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Die Wahrheit · 1900-02-23 · Heft 7 (23.2.1900) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 7 (23.2.1900)
Date
1900-02-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 7. Die Wahrheit. Seite 5. 5. Der Ochse des Metzgermeisters Quirin 7 Schläge 6. „ „ „ „ Gruber 5 7. „ „ „ „ Grub er 7 8. „ „ „ „ Menstell 6 9. „ „ „ „ Halm 6 10. „ „ „ „ Pfeiffer 16 „ Frankfurt a. M-, den 5. Dez. 1885. Damit wird auch die Behauptung des Herrn Pr eher, „dass der Betäubungsschlag nicht gefühlt werde," auf ihren wahren Werth znrückgeführt. Und was die weitere Behauptung anbelangt, dass der Tod erst nach 5—8, ja 11 Minuten eintrete, so spricht sich das bereits citirte Gutachten Du Bois- Reymond's darüber mit wünschenswerthester Klarheit aus. Eine Frage aber können wir nicht unterdrücken. Man möge sie uns verzeihen, aber sie drängt sich Einem von selbst auf: Wenn nach dem Halsschnitt im Körper noch eine relativ lange Zeit — ja nur 1 Minute — ein wahrnehmbares Gefühl vorhanden wäre, wie kommt es dann, dass bis heute in gesitteten Staaten die Todesstrafe durch Guillotinierung noch ausgeübt wird? Welche Art der Tödtnng auch immer man ausübt — schön ist der Anblick bei keiner. Darum aber ist Gefühlsduselei nirgends w e n i g e r a m P l a tz e, als bei d i e s e r F r a g e. Wenn Herr P r e y e r ferner das Niederwersen des Viehes zum Zwecke des Schächtens bemängelt, so muss ihm bekannt sein, dass man fast allgemein gepolsterte Unterlagen benützt und dass es ferner Methoden gibt, vermittelst deren das Vieh sich langsam auf die Seite legt. Herr P r e y e r bemerkt weiter, dass „bei Gänsen m i tuuter nur ein Oeffnen der Blutgefäße, nicht auch ein Durchschneiden der Muskeln des Halses stattfindet." Auf das „Schächten" bezieht sich dieses jedenfalls nicht, wovon er sich leicht überzeugen kann. Und wenn Herr P r e y e r einen Trumpf auszuspielen glaubt, indem er sagt (S. 11): „Außer Zweifel steht ferner, dass das Thier auch den Schmerz des Schächtschnittes empfindet," so wollen wir ihm mit der Frage antworten, ob er meint, dass der Stirnschlag — oder die 5—16 — etwa nicht gefühlt werden? Er behauptet, dass es nicht der Fall, den Beweis a b e r b l e i b t e r u n s s ch u l d i g. - (Fortsetzung folgt.) Zur Lesetznng der Oberrantorjtelle am Leopoldstädter Tempel in Wien. „D a s A m t des C a n t o r s verlangt v o n s e i n e m Träger in erster Linie Charakterbildung, Bewusstsein der hohen Würde seinesBerufes und vollste Hingebung an denselben". Diese Worte hat der verewigte Altmeister Salomon Sulzer in einem denkwürdigen Momente, zum fünfzigjährigen Jubiläum des Tempels in der Seitenstettengasse, an die Wiener Cultnsgemeinde gerichtet und mit vorschauendem Blicke eine Directive für zukünftige Besetzungen an den Wiener Gemeindesynagogen gegeben. Man sollte meinen, dass der Vorstand der Wiener Cultusgemeinde, der in der Gestaltung des Gottesdienstes die Sulzerischen Traditionen jederzeit hochgehalten und erst in jüngster Zeit das Andenken an den verewigten Meister in solenner Weise gefeiert hat, jetzt im gegebenen Momente, da er sich anschickt, für den leider allzufrüh heimgegangen Obercantor Goldstein einen Nachfolger zu berufen, dieser Worte eingedenk sein werde. Allein wie so manche andere Vorfälle in den letzten Jahren zu wehmutsvollem Vergleiche zwischen Einst und Jetzt herausforderten, so muß auch die Art und Weise, wie die Besetzung der vacanten Obercanwrstelle am Leopoldftädter Tempel bisher behandelt wurde, dem unbefangenen Beobachter die Erkenntnis aufzwingen, dass die Wiener Cultusgemeinde sich nicht mehr auf einstiger Höhe befindet. Es ist gewiss keine leichte Aufgabe, für Goldstein einen ihm ebenbürtigen Nachfolger zu finden, denn ein Sulzer oder Goldstein wird nicht alle Tage geboren; aber gerade darum musste der Vorstand bei der Beurtheilung der zahlreichen Bewerbungsgesuche die größte Vorsicht üben und nur die Würdigsten und Berufensten mit Probevortrügen