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Die Wahrheit · 1900-03-02 · Heft 8 (2.3.1900) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 8 (2.3.1900)
Date
1900-03-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Oie Wahrheit. Nr. 8. Sektion Herr Oberingeuieur von Mises über die Herstellung! eines den Verhältnissen vollkommen entsprechenden rituellen Bades aus einem hiezu bereits in Aussicht genommenen passenden Grunde, und werden die Sectionsantiage nach einer längeren Debatte, an welcher sich die Mehrzahl der Vorstandsmitglieder betheiligt, zum Beschlüsse erhoben. Herr Dr. Maximilian Steiner und Herr Oberingenieur von Mises referiren über Verleihung von Stiftungen und wird hieraus die Sitzung geschlossen. Me«. (S e ch z i g j ä h r i g e s Jubiläum des Berj- ' eines zur Beförderung der Handwerke.) Der Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten, sowie dessen Lehrlingsheim veranstaltete Sonntag, den 18. Februar, im großen Sitzuugssaale der Cultusgemeinde anlässlich seines sechzigjärigen Jubiläums eine Generalversammlung, zu welcher sich auch Vertreter hervorragender Körperschaften und Gönner des Vereines einfanden. Man sah unter j Anderen: Den Präsidenten der Cultusgemeinde kaiserlichen Rath! Klinger, Vicepräsidcnt Gemeinderath Dr. Stern, Landesschulrath! Dr. Gustav Kohn, die Cultusvorsteher Gemeinderath Theodor \ Ritter v. Goldschmidt und Emil Horner. Oberrabbiner Dr. Gü> bemann, Hofrath Dr. Migerka, Gewerbe-Oberinspector Regierungsrath Kulka, Reichsrathsabgeordneten Wrabetz, die Gemeinderäthe Dr. v. Dorn, Bezirksvorsteher des neunten Bezirkes Schwanzar, die Vorsteher der Posamentirer-Geuossenschaft Johann Wolf, der Spängler-Genossenschaft von Derschatta, ferner Wilh. j Freiherrn v. Königswar tcr, in Vertretung der Wiener Handelsj kammer Kammerrath Franke rc. Ter Vicepräsidcnt Gemeinderath! Douat Zifferer, welcher den Vorsitz führte, eröffnete die Der-! sammluug mit einer Ansprache, worauf der Schriftführer Dr.? Richard Reis den Jahresbericht erstattete. Nach mehreren Reden j wurden die Neuwahlen des Vorstandes vorgenommeu und folgende! Herren per Acclamarion wiedergewählt: Präsident Jacques! Brandeis, Vice-Präsident Gemeinderath Douat Zifferer, Schrifti führer Dr. Richard Reis, ferner die Herren Moriz Hirsch, Wilhelm Hirsch, Emil Horner. Theodor Kantor, Dr. Gotthels K. Meyer, Felix Reifer, Leopold Simon und Julius Stern. Airrz. Bei der am 18. Februar 1900 stattgehabten : Vorstandswahl in der Cultusgemeinde Linz a. D. wurden , gewählt: Herr Ignaz Hahn als Vorsteher, Herr Sigmund | Kafka als Vorsteher-Stellvertreter. Als Vorstandsmitglieder die j Herren: Max Bruder, Heinrich Freund, Markus Fürnberg,! Dr. Jakob Kaiser, Sigmund Nossal, Elias Pollak, Benedikt! Schwager, Albert Sternschein, Bernhard Taussig Jonas Treichi linger. Als Ersatzmänner die Herren: Josef Feitler, Eduard Stein, Ing. Salomon Stern. Als Vertrauensmänner die Herren: Josef Klein, Samuel Mostny, Alois Spitz. 'Drag. (Israelitischer L a n d e s l e h r e r v e r e i n in Böhmen). In der letzten Vorstandsitzung bildeten wichtige Angelegenheiten für die Rabbiner, Religionslehrer und den Religionsunterricht und noch vieles Andere Gegenstand der Berathung. Als sehr dringend wurde die endliche Regelung des Religionsunterrichtes auf dem Lande anerkannt und beschlossen, die nöthigen Schritte und Maßnahmen einznleiten. Die Förderung der Kranken- und Hiliscassa und des Pensionsfondes durch Ausführung neuer Prosecte, die Wahrung der Standesinteressen, die Gewährung von Darlehen und Unterstützungen, sowie die Einberufung einer außerordentlichen Generalversammlung in den Osterhalbfeiertagen behufs Aenderung der Statuten des Pensionsvereines u. A. m. bildeten den Inhalt der reichhaltiger! Tagesordnung. Weg. Vor uns liegt der Verwaltungsbericht des israelitischen Cultnsvorstandes zu Essek-Oberstadt über die Jahre 1897, 1898, 1899, der uns ein umfassendes Bild des aufstrebenden, von echt jüdischem Geiste durchdrungenen Gemeindewesens in Esseg bietet, das über die eigenen Gemeindeinteressen auch die des gesammten Judenthums nicht aus den Augen lässt. Von dem Bewusstsein erfüllt, dass in der Einigkeit Macht liegt, haben die Juden in Croatien-Slavonien unter Führung der Gemeinden Agram und Esseg die Bildung eines Gemeindeverbandes angeregt, der den berechtigten Aspirationen, den Wünschen und Beschwerden der Judenschaft des Landes- Nachdruck