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Die Wahrheit · 1900-03-02 · Heft 8 (2.3.1900) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 8 (2.3.1900)
Date
1900-03-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Die Wahrheit. Seite 7. Nr. 8. Hat, welch tiefen Einschnitt er in den Körper unserer Brüderschaft von 800.000 Seelen zu machen sich unternommen hat? Diese Absage an Israel oder Altzion musste umsomehr verblüffen, als derselbe Herr Dr. Byk vor einigen Monaten in der Synagogen-Volksversammlung ganz andere Laute gefunden und der Assimilation einen regelrechten Nekrolog gehalten hat. Damals verstand er die jüdische Volksseele und sah ihr sogar bis auf den Grund. Freilich galt es da, sich und seine befreundeten -Gesinnungsgenossen namens der 50.000 jüdischen Seelen Lembergs in den Gemeinderath zu wählen, nnd so geschah es auch, dass er dem allmächtigen Götzen der Assimilation, wie einst Vater Abraham, den Kopf abschlng. Sein damaliges Glaubensbekenntnis lautete fast wörtlich, dass die Assimilation Bankerott angesagt, Lass sie unserem Volke nur Schaden gebracht habe. Ml Dyn Damals sab das versammelte Volk diese unfassbare Erscheinung und eine Liiere Bewegung bemächtigt sich seiner. Wie Viele wurden durch jene Zauberworte in seine <Dr. Byk's) Bande gelockt, wie Viele träumten von einer glücklicheren Zeit, wo die parlamentarischen Führer der galizischen Juden bei nnd mit ihrem Volke stehen und alle Herzen und alle geistige Kraft concentriren werden, zum Heile nnieres altehrrvürdigen, aber altunglücklichen Volkes! Lembergs Israel folgte schaarenweise zur Wahlurne nnd thar seine jüdische Pflicht. Geschah dies aber — und Herr Dr. Byk wird das wohl zngeben müssen — dann hätte er jenen Moment der Gelobnng vor Gott nnd Israel sich vor Augen haltend, späterhin sich selbst nnd seine Partei nicht dementiren dürfen. Wir ringen die Hände über diese unpolitische Politik, die er bei der Einweihung getrieben hat. Wie einst der kleine David seinem Freunde Jonathan zurief: fttf H "I2T „Es thut mir leid um Dich, Bruder Jonathan!" wird es allen denkfähigen Gemeindemitgliedern wehe ums Hier;, dass die so schön begonnene Aera der Solidarität der Juden ein so jähes Ende mit — Verblüff u n g genommen hat. Wenn es aber uns Allen so ziemlich gelänsig ist, dass ein an chronischer Assimilitalionssucht kränkelnder Jude sich nur sehr selten und sehr schwer in die heterogene Gedankenwelt des Zionismus r>der selbst eines abgetönten Judaismus einleben kann, so gibt es doch ein großes internationales Wort, das niemand ungestraft außer Acht lassen darf, es heißt: „Moral". Wo ist nun diese geblieben, im Gotteshanse oder im Geineindehanse? Und werden Lie Herren Synagogenwähler sich wieder in Reih und Glied entstellen, so der Führer, Herr Dr. Emil Byk, in die Contra- Assimilationsposanne stoßen wird, um die Zerstreuten und die Zersprengten zur gemeinsamen Action anfzurnfen? Voäoromo. Aber auch eine bittere Enttäuschung mußte der Festredner erleben. Die Enttäuschung, dass die hohen polnischen Herrschaften uno sonstigen polnischen Staatsbeamten, die doch zu diesem Eintveihungsfeste geladen wurden und um derentwillen die Philippika .gegen das semitische Judenthnm und den Zionismus vom Stappel .gelassen wurde, bis auf den einen Bürgermeister und wenige Gemeinderäthe ausgeblieben sind. Herr Dr. Byk, welcher wahrscheinlich diese große Rede für die erwarteten Größen angelegt hat, muss, nachdem er die Häupter seiner lieben polnischen Freunde gezählt, au^gerufen haben: „Eitelkeit der Eitelkeiten, Alles ist .eitel, selbst die polnische Freundschaft für ihre jüdisch-assiimilatorischen Neupolen!" So weit Herr Dr. Byk politische Stimmung machte, um bei seinen künftigen nichtjüdische,i Freunden in gutem Angedenken zu bleiben, zu Ungunsten seiner nationalen Brüder, hat er, wie erwähnt, viele Controversen und in den drei zionistischen Kreisen die schärfste Vernrtheilung hervorgerufen. Im Vereine „virootts Scholem Zion“ hat sich eine große Anzahl Sprecher -juin Worte gemeldet und konnte nur ein kleiner Theil derselben wegen vorgerückter Mitternachtstunde zum Worte gelangen; ähnliches geschah in den Vereinen „Zion“ und „Ibria“. Die Versammlungen beschlossen in Resolutionen ihren unverrückbaren zionistisch-jüdischen Standpunkt, verwarfen die verkrachte Assimilation, als die Negation des Judenthnms, welche die Vernichtung