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Die Wahrheit · 1900-02-03 · Heft 5 (3.2.1900) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 5 (3.2.1900)
Date
1900-02-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 5. Die lDahrheit. Seite 7. das Gebiet unserer Phantasie dadurch erweitern, dass sie Erinnerungen ans der Borzeit in die wesentliche Gestalt der Dinge, wie sie setzt sind, hereinziehen; aber die menschliche Seele besitzt auch die Kraft, ohne äußerliche Hilfsmittel, ebenso gut, als wo diese im Ueberflusse da sind, sich alte Begebenheiten lebhaft vorzustellen. Ans der Ebene von Marathon sind keine marniornen Denksteine, die den Enthusiasmus des Reisenden anregen, aber er vermisst dergleichen nicht. So ist es immer, sobald ein starkes und bestimmtes Gefühl unserer sittlichen Natur in uns lebt; da brauchen wir nur an dem Orte zu sein, wo große Begebenheiten sich zugetragen haben, und sind solche irgend verbunden mit dem Schicksale zahlreicher Völker oder mit der Geschichte der eigenen Religion, sofort empfinden wir eine Ehrsurchr und eine. andachsvolle Erhebung, ein in jedem Betracht edleres Gef.'hl, als das, welches die Pracht oder die Wunder aus alter Zeit in uns erzeugen. Daher ist Jerusalem, obgleich die Heiden mit der Pflugschar darüber hingezogen, viel ergreifender als Rom, Athen und sogar die egyptischen Städte, ungeachtet diese noch viele Denkmäler ihrer ehemaligen Größe besitzen, ja weit mehr als alle anderen Orte, welchen die Profangeschichte des Menschengeschlechtes eine Weihe geben kann. Kein Ort hat so sehr gelitten als Jerusalem; es ist mehr als wahrscheinlich, dass lticht das Geringste mehr übrig ist von der Stadt, welche die Freude der ganzen Erde war; die aufmerksamsten lmb begeistertsten Reisenden gestehen vielmehr, dass, so oft sie einige Zeichen aufsuchten, um daran fortzuschreiten, sich ihnen nur Weniges darbot, um sie zu Forschungen zu ermuthigen. Allein es bedarf in der That nicht der Ueberreste von Tempeln und Palästen, um hier Ehrfurcht zu erwecken; wäre hier auch noch tveniger Wahrscheinlichkeit, mit einigem Erfolge die Lage ehemaliger Gebäude zu ermitteln, so würde Jerusalem immer die Stadt bleiben, zu welcher eilt frommes und nachdenkliches Gemüth sich mir tiefer Sehnsucht hinwendete. Das Gefühl für Jerusalem ist ähnlich dem für den heimatlichen Ort unserer Kindheit; wäre dieser auch gänzlich dem Boden gleich gemacht, und fänden wir, nach vielen Jahren zurückkehrend, an dessen Stelle ein beackertes Feld oder eine öde Wüste, so würden in uns dieselben Gedanken anfsteigen, als stünde jedes Gebäude noch vor uns, und einen noch tieferen Eindruck dadurch auf uns machen, dass die Zerstörung daran so Alles verilichtet hat." (Fortsetzung folgt.) Gemeinde- und Vereinsbote. Wien. In der Gesellschaft für Sammlung und Confervirung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judenthums wird im Laufe des Monates Februar der Vice-Präsident, Herr k. u. k. Hofschauspieler Adolf von Sonnenthal, eine Vorlesung abhalten, deren Gegenstand rechtzeitig bekannt gegeben werden wird. Die Mitglieder der Gesellschaft werden eingeladen, mit Rücksicht auf die bereits eingetreteue rege Nachfrage die Ausübung des Bezugsrechtes auf Karten zu diesem Vortr age schon jetzt schriftlich im Bureau der Gesellschaft anzumelden. Die Behebung der Karten erfolgt im Bureau der Gesellschaft: I., Rathhausstraße 13, Hochparterre links, an Wochentagen von 2—4 Uhr Nachmittags, an Sonntagen von 10—12 Uhr Vormittags. Wien. Der humanitäre Kranken-Unterstützungs-Verein „M ontefiore", der bisher blos an den hohen Festtagen einen Gottesdienst veranstaltete, hat auf Anregung des Vorstandes I. Weiß ein eigenes Betlocal in der Taborstraße 38 eröffnet und fand am 28. v. M. die solenne Einweihung bei so großem Andrange statt, dass 200 Personen keinen Einlass finden konnten. Herr I. Weiß begrüßte die Erschienenen, unter denen wir die Cultusvorsteher Bezirksschulrath Dr. M. Spitzer, Dr. Alfred Berger, Oberingenieur Arthur Edler v. Mises, Hofrath Kareis, den Vicepräsidenten der türk. Gemeinde Licco Adutt, Obercantor