Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1900
- Issue
- Heft 4 (26.1.1900)
- Date
- 1900-01-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4. Die Wahrheit. Seite 7. begehen. Ist er doch laut Vorschrift hiezu verpflichtet, sich vorder Operation, wann immer dieselbe stattflndet, die Hände mit Seife abznwaschen, sodann mit einer Bürste abznreiben, seine Fingernägel zu reinigen und schließlich die Hand, wie auch das Messer, welches zur Operation verwendet wird, mit ausgekochtem Wasser abznwaschen und zu desinficiren? Besonders graviminös ist der 3. Punkt des 4. Paragraphen, in welchem „das Besp, engen des operirlen Gliedes mit in den Mund genommenem Wein" strengstens verboten ist. Die Ltatug <)U0-Gemeinden, welche der Ansicht des Ehassam So f er beipflichten, dass die Mezize nicht mit dem Munde geschehen müsse, sondern vielmehr mit Watte oder mittelst Instrument vollzogen werden dürfe, und deshalb die 7122 längst abgeschafft, haben selbstredend nichts gegen den in Rede stehenden Ministerialerlass einznwenden. Da derselbe nur dasjenige mit ko ros majeure verbietet, was den von den nichtorthodoxen jüdischen Gemeinden concessionirten Mohelim seit mehr als einem Decennium unter Geldstrafe und Entziehung des Beschneidnngsrechtes untersagt ist. Allein, unsere orthodoxen Religionsgenosseu, bei denen die 7122 ein wesentlicher Theil der ffiXÜ bedeutet, sind über die diesbezügliche Ministerinlverordnung ganz trostlos. Die Leitung der Orthodoxen-Kanzelci interprelirt diesen wunden Punkt des Erlasses in dem Sinne, dass die 7l22 HüTXÖ auch fernerhin gestattet, und blos, wie es in dem Erlass wörtlich heißt.- „das Besprengen mit in den Mund genommenem Weine" verboten sei. Ans diesen Gebrauch der Mohelim konnten wir leichten Herzens verzichten. Die Opponenten behaupten jedoch, dass in den citirteu Worten ein förmliches Verbot der 7122 TTX’XÖ enthalten sei. Welche von beiden Deutungen die richtigere ist, werden wir in Bälde erfahren. 0. G. Gemeinde- und Vereinsdole. Wien. (Aus der Plenarsitzung des Cultus- Vorstandes v o m 21. Jänner 1900 unter d e m Borst tz e d e s P r ä s i d e u t e n k a i s. R a t h H e i n r i ch K l i n g e r. Beginn 10 U h r V o r m i t t a g.) , Jur Einlaufe befinderr sich Annahme-Erklärungen der Herren Markus Dondi, Dr. Leopold Kohn, Wilhelm Kuffner Dr. Leopold Libitzky, Dr. Wilhelm Zucker, betreffend ihre neuerliche Ernennung als ständige Obmänner für die Schiedsgerichte der isr. Cultusgemeinde, ferner eine Annahme-Erklärung des Herrn Moriz Karpeles betreffend die Berufung in das Curatorium der Victor Ritter von Boschan'icheu Stiftung für Kranke und Reconvalescente, und des Herrn Dr. Leopold Kohn betreffend die Berufung in das Curatorium der Samuel Süssermann'scheu Stiftung zur Beförderung des Studiums der Bibel und des Talmuds. An Spenden sind eingelaufen: Von Herrn Gottlieö Bettelheim zur Ausspeisung von 10 armen jüdischen Schulkindern während der Wintermonate Kr. 300, von einem Anonymus Kr. 50 zur Vertheilung an Arme in Betragen von je 4 Kronen, von Frau Fanny Biach für den isr. Waisenverein Kr. 10 und für die Volksküche Kr. 10, von Herrn Dr. Max Scheyer aus Anlass der Barmizwahfeier seines Bruders Moriz zur den Waisenverein Kr. 20, von Herrn Heinrich Gutmann für Vertheilung an Arme und Wohlthätigkeitsanstalten Kr. 54. Den Spendern wird der Dank votirt. Im Präsidialberichte gedenkt der Präsident anerkennend der vom „Jüdischen Museum" am 20. d. M. im Musikoereinssaale ans Anlass des 10jährigen Todestages des Altmeisters auf dem Gebiete des liturgischen Gesanges Salomon Sulzer abgehaltenen Feier und bemerkt, dass solche Veranstaltungen geeignet seien, durch ihren erhebenden und künstlerischen Verlauf in der Jugend das Gefühl für das Judenthum zu stärken und zu kräftigen und in uns Allen lebhafte Empfindungen aus vergangenen Zeiten