Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1900
- Issue
- Heft 5 (3.2.1900)
- Date
- 1900-02-03
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 5. Die LDahrheit. vbeite 11. bewegtes Abschiedswort widmend. Der Bruder des^ Verewigten, Ehrw. Oberrabbiner Dr. Jgn. Weiß aus Gran, eilte tieferschüttert hieher zum letzten Geleite. Wie wir hören, soll eine humanitäre Stiftung zum Andenken dieses edlen Mannes gegründet werden. So wirkt er weiter fort zum Segen! Wien. Unter zahlreicher Betheiligung von Trauergästen fand am 26. Jänner das Leichenbegängnis der Frau Jeanette v. Frankfurter statt. Es waren unter Andern anwesend: Die Directoren v. Taufsig, Julius Herz. v. Borkenau, v. Nllmann, Szirmai, v. Mechwart, die Herren Stiedry vom Hause Rothschild, Baumann vom Hause Thorsch, Regierungsrath Wismeyer, königlicher Rath v. Ullmann, ferner Vertreter der israelitischen Cultusgemeinde und vieler philantropischer Vereine. Die Trauerfunctionen versahen Oberrabbinner Dr. Güdemanu und Obercantor Singer. Wien. (Festball d e s V e r e i n e s zur Hebung der G e w e r b e.) Das aus Söhnen Gewerbetreibender und Industrieller bestehende Comitö ist unermüdlich thätig, den am II. Februar in den Ronacher Sälen abzuhaltenden Festabend zu einem der gemüthlichsten der Saison zu gestalten. — Einen ganz originellen Effect verspricht der Tanzreigeu, der von 24 Comitopaaren unter der Leitung des Balletmeisters Herrn F. Singe r, gewidmet von Letzterem dem Vereine, executirt werden wird. Auch die Kartenausgabe verspricht ein gutes finanzielles Resultat, so dass die herrlichen wirthschaftlichen Bestrebungen des Vereines dadurch gefördert erscheinen. Viele politische Persönlichkeiten und Industrielle, die bei den Vortragsabenden des Vereines niemals fehlen, haben ihr sicheres Erscheinen in Aussicht gestellt. Karten find zu haben bei dem Präsidenten des Vereines, Herrn S. B r o d, bei dem Vicepräsidenten und Festobmann, Herrn Hermann Beck, bei dem Thonwaaren-Fabrikanten, Herrn S. Steiner, und bei den Comitomitgliedern. 2Sie». Sonntag, den 28. Jänner veranstaltete der Vorstand des Bethaus-Vereines „Am Volkert" zur Erinnerung an Herrn S. R e i ch e r im Bethause, II., Fugbachgasse 7, eine Gedächtnisfeier, an welcher der gesammte Vereinsvorstand, I. Cantor I. Schiller, die Witwe sammt den Kindern des Verstorbenen und zahlreiche Mitglieder theilnahmen. Nach Recitation des Minchagebetes und des Ps. 49 durch Herrn Cantor Seifert hielt Herr Rabbiner Adolf Weiß einen tiefempfundenen Nachruf, in welchem er, anknüpfend an den Wochenabschnitt, den Verstorbenen als einen Mann schilderte, der mit wahrer Herzensneignng für die Heiligthümer Gottes eintrat. Mit dem Gebete für das Seelenheil des Verstorbenen und dem hierauf folgenden Maariwgebete schloß die würdige Feier. — Wien. Der im Processe Polna vielgenannte Salomon W affe r- »flti n befindet sich gegenwärtig in Wien und verdient sich als ehrlicher und redlicher Arbeiter seinen Unterhalt. Wir machen die Oeffentlichkeit auf diese letztere Thatsache besonders aufmerksam, weil dem armen Manne damit Unrecht geschehen ist, dass er allgemein als Bettler hingestellt wurde, was der Wahrheit nicht entsprach. Kostet. Vergangenen Samstag hielt Herr Rabbiner Adolf W e iß aus Wien in unserer Gemeinde beim Vormittagsgottesdienste eine Probepredigt und Nachmittag einen talmudischen Vortrag und wurde gleich Sonntag nachher einstimmig zum Rabbiner gewählt. Rabbiner Weiß, der von wahrhaft frommer Gesinnung ist, genießt den Ruf eines begabten Predigers und großen Talmudkenners. Wischau. Der Militär-Veteranen-Verein „Erzherzog Albrecht" j veranstaltete Montag, den 29. Jänner, aus Anlass der 60jährigen! Feier als Veteranenmitglied und des 80. Geburtstages des Herrn Moriz I Platschek, ärarischer Mauthpächter in Wischau, ein Jubiläums-Fest,! welchem zahlreiche Festgäste und Kameraden beiwohnten. Das Fest, bei! welchem militärischer Pomp entfaltet wurde, gab unter anderem auch! -einen erfreulichen Beweis für das gute Einvernehmen der Bürger unter- > -einander ohne Unterschied der Confession. i Stuttgart. Am 3. Februar feiert der berühmte Sänger H. j Sonth eim aus Jchenhausen bei Göppingen (Württemberg), woselbst -er in