Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1900
- Issue
- Heft 5 (3.2.1900)
- Date
- 1900-02-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5. Die Wahrheit. Seite 5. Zur jüdischen Culturfrage. Don sr. MirSky. (Fortsetzung.) Diese zwei Völker, die Hunnen und die Juden, bilden zwei äußerst markante und lehrreiche Punkte in den Annalen der Weltgeschichte. Sie scheinen eine hartnäckige Discussion untereinander zu führen über die Schicksale der Menschen und Völker. Alles ist eitel und vergänglich aus dieser Erde! rufen die Hunnen mit ihrer schrillen und ächzenden Stimme. Die schönsten Glücksgüter, auf Faustrecht gegründet, sind von kurzer Dauer, die mächtigste Stimme, die nach Eisen klingt, muß verstummen, aus den glänzendsten Siegen, durch Menschenopfer erkauft, bleibt das, was .... von uns geblieben ist! Schön ist das Leben und ewig alles Menschliche, entgegnen die Juden mit ihrer melodiereichen, an den prächtigsten Liedern geschulten und geübten Stimme. Selbst im Leiden liegt Wonne und süß ist die Tortur, wenn im Namen des Ideales gelitten und geduldet wird. Und beide haben recht. Ein tieferer Blick in die inneren Verhältnisse dieser zwei Völker löst das Problem. Die Hunnen besaßen zwar die physische Anpassungsfähigkeit in reichlichem Maße: sie tonten in allen Verhältnissen, unter jedem Himmelsstriche leben und gedeihen. Eines aber fehlte ihnen: die geistige Anpassungsfähigkeit, das Vermögen, auf kulturellem Wege mit den Nachbarvölkern Schritt zu halten. Sie stachen vielmehr durch ihre sonderliche, primitive, ekelerregende Lebensweise besonders unheimlich von den anderen Völkern ab. Der Hass und die Verabscheuung, die ihnen überall zu teil wurde, waren begründet und gerechtfertigt. Es mangelte ihnen aber an edlem Willen, an innerem Drange, sich zu reformieren, es gebrach ihnen an hochherzigen Führern, die sie aus dem Sumpfe, in dem sie so tief staken, zu ziehen vermochten. Wollte der Hunne die kulturelle Beschaffenheit eines Nachbarvolkes beobachten, so mußte er sich aus die Schultern des Nachbars heben laffeil, um in das gegnerische Lager hinüberblicken zu können. Er hatte keine eigene Litteratur, keine humane Sittenlehre, keine geistigen Reminiscenzen, keinen sittlichen Höhepunkt, von wo aus er seinen Blick ins fremde Lager schweifen ließe. Und nachdem er, auf den Schultern des Nachbars stehend, das Auge gesättigt hatte und nunmehr sein Lager wieder aufsuchen wollte, fand er nicht mehr den Weg zurück. Sein an Licht gewöhntes Auge konnte sich nicht mehr im dichten Nebel, der sein Lager umhüllte, zurecht finden. Die einzige Stütze dieses Volkes, der einzige Lichtpunkt, der eher ein Irrlicht war, war sein Muth, seine Tapferkeit, die mächtige Faust, die im Bedarfsfälle so geschickt zuzugreifen vermochte. Die Fügung des Geschickes wollte es aber, dass endlich die zum Ausholen geballte Faust auf einen Dorn traf, eine tiefe Wunde bekam, woran der ganze Körper verblutete. Die Juden hingegen trugen überall, wohin sie ihr wechselreiches Schicksal geführt oder getrieben halte, ihre Eultur mit. Dnay nrotp nSlJl lAlt» Ihre Sprache, ihre Dichter, ihre Gesetze, ihre Sittenreinheit, — alles wunderte mit ihnen. Von der Höhe ihres sittlichen Standes aus konnten sie ruhig und gemütlich die culturellen Fortschritte der Nachbarvölker beobachten. Und wenn sie auch hie und da ins fremde Lager hinübergiengen, fanden sie leicht den Weg nach Hause zurück. Denn hell war es in ihrem Lager von den Strahlen der Thorah, die in ihrer Mitte in heiligem Glanze leuchtete, 'ja *»*7! DniatPiaa ms irn biW'. Dieses Licht wurde angezündet an dem Tage, wo sie das finstere Aegypten verließen und die Skraveuketten zerissen. Als sie ihr großer Führer Moses ins gelobte Land führte, war er bekanntlich sehr sparsam mit der Küche: jahrelang bekamen sie kein Fleisch, all die Leckerbissen, die sie in Aegypten bekamen, die Fische und die Gemüse, deren sie in der Wüste murrend gedachten, sie