unseres Stammesgenossen selbst anstrebt, sie verwahrten sich dagegen, dass der Präsident der jüdischen Gesammtgemeinde seine nnd seiner engeren Partei religiöse Anschannng zum Ausdrucke brachte, statt der der geiammteu Gemeinde. Wir wollen noch nächstens die Ansprache des Herrn Dr. Byk an den Bürgermeister von Lemberg berühren und schließen heute nicht ohne die folgenden Zeilen hinznzusügen. Die Zeit des Einzelnwillens ist vorüber, die Stimme des Volkes muss in seinen Führern znm Ausdrucke gelangen und das Wort unserer alten Weisen: „Ihr Weisen, seid vorsichtig in Euren Reden!" möge unseren Rednern stets vor Augen sein. Alles in Allem genommen, hat Herr Dr. Emil Byk formvollendet, friedeutriefend und einschmeichelnd gesprochen, und das ist ein nicht abzusprechender Vorzug und ein Verdienst dieses ausgezeichneten Parlamentariers. Gemeindennd vereinsbote. Wien. Bei der Besprechung der „Affaire Araten" gelegentlich einer Audienz hat der Minister P i e n t a k eine Aeußerung gethan, die berechtigten Unwillen, znm mindesten aber bedenkliches Kopfschütteln erregen musste. Bezugnehmend ans diese Aeußerung, die nachher vom Minister dementirt wurde, richtete Abgeordneter Hofrath K a r e i s nachfolgende Zuschrift an sämmtliche Bläiter: .»Die verehrliche Redaction würde mich durch Veröffentlichung nachfolgender Zeilen zu besonderem Danke verpflichten : Die von dem Minister für Galizien Dr. Pientak, in der Sitzung des Polenclubs vom 24. d. abgegebene Erklärung, er habe die ihm zugeschriebeue Aeußerung: „an den Klofterpforten höre die Staatsgewalt auf^, nicht gemacht, muß ich — unter der Voraussetzung, dass die bezüglichen Zeitungsberichte zutreffend find. - als der Wahrheit widersprechend bezeichnen. Der Herr Minister für Galizien hat diese Aeußerung, halte er sie nun für albern oder nicht, lhatsächlich vorgebracht, und sein etwas verspätetes Desavue ändert durchaus nichts an dem bedauerlichem Zactum. dass derlei Ansichten in einem Rechtsstaate überhaupt und von einem Minister insbesvudere gehegt nnd ausgesprochen werden können. Wien. 2ö. Febr. 1900. Reichsrathsabgevrdneter Kareis.' Demgegenüber schreibt die „Wiener Abendpost" : „Der Herr Minister Pientak ermächtigt uns zu der Erklärung, dass er die Aeußerung, ..an den Klofterpforten höre die Staatsgewalt aus-' — eine Aeußerung, welche ihm neuerlich in einem vom Reichsrathsabgeordneten Hosrath Kareis an verschiedene Blätter gerichteten Briefe zugeschrieben wird — nicht gethan hat. Se. Excellenz hat lediglich ein vom genannten Herrn Reichsrathsabgeordneten gestelltes Begehren aus Veranlassung der Durchsuchung eines Klosters dahin beantwortet, dass die Vornahme einer Durchsuchung in einem Nonnenkloster mit Rücksicht aus die Klosterregeln bedeutenden Schwierigkeiten begegne.-' Wien. (A u s der Plenarsitzung des Cnltus- Vorstandes v o m 20. F e b r n a r 1900 unter d e m Vorsitze des P r ä s i d e n : e n k a i i. Rath H e i n r i ch Klinge r.) An Spenden sind eingelanien : Von Herrn Moritz Engel de Janosi ans Anlass des 80. Geburtstages des Herrn Adolf Engel de Janosi für das Siechenhaus Kronen 500. Von Herrn Wilhelm Steiner ans Anlass des Ablebens seiner Tochter Gertruve für Arme Kronen 200.—. Von Herrn Dr. Joses Nengröschl für den Waisenverein Kronen 50.— Von Herrn Dr. Leopold Kohn für einen Stistnngsvewerber als Gratiale Kronen 40.—. Von Herrn Dr. Alfred Stern für die Spitals-Anshilsscaffe Kronen 20.—. Von Fran Fanny Bauer für das Siechenhaus Kronen 20.—. Von Frau Nina Leon für den Frauenverein Kronen 20.—. Von Fran Regina Arnstein für das Waisenhaus Kronen 10.—. Von Lisa von C. für arme Juden Kronen 10.—. Bon I. S. für Arme 10.—. Herr Moriz Edler von Knsfner und Fran Katharina Oppenheim geb. Edle von Knffner errichten zum Andenken an ihre selige Mutter Fran Rosalie Edle von Knffner mit dem Betrage von Kronen 36000.— zwei Stistnngsplätze in dem zu errichtenden Siechenhanse nnd .ein Stistungsbetl im neuen Pavillon des Spitals der israelitischen Enltnsgemeiuoe. Im Einlaufe befindet sich eine Zuschrift des Herrn Moriz Ritter von Borkenau, mit welcher derselbe erklärt, für das Siechenhaus einen jährlichen Betrag von Kronen 100.— zu leisten. Den Spendern wird der Dank volirr. Bei Anwesenheit der laut § 16 des Statutes vorgeschriebene Anzahl von Vorstandsmitgliedern, referirt namens der I. und IY%

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