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Die Wahrheit · 1900-01-26 · Heft 4 (26.1.1900) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 4 (26.1.1900)
Date
1900-01-26
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Hesterr.- ungar. Kantoren-Ieitung. Nr. 4. Meitage zur Zeitschrift „Die Wahrheit." 20. Iahrg. Sicher-Gedenkfeier. Die „Gesellschaft für Sammlung und Conservirung von Kunst- und historische»: Denkmälern des Judenthums" veranstaltete anlässlich der zehnten Wiederkehr des Todestages 6 fl l o m o li Sulzers Samstag, den 20. Jänner im kleinen Musikvereinssaale eine Gedenkfeier, »velche die Erinnerung an den großen Reformator des Sy lagogengesanges in einer seiner Schöpfungen würdigen Weise »vachrief. Unter den überaus zahlreich erschienenen Mitgliedern und Gästen »varen zu bemerken: Baron Albert v. Rothschild mit seinem Sohne Alphonse, der Präsident oer israel. Cultusgemeinde, kais. Rath K l i n g e r mit dem Vice-Präsidenten, Gemeinderath Dr. Alfred Ster u, den Vorstandsmitgliedern Salo Cohn, Docent Dr. Josef G r ü n f e l d, kaiserl. Rath Moritz H i r s ch, Emanuel H o f fm a n n, Ober-Fiuanzrath Dr. Benno Rappoport, Director David S i in o n, Dr. Marcus Spitzer, kaiserl. Rath Vogel, Oberrabbiner Dr. Güdemann, die Curatoren der Gesellschaft, Präsident Banrath S t i a ß n y, Professor Ignatz B r ü l l, Abraham Ep stein, Architect Max Fleischer, Baurath Theodor Ritter von G o l d s ch m i d t, Maler Isidor Koufm a ii l», Pros. Dr. David Heinr. Müller, Dr. Ad. S t e in und Ober-Bauraih, Hafenbau-Director Siginimd Tauffig; die Bethausvorsteher Koynberger. Langer. Adolf S t i a ß n y, Heinrich T e l r s ch e r, W a s s e r v o g e l und Julius Wolf, Reichsrath-Abgeordneter Dr. Rappoport von Porada, Hofrath von Smolan, der engl. Botschafts- Caplan, Rev. Hechler, die Professoren Dr. Guido Adler, Julius E p st e i n, Dr. Josef G ä n s b a ch e r, Regierungsrath Prof. Dr. O se r und Ritter v. W ei le n; Gräfin Pölling. Frau Schiff - K ö n i g s »v a r t e r; die Gemeinderäthe Carl H elbi g, I. C. Mülle r, Dr. Carl G o l d m a n n nnd Donat Z i f f e r e r; die Rabbiner Dr. S ch in i e d l., Dr. Bach. Dr. B r ü l l und D. Lö »vy; die Obercantoren Singer, Bauer, Dünmann, Klüger und Schorr, I. Cantor Schiller nnd dieCantoren Hirsch, Peka r n i k, Rothiv.e i n, S i l b e r m an n, Seifert. Mufikvirector Rubin aus Prag, der Religionsschnl-Jnspector Pro». M. Ka nitz. der Rector des Seminars Prof. Dr. Adolf Schwarz, Professor Dr. Adolf B ü ch l e r; die Schriftsteller Em. B a u m g a r t e u, Dr. B l o ch und Dr. L ö w y; Director S. Heller; die Commerzienräche Fluß und P o l l ak von R u diu; die kaiserl. Räthe Lichte n st a d t, Dr. Lieben und Wilhelm; Amtsvorstand Wiener; die Vereinsobmänner G. B e t t e l h e i m und S. B r o d; Ortsschulrath Heit, Rotter. Operateur Dr. K epp ich, Docent Dr. Ehr m a n n; die Scriptoren Dr. Frankfurter und Dr. Mün z, sänuntliche in Wien amvesende Mitglieder der Familie S n l z e r u. a. in. Die Gedenkfeier begann mit dem großen Sulzer'fchcn Requiem (Psalm 49), welches die vereinigten Chore des Stadt- und Leopoldstädter Teinpels unter der Leitung ihres Chormeisters, Professor Josef Sulz er, zur Aufführung brachten. Den Solopart sang Herr Max Ulanowsky, die Orgelbegleitung besorgte Herr El '.Vierfabrikant K o h n. Die Aufführung war, namentlich »vas die Chorleistung und Chorleituug betrifft, eine künstlerisch vollendete, und mit vollster Befriedigung konnte der Sohn zum Vater aufblicken, dessen Büste im Hintergründe der Sängerestrade in einem Blumenhaine ausgestellt »var. Als die letzten Accorde des tiefergreisenoen Psalmes verklungen waren, betrat der k. u. k. Hofschauspieler und Oberregiffeur, Herr