und Geltung an competenter Stelle zu erwirken benifeir. sein wird. Die innere Organisation der Gemeinde zeigt auf - allen Gebieten kraftvollen Aufschwung und findet auf dem- Gebiete der Thora durch Errichtung eines neuen, allen Anforderungen der Pädagogik und Hygiene entsprechenden Schulhauses Ausdruck. Welche Wichtigkeit dem jüdischen Schulwesen von Seiten der Gemeinde beigelegt wird, erhellt aus folgenden gewiss beherzigenswerthen Worten des Berichtes: „Es ist ein. Wahrwort, dass wem die Schule gehört, dem gehört auch die Zukunft. Darum der furchtbare Kampf der Parteien in allen europäischen Ländern. Nur bei uns Juden ist man nicht dieser Ansicht, wo sie doch mehr als bei den Uebrigen ihre vollste Geltung besitzt. Sie ist ein dringendes und unabweisbares Bedürfnis für das Judeuthum, denn aus der Familie schwindet die jüdische Erziehung allgemach und sie muss sich deshalb iw die Räume der Schule flüchten. Wird sie aber auch von da verbannt, dann haben wir keine jüdische Jugend mehr, die Wurzel des Judenthums ist gleichsam abgehauen und der Stamm muss bald nachfallen.In der allgemeinen Volksschuleist es unmöglich, den jüdischen Schülern in genügendem Maße jüdisches Wissen, Fühlen und Denken beizubringen. Vielmehrwird dies alles durch das bestehende Lehrsystem an den Communalschulen hintangesetzt und beeinträchtigt. Und wie leicht und mühelos könnte man in einer guten jüdischen Schule in das zarte und empfängliche Herz des Kindes die Keime der Liebe und Begeisterung für das Judenthum pflanzen, die noch in dew spätesten Jahren seines Lebens die herrlichsten Früchte tragen,, und seine Brust vor den andrängenden Stürmen der Zweifelsucht und Irreligiosität mächtig wappnen würden.- Darum soll das jüdische Kind, als gleichberechtigter Staatsbürger, dem alle Schulen und Aemter des Landes nach dem Staatsgrundgesetze offen stehen, die allgemeinen Volksschulen, wohl besuchen dürfen, soll aber, wenn es nicht unmöglich nnb ohne besondere Opfer erreichbar, im Interesse des Judenthumeswomöglich die jüdische der allgemeinen Volksschule vorziehen, weil es in den von jüdischen Lehrern geleiteten Volksschulen nebst den allgemeinen Lehrgegenständen noch hebräisch, die heilige Sprache unserer ehrwürdigen Religion mit größerem Erfolge zu erlernen vermag." Der Bericht beschäftigt sich hierauf mit der administrativen Verwaltung und der Pflege der Wohlthätigkeits-Jnstitutionen und schließt mit den schönen Worten r „Möge sich der Geist der Zusammengehörigkeit und der Opferwilligkeit, welcher mtsere Gemeinde stets auszeichnete, auch weitererhalten und noch mehr festigen; möge sich unsere Gemeinde entwickeln und entfalten zur Ehre unseres heiligen Glaubens, zum Heile des gesammten Judenthums." In der Generalversammlung vom 11. Februar, wurden die Herren Max Löw, Otto Fellner, Markus Kohn und Dr. Diamant als neue Mitglieder in den Vorstand entsendet. Bei der am 18. Februar erfolgten Constituirung, wurde Herr Dr. Hugo Spitzer zum Vorsteher, Herr Bela Springer zum Vorsteher - Stellvertreter und Max Kohn zum Cassier gewählt. Gleichzeitig wurde dem Gemeindcsecretär, Herrn Nathan Schwarz, j dem Verfasser des durch Form und Inhalt glänzenden Berichtes, j Dank und Anerkennung ausgesprochen. ISunzkau. Der hiesige Gewerbeverein hielt am 22. Februar im „Hotel zum Adler" einen Vortragsabend ab, an dem Herr Cantor Tintner über das Thema: „Ein alter Ban im Lichte der Ethik" sprach. Der Vortrag des Herrn Redners, der von einem ebenso sorgfältigen als sachgemäßen und umfassenden Quellenstudium zeugte, verbreitete sich über eine der ältesten, bekannten Tempelanlagen, die aus der Bibel wohlbekannte „Stiftshütte", über deren religiösen Zweck, ihren Cultus und dessen tiefgehende Symbolik, die selbst in der Anlage des Baues, der Verwendung der Materialien, der Form, Ausstattung und Verzierung der einzelnen Räume und Cultusgegenstände eine hoch bedeutsame-Rolle gespielt hat. Redner wies darauf hin, dass, wenngleich Jahrtausende dahingerollt sind, doch, die Menschheit heute noch in Zusammenhang mit jener Zeitperiode stehe, und wie das Alterthum, indem es mit unsichtbarer Macht noch immer in unser Dasein eingreift, uns auch heute noch Stab und Stütze wird. Nachdem der Herr Vorsitzende ün warmen Worten Herrn Tintner für seine fesselnden Ausführungen gedankt: hatte, schloß sich ein kurze Debatte an den Vortrag an.

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