Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1900
- Issue
- Heft 8 (2.3.1900)
- Date
- 1900-03-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 8. Die Wahrheit. Seite 5. „wäre, neuerlich erfolglos sein dürfte, fo kann sich die „Action des Vereines nur gegen die thierquälerifchen „Vorbereitungen und gegen die Verzögerung des „Todes beim Schlachten überhaupt, sowie gegen die Ausdehnung „des „Schächtens" über den unumgänglich-nothwen- „d i g e n Bedarf der israelitischen Glaubensgenossen hinaus- „richten." Hier tritt also — das für Oesterreich wenigstens —; neue Moment zu Tage: Einschränkung des „Sch ächte n s." In Deutschland haben einige Thierschutzvereine nach dieser Seite hin vorübergehende Erfolge aufzuweisen; vorübergehend sagen wir, denn die Staatsregierung hat sich in! den meisten Fällen auf die Seite der Israeliten gestellt. Und; hier ist die Stelle, von der wir bereits Eingangs unserer Abhandlung bemerkten, dass die nichtjüdische Opposition gegen oie z Anträge des Herrn P r e h e r vielleicht gerechtfertigter wäre, als die jüdische. Herr P r e y e r lässt zu seiner Unterstützung Zahlen auf- , mnrschiren. Wir werden daraus — Herr Preyer möge es uns verzeihen — andersartige Schlüsse ziehen. Nach der Volkszählung vom 31. December 1890 betrug die jüdische Bevölkerung Wiens ca. l/12 der Gefammteinwohner- ' schüft, ein Verhältnis, das auch heute noch vorhanden sein dürfte. Nun beträgt die Zahl der geschlachteten Rinder pro 1898 265,790, wovon 78,172 „geschächtet" wurden. Nimmt man an,! dass von Inden nur die Vorderviertel gekauft werden — was ‘ in der Thal nicht der F a l l i st — so mußten auf den i jüdischen Consum '/« oder 44,300 Stück kommen. Mithin wären! fast 34,000 «Stück Rindvieh (denn nur davon spricht die von Herrn « P r e y e r ausgestellte Zahlenstatistik) über den Bedarfs geschachtet. Da aber thatsächlich der größte Theil der Hini terstücke von Juden verzehrt wird, ein gewisser Proceutsatz anj derseits rituell nicht verwendbar (freite) wird, so kann man ruhig; altnehmen, dass mindestens 45,000 Stück Rindvieh über den l Bedarf „geschächtet" wurden. Nun weiß jeder — und Herr j Pre h e r wahrscheinlich auch — dass mit dem „Schächten" Kosten! verbunden sind, auch sonstige materielle Nachtheile, z. B. die; Minderwerthigkeit der Haut. Es entsteht also ganz von selbst; die Frage: Welchen Nutzen haben die Metzger von einer nach ■ Herrn Preyers Ansicht unnöthigen Manipulation, die in Ziffern < ausgedrückt, eine jährliche Ausgabe von über hunderttausend! Gulden allein beim Rindvieh bedeutet? ' Die Antwort ist bereits in dem enthalten, was wir über j die Haltbarkeit des Fleisches gesagt haben, und dieses! Urtheil der Kölner llnd Karlsruher Metzger wird Herr P r e y e r! auch in Wie n bestätigt erhalten, wenli er sich die Mühe j nimmt, Erkundigung einzuziehen. Wir wissen ans authentischer; Onelle, dassdie großen Berlin er LnAroo Metzger! überhaupt nur schächten lassen. Und wenn Herr Preyer (S. 19) j bemerkt, „dass die preußische Regierung die Ortspolizeibehörden! ermächtigt hat, die über das wirkliche Bedürfnis der jüdischen! Bevölkerung hinausgehenden Schächtnngen zu verbieten" so ist! dieses, gelinde gesagt, eine Entstellung der Thatsachen. Einen! zutreffenden Beweis für diese Behauptung anzutreteil, dürfte i Herrn P r e h e r nicht gelingen. An den wenigen Orten! in der Rheinprovinz, wo' einzelne P r o v i uzi a l-Behörden eine! diesbezügliche Verordnung gutgeheißen haben, sind dieselben, wie! bereits bemerkt, von der Oberbehörde theils aufgehoben, theils! ist die Entscheidung noch in der Schwebe. j Wenn Herr Preyer weiter bemerkt — oder zu ver-! stehen giebt — dass die derzeit bestehenden 729 Thierschutzvereine i in der Schächtirage übereinstimmen, so müssen wir auch dagegen - Einspruch erheben. Als in der Schweiz im Jahre 1890 die; Bewegung gegen das Schächten wieder in Gang gebracht wurde, j und im Jahre 1893 gegen den Beschluss der Buudesversamm-! lung mit einem Schächtverbot endete, da sprachen sich j s ä m m t l i ch e T h i e r s ch u tz