wachzurufen. Diese Feier gereichte dem „Jüdischen Museum" zu hoher Ehre. — Ich glaube im Sinne der Versammlung zu sprechen, fährt der Präsident unter beifälliger Zustimmung der anwesenden Herren fort, indem ich dem Präsidenten des „Jüdischen Mnseums," Herrn Banrath Stiaßny, den wärmsten Dank des Vorstandes ausdrücke. Herr kais. Rath Hirsch referirt namens der IV. und VI. Sectiou über die Vergebung der Blumenausschmückung von Gräbern und Grüften und der Instandhaltung der Friedhofs- Anlagen ans der israel. Abtheiluug des Centralfriedhofes. Nach eingehender Debatte, an welcher sich die Herren Dr. Stern, Salo Cohn, Stiaßny, von Goldschmidt, Hoffmann und Dr. Stein betheiligen, wird im Sinne der Sectionsanträge beschlossen, ein diesbezügliches Abkommen mit einem Unternehmer für mehrere Jahre zu treffen. Herr Ober-Ingenieur von Mises erstattet einen ausführlichen Bericht über die von der I. Sectiou unternommenen vorbereitenden Schritte betreffend die Errichtung einer den rituellen und hygienischen Anforderungen entsprechenden eigenen Mikwah der Gemeinde. Der Bericht wird einhellig zur Kenntnis genommen. Die Sectiousreferenten Herr Architekt Fleischer uno Herr Ober-Ingenieur von Mises werden ersucht, dem Vorstande concrete Vorschläge vorzulegen. Die Finanzfrage wird an die IV. Sectiou geleitet. Nach Erledigung von Personalien wird die Sitzung um 1 Uhr Nachmittags ge chlosseu. Wien. An die Präsidentin des „Isr. Frauen.Wohlthätigi teils-Vereines des VIII. Bezirkes der Stadt Wien", Frau Amalie! Beck, ist nachfolgendes Schreiben des Bürgermeisters der l Stadt Wien gelaugt: i Seine Excelleu; der Herr Statthalter im Erzherzoglhume i Oesterreich unrer der Enns, hat mit Erlaß vom 15. Jänner 1900! Zahl 222 Pr. im Allerhöchsten Aufträge dem isr. Frauenj Wohlthätigkeits- Verein des VIII. Bezirkes in Wien für die! Seiner k. u. k. apostolischen Majestät zum Ausdrucke gebrachten! atterunlerthänigsten Neujahrswünsche den allerhöchsten Dank bekannt gegeben. Hievon setze ich Euer Wohlgeboren als Präsidentin des obigen Vereines in Kenntniß. Wien, den 16. Jänner 1900. Der Vice-Bürgermeister I. Strobach. An den isr. Frauen-Wohlthätigkeits-Verein des VIII. Bez. zu Händen Ihrer Wohlgeboren Frau Amalie Beck. Wim. (T e m p e lb a u Brigittenau.) Endlich ist man dem Ziele nahe! Ein Tempel soll gebaut werden und dadurch einem dringenden Wunsche und Bedürfnis der Brigittenauer Juden entsprochen werden. Die vorhandenen Schwierigkeiten wurden durch die Entscheidung eines hohen Ministeriums zu Gunsten des Vereines behoben, und soll in kürzester Zeit mit dem Baue begonnen werden. Obwohl schon der größte Theil der veranschlagten Kosten als gesichert erscheint, mangelt es noch immer an einer bedeutenden Summe. Es ergeht nun an allen Glaubensgenossen, die e'u Herz für das Judenthum haben, die dringende Bitte, dieses gottgefällige Werk unterstützen zu wollen. Spenden, welche öffentlich ausgewiesen werden, bittet man an den Obmann des Vereines Herrn Hermann Eltbogen, II., Rafaelgasse 12 gütigst zu senden. Wim. Sonntag, den 28. d. M. 4 Uhr Nachmittags, findet die feierliche Einweihung des errichteten Bethauses „M o n t e f i o r e" II., Taborstraße statt. Wim. In der am 26. December v. I. stattgehablen Generalversammlung des Bethausvereines „Am Volkere" wurde Herr Ad. Schrämet zum Obmann, Herr Hermann Ebrenield zum Stellvertreter einstimmig gewählt, j Wien. Im Bethaus-Vereine „M a ch a s i k e - T h o r a,! fand anlässlich des 30jährigen Bestandes eine Generalversamm-! lung, verbunden mit einer „Sude" statt. Obmann Herr! Philipp Nußbaum begrüßre die Versammlung, worauf der! Controlor Herr Glückselig senior den Rechenschaftsbericht er-! stattete. Bei der Neuwahl wurden die Herren Philipp Nußbaum j zum Obmann, Salomon Barotti zum Stellvertreter, Jos. Glückselig > zum Controlor und Sam. Kraus zum Cassier gewählt.