Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1900
- Issue
- Heft 7 (23.2.1900)
- Date
- 1900-02-23
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Scite 10. Die Wahrheit. Nr. 7. Jerusalem ist in Hinsicht auf Denkmäler auf demselben Punkte jetzt, wo es war, als es David's Stadt wurde; nur die Felsen und Thäler sind noch da, um ru zeigen, dass dieser Ort und das alte Jerusalem — eins ist." Aber ist einmal die Seele zu den Gefühlen gestimmt, welche ohne äußerliche Gegenstände auftauchen müssen, so wird jeder Fuß breit des Bodens, den der Reisende in Jerusalem und dessen Umgebung betritt, die Lebhaftigkeit jener Empfindungen verstärken. Eine starke Veränderung ist seit Jerusalem's Falle sogar in dem Gewände der Natur eiugetreten, und ihr gegenwärtiger Schmuck ist in auffallender Uebereinstimmuug mit den letzten Capiteln der Geschichte dieser Stadt. Noch bedecken der Oelbaum, der Feigenbaum und der Wrinstock manche der Hügel umher mit ihren reich belasteten Zweigen; sogar die Rose blüht in prächtiger Ueppigkeit in den Schlüffen der Thäler, und manche der Ebenen zeigen ihre Fruchtbarkeit in reichen Ernten; aber doch sieht man überall schauderhafte Zeichen der Trostlosigkeit, und der Reisende fühlt unwillkürlich, dass er sich in einem Lande befindet, von dem es fast ohne figürlichen Sinn heißt, das Herz des Lebens ist gebrochen. Einer reflektierenden Seele wird es nicht schwer, sich die mannigfachen — feierlichen und angenehmen — Empfindungen vorzustellen, welche sich des Pilgers bemächtigen, wenn er der ehrwürdigen Hauptstadt dieses seltsamen Landes nahet. Das Schauerliche und Melancholische, das dieser Gegend eigen ist, wird durch den Genuss, den der Wanderer bat, am Ziele einer langen und schwierigen Reise zu stehen, gemildert; fast Alle, die Jerusalem besucht haben, bekennen sich zu solchem Gefühle." Mylady Montefiote erzählt hierauf in gedrängter Kürze die Schicksale Jerusalem's und schließt mit den Worten: „Aber indem ich von diesen Betrachtungen zu meinen eigenen Empfindungen übergehe, kann ich nicht genug dem Allgütigen danken, dass er uns vergönnt hat, die Stadt glücklich zu erreichen. Die Hindernisse, welche sich darboten, die Gefahren, die uns bedrohten, die Aufhaltungen und Plackereien, die wir ertragen mussten, alle standen mir recht lebhaft vor der Seele, indem ich mich der Freude ganz überließ, mit welcher ich nunmehr meines geliebten Mannes lange genährten Wunsch erfüllt sah. Mein Wonnegefühl ward iticht wenig durch die Erinnerung erhöht, dass ich ihn kräftig ermahnt hatte, seine Reise fortzusetzen, so oft sein Eifer etwas nachgelassen und ich sogar den Rath und die Wünsche unserer Gefährteil zu überwinden hatte." Ungefähr zehn Jahre später trat Mofes Moutesiore zum zweitenmale eine Reise nach Palästina nach. Diesmal begleitete ihn außer seiner edlen Gattin der sehr gelehrte Orientalist Dr. Löwe, der über jene Reise nicht uninteressante Berichte veröffentlicht hat. Auch diese Reise war für die Verbesserung der Lage der Juden Palästina's von hoher Wichtigkeit und Bedeutung. Seiner hohen Tugenden und edlen Wirksamkeit halber erwarb sich Moses Montefiore in seinem Vaterlande England die allgemeine Hochachtung und Verehrung. Im Jahre 1837 wurde er als Sheriff von London gewählt. Als ihn die Königin Victoria in den Ritterstand erhoben hatte, verwaltete er tactuud würdevoll das Ehrenamt eines Ober-Sheriffs der Grafschaft Kent und erhielt dann den Barontitel. Das schönste und von der ganzen civilisirten Welt aner kannte und gewürdigte Verdienst hat er sich im Jahre 1840 erworben. barsten, würdigsten, reichstell und angesehensten Persönlichkeiten der jüdischen Gemeinde zu Damaskus verhaften und auf die eutfetzlichste Weise foltern und martern, um von ihnen ein Geständnis erzwingen zu können. Da sich aber all' die angewandten Folterqualen als fruchtlos erwiesen, so liess der Tyranu mehr als sechzig Kinder zwischen 3—10 Jahren kn. Eltern gewaltsam entreißen, in ein besonderes Zimmer einfperren und dem Hunger und