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Die Wahrheit · 1900-03-02 · Heft 8 (2.3.1900) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 8 (2.3.1900)
Date
1900-03-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Die Wahrheit. 9tr. 8. für die ihr zugefügte Schmach die erhoffte Genugthuung erhalten. So manche Antisemiten werden aus ihr die Lehre ziehen, dass der Boden hier nicht geeignet ist, die Giftpflanze des Judenhasses anszusäen, und die Niederlage, die sie diesmal erfahren, muss den Dunkelmännern endlich die Augen öffnen, dass es doch nicht gut angeht, die Juden anzuschwärzen, die kein Opfer scheuen, so es das geliebte Vaterland erfordert. Wie verlautet, soll dieser Ehrenmann in kürzester Zeit von seinem Amte enthoben und anderswohin versetzt werden, eine Genugthuung, die für die liberale und edle Gesinnung des Ministers zu deutlich spricht, als dass sie einer näheren Auseinandersetzung bedürfte. Im Nachbarnaate dürfte man hiezu große Augen machen, denn dort können die turbulenten Elemente täglich über das Judenthum herfallen, ohne dass von Seiten der Regierung ihnen auf die Finger geklopft würde. Wer Augen hat, der kann jetzt offen sehen, wie weit gesunken die Einen, und wie mächtig vorgeschritten die Andern sind. -I- -i- * Unser lieber Zmeskäl, der letzthin im Abgeordneten - Hause die Versicherung gab, dass ihn nicht Animosität gegen das Judenthum geleitet habe, als er betreffs des Ritualmordes eine Interpellation einbrachte, that dabei sehr schön und erklärte, man möge es ihm auf's Wort glauben, er sei ein waschechter Judenfreund und wenn ihn nicht ein Rabbiner (nebenbei bemerkt, ein Galizianer) darüber belehrt hätte, dass die Juden zu rituellen Zwecken des Christenblutes sich bedienen, auch er der Rabbiner habe an einer solchen Blutzapsung einst auch Theil genommen, es wäre ihm nie in den Sinn gekommen, den Minister hierüber zu interpelliren. Wir wollen gerne glauben, dass Herr Zmeskäl mit der Judenliebe es ehrlich meint, ebenso ehrlich, wie alle Antisemiten, doch °«r mag es uns nicht verargen, wenn wir ein wenig unwirsch waren, weil er vergessen hat, wahrscheinlich ohne irgendwelche Nebenabsicht, uns den Namen dieses Rabbiners anzugeben. Doch schneller, als wir ahnten, ist unsere Neugierde befriedigt worden. Nicht Herr Zmeskäl war so generös, uns aus die Spur des Mannes zu leiten, sondern „Egyeulöseg“ ein gediegenes, confeffionelles Blatt hat es herausgefunden, dass der Rabbiner, auf den sich Zmeskal berufen, kein anderer fei als der berüchtigte, galizianifche Wanderbettler, der im Jahre 1895 in Also-Kubin auftauchte und den dortigen Rabbiner unter bitteren Thränen beschwor, er möge ihn in den Bund Israels ausnehmen, da er von Missionären verleitet zum Chriftenthum übertreten musste. Er bereue aufrichtig seine That und wolle gerne jeder Strafe sich unterwerfen, wenn er nur wieder Jude sein könnte. Rabbiner H o r o w i tz fand gleich heraus, dass unser C h a i m B esse r (dies der Name des Schwindlers) schon längst sein religiöses Gewissen eingebüßt und mit seinem Glauben nur Schacher treibe, darum wies er ihn barsch ab. Daraufhin gieng er nach T r ß t n a und versuchte dort sein Glück. Er pochte an die Thüre des katholischen Geistlichen und eröffnete ihm, dass er den jüdischen Glauben scüt bekommen habe, da er derartige Ceremonien vorschreibt, die sein Gewissen auf die Dauer nicht zu ertragen vermochte, den rituellen Mord verpöne er aus ganzem Herzen, und einer solchen Gemeinschaft, die des Christenblutes bedarf, wolle er gänzlich entsagen. Herr Zmeskal erbarmte sich aus Liebe zum Judenthume dieses armen Landstreichers und nahm ihn in den Schoß der alleinseligmachenden Kirche auf. Dem Neophiten mag es wahrscheinlich nicht den gewünschten Ertrag gebracht haben, denn wir begegnen ihm kurze Zeit daraus in Alt-Ose n, wo er auf's Nene sein Glück corrigiren wollte. Er bereue seine That, so gieng er den dortigen Rabbiner an, und möchte gerne wieder Jude werden. Weil aber schon sein Aeußeres nicht besonders