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Die Wahrheit · 1900-03-02 · Heft 8 (2.3.1900) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 8 (2.3.1900)
Date
1900-03-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seile 4. Die Dayryen. Nr. 8. Nun kommt der Haupttrumpf, den Herr Pr eye r ausspielt. Er sagt (S. 14): „Ob das Schächte» „rituell" fei, „darüber stellen selbst die Rabbiner ganz entgegengesetzte Be- „hauptungen aus; ein T h e i l derselben erklärt bestimmt, „dass das Schächten durchaus keine Begründung in den religiösen „Satzungen der Juden habe und nur als rabbinische Observanz „zu betrachten sei, welche durch humanere Tödtungsarten ersetzt werden soll." Wiederum behauptet Herr Pr eye, r ohne zu beweisen. Kennt er vielleicht seinen Gewährsmann oder „d i e Rabbiner" nicht, welche diese „bestimmte Erklärung" abgegeben haben? Und nun wollen wir Herrn Preyer zu Hilfe kommen. Jawohl, es gibt deren Einen wenigstens, den wir kennen. Wer er ist und was er sagt, wollen wir actenmäßig feststellen. Einen Dank dafür verlangen wir nicht. In einer Brochüre „Herr Otto Hartman» in Cöln und sein Kampf gegen die Schächtweise der Israeliten" Frankfurt 1889, finden wir aus Seite 1 folgendes: „Was nun die Unwahrheit anbetrifft, die wir — Hartmann — „uns erkühnen auszusprechen, dass das rituelle Schlachten durchaus als „keine feste, bindende, religiöse Satzung zu betrachten ist, so scheint der „Verfasser der Gegenpetition" — es handelt sich um die dem Reichstag im Jahre 1887 zugegangene Petition, den Antrag auf Erlaß eines Schächtverbotes abzuweisen — „die Aussprüche von hervorragenden „israelitischen Autoritäten, wie Dr. Meyer in Stuttgart, Süskind, Loew „Szegedin, Dr. Stein in Frankfurt am Main, Dr. Ereuznach. Professor „Graetz. Bezirksrabbiner Landsberg, Rabbiner Stern in Buttenhausen, „Dr. Rothschild in Alzei, sowie die Verhandlungen der Synoden zu „Leipzig 1839, in Augsburg 1870, der Rabbinerversammlung in Philadelphia über die Verbindlichkeit des Schulchan-Aruch und des sich „darauf stützenden Schächtgebotes, nicht zu kennen, sondern nur sein „eigenes Urtheil als einzig maßgebend hinzustellen. Für uns sind die „Aussprüche dieser Mäuner doch Wohl etwas maßgehender, als die des „Verfassers der Gegenpetition." Dann fährt die Brochüre fort: „Von den in diesem Paffus genannten 9 Herren sind 4, nämlich die Herren Dr. Meyer, Loew in Szegedin, Dr. Stein und Dr. Ereuznach längst nicht mehr am Leben, ein 5^ Herr Stern, wie unten bewiesen, längst nicht mehr Israelit und die übrigen 4, die, als Lebende, sich über die ihnen unterschobene Meinung aussprechen konnten, haben alle (darunter der im Fach der jüdischen Geschichtsforschung als Autorität gellende Herr Prof. Dr. Grätz in Breslau), sogleich nachdem ihnen die betreffende Stummer der deutschen Thierschutz-Zeitschrist zu Gesicht kam, an deren Rcdaction, Herrn Director Dr. L. Boszler. die Erklärungen per Post eingesa"dt, dass die ibnen unterschobenen Aeußerungen auf Jrrthum oder Fälschung beruhen." „lieber die nun noch verbleibende eine israel. „Autorität" des Herrn Hartmann, den früheren Rabbiner Stern in Buttenhausen, schließen Wir hier die Mittheilung seines früheren amtlichen Vorgesetzten, des Herrn Oberrabbiners von Württemberg, Kirchenrath Dr. v. Wassermann an, enthalten in dessen Schreiben de dato 9. Mai 1888 an Herrn Bezirksrabbiner Dr. Ehrenmann in Baden: Geehrtester Herr College! .... Stern war bereits im Jahre 1879 . . . von der israel. Oberkirchenbehörde .... auf die Dauer von S Monaten vom Rabbinatsamt suspendirt .... Im Jahre 1880 .... verfügte das Ministerium seine Beurlaubung auf 3 Jahre. Unterm 14. Mär; 1883 sprach das Ministerium feine Dienstentlaffung aus.Noch in demselben Monat gab Stern und Frau der hiesigen Stadtdirection die schriftliche Erklärung, dass sie in keiner Hinsicht mehr der israelitischen Glaubensgenossenschaft angehören, sondern konfessionslos leben wollen. In Folge hievon ist Frau Stern, welche einige Jahre später starb, nicht auf dem israelitischen, sondern auf dem Communalfriedhof beerdigt worden. Die Meinung und Aeußerung solcher Männer darf kein Körnchen beitragen zur Entscheidung einer die Religion berührenden Frage. Von diesem Briefe mögen Sie, geehrter Herr College, jeden beliebigen Gebrauch machen und es wird mir zur Freude gereichen, wenn er Ihnen im Kampfe gegen die Schächtfeinde nützlich sein kann. Stuttgart, den 9. Mai 1888. Hochachtungsvollst Kirchenrath Dr. v. Wassermann, Rabbiner. Nebenbei gesagt ist Herr Oberkirchenrath Dr. Wassermann, der den Wunsch ausspricht, „im Kampfe gegen die Schächtfeinde nützlich zu fein" der