Durste preisgeben, damit die von namenlosem Weh und unaussprechlichem Schmerze tief ergriffenen Mutter sich gezwungen sehen mögen, die verlangt e it. Geständnisse abzulegen. Kurz, kein Mittel war ihm zu schlecht,, so er glaubte, hiedurch von den Juden, denen er gerne den Garaus gemacht hätte, Geständnisse zu erpressen. Zu ihrem Unglücke ereignete sich gerade um jene Zeit auf der Insel Rhodus ein ähnlicher Fall. Es hatte sich nämlich ein zehnjähriger griechischer Knabe erhängt. Diesen Umstand benützten die Christen, um die Juden zu beschuldigen, dass sie den Knaben ermordet hätten. Infolgedessen wurden auch hier, lvie in Damaskus, die angesehensten Juden auf die grausamste, Mark und Bein erschütternde Weise gefoltert und gemarterte Die natürliche Folge dieser beiden Ereignisse war, dass in Syrien und der Türkei sich ein furchtbarer Sturm gegen die Juden, denen man die ihnen von dem jungen Sultan Abdul Megid verliehene Freiheit und Gleichberechtigung nicht gönnte, erhoben hatte. Die Ausschreitungen, die sich der rohe Pöbel gegen das schwache, wehr- und schutzlose Israel erlauben zu dürfen glaubte, waren grenzenlos. In Damaskus, Djabar> Beirut und anderen Orten wurden die Synagogen zerstört, die Gesetzrollen entweiht und zerrissen und die Juden misshandelt.. Ein Schrei der tiefsten Entrüstung und Empörung durchdrang alle Kreise der gebildeten Welk, als die Kunde von diesen Augst, Bangen und Grauen erregenden Greuelscenen nach Europa gelangte. Die Juden in Frankreich und England verbanden sich zu einer gemeinschaftlichen Action. In Frankreich nahm sich der berühmte Advocat Adolf Cremieux der Sache besonders heiß an, fand aber bei der französischen Regierung, keine Unterstützung. Selbst ein Thiers, der damals teil. Vorsitz im Ministerium hatte und aus politischen Rücksichten mit der geistlichen Partei fraternisieren musste, schien den Scenen in Damascus, die von allen Gebildeten als eine Schmach des neunzehnten Jahrhunt>erts bezeichnet wurden, beizupflichten, während der österreichische Minister Metternich sich der Verfolgten und Bedrängten in der Türkei in hochherzigstem Weife annahm. In England war es Montefiore, der alle Hebel in Bewegung setzte, um feinen unschuldig verfolgten Glaubensbrüdern im Orient Hilfe zu bringen. Vor Allem veranstaltete er im Vereine mit Cremieux, der zu diesem Besuche nach Englandkam, am 15. Juni in der Vorhalle der neuen Synagoge Great St. Helen's eine Versammlung. In dieser Versammlung wllrde einstimmig der Beschluss gefasst, dass beide Männer nach dem Oriente reisen sollten, um das Demoklesschwert, das über den Häuptern der armen, unschuldig verfolgten Juden schwebte,, abzuwenden und überhaupt die so tief verletzte Ehre des Judenthums durch die Waffen der Wahrheit zu retten. Von allen Seiten liefen riesige Geldsummen zur Förderung dieses edlen Werkes ein. In einer zweiten Versammlung, die am 23. Juni in der Synagoge Dnke's Place stattfand, wurde mit noch größerer Begeisterung für die in Rede stehende Orientreise plaidirt. In Damaskus, der von ungefähr 4000 jüdischen Familien bewohnten Hauptstadt Syriens, ist am 5. Februar 1840 ein Mönch, Namens Peter Thomas, der sich daselbst seit mehr als 30 Jahren mit der Ausübung der Heilkunde beschäftigte, nebst seinem Diener verschwunden. Sofort wurde von den fanatischen Mönchen das märchenhafte Gerücht verbreitet, dass die Juden den Thomas ermordet hätten, um dessen Blut zur Bereitung ihrer Osterbrode zu gebrauchen. Auf Allregung des französischen Eonsuls, jenes herz- und gewissenlosen Ratti-Menton, ließ der Gouverneur von Damaskus, Sherif Pascha, sieben der acht^ (Fortsetzung folgt.) Verschiedene Nachrichten. Wien. In der Doiinerftag, den 8. d. M., stattgehabten Sitzung des österr.-ungar. Cantorenvereiues erstattete der Vereinscassier, Herr I. Cantor M. Blatt, den Rechenschaftsbericht über das Vereinsjahr 1899. Nachdem det selbe znr Kenntnis , genommen und dem Cassier der Dank des Vorstandes für sein ' mühevolles Walten votirt wurde, beschloss der Vorstand, in