Adolf Ritter v. S o u n e n t h a l, die Estrade und las eine vom Chesredacteur unseres Blattes, Dr. M. L ö w y, verfasste Biographie Sulzer's vor, in welcher das Leben und Wirken des verewigten Meisters, seine Leistungen als Säuger und Componist und seine Verdienste um die Reform des Synaqogengesanges erschöpfende Würdigung fanden. Wie Meister Sonnenthal die Biographie vorlas, ist schwer zu schildern. Der lebenslvarme Vortrag, der bezaubernde Klang seiner »veichen Stimme, die alle Stufen der Empfindungen beherrschend, den Zuhörer bald zu gehobener Freudigkeit, bald zu wehmuts - vollem Gedenken leitete, gestalteten die gebotene Charakteristik zu einem scharf ausgeprägten Relief, und in fast greifbare Erscheinung trat das verklärte Bild des genialen Zionssängers und Reformators des modernen Synagogengesanges, dem die ganze Versammlung pietätvolle Erinnerling »vidmete. Die Vorlesung Sonuenthals, die unter stürinischein Applaus endigte, veriniltelke erst die eigentliche »veihevolle Stimmung, unter »velcher der hierauf folgende ziveite Theil des Requiems (Psalm 16) um so mächtiger »oirkie. Die hernach zur Aufführung gelangten Chor- und Sologesänge (die Soli sangen abivechselnd Herr Max Ulanowsky nnd Herr Camor Smotritzky) »vnrden alle ausgezeichnet und mit größter Präcision zu Gehör gebracht, und manche derselben, namentlich der -käonog moloch, »varen von überraschend schöner Klangwirkung. Dirigent, Chor und Solisten können mit dein »vohlverdienten Erfolge vollinf zufrieden sein. Vielen Beifall fand auch eine von Professor Josef S n l z e r am Violoncell mit virtuoser Technik gespielte Improvisation über Melodien ans dem Werke ,,3chir-ZionM'. (Unsanne tokef), wobei Herr Dr. H. Schenker die Clavierbegleitling besorgte. Wenn »vir ein zusainlnenfassendes Urtheil über den Abend fällen sollen, so müssen wir sagen: Die Sulzer-Feier ist großartig gelungen. Das „jüdische Museum" und Josef Sulzer haben »nit der Veranstaltung derselben nicht nur dem verelvigkeu Meister Salomon Sulzer ein ehrendes Andenken bereitet, sondern auch gleichzeitig den Beweis erbracht, dass die jüdische Synagogenlnusik die Oeffentlichkeit nicht zu scheuen braucht und bezüglich Inhalt nnd Wiedergabe derselben den höchsten Anforderungen der Kunst und Kritik gerecht werden kann. Rur eine Bemerkung sei uns gestattet, doch »nöge sie nicht als Tadel sondern mehr als »vohlgemeinter Rath für eine zukünftige ähnliche Veranstaltung aufgefasst werden. Wenn durch das Auftreten des Chores im Ornat der geistliche Charakter des Concertes eine schärfere Betonung erhielt und gewissermaßen an den Ursprungsort der aufgeführten Chorgesänge erinnert »verden sollte, so »vnroe diese Illusion vollkommen dadurch zerstört, dass der Solosänger seinen Part barhaupt sang. Abgesehen von dieser Ecivägung »vurde hiedurch das religiöse Gefühl vieler Auwefender unnötiger Weise verletzt, besonders bei den Gesängen für die hohen Feiertage, die »vir, offen gestanden, lieber auf dem Programme vermisst hätten. Für die Veranstaltung und das vortreffliche Gelingen der Sulzer-Feier gebührt allen Mirwirkenden Dank und Anerkennung, jedoch in erster Reihe der Gesellschaft und ihrem unermüdlichen Präsidenten, Herrn Baurath Wilhelm S t i a ß n y, der bei dem Arrangement der Gedenkfeier von Herrn Emil I e l l i n e k löblich unterstützt »vurde. Zum Schluffe »vollen wir noch den Wunsch aussprechen, dass das „Jüdische Museum" diese Gelegenheit, jüdische Synagogenmusik der Oeffentlichkeit vorzuführen, bald »vieder ergreifen »nöge, »vas uns als außerordentlich wirksames Mittel erscheinen würde, Liebe und Begeisterung für das Judenthum bei Jung und Alt zu fördern. Vr. N. L.

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