Singer, Herrn Simon Buchwald und viele Vertreter anderer Synagogen und Vereine bemerkten, mit kurzen freundlichen Worten. Nach dem Entzünden der Meuorah durch Herrn Elias Weiß uiib dem weihevollen Vortrage der Chinuch- Psalmen durch Obercantor Schorr in Begleitltng seiner musterhaften Meschorerim hielt Herr Rabbiner Kramer die gedankenvolle, begeisterte Festrede, in der er auf die stufenweise Entwickelung dieses philantrophischen Vereines „raechail el chail“ hinwies, dem zur Vollendung nur noch die krönende Spitze fehle, die Förderung und Festigung von Talmud-Thora, die ja die erste und feste Grundlage des Judenthnms bilde. — Am Abend darauf wurde im Restaurant Sohr ein recht animirtes Festbauquett abgehalten, bei dem es nach echter Art von (8iwella scliel Mizwa) mxo bü nnw an Thoraworten nicht fehlte. — Besonderen Beifall errangen Herr Professor Nascher und Herr Paroly durch ihre gelungenen Ansprachen. Das „Mesumen- Benschen" erzielte durch die Bemühung des Herrn Elias Weiß den hohen Preis von ca. 100 fl. zu Gunsten des Vereines. Die „alten Jünglinge" im Versorgungshanse wurden mit Gebäck und sonstigen Festgaben pflichtgemäß bedacht. So möge denn dieser schöne Verein in der dreifachen Pflege der Grundj principien unserer heil. Religion blühen, wachsen und gedeihen! und den rührigen Vorstehern des guten Werkes' als der beste! und befriedigendste Lohn genügen, zur Ehre und zum Ruhme > unseres Volkes, wie auch zur Zierde und Freude des Vereines ' und seiner opferwilligen Mitglieder!! Wien. Am 28. d. M. hielt Herr Prediger Grün im > literarisch-geselligen Mädchenvereine „Moria" im Locale der „Oesterr.- israel. Union" einen interessanten, lehrreichen Bortrag über die drei Heiligthümer des Jndenthums unter dem Titel: Moria, Sinai und Zion. Zunächst wurde die Bedeutung dieser heiligen Berge im Anschlüsse an das mustergiltige Leben der Patriarchen erklärt, besonders die Wichtigkeit und Heiligkeit des Gottes- Lehr- und Familienhauses hervorgehoben, ebenso! ans die Nothweudigkeit der Forterhaltung der drei jüdischen j Cardinaltugenden, Sittsamkeit, Gerechtigkeit und Mildthäligkeit j hingewiesen, und zum Schluffe apostrophirte der Redner seine! aitfmerksamen Zuhörerinnen, in begeisterten Worten die symi bolische und sinnirge Auslegung des Wörtchens „Union" und! „Moria" als Devise und Richtschnur für's Leben hinstellend, j denn in der zionistischen Bewegung verkörpert sich diese lang-! jährige Sehnsucht nach endlicher Vereinigung des Volkes auf j heimatlichem Boden, sowie im künftigen Zioit, von dem der! Psalmist singt und sagt, daß jeder darin heimisch sein wird, die Verbindung und Verbrüderung der ganzen, großen, gebildeten und gesitteten Menschheit im Glauben an dem Ewig- Einzigen! I^rag. Im „Verein zur Verbreitung der Wissenschaft des Jndenthums in Prag" hielt am 18. v. M. Herr Rabbiner Dr. S. Groß (Lnndenburg) einen gehaltvollen Vortrag: „Versuch eines Ausblickes in die Zukunft des Judemhums". Der Vortragende begründete die Widerstandsfähigkeit der Bekenner des Jndenthums mit deren geistigen Agilität, wie auch mit der Fähigkeit der Resignation und geißelte die antisemitische Bewegung der Gegenwart. Dieser Strömung sei, als von untergeordneten Elementen ansgehend, nicht die Bedeutung beizumessen, als dass das jüdische Volksleben dauernd gefährdet werden könnte. Die Ethik des Judenthums sei ein ausreichender Schutz gegen die Gefahr, dass das Judenthum jemals untergehen könnte. Biele Gründe sprechen dafür, dass die Bekenner des Judenthnms über dessen Zukunft unbesorgt sein dürfen. Stürmischer Beifall der zahlreichen Anwesenden folgte den gelungenen Ausführungen. Tepkitz-Schönau. Das hiesige im Jahre 1836 von Naftali Katz gegründete israel. Curhospiz erfreut sich in jeder Beziehung des besten Rufes, und sowohl die Verpflegung wie auch die ärztliche Behandlung in dieser Anstalt ,ist eine ausgezeichnete. Das Hospiz steht über 30 Jahre unter der Leitung des hochverdienten Geh. Sanitätsrathes Dr. M. H i r s ch, dem viele Hunderte arme jüdische Kranke die Aufnahme iu

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