenigstens im ersten Theile auch , dem Laien leicht verständlichen Schrift begünstigen kann, so steht der Veröffentlichung derselben nichts im Wege, j In vorzüglicher Hochachtung! Professor Dr. W. Preyer! v. d. Univ. Berlin. j Wiesbaden, 20. Januar 1894. | Ferner richten wir das Augenmerk des Herrn Magistrats- Vicedirector Prey er auf den ans Seite 44 der D embo'schen Schrift beschriebenen „N i e d e r l e g e - A p p a r a t nach Gnrlt und Hertwig." Eine ähnliche Methode wurde im St. Petersburger Schlachthanse erprobt, von den anwesenden Commissionsmitgliedern als „durchaus geeignet" befunden und bereits in verschiedenen Schlachthäusern eingeführt. Endlich sei noch am die allbekannte Thatsache hingewiescn, dass auch die christlichen Südslaven seit jeher die Schächtung der Thiere übten, wie dies der Sprachgebrauch ihrer Guslarenlieder (man vergleiche die vielen einschlägigen Publicationen des Ethnologen Dr. Friedrich S. Krauß Wien) zweifellos darlhut. Auch in den vortürkifchen Zeiten war das „Schächten" die einzige Tötungsat-1 für die Hausthiere, deren Fleisch zur Nahrung diente. Glicht weniger bekannt ist es, dass der größte Theil aller Menschen sich geschächteten Fleisches bedient B. alle Bekenner des Islam, die Chinesen, Biahmanen etc. In erster Linie mag bei den Völkerschaften der Aequatorialgegenden die durch die vollständigere Ansblutnng verursachte längere Haltbarkeit maßgebend sein. Da aber der Grundsatz „Der Gerechte erbarmt sich seines Viehes" nicht nur bei den Juden, sondern bei allen nomadisierenden Völkerschaften — der Vergangenheit wie der Gegemvart — Geltung hatte und heule noch besitzt, so müssen wir dabei stehen bleiben, dass die „Schächtung" eine durch tausendjährige Gepflogenheit geheiligte L h i e r s ch u tz - Institution darstellt, und weilen wir es im Wamen des tzyierschutzes energisch und mit aller Entschiedenheit zurück, dass ste durch uuerwiefene Behauptungen, Entstellung von Wallachen und Begriffsverwirrung als Ghierquätere i und Barbarei stigmatisiert werde! Wir verlangen — und haben dazu als Menschen und Staatsbürger ein Hiecht — dass endlich einmal von competenter Stelle Klarheit geschaffen »verde in dieser Krage, damit die fortwährenden Aennruhigungen einer ganzen Elaste von friedliebenden Menschen ein Iiel gesetzt, der unter heuchlerischer Maske einherschreitenden Hetze! ein Ende bereitet werde. Entweder der Beweis wird geliefert, dass „Schächten" ein Thierquälerei ist — wohl dann verbiete man es, überall. Ist es das aber nicht — und es ist es nicht — dann hat die jüdische Glaubensgemeinschaft ein Hiecht auf oen gleichen Schutz ihrer rituellen und culinellen Gebräuche wie jede andere Eonfestion. Wir verlangen nicht mehr Hiecht wie jeder andere Staatsbürger, sondern nur das Gleiche! (Schluss folgt.) Zur Cultussteuerpflicht. Die Zeit geht mit eherueu Schritten vorlvärts und tritt die Ereignisse nieder und alles, was sich an sie knüpft. Die Litteratur folgt der Zeit nach und sammelt in ihren Schöoß, was diese gereift auf den Boden fallen lässt. Und die von der Zeit gereisten und von der Litteratur gesammelten Früchte bilden dann die Marksteine der Geschichte. Auch die jetzigen Zustände, wie sie in dem Artikel „Modernes Iudenthum auf dem Flachlande" in Nr. 5 dieses Blattes geschildert wurden, werden ein derartiger Markstein in der Geschichte sein. Wir aber fragen uns, was mag wohl die Ursache dieser Zustände sein, wer hat sie verschuldet, und sollen wir deswegen die Zeit anklagen?

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