seiner Villa den Lebensabend als heiterer Lebenskünstler verbringt, den 80. Geburtstag. Sontheim trat zuerst in Carlsruhe als Opernlänger auf, kam später an die Hofbühne nach Stuttgart, wo er viele Jahre fich großer Beliebtheit erfreute. In Wien gastirte er 90mal, wo -er besonders als Eleazar in Halevi's „Jüdin" und als Postillon von Lonjumeau gefiel. Zu Ehren seines Jubiläums wird in Stuttgart der „Verschwender" aufgeführt, bei welchem Anlasse Sontheim seine bekanntesten Lieder vortragen und sich dann vom Publikum verabschieden wird. Wacanzen. Lichten stad t. Rabbiner, Cantor und Schochet. Gehalt 1000 Kr., freie Wohnung, 400 Kronen für Religionsunterricht. Zu besetzen per sofort oder am 1. März. Gesuche bis 5. Februar. — D i r s ch a u (Deutschland). Religionslehrer, 2. Cantor. Anfangsgehalt 1350 Mk. steigend bis 1650 Mk. Für Religionsunterr. am Gymnasium 180 Mk. Musik, tüchtig. Bewerber deutsch. National, senden Offerte bis bis 1. März. — Stargard (Pommern-. Rabbiner und Religionslehr. 3000 Mk. Gehalt, freie Wohnung. Für Religionsunterricht am Gymnas. 400 Mk. Bewerber, an deutscher Univers. promovirt senden Offerte bis 1. Mürz. Der Nihilist. Ein Zeitroman aus dem russisch-jüdischen Leben Von Moritz Scherbe! (Nachdruck verboten.) (07. Fortsetzung.) Clara blieb stehen. Sie ergriff die Hand der Freundin und diese selbst an ihre Brust ziehend, sprach sie: „O, Du bist so gut, so treu, gewiss, eine Schwester könnte es nicht mehr sein. Komm, Du sollst Alles wissen." Und indem sie dahin schritten, erzählte Clara ihrer Freundin Alles das, was wir bereits über das Hcrzensbündnis zwischen Alexander mit Fremma kennen, wie dasselbe entstanden und wie >es später seine weitere Entwickelung gefunden. Clara fühlte sich nach dieser Mittheilung erleichtert. Aber wie, wird die Freundin ihr irgendwie zu helfen vermögen? Es schien kaum voraussichtlich zu sein Denn kaum hatte Paulowna vernommen, dass Alexander Nihilist sei, als ihre schöne Stirn sich umwölkte und die Unbehaglichkeit offen zum Ausdruck kam, welche diese Mittheilung in ihr hervorgerufen hatte. Und in der That, sie war die würdige Tochter von Winizew, eines Patrioten in der besten Bedeutung des Wortes. „Wenn mein Vater etwas von den nihilistischen Umtrieben des Studenten hört," sagte die sonst so lebhafte Freundin Claras im zagenden Ton — „und ich fühle mich verpflichtet, ihm Mittheilung davon zu machen, bevor wir an ihn das Verlangen stellen, den Besuch des Studenten in seinem Hause zu gestatten — wird er ihn kaum die Schwelle desselben übertreten lassen, ja, ich weiß nicht, ob er nicht darauf bestehen wird, ihn den Händen der Polizei zu überliefern." „Das ist freilich schlimm" — erwiderte Clara gedrückt. „Doch rathe mir, wie ich es anfange, um Gelegenheit m erhalten, mit ihm zu sprechen, auf ihn einzuwirken, dass er ablasse von dem gefährlichen Spiele, dem er fich hingegeben?" „Ich weiß einstweilen nicht, wie ich Dir Helsen könnte, und doch möchte ich es vom Herzen gerne. Höre indess: Wenn Du damit einverstanden bist, so theile ich dem Vater nur das Zusammentreffen Deiner Schwester mit dem Studenten mit, ohne vorerst noch die Bitte um Zulassung seines Besuches auszusprechen. Finde ich den Vater nicht allzustreng gegen ihn gesinnt, so versuche ich ein Weiteres, in anderen Fällen unterlaffe ich es." Und demgemäß handelte die Freundin Claras. Sie nahm noch während des Tages Gelegenheit, dem Vater alles mitzutheilen, was sie über diese heikle Angelegenheit vernommen hatte. Sie fand ihn, wie immer, wenn er auf die Nihilisten zu sprechen kam, sehr verbittert gegen das unselige Treiben derselben, allein er wurde sichtlich milder gestimmt, als er erfuhr, wie sehr sich die Beziehungen schon verdichtet, in welche der Student zu der Schwester Claras getreten und war endlich gar nicht abgeneigt, mitzuhelfen, den verirrten jungen Mann zu seiner Unterthanenpflicht wieder zurückzubringen. Und so willigte er darin ein, ihn zu empfangen, und Paulowna säumte nicht, Alexander davon in Kenntnis zu setzen. Am dritten Tage darauf erschien der junge Mann auf dem Landgut. Es war Nachmittags und man befand sich eben beim Kaffee, 'zu. dem auch Alexander eingeladen wurde. . (Fortsetzung folgt.)