Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1900
- Issue
- Heft 5 (3.2.1900)
- Date
- 1900-02-03
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Wahrheit. Seile 10. Nr. 5. , l Wenn er an den großen Sabbalhcu vor den Feiertagen in dein Gotteshause der Anstalt über einen halachischen Abschnitt Vortrag hält, ist alles ganz Ohr und verfolgt mit Spannung die Abwickelung der feingesponnenen Fäden. Um diese Zeit strömen sie herbei, die Talmudgelehrten der Großstadt, unb lauschen voll Gier auf die Weisheitsentdeckungen, die gleich einem unversiegbaren Springquell seinem Munde entströmen. Alles entfernt sich gesättigt aus dem Gotteshause, und auch der greise Lehrer verlässt ganz befriedigt die Kanzel. Dieser hochgelehrte Greis hat auch in orthodoxen Kreisen die höchste Wenhschätzung gesunden. Dies beweist am deutlichsten die Thatsache, dass viele Gelehrte aus jenen Kreisen in schwierigen Fallen sich an ihn um Auskunft wenden. Und bei seiner vielseitigen Beschäftigung erhält jeder die gewünschte Auskunft. Die Sammlung der Antworten auf die au ihn gerichteten Fragen in zweifelhaften religiösen Dingen würde gewiss einen stattlichen Baud ausmachen, so sie in Truck erschiene. Seinen Schülern gegenüber ist Director Bloch der zärtlichste Vater. Bevor sie die Anstalt verlassen, ertheilt er ihnen mit gewissenhafter Genauigkeit weise Rathschläge, zu denen sie ihre Zustucht nehmen, wenn sie aus dem schweren Wege ihrer Laufbahn auf Hindernisse stoßen, und auch während ihrer Amtswaltung finden sie bei ihm jederzeit Aufschluss in schwierigen Fällen. Jedem legt er es ans Herz, ja nur dem Talmud zu obliegen, da es ja heutzutage so wenig Garbensammler auf diesem Felde gibt, dass uran in Hinkuilft mit Laternen den Mann wird suchen müssen, der aus dem Gebiete des Talmud sich heimisch fühlt. Und die Schüler, eingedenk des väterlichen Meisters, verlassen auch nicbt den ihnen vorgezeichneteu Weg. Wenn in der Zeitenflucht der Antagonismus zwischen den beiden Parteien im Ungarlande eiuigerulaßeu abgenommen hat, so ist es dies zum großen Theile dem Umstände zuzuschreiben, dass die aus der Rabbineranstalt entlassenen Gemeindelehrer in dem Sinne wirkeir, wie cs der hocbgelehrte Meister vorgezeichnet hat. Möge er daher noch lange in vollster Rüstigkeit D'8' owi zur Freude seiner zahlreichen Schüler und zum Ruhme Israels forlwirken. Dunasöldvar (Ungarn). Rabb tner Dr. Sam. Partos. Du ein ein im Tischgebet: VJTP33 b?b p*0 p221, was natürlich nur heißen kann: Er bereitet Speise allen seinen — Mehlspeisen! Nach einer. Lesart des Lehrer-Siddurs — -p7» mit 2 Jud muss man Tephilin auf — beide Hände legen! Auch Fuchs druckt '51V8L' anstatt ')ir2YL» u. s. w. u. s. w. Die Verwirrung hierin ist leider so weit gediehen, dass, wenn man die gedruckte und jahrelang gelehrte Lesart als falsch bezeichnet, man die! unwilligen Worte zu hören bekommt: Wer beweist uns, dass j recht hast?! j Aber genug über dieses unerquickliche Thema, das vielleicht andersmal ausführlich behandelt werden soll. Für jetzt möchte ich paar Bemerkungen zu unserm trefflichen Büchlein machen. Die Verwunderung des Verfassers, dass die Tossafoth zu Baba karna 25a von einer Tosefta zu Aboth sprechen, ist schon in einer Randbemerkung zu Baba, batbra 111a ausgesprochen. — Von den drei rätselhaften Stellen in Abofch d’ R. Nathan (S. 50) scheint mir die erste wenigstens klar zu sein. Nachdem nämlich (22 Ende) gesagt ist, „Für den Weisen ist Schweigen das Beste, um wieviel mehr für den Thoren", folgen die Worte: nnDn (v')8'3v ona*T D•nn noan welche offenbar die witzige Bemerkung enthalten: Die Weisheit (der Weise) fördert keine (unnützen) Worte zu Tage, sondern schwelgt lieber; ebenso wenig aber erzeugen die-Worte (des Thoren) irgend welche Weisheit — er soll also lieber schweigen! Dr. I. K a h a n, Rabbiner in Znaim. Verschiedene Nachrichten. .ei ■p Litteratnr. Stirdierr und Kritiken von Bezirks-Rabbiner Leop. Eisler. (Verlag CH. D. Lippe, Wien, Praterstr. 