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Die Wahrheit · 1900-02-13 · Heft 6 (13.2.1900) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 6 (13.2.1900)
Date
1900-02-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Die Mayryeu. Nr. 6. Steuerbekenntnis einzureichen. Dasselbe hat nur die Summe des Einkommens ohne nähere Specification zu enthalten und haben diejenigen Personen, welche auf eine Begünstigung Anspruch zu haben glauben, dies auf dem Bekenntnisformular zu vermerken. Erachtet die Einschätzungscommission das Bekenntnis des Steuer-pflichtigen als ungenügend, so kann sie selbstständig eine Erhöhung vornehmen und hat sie hievon den Steuerpflichtigen unter Angabe der Gründe und Merkmale in Kenntnis zu setzen. Dieser kann eine persönliche Vorladung verlangen, welchem Begehren behufs Auskunftsertheilung stattgegeben werden muss. Wenn der Censit die erhöhte Vorschreibung nicht anerkennt und eine Einigung mit der Commission nicht stattfindet, so kann er unter Angabe der Gründe an die Berusungscommission recurriren. Diese entscheidet endgiltig. Die Vorlage der staatlichen Vorschreibung für die Personaleinkommcnsteuer gilt jederzeit als vollgiltiger Beweis. Unterlass u n g. Unterlässt der Steuerpflichtige sein Bekenntnis rechtzeitig einzureichen, so bestimmt die Einschätzungscommission die Höhe des Einkommens endgiltig und steht demselben hingegen ein Recursrecht für das betreffende Jahr nicht zu. Strafbestimmungen. Stellt es sich durch eine offenkundige Thatsache heraus, dass ein Steuerträger sein Einkommen zu gering angegeben hat, so ist derselbe pflichtig, eine Nachzahlung auf 10 Jahre zurück der zu wenig bezahlten Summe zu leisten. Modernes Ludenthum. Von dem Verfasser des Artikels „Modernes Judenthum auf dem Flachlande" erhalten wir folgende Zuschrift: Sehr geehrte Redaction! Da mau in mir den Verfasser des Leitartikels „Modernes Judenthum auf dem Flachlande" in Nr. 5 Ihres geschätzten Blattes vermilthete, wurde ich von einer gewissen Seite, mit Benützung der Drucksorten der hochachtbaren Firma David Bloch, Zuckerfabrik in Elbekostelctz, mit einem anonymen Brief behelligt, der von unfläthigen und pöbelhaften Ausdrücken derart wimmelt, dass ich Anstand nehme, denselben Fhnen vorzulegen, und dies umsomehr, als er czechisch geschrieben ist. Jedoch bitte ich, in der Ueberzeugung, dass auch die verehrte Redaction von dieser Art Zuschriften nicht verschont blieb, um Aufnahme nachstehender Erwiderung. Zu allen Zeiten und in allen Gesellschaftskreisen wurden Parasiten großgezogen und geduldet; auch unser Jahrhundert macht keine Ausnahme, und so nähren sich viele tausende Schmarotzer von dem Blute und der Kraft des redlich Arbeitenden, zum Schaden und Verderben der menschlichen Gesellschaft. Doch nirgends kann so viel Unheil in moralischer und ethischer Beziehung angerichtet werden, als wenn dieses Schmarotzerthum mrter dem Deckmantel des Cultus und der Religion sich birgt. Unsere heilige Schrift sagt daher ganz richtig: voyö mofl „Vertilge, vernichte sie aus meinem Volke!" Und jeder rechtlich und redlich denkende Mann, ob nun diesem oder jenem Glaubensbekenntnisse angehörend, wird es sich zur Ausgabe stellen, alle diese Gottes- und Glaubensschänder in dem ihnen gebührenden Lichte der Welt zu zeigen. Mich wird nichts abhalten, meiner Pflicht und meinem Gewissen in vollstem Maaße zu entsprechen, aber auch die löbliche Redaction möge sich nicht beirren lassen, für unseren heiligen Glauben und unseren Stand unentwegt offen und entschieden einzutreteu, der Dank jedes Intelligenten und gerecht Denkenden wird Ihnen zutheil werden und der Ausspruch Zola's stets Recht behalten. „Da verite est 1a viotoirs". Indem ich Ihnen für die Veröffentlichung dieser Zeilen meinen verbindlichsten Dank ausspreche, zeichne ich mit aller Hochachtung Yerus. Dass die in dem beregten Artikel