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Die Wahrheit · 1900-02-03 · Heft 5 (3.2.1900) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 5 (3.2.1900)
Date
1900-02-03
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Srite 8. Oie Wahrheit. Nr. 4. Las Hospiz, wie auch für ihre Wiedergeuesuug unauslöschlichen Dank bewahren. Herr Geh. Sanitätsrath Dr. M. Hirsch erfreut sich durch sein philantropisches Wirken bei der ganzen Bevölkerung der größten Achtung und Beliebtheit. Kein Hilfsbedürftigter verlässt das Hospiz, ohne seine Wünsche von diesem edlen Manne erfüllt zu bekommen. Zur Anerkennung für seine hervorragende, gemeinnützige Thätigkeit wurde Herr Sanitätsrath Dr Hirsch von Se. Majestät dem Kaiser mit dem Franz Josefs-Orden ausgezeichnet, außerdem ist derselbe Besitzer Mehrerer ausländischer Orden. Ihm zur Seite, als Assistent, steht dessen Sohn, Herr Dr. Rudolf Hirsch, ein junger Mann von gleich edlem Charakter und großem Wissen, der schon heute -zu den genialsten Aerzten gezählt wird. Derselbe richtet ebenfalls 'ein Hauptallgenmerk aus das Spital, um nur den Patienten den Aufenthalt so angenehm als möglich zu machen. Erwähnenswert ist auch die große Umsicht, welche die | Verwalterin Frau Kann aus die Küche verwendet, welche streng j rituell geführt wird. Die Anerkennung von Seile der Patienten! für die gedachte Nächstenliebe des verewigten Gründers, wie auch der andern edlen Mitbegründer wird in diesem Sinne zum Ausdrucke gebracht, dass an dem jeweiligen Vorabende des Sterbetages eines der Stifter ein feierlicher Gottesdienst im Hospiz abgehalten wird. 8. M. Uaüor Bei der jüngst stattgehabten Wahl in den Vorstand der hiesigen Cultusgemeinde wurde gewählt die Herren: Alois Freund, Kaufmann; David Fuhrmann, Kaufmann; I. U. Dr. Friedrich Guttmann, Advocat; Beruard A. Guttmanu, Kaufmann; Philipp Guttmann, kais. Rath und Privatier; Hugo Meudl, Kaufmann; Heinrich Mendl, Kaufmann; Karl Meudl, Kaufmann; Moritz Teuizek, Kaufmann, sämmtliche aus Tabor, weiters Karl König. Hofpächter aus Großhof. Der Cultusvorstand hat sich dieser Tage nachstehend constituirt; Präses: Herr I. U. Dr. Friedrich Guttmalln; Präses-Stellvertreter : Beruard A. Guttmann; Tempelvorsteher: Herr- David Fuhrmann; Cassier: Alois Freund; Rechnungssührer: Herr Carl Meudl. Wreßbnrg. (V o^r träge über d a s I u d e n t h u m und seine Geschichte). Nachdem Dr. Funk in seinen weiteren Vorträgen die große Gallerie der hervorragenden biblischen Frauengestalten durchschritten, spann er beu Faden im Rahmen jener Frage weiter, rvie sich das religiös-sittliche Bewusstsein im eigenen Haushalte der israelitischen Frauen in seinen literarischen Forderungen erweist. Eine solche Forderung ist das verinnerlichende Lesen des Bibelwortes, dessen tiefgehender Inhalt der weiblich-religiösen Weltanschauung einen dauernden Gehalt verleiht; nach diesem Gesichtspunkte ist auch der Begriff der „deutschen Weiblichkeit" zu beurtheileu; denn das lutherische Deutschland habe die Bibel zur Höhe ihrer wohlverdienten Ehre gebracht, und hierin wurzelt die soziale Bedeutung des lutherischen Bekenntnisses, welches den Dank des Judeuthums darum verdient, weil es die Bibel und ihre Forschung, welche Israel aus der Hand der täglichen Lectüre gegeben, wieder neu belebt hat. Ein zweitbedeutendes und hervorragendes Motiv des jüdisch-weiblichen religiösen Lebens ist die Kenntnis derjenigen Begriffe, welche den einzelnen hebräischen Terminis der häuslichen Liturgie zu Grunde liegt.