directe Amtsnachfolger des längst verstorbenen, von Herrn Hartmann ebenfalls als Gegner der religiösen Verbindlichkeit der jüdischen Schlachtweise (!) angeführten Herrn Oberkirchenrath Doctor Meyer in Stuttgart." Herr Exrab bin er Stern, jetzt confessionslos, das ist die Autorität auf die Herr Preyer sich berufen kann. Wir gratuliren ihm zu solch einem — Kronzeugen. Wird er einen Renegaten auch als „Autorität" auf dem Gebiete des katholischen Kirchenrechtes anerkennen? Wir möchten es b ezrve i fel n? Da wir nun gerade beim Aufdecken einer — um das Kind beim rechten Namen zu nennen — Fälschung sind, aus der die Thierschutzvereine gegen die Juden Capital geschlagen haben, wollen wir Herrn Preyer noch eine andere Ueberraschung bieten, die sich auf jene bereits im Anfänge unserer Darstellung angezweifelte Ansicht des berühmten Physiologen Du Bois- Reymond bezieht. Es wurdeen nämlich in der Nummer 35 und 37 der im Namen des Berliner Thierschntzvereins verbreiteten Flugblätter die angeblichen Untersuchungen berühmter Professoren, wie z. B. des Geheimen Regierungs- und Medicinalrath, Professors der Physiologie Du B o i s- Rey mon d in Berlin, des Prof. Brouardel in Paris u. A. mitgetheilt. Der berühmte Petersburger Arzt Dr. Dem b o, auf den wir noch znrückkommen, veröffentlicht nun in seiner Brochüre „Das Schächten, im Ver-. gleich mit anderen Schlachtmethoden," Leipzig 1894, folgendes: „Als ich diese Flugblätter las, war es mir unbegreiflich, wie diese hochgelehrten Männer solche, den fundamentalen Grundsätzen der Physiologie, der Medicin und der Hygiene widersprechende Ungereimtheiten haben behaupten können. Da ich mich selbst mit den betreffenden Fragen beschäftigt und ganz entgegengesetzte Resultate erhalten hatte, wandte ich mich brieflich zunächst an den Herrn Prof. Du Bois-Rehmond mit der Bitte um freundliche Mittheilung, durch welche Untersuchungen er zu solchen Schlüssen gekommen sei, wie sie vom Berliner Thierschutzverein in seinem Namen veröffentlicht werden. Als Antwort erhielt ich folgenden, von dem gefeierten Gelehrten eigenhändig geschriebenen Brief: Berlin, 2. November 1893. Dem Hofrath Herrn Dr. I. Dembo aus Petersburg. Geehrtester Herr Doctor! In der mir von Ihnen gütigst mitgetheilten Nummer 35 des Blattes des Berliner Thierschutz-Vereines findet sich gesperrt gedruckt folgende Behauptung: „Die außerordentlich wichtige Thatsache, dass das Fleisch von Thieren, die vor und bei dem Schlachten geangstigt und gequält wurden, sich in nachtheiliger, gesundheitsgefährlicher Weise verändert, ist durch gründliche wissenschaftliche Untersuchungen, besonders von dem bekannten Physiologen Du Bois-Reymond nachgewiesen worden. Das Fleisch dieser Thiere verdirbt früher und zeigt besonders beim Einpöckeln seine nachtheiligen Veränderungen." Ebenso heißt es dann in Nr. 37: „Die Untersuchungen des Physiologen Du Bois-Reymond haben das bestimmte Resultat geliefert, dass durch Aengstigung und Quälerei der Thiere in dem Blute derselben eine höchst nachtheilige Veränderung eintritt, wodurch die Annahme bestätigt wird, dass bei Schlachtthieren, die ohne vorherige Betäubung getödtet werden, das Blut durch die Schmerzen und die Todesangst in einen fieberhaften Zustand kommt, der das Fleisch ungesund macht." Ihrem Wunsche gemäß erkläre ich hiermit und ermächtige Sie von dieser Aussage jeden beliebigen Gebrauch zu machen, dass die obigen Angaben, soweit sie mich betreffen, vollständig aus der Luft gegriffen sind. Ich habe solche Untersuchungen, wie sie mir darin zugeschrieben werden, nie angestellt, und halte sie für sinnlos und ihr angebliches Ergebnis für falsch. Hochachtungsvoll ergebenst E. du Bois-Reymond. Herr Professor -Brouardel in Paris, auf den die Herren Thierschützler sich, wie gesagt, gleichfalls berufen hatten, schreibt: Paris, 7. November 1893. k'aoulte de Medecine. Geehrtester Herr College! Ich habe mich niemals über das Viehschlachten geäußert und habe niemals auf deffen Consequenzen hingewiesen. Sie können die diesbezüglichen Behauptungen dementiren' Ihr Brouardel. Nach sülchen Enthüllungen wird es einem ehrlichen Menschen schwer, noch an die bona fides der Herren Thierschützer zu glauben. Sie gebrauchen die gleichen Waffen wie bei der gegen das Judenthnm erbobenen Blutbeschuldigung: Entstellung, Lüge und V e r l ä u m d u n g. III. Herr Preyer berührt nun die rechtliche Seite der Schächtfrage und resumirt am Schluffe wie folgt: „Da „aber ungeachtet aller dieser Erwägungen und Widersprüche jeder „Schritt des Bereines. welcher gegen das „Schächten" gerichtet

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