vertrauenerweckend war, verwies ihn der Rabbiner aus seinem Hause. Hernach soll er, wie verlautet, seine Schwindeleien nach Wien verlegt haben, doch auch dort hat mau ihn für alle Zeit unschädlich gemacht. Weiterhin hatte man von dem Schwindler nichts gehört, bis ihn endlich der Geistliche Zmeskä-l von den Tobten erstehen ließ und ihn zum Rabbiner machte. Wenn Chaim Besser noch unter den Lebenden weilt und erfährt, dass Herr Zmeskäl ihn mit dem Titel eines Rabbiners belegt, wird er sicherlich erstaunen, wie er auf einmal zu einer so großen „Gedule" gekommen ist. Dieser Bettler ist nun der Kronzeuge, auf den sich Zmeskäl in seiner Interpellation gestützt hat, und es kann daher Jedermann leicht schließen, was von dem Ritualmärchen zu halten sei. Damit man sich jedoch nicht verwundere, wie der geistliche Herr einem galizianischen Wanderjuden so auf den Leim gehen konnte und wie er keinen Anstand nahm, den in Lumpen gehüllten Zugereisten in die katholische Kirche aufzunehmen, müssen wir nach „Egyvnlossg« darlegen, dass Herr Zmeskäl selbst auf seiner Lebenswanderung einen weiten Weg zurückgelegt hat. Er soll nämlich als Lutheraner geboren sein, und gleich unserem Bettler hat auch er mit seinem Glauben Schacher getrieben. Schöne Seelen finden sich! . Aber auch mit seiner liberalen Gesinnung, die er gegenüber den Juden zur Schau trägt, steht es nicht weit besser"; gleich seinem Glauben hat er auch seine Gesinnung um gutes Geld feilgeboten. Als Abgeordnetencandidat übersprudelte er vor lauter Judenfrenndlichkeit, und nur diesem Umstande hat er es zu verdanken, dass er aus der Wahlurne als Sieger hervorgegangeu ist. Wie Herr Zmeskäl damals über uns Juden dachte, beweist das Schreiben, welches er an den Turdoschiner Rabbiner, Ehrwürden Moses S a l a m a n, gerichtet, das wir hier folgen lassen. „Ich fühle mich wohl zu schwach, eine parlamentarische Rolle zu spielen, sollten es jedoch die Verhältniße derart mit sich bringen, dass ich meine unmaßgebliche Stimme hören lassen müsste, dürfte dies stets nur im friedlichsten Sinne geschehen. Also nur „8uuw cuique“ und wir werden dem gottlosen Zeitalter zulieb gewiss einander nicht anfeinden, vielmehr unsere bürgerlichen und religiösen Rechte in gegenseitiger wahrer Liebe vertheidigen. Diese und keine anderen Gefühle beseelen mich. Für Ihre gütige Erinnerung nochmals herzlichst dankend und mich auch fernerhin in Ihr w. Wohlwollen höflichst empfehlend, zeichne ich mit dem Ausdrucke meiner besonderen Hochachtung Lestin. den 4. November 1896. Euer Hochw. ergebenster Diener Zoll an Zmeskäl." Wir überlassen es jedem denkenden Menschen darüber zu urtheilen, ob Herr Zmeskäl fein verpfändetes Wort gehalten hat. Es scheint, dass er von den Volksparteilichen Kraft geschöpft hat — um eine parlamentarische Rolle zu spielen, die keinen confessionellen Frieden kennt, vielmehr Alles ansbietet, die Menschen gegen einander zu hetzen. Wer seinen Glauben so leichthin wechselt, dessen Gefühlen ist nimmer zu trauen, und wenn sie noch so sehr den Schein der Wahrheit an sich tragen. Dies haben außer Herr Zmeskäl und auch andere Judenfeinde viel früher gelehrt. Wir wissen daher bereits seit Langem: Trau, schau, wem!? Dunasöldvär (Ungarn). Rabbiner Dr. S a m. P a r t o s. Äus der Lemberger israel. Cultusgemeinde. in. Die große Aufregung, welche die Rede Dr. Byk's bei dem Gros der jüdischen Gemeinde hervorgernsen hat, war in allererster Linie durch die freimüthige Lossagung der assimilatorischen Partei von aller jüdischer Tradition bedingt. Man staunte Herrn Dr. Emil Byk förmlich an und sein kühnes Unternehmen, Israel in zwei Judenthümer zu spalten. Das eine, das Altisrael, das hoffnungsreiche, zuversichtsstarke und erlösungsbedürftigte; das andere, das Jungisrael, das hoffnungslose, zuversichtsleere und untergangsbereite. Ob wohl Herr Dr. Emil Byk, bewältigt und geblendet von der ungeheuren Wichtigkeit des Momentes der Verschwägerung Judäas mit Polonia, es auch reiflich erwogen

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