geschilderten Erscheinungen nicht vereinzelt dastehen und auch in anderen Kronländern Vorkommen, beweist nachstehende Schilderung, welche wir aus der Gemeinde K. 7... .n in'Mähren erhalten. Geehrter Herr Redactenr! Als Pendant zu dem Leitartikel in der letzten Nummer der „Wahrheit" sei es auch mir gestattet, Ihnen einiges über religiöses und jüdisches Leben (?) in unserer Gemeinde zu berichten, jedoch möchte ich die Ueberschrift nicht „Modernes Judenthum" sondern lieber „Tief gesunkenes Judenthum" wählen. Unser Cnltus-Vorsteher lebt seit eine Reihe von Jahren mit einer Christin, sein Hauswesen ist ganz christlich, von 1^3 schlachten oder Beobachtung anderer religiöser Vorschriften keine Spur. Er spielt mit dem jüdischen Volksschullehrer, der zugleich auch hebräisch unterrichtet, am Sabbath Karten, und der Rabbiner lässt das zu ohne ein Wort der Zurechtweisung. Der Cultus - Vorsteher wird trotzdem jedes dritte Jahr wiedergewählt, aber meinen Sie, warum? Weil die übrigen nicht viel besser sind. Sie können sich, geehrter Herr Redakteur, denken, wie tief das Judenthum gesunken ist, wenn die Führung der Gemeinde in solch unwürdigen Händen liegt. Ich könnte Ihnen noch manche Gemeinde in Mähren anführen, wo solch elende Zustände herrschen, und wer nur das geringste religiöse Gefühl besitzt, dem schneidet es tief in die Seele, zuzusehen, wie unsere heilige Religion mit offener Brutalität verletzt wird. Soll es dann Wunder nehmen, wenn die Antisemiten uns verachten? Wir verachten uns ja selbst. Die heilige Schrift sagt schon 1238 '1320 '3 Die jüdischen Antisemiten sind viel schlimmer als die christlichen. Die jüdischen Kinder werden durch solche traurige Beispiele dem Judenthum entfremdet und eine irreligiöse Generation wächst heran, der das Judenthum zur Last wird. Leider sind auch manchmal die Herren Rabbinen an diesen Zuständen Schuld. Um ihr Einkommen nicht zu schmälern, machen sie die beiden Augen zu und lassen alles gewähren. Dass die Functionäre in solchen Gemeinden ein trauriges Dasein fristen, ist selbstverständich, denn Leute, welche keinen Sinn für Religion haben, haben auch kein Herz für ihre Beamten, sie nützen sie nur aus, so lange sie jung sind. Vielleicht führt es zur Gesundung und Besserung, wenn in Ihrem geschätzten Blatte die öffentliche Anfmerksamkeit auf diese Zustände gelenkt wird, die für das Jndenlhnm viel gefährlicher sind, als die tückischen Anschläge der Antisemiten. Zur jüdischen Culturfrage. Von A. Mirsky. (Fortsetzung.) Der Culturgeschichtsschreiber wird somit oft vor die schwierige Frage gestellt, ob er das eine oder das andere Volk, welches den einen „ Factor in so reichlichem Maße besitzt, den anderen hingegen gänzlich entbehrt, als Cultnrvolk betrachten soll oder nicht. Er sieht sich mm genöthigt, diese zwei Factoren genauer zu untersuchen und festzustellen, ob nicht einer der beiden imstande ist, den anderen zu ersetzen. Er findet, dass dies die Moral ist, und begnügt sich im Nothfalle mit dieser einen. Hier ein Beispiel. Die Transvaal-Republik, die eine einfache, monotone, bäuerliche Lebensweise führt und mit barbarischer Hartnäckigkeit an derselben festhält, ohne das geringste Begehren zu zeigen, sich manches von ihren englischen Nachbarn auzneignen, diese kleine, isoliert stehende Republik hat in moralischer Beziehung eine derartige Reife erlangt, um die sie manche europäische Großmacht beneiden kann. Gleichheit vor dem. Gesetze, Schutz des Eigenthums, Freiheit im Denken und Handeln, — dies sind die Grundpfeiler, auf welchen ihre Gesetzgebung basiert und die — zum Unterschiede von anderen civilisierten Völkern — nicht nur geschrieben stehen, sondern auch befolgt werden. Die simplen Boers hatten nie innere Kämpfe zu bestehen, sie haben keine 48er Jahre aufzuweisen, sie hatten es nicht nötig,

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