Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1900
- Issue
- Heft 6 (13.2.1900)
- Date
- 1900-02-13
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Hesterr.-ungar. Hantoren-Aeitung. Nr. 6. ZLeitage zur Zeitschrift „Die Wahrheit." 2V. Iahrg. Wir ersuchen die Gönner nnd Freunde unseres Blattes, in allen öffentlichen Localen Hier und in der Provinz „Die Wahrheit" zu verlangen. Zur Organisation -er Cultusbeamten. Von Moritz Mandl, Bezirks-Religion slehrer. Wenn sich in uuierem Staude jemand bedrückt fühlt, oder wenn einem das Schicksal irgend eines armen College» recht nahe geht, dann greift mail unwillkürlich zur Feder und schreibt au das Hochblatt; mau beklagt sich. Was mau aber im besten Falle damit erreicht, ist blutwenig. Zu den meisten Fällen bleibt alles — beim Alten. Wer sollte auch helfen? Zn der Gemeinde herrscht der reinste Despotismus dem 'Cultusbeamten gegenüber. Soll er vielleicht beim Rabbiner Schntz suchen? Nun, dieser ist oft selbst .froh, so die allgewaltigen Gemeindepaschas ihu nicht auch angelegentlichst ihre Macht fühlen lassen. Ist er aber vermöge seiner Stellung als Seelsorger aller Chicanen überhoben, so kommt es doch nicht selten vor, dass auch der Herr Rabbiner zur Unterjochung, des „Functionärs" sein Schärflein beiträgt; sollte letzterer etwa ttmsonst — Meschnbed — Unterthan heißen? Solch traurige Beispiele sind des Oesteren schon in diesen Blättern critisirt worden. Gar mancher Mahnruf nach Organisation hat einen in seinen Rechten sich gekränkt Fühlenden zum Verfasser. Was nützt aber auch alles organisiren, wenn oft das Wohl und Wehe eines armen Familienvaters von der Laune eines ihm mehr oder weniger geneigten Vorstehers abhängt? Das Damoclesschwert der Kündigung schwebt fortwährend über sein sorgenschweres Haupt; jede im Lause des Jahres stattfindende Ausschußsitznng — jagt ihm Todesangst ein. Wie nenbelebt athmet der Arme aus. wenn er sich nach einer solchen Sitzung an ein ihm gewogenes Ausschußmitglied mit der schüchternen Frage heranwagend, was es eigentlich gestern gegeben habe, von demselben die lakonische, aber immerhin glaubwürdige Antwort erhält: „Nichts, — Präliminarien!" Wir können in diesem oder jenem Blatte allarmiren, wir können uns beklagen, die Gemeinden werden dennoch nur dasjenige thun, was ihnen eben zu thun beliebt. Wohl macht uns ein College in Nr. 5 dieser Blätter einen Vorschlag zur Organisation und meint, es wäre schon an der Zeit, dass wir uns endlich consolidiren; wir müssten uns zu diesem Zwecke gegenseitig verpflichten, ohne Zusicherung der Reisespeseu aus keine Berufung zu reflectiren und auf eine Acceptation unter 3 Zähren nicht einzugehen. . . Nun ja, dieser Weg zur Wahrung unserer Znteressen steht ulls wohl offen, aber wer will die Zudoleuz aus unserer Mitte bannen? Es ist schon gar viel in dieser Hinsicht gerathen und berathen worden, aber alles vergebens. Die Folgen hievon sind bezeichnend genug und sollten endlich unseren Stand aus seiner Lethargie zu rüstigem Schaffen erwecken. Der Fall Szabadka steht nicht vereinzelt da; es ist vielmehr schon etwas alltägliches, dass Cultusbeamte ohne „Contract" — aus Knall und Fall die Kündigung bekommen. — Zm Vorjahre trug sich in einer östereichischen Gemeinde folgende, die Situation grell beleuchtende Begebenheit zu. Unser College L. war dort seit einem Jahre „angestellt". — Er war seinen Ausgaben voll und ganz gewachsen, denn er bekleidete früher schon das gleiche Amt in einer weit größeren Gemeinde. Eines Tages kam er aus der Religionsstunde nachhause. Todteublässe bedeckte sein