bekamen nichts mehr davon. Sie schrieen und lärmten und tobten — es half ihnen nichts. Wie Kinder wurden sie bald durch gute Worte beschwichtigt, bald durch Leibstrafe gezüchtigt. Erst später, als sie reifer wurden unv die Thorah erhielten, brachte ihnen Moses ihre Jugendstreiche in Erinnerung und rief ihnen die köstlichen Worte zu: ,arr mb anbn by ab 'a ■pmn ]ynb 'toi -pyrn -pjn cnsn .TiT 'i '2 sna bi by ’a aixrr Er hat dich geplagt und ausgehungert, um dich zu belehren, dass nicht das Saltfeiu das Ziel des Lebens ist, nicht der materiellen Güter wegen allein, die dir in deinen Kinderjahren in die Wiege gesungen wurden, er dich vom Sklavenjoche befreit hat, sondern um dich geistig und moralisch zu heben, um dich culturfähig zu machen. Als iu den achtziger Jahren der ungarische Minister Tisza das Project der obligatorischem Eivilehe ins Parlament einbrachte, motivierte er seine Vorlage mit der Absicht, das jüdische Volk zu assimilieren, ihm den Auflösungsprozeß' zu erleichtern und somit die Judenfrage aus der Welt zu schaffen. Unsere Juden, meinte er, werden im Laufe der Zeit nach dem Beispiele ihrer Stammesgenossen iu Frankreich ihre specifischen Eigenheiten allmählich abstreifen. Dafür, oass ein Volk in nnem anderen aufgehen kann, führte er d'e Hannen als Beweis an. Ferner, dass die Juden die Assimilation wünschen, wies er auf die Thalsache hin, dass schon damals, als die obligatorische Eivilehe noch nicht bestand und die kirchlichett Gesetze eine solche nicht zuließen, bereits viele Juden iu zeitweilige, vertragsmäßig bestimmte, matrimoniale Verbindungen mit den Ungarn traten. Wenn wir ihnen, schloß der Minister, den Weg zllr Mischehe offen lassen, dann werden sie scharenweise in unser Lager übergehen Ulld biunem kurzem ihre nationale Selbstständigkeit einbüßen. Diese Ausführungen des ungarischen Ministers entfachten eine heiße Polemik in der damaligen Tagespresse und eine geraume Zeit wurde gestritten unb diskutier. Da griff in diese Polemik der geniale hebräische Schriftsteller R. Brandes ein und veröffentlichte in einem Jargonblatt einen fatirischert Artikel unter dem Namen: „Der "|i6a von den Semirolh und der Minister von Ungarn". Ich habe leider das Blatt nicht vor mir und gebe den Inhalt des Artikels kurz aus dem Gedächtnisse wieder. In den Semiroth wird in gereimten Versen die Sage geschildert, wonach zur Messiaszeit, da das Böse ausgerottet und das Gute zum Siege gelangen soll, der böse Engel yyi tjp, seine letzte Stunde ahnend, sich nach der Stadt rrcta flüchten wird, wodurch er einen dreifachen Jrrthum begehen wird, denselben dreifachen Jrthum — bemerkt Herr Brandes — in den der Minister Tisza verfallen ist. Der *p6a von den Semiroth.! Der Minister von Ungarn. 1. mtoa aiSpn .Tucna \b awrr Er glaubt, dass maa ebenso aufnahmefähig ist wie Ufa. Gefehlt! rrno gehört nicht zu den B^pa my; hier wird er ertappt, mag er sich noch so eifrig verstecken. 2. uw roina cnsa “p6ai. Er glaubt, dass die a^pa ny auch für Engel geschaffen sind; er will Engel mit Menschen identifizieren. 3. tt;’ tthpaa an» Tiai. Er glaubt, dass wenn ein zeitweilig 1. Er glaubt, dass Ungarn ebenso assimilationsfähig ist wie Frankreich. Gefehlt! In Ungarn har das Judenthum zu tiefe Wurzeln gefasst. Hier werden die Juden nicht aufgeheu, mag man ihnen noch so freundlich entgegenkommen.. . 2. Er glaubt, dass der Aufgangsprozeß auch bei einem Eulturvolke platzgreifen kann; er will die Juden mit den Hunnen identifizieren. 3. Er glaubt, dass, wenn ein Jude sich zur zeitweiligen Ber- Verirrter sich in den aSpa ny bindung mit einer Fremden aufhalten darf, auch ein wisse nt-! verleiten lässt, er sich ebeusolicher Verbrecher dort Schutz! leicht zu einer wirklichen lebensfinden kann.! länglichen Ehe verleiten lassen - wird. Gegenwärtig ist die obligatorische Eivilehe in Ungarn eingeführt. Nichts steht mehr dem Assimilationslustigeu im Wege. Wie haben sich nun die Prophezeiungen des großen