13.) — Das gefällig ausgestattete Büchlein des greisen Gelehrten, in schönem Hebräisch geschrieben, enthält eine Menge interessanter und geistreicher Bemerkungen zu den verschiedensten Gebieten der jüdischen Litteratur und verdient so die Beachtung aller Freunde derselben. Für die Leser dieser Blätter werden namentlich die Bemerkungen zu unseren Gebeten von besonderem Interesse sein. Nur schade, dass er diesen actuellen Theil nicht gründlicher besorgt bat. Unsere Gebetbücher wimmeln geradezu von Fehlern, aber unser Verfasser greift nur einige heraus, und das nicht immer die richtigen! Er spricht seine Entrüstung aus über das sogenannte Lehrer-Siddur, weil es in dem Lied piK fälschlich *77^7 anstatt und im Nachtgebet ‘bin anstatt hat. Nun ist es zwarrichtig, dass Schmerz, während Los, Antheil bedeutet. Aber deswegen braucht „mein Los" durchaus nicht ^ari zu heißen (wovon ein einziges Beispiel existirt Job, 1810), wir verweisen aus u. s. w. sowie •>■733. Die überlieferte Lesart 1127 ist also ganz richtig. Ebenso steht es mit welches, wie Psalm 18,5 7772 Todesbande, und dgl. zeigt, Bande oder Fesseln des Schlafes heißt (vgl. Zunz die betr. Stellen). Dagegen hat es Verfasser unterlassen, andere Fehler zu rügen, welche schreckliche Unwissenheit der Herausgeber bekunden, dass z. B. nn? im Neuhebräischen dem Althebräischen „Geschöpf" entspricht, während npp eine — Mehlspeise heißt (vgl. 2 Sam. 13, 5 — Ez. 34,20 kommt hier nicht in Betracht) - das sollte man füglich bei einem jüdischen Religionslehrer voraussetzen dürfen. Und doch heißt es Wien. Freitag, den 2. Februar, Abends, und Samstag, den 3. Februar, Früh, wird der Obercantor aus Stuhlweißenburg, Herr S. Merson, im Leopoldstädter Tempel Probevorträge halten. Beginn des Gottesdienstes: Freitag Abends um 5 Uhr 15 Minuten, Samstag Früh um 8 Uhr. Wien. Am 2l. Jänner verschied in der Brigittenau der practische Arzt Dr. Alexander Weiß nach kurzer Krankheit im 53. Lebensjahre. Die Nachricht von dem Tode dieses Arztes versetzte die Bewohner des Bezirkes in berechtigte Trauer und bereitete den Berufsgenossen theilnehmenden Schmerz, denn der Verstorbene durfte mit vollem Rechte zu jener Zahl praktischer Aerzte gezählt werden, die in würdiger Auffaffung ihres Berufes in demselben ganz ausgehen und ohne Rücksich: auf Stand und Entgelt die schweren Pflichten des Berufes bei Tag und Nacht mit Hintansetzung des eigenen Familienlebens und Gefährdung der eigenen Gesundheit erfüllen So wirkte auch Dr. Alexander Weiß, zufrieden mit der endlich sorgenfreien Existenz — denn Reichthümer sammeln wohl die wenigsten practischen Aerzte — getragen von dem Bewusstsein treuer Pflichterfüllung zum Wohle der Menschheit, nach den Traditionen des würdevollen, pflichtbewussten Arztes, bis ihn, den von Gesundheit strotzenden Mann, in wenigen Tagen ein akutes Herzleiden hinwegraffte, wie wir das leider bei diesem schwersten aller Berufe so häufig sehen, dass die vielen Anforderungen an die physische und psychische Sphäre des Arztes sein Herz derart ungünstig beeinflussen, dass er entweder plötzlich endet oder in ein langes unheilbares Siechthum verfällt. So erlag auch Dr. Alexander Weiß schnell der aufreibenden Thätigkeit des Berufes, beweint und betrauert von den vielen Getreuen, denen er jederzeit seine ganze Persönlichkeit zur Verfügung gestellt, geehrt und geachtet von seinen Collegen und Freunden. Er aber ruft aus dem Grabe mahnend dem gegenwärtigen Geschlechte zu, dass wohl alle Gesellschaftskreise ohne Unterschied das Recht haben, von.dem in die Praxis tretenden Arzte die getreue Erfüllung aller Berufspflichten zu verlangen, dass aber aus diesem gewiss unbestrittenen Rechte denselben Gesellschaftskreisen die ebenso unbestrittene Pflicht erwächst, dem Arzte eine seiner Ausbildung und Verantwortlichkeit entsprechende würdige und sorgenfreie Existenz zu bieten. — Am 24. Jänner fand bei enormer Betheiligung des ganzen Bezirkes und benachbarter Vereine die Beerdigung des allzufrüh seinem Berufe und seiner Familie Entrissenen unter großen Ehrenbezeugungen statr. Namentlich betheiligte sich hiebei der Brigittenauer Tempelvorstand, und hielt Herr Rabbiner Dr. Templer im Trauerhause einen ergreifenden Nachruf. Auf dem Gottesacker würdigte Herr Rabbiner Dr. Schmied! die seltenen Verdienste und Vorzüge des Verblichenen und von den Collegen sprachen am Grabe die Herren Dr. Rosenthal und Dr. Grün dem treuen aufopfernden Freunde ein