Gesicht. Aus die Frage seiner besorgten Gattin, wollte er anfangs gar nicht antworten. Sie drang jedoch so lange in ihu, bis er endlich ein Schreiben aus der Rocktasche hervorholte und mit zitternder Hand dasselbe aus den Tisch niederlegend, fast lallend hervorstieß: „Gekündigt haben Sie mir!" — Vierzehn Tage später! Es war gerade ein christlicher > Feiertag, da erhielt nufer College einen unerwarteten Besuch. i Cantor S. aus K. bewarb sich persönlich um den mittlerweile! ausgeschriebenen Posten — und kam bei dieser Gelegenheit auch! den College» L. anssllchcn. Zm Lause des Gespräches kamen die! Beide ans das peinliche Thema, ivelches sie am liebsten unberührt j gelassen hätten. — „Haben Sie Aussicht, acceptirt zu werden," frag L. „Schade für meine Spesen," entgegnete S. „Wieso das?" sagte 8. erstaunt. „Nun," erwiderte ihm jener, „der Herr Vorsteher sagte mir soeben, dass ich bereits \\i spät gekommen sei; vorgestern habe man gleich den allerersten Bewerber brieflich acceptirt. — „Uebrigeus", sagte mir auch dieser seltsame Herr Vorsteher, „s r ag e n S i e s i ch von heute in einem Jahre wieder a n!" Diese erniedrigende Behandlung ist für einen so heiligen Stand wie der des Cultusbeamten recht beschämend. Zugleich aber ist es auch für etne Cultusgemeinde keine Ehre, wenn j sie mit den Organen ihrer heiligen Institutionen einen sörmj lichen Schacher treibt Ich frage also, sollte man eine siche j Gemeinde nicht meiden? Anderseits wieder kann mail es einem I armeil Teufel,;. B. einem Vater von vier Kindern verargen, so er — ans Roth — auch einen solchen Posten anzunehmen gezwungen ist? Schließlich ist es auch jedenfalls ein gutes Warnungsmittel, wenn solche Gemeinden, wie z. B. S; . ., öffentlich verschrieen werden; fraglich jedoch bleibt immerhin, ob mau aus diese Weise etwas ansrichteu wird, uub endlich, aus welche Art llnd Weise man überhaupt imstande wäre, nufere Stellung ans ein höheres Niveau zu bringen. verschiedene Vachrichten. Wien. (Sulzers Lorbeer k ranz.) Aus Anlass der pietätvollen Gedenkfeier, welche die „Gesellschaft für Sammlung und Conservirung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judenthums" für weil. Professor S alomon Sulzer am 20. v. M. veranstaltete, überreichte der Sohn des verewigten Meisters. Herr Professor Joseph Sulzer, dem Präsidium der obbenannten Gesellschaft den silbernen Lorbeerkranz, den die Künstler Wiens am 30. März 1866 nach einer herzlichen Ansprache Salomon Sulzer zu dessen 40jährigem Künstlerjubiläum verehrten. Die Worte, die die damalige Hosschauspielerin Frau Amalia Haizinger an den Jubilar richtete, werden den Zeitgenoffen stets im Gedächtniße bleiben. — Der prachtvolle Kranz ziert von nun ab das bereits sehr reichhaltige der Gesellschaft unterstehende „Jüdische Museum," I., Rathhausstraße 13, welches j edenSa mst ag von 11 bis 1 Uhr Mittags zur freien Besichtigung geöffnet ist. E. J. Wie». Freitag, den S. und Samstag den 10. hat Herr Dan. Fuchs, gewesener Cantor in Odessa, im Leopoldstädter Tempel Probevorträge abgehalten. Wien. Unter zahlreicher Betheilizung fand Donnerstag den 1. d. das Leichenbegängnis des Herrn Sam. Kann statt, welcher in allen Kreisen der Residenz durch seinen vornehmen Character und die Lauterkeit seines geschäftlichen Verkehres hohe Achtung genoß. Derselbe entstammt einer sehr angesehenen und frommen Familie aus Preßburg. Oberrabbiner Dr. Güdemann und Qbercantor Singer versahen die Trauerfunctionen. Wie«. (Spende.) Aus Anlass des 80. Geburtstages seines Vaters, des Herrn Adolf Engel de Janosi, erlegte Commereialrath Moriz