v e r e i u e der französischen i Schweiz und des Canton St. Gallen gegen ein j Schächtverbotaus. Und i n d i e s e m A u g e n b l i ck e j geht von Basel eine Bewegung aus, den die schweizerische Bundesverfassung schändende» P a r a g r a p h e n 25 B i s durch eine Volksabftimmung wieder zu beseitigen. (Fortsetzung folgt.) Äntisemilisches aus Ungarn. Der von langer Hand vorbereitete Zunder hat dieser Tage auch in Ungarn Feuer gefangen. Es haitdelre sich um eine humane Aktion, welche die Regierung Unterstützung^ der armen Ruthenen eingeleitet hatte, und als jüngst in dieser Sache eine Versammlung in Munkacs einbeiufeu wurde, um über den Erfolg der Aktion Rechenschaft abzulegen, hielt es Herr Eduard Ag a n, der vom Ackerbauminister delegirte Regieenngscommiffär, für gerathen, eine förmliche Hetzrede gegeit die Jltden den Anwesenden anfzutischen. Er hat zwar nur seiner privaten Ansicht Ausdruck verliehen, wie er wohlweislich bemerkte, und hinzugefügt, dass man es nicht dafür auslege, als spräche aus ihm der Antisemitismus. Wir ioiffeu ganz gut, wohin man mit derartigen nichtswürdigen Expektorationen zielt. Privaten Gedanken lässt man nur beim Stammtische freien Laus, wenn man des Guten zuviel in die Gurgel geschüttet, sonst heißt es seines Amtes walten und die vorgezeichneten Schranken nicht überschreiten! Das Elend der Ruthenen sei hauptsächlich den Juden zuzuschreiben, die aut alle mögliche Weise das Gesetz ausspielen. Er würde darum es für gerathen halten, öeu Ritualeio eiuzuführen, oder die Beweiskraft des Eides anfznheben, weil die Juden für ein Geringes zu haben sind, um Zeugenschast abzulegen. Ueberhaupt sollte die Regierung mit den Juden nicht fo glimpflich Vorgehen, denn es ist bewiesene Thatsache, dass die Juden die größten Feinde Ungarns sind, und wenn das arme ruthenische Volk kaum den Bisserl Brod erwerben kann, so ,iud daran nur die Juden schuld, die durch allerlei Kniffe das Bauernvolk ins Garn locken. Wohin mau sich wendet, überall begegnet man den Juden, die den Handel und das Geschäft derart an sich gezogen haben, dass man nur durch ihre Vermittelung etwas kaufen kann. Sie verseuchen das wirkhschastliche Leben, mrd je mehr diese emporsteigen, desto tiefer sinkt das Vaterland. Man müsste daher eine Sichtung vorrrehmen, und diejenigen, rvelche den Landessitten sich anpaffen, die sich mit den Ungarn asfimiliren wollen, mögen im Lande bleiben, aber jene robusten Gestalten, die aus Galizien und Rußland eingewanderl sind, müsse man mir aller Strenge des Gesetzes aus dem Lande verweisen. Schon lange hat eine Lästerzunge nicht so großes Aufsehen erregt, wie diese. Alle Blätter besprachen Tags darauf diese unerhörte Auslassung gegen das ungarische Judenthum, und es mar ihnen ganz unbegreiflich, dass ein Minisrerialdelegirter sich derart vergessen konnte. Ist es ja nur zu bekannt, wie das ungarische Judenthum Alles auf bietet, um seinem Varerlande in voller Hingebung sich dienstbar zu machen, und eine solche Schmach hatten sie von Seilen eines Regierungskommiffärs am wenigsten verdient. Der Abgeordnete Ludwig F e st (kein Jude) hatte daher in der ersten Sitzung des Abgerdnoetenbauses die Gelegenheit ergriffen, Minister D a r a n y i um Aufklärung anzngeheu, ivas er denn von der Aeußerung des Regiernngscommiffärs halte, ob er es denn für schicklich finde, bei einer solchen Versammlung, lvo alle Schichten der Bevölkerung an dem Rettungswerke mitgearbeitet, eine wahre Judenhetze arangiren zn lassen. Der Minister ertheilte sofort die gewünschte Aufklärung, erwerbe beu authentischen Text der Rede vom Deleginen abforüern. um in dieselbe Einsicht zu nehmen, wie er sich über die ungarischen Juden geäußert. Besonders kann er es bei dieser Gelegenheit nicht unterlassen, offen zu erklären: „dass im ungarischen Staate innerhalb der Schranken des Gesetzes Jedermann ohne Unterschied der Race, der Confeffiou oder der Nationalität den gleichen Schutz finde." Die liberale Rede des Ministers machte auf alle Depntirte den besten Eindruck, und die Jndenschaft hat einstweilen