^ Jedes dieser Worte birgt eine ganze Fülle seelischer Wahrheiten in sich, sie sind Theile der h e b r. Sprache, welche im jüdischen Sprachgebrauch als die „heilig e" bezeichnet wird. Schon der größte Religionsphilofoph des Judenthums, Maimouides, hat dieselbe darum für deilig erklärt, weil sie bei all dem üppigen Reichthum ihrer Bildersprache und der Fülle der Wörter kein Wort besitzt, um die gemeinen Ausdrücke des Lebens zu kennzeichnen. Der dritte Factor ist die Kenntnis der eigenen Geschichte, namentlich der Helden der Vergangenheit; einen solchen Heros führte der Redner in seinem letzten Vortrage in der Person Rabbi Akibas vor. Kein Buch der alten Geschichte, sei es Mommsen, Ranke, Gibbon oder Gregorovius, kann über jene hervorragende antirömische Bewegung hinweggehen, deren Seele Rabbi Akiba am Anfang des zweiten nachchristlichen Jahrhunderts gewesen. In Akiba verkörpern sich die zeitbewegenden Ideen des Judenthums innerhalb des ersten Jahrhunderts. Seine Sprüche und Sentenzen sind in den geistigen Besitz des Volkes übergangen und diese lassen die Characteristik des jüdischen Historikers Graetz als Wahrheit erscheinen, dass Akiba die Pforten der Vergangenheit geschlossen und die Thore einer neuen Zeit geöffnet. Wndapest. Die Ofener Cultusgemeinde beschäftigt sich seit längerer Zeit mit dem Projecte eines Altersversorgungshauses für greise und invalide Mitglieder derselben. Vor Kurzem hielt der Vorstand eine Conferenz ab, in welcher mit Befriedigung zur Kenntnis genommen wurde, dass die Hauptstadt für den Zweck eines Siechenhauses unentgeltlich ein geeignetes Grundstück zu überlassen beschlossen hat. Merkin. Wie alljährlich, veranstaltet auch in diesem Winter das Curatorium der .Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums eine Reihe von Vorlesungen zum Besten des Stipendienfonds dieser Anstalt. Die Vorlesungen, die im Saale der Gesellschaft der Freunde, Pötsdamerstraße 9, Abends 8 Uhr, gehalten werden, sind folgende: 5. Februar: Rabbiner Dr. Porges aus Leipzig: „Jüdische Erwerbs- und Vermögensverhältnisse im XIII. Jahrhundert". 12. Februar: Syndicus Dr. Georg Minden: „Das Volksmärchen von der bösen Rabbinerin"- 19. Februar: Rabbiner Dr. Paul Rieger ans Potsdam: „Das Judenthum an der Wende des Jahrhunderts". 26. Febr.: Dr. Martin Schreiner: „Die Sittenlehre des Islams und ihre Beziehungen zum Judenthum". 5. März: Karl Emil Franzos: „Aus einem ungedruckten Roman". 12. März: Landtagsabgeordneter D. Max Hirsch: „Ein Stück sociale Frage, mit Rücksicht auf die Bibel". Einlaßkarten sind zu haben bei Herren Gebrüder Friedländer, Unter den Linden 28 nnd beim Eingang in den Saal. Alle geehrten Abonnenten, welche den Abonnementsbetrag noch nicht gezahlt haben, werden ersucht, denselben umgehend einsenden zu wollen. Gleichzeitig ersuchen wir unsere geehrten Leser und Freunde um Bekanntgabe von Adreffen wegen Zusendung von Probeblättern. Pie Administration. Oonc-u.rs_ Bei der isr. Cultusgemeinde M.-Ostrau gelangt mit 1. März 1. J. die vacant gewordene Stelle eines Friedhof- und Gemeindedieners zur Wiederbesetzung. Mit dieser Stelle ist der Bezug eines fixen Gehaltes von 600 Kronen, einer Zulage von 240 Kronen, ferner einer Naturalwohnung, sowie der üblichen Emolumente verbunden. Die Anstellung erfolgt provisorisch auf ein Jahr, dieselbe kann jedoch bei zufriedenstellender Dienstleistung eine definitive werden, in welchem Falle der Angestellte, nach Massgabe des Cultusgemeinde-Statutes, Anspruch auf Pension und auf Zuerkennung von 5 Quinquennalzulagen hat. Bewerber, welche nicht über 40 Jahre alt sein dürfen, haben ihre eigenhändig geschriebenen, mit 1) dem Nachweise ihrer österreichischen Staatsangehörigkeit, 2) dem Qualificationszeugnisse, 3) dem Alters- und Familienstandsnachweise, versehenen Gesuche bis zum 15. Februar 1. J. an den Unterzeichneten Cultusvorstand einzusenden. Verheiratete Bewerber haben anzugeüen, ob auch deren Frau zur Verseilung des Leichenbestattungsdienstes bei Frauen geeignet ist. Mähr.-Ostrau, am 31. Januar 1900. Vorstand der isr. Cultusgemeinde Der Cjiltusvorsteher I. V. Dr. Alois Hilf,

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