beehren. Wir gebrauchen absichtlich den Ausdruck „beehren", denn jederzeit hat es als eine Ehre gegolten, in der Wiener Gemeinde, einer der größten und früher vielleicht bedeutendsten Gemeinde des gesammten Judenthums zu einer Bewerbung um eine erste Stelle eingeladen zu werden. Der Werth dieser Ehrung wird aber geradezu illusorisch gemacht, wenn Jedermann, ohne Rücksicht auf Qualification, bisheriges Wirken und Vorleben, die Hand nach derselben ausstrecken darf, um sie nachher anderwärts zu billiger Reclame auszunützen. Darf es dann Wunder nehmen, wenn wirklich hervorragende und würdige Repräsentanten des Cantorenstandes nicht den Ehrgeiz, oder sagen wir, nicht die Ueberwindung besitzen, als ernste und offene Bewerber aufzutreten, und diejenigen, die es gethau haben, sich die bange Frage vorlegen, mit welchen Elementen sie in eine Reihe gestellt' werden? Gewiss sollen die Berufungen für so hervorragende Stellungen, wie die des Obercantorpostens am Leopoldstädter Tempel in Wien, nicht auf einige Privilegirte beschränkt bleiben und namentlich soll bei derartigen Anlässen den wirklich talentirten jungen Kräften Gelegenheit zum Vorwärtsstreben und zur segensreichen Entfaltung ihrer Fähigkeiten gegeben werden, aber immerhin dürfen nur wirkliche Cantoren hiebei in Betracht kommen, u. zw. Männer, die sich in ihren bisherigen Stellungen als tüchtige und würdige Vertreter des Cantorenstandes erwiesen haben. Das verlangt das Ansehen der Wiener Cultusgemeinde. das verlangt die Achtung vor der Bedeutsamkeit des cantoraleit Amtes und vor Allem auch die Pietät für den verewigten Goldstein, der der Gemeinde unvergesslich bleiben wird. Nach allen drei Richtungen hat nun der Vorstand die nöthige Rücksicht und Vorsicht nicht walten lassen, und wir müssen bedauern, dass er sich nicht von Männern berathen ließ, die mit den cantoralen Verhältnissen und auch mit den Periönlichkeiten etwas besser vertraut sind. Es wurde von Seilen eines Experten die Behauptung aufgestellt, dass alle Bewerber zu einem Probevortrage eingeladen werden müssen und keinerlei Protection bei der Auswahl der Competirenden geübt werden dürfe. Aber gerade dadurch, dass der strenge Maßstab der sachlichen, intellectuellen und moralischen Qualification nicht angelegt und dem geradezu colossalen Anstürme der Bewerbungen Thür- Thor geöffnet wurde, hatte die Protection den freiesten Spielraum, und wir stoßen in der Liste der bereits absolvirren und auch weiter bevorstehenden Berufnngen auf so manchen Namen, der wohl niemals in Betracht gekommen wäre, wenn nicht der Vorsteher 3E. oder das einflussreiche Gemeindemitglied 2). sich für denselben inreressirt hätte. Als stimmungsvolles Präludium galt schon der erste, wohl nicht öffentlich abgehaltene Probevorirag, und der hiebei geübte Vorgang, der in einer Provinzgemeinde zweiten Ranges nicht möglich wäre, muis in der Wiener Cullusgeme.nde geradezu als Ungeheuerlichkeit bezeichnet werden. Ein Zugvogel, der nirgends festen Fuß fassen konnte, bald hier bald dort aufranchle und sich gerade auf einem Wanderzuge vom Osten nach Westen befand, den er schon des Oestereu unternommen uuo gewiss bald wieder in umgekehrter Richtung wiederholen wird, wurde vom Borslande — wahrscheinlich auf Wunsch eines der Mächtigen — zu einem Probevortrage eingeladen. Bedenkt mau, dass dies zu einer Zeit geschah, wo der in der Concursausschreibuug gedachte Termin noch fern lag, so war die Auszeichnung eine noch größere, und es hatte fast den Anschein, als müsse sich die Wiener Cultusgemeinde nur rasch dieser bedeutenden Persönlichkeit versichern, bevor sie in entfernte Welrtheile abreisi. Der Ausgang des Provevortrages bewies, was beu Eingeweihten, leider aber nicht dem Vorstande, schon vorher kein Geheimnis war, dass zu dem Mangel der ethische» Qualification auch die ungenügende fachliche Eignung sich geselle und dies keineswegs die gesuchte Persönlichkeit sei, deren Einladung extra

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