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Die Wahrheit · 1900-01-19 · Heft 3 (19.1.1900) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 3 (19.1.1900)
Date
1900-01-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Loire 10. Die Wahrheit. Nr. Z. Judcnthums, sonder:! waren gleichzeitig auch die Apostel, welche; die mannigfachsieu Synagogen-Gesangsstyle pflegten und in der Welt verbreiteten. Es dürfte hier am Platze fein, wenn auch nur vorüberj gehend zu erwähnen, dass die Gesangsqualität dieser reisenden,! geistlich-welilichen Sängergesellschaften (Chasen, Bass und Singer l) zumeist instrumentaler Natur war. Tie Betreffenden fetzten; eine Ehre darein, möglichst annähernd Fagott- oder Posthorntöne hervorzubringen, und Einige sollen hierin große Vollkommenheit erreicht haben. Auch die harmonische Ausgestaltung des zumeist vom Ehasen vorgetragenen cantu8 firmus durch Meschoi miiu hatte einen eigemhümlich instrumentalen Character. Diese l vorerwähnte Einrichtung des Chasen, Bass und Singerl hatte j sich in dem Synagogengesang jener Zeit derart eingelebr, dass j selbst Mayer Eot> n in seinem im Jahre 1839 verösiemlichten „M ü u ch en e r S y n a g o gen g e sa n g s w e r k>e" neben andern § anerkennenswerthen Chorgesängen noch immer die allbeliebte! Einführung des Ehasen, BasS und Singerl unter der allerdiirgs etwas moderil klingenden Bezeichnung „Vorsänger-Terzett" nicht ’ von sich weisen konnte. Auch bei diesem sonst ausgezeichneten Synagogengesangswerke arbeiteten christliche Mnsikautoritäteii, wie Drobisch, E. Etl, L. Hessel, Franz Lachner, L. Lenz und j I. H. Slnnz, anerkennenswerlh mit und ist bei diesen „Münj chener Syilagogengesängen" gewiffermaffen eine christliche Ein-! flussnahme auf den Lynagogengefang auch infoferne nicht zu verkennen, als dem Autor eine immerhin donimirende Stellung inmitten des Sängers-Ensembles eingeräumt wird, was bei der frühern Gepflogenheit nicht so ausschließlich der Fall war. (Schluss folgt.) Mahnruf an die Canloren und Religionslehrer. > Von M. Lintner. Cantor und Lehrer in Bunzlau, Preußisch-Schlefien. Dem Triebe nach Geselligkeit entsprechend, haben sich die Menschen znsammengefnnden, bilden Familien, Gemeinden, Staaten. Die innigste Gemeinschaft ist naturgemäß die Familie. Zu dieser haben die einzelnen Mitglieder dieselben Leiden und Freuden, dieselben Interessen, ja zumeist auch dieselben Wünsche und Hoffnungen. Was Wunder, dass da die einzelnen Glieder - der Familie eng aneinander bängen, dass sie sich gegenseitig ihr Herz ausschülten, dass sie gerne über ihre Wünsche und Hoffnungen mit einander sprechen. Selbst dann, wenn das innige Band der Familie getrennt, wenn das. eine Kind hierhin, das andere dorthin versprengt wird, selbst dann bleibt die Familie im innigen Zusammenhänge, im geistigen Verkehr. Schriftliche Berichte gehen hin und her und geben ausführliche Kunde vom Leben und Streben der einzelnen Familienmitglieder. Nun, meine lieben Eollegen, eine solche Familie bilden wir auch. Haben wir nicht auch dieselben Interessen, dieselben Leiden und Freuden, dieselben Wünsche und Hoffnungen? Und wenn zwei Eantoren zusammenkommen, schütten sie da nicht gegenseitig ihr Her; aus? Sprechen sie nicht da von ihren Wünschen und Hoffnungen? Fürwahr, wir Eantoren bilden alle eine Familie. Aber die einzelnen Mitglieder dieser Familie sind zerstreut; sie kommen selten zusammen. An Stelle des mündlichen Gedankenaustausches muss der schriftliche treten. Wie soll nun dieser schriftliche Gedankenaustausch beschaffen sein? Sollen wir Briefe wechseln? Das können wir gewiss nicht annehmen. Die Gründe, die eine solche Art des schriftlichen Verkehrs verbieten, liegen ja klar auf der Hand. An Stelle des Briefes soll das Fachblatt, die Fachzeiiung treten. Die Fachzeitung, ja das ist d a s geistige Bindemittel, das ist das Band, welches alle Glieder unseres Standes umschlingen soll. Das Fachblatt ist der Ort, wo die Gedanken zwischen den einzelnen Eollegen ausgetauscht werden können, da tritt der eine dem anderen geistig nahe, da lernt der eine vom anderen. Im Fachblatt sollen die Eollegen sich gegenseitig aussprechen, sollen sie sich Nath erholen bei dem Erfahrenen und practifch Aelteren. Das ist der Boden, auf dem die wahrhafte Eollegialität, die Bruderschaft des Geistes wirklich gedeihen kann. Das Fachblatt erhebt den Eantor auch aus dem Bereiche des Alltäglichen, erhebt ihn in die reinere Welt des Idealen und Wahren durch seinen geeigneten Inhalt. Das Fachblatt macht die Erholungsstunden zu geistig anregenden und belebenden, zu Herz und Geist erquickenden Stunden. Es soll der geistige Mittelpunkt der Eantoren sein. Das ist nur die eine, wenn auch erhabenste Seite. Auf der anderen Seite tritt das Fachblatt ein für die Rechte der Eantoren und Religionslehrer, es verficht auch deren materielle Interessen, will die Missstände des Eultusbeamtenstandes beseitigen und ihn auf eine höhere Stufe erheben. Will jemand von uns leugnen, dass bei uns noch viele Missstände, besonders in materieller Beziehung vorhanden find. Ich erinnere nur an die Anstellung auf Eontract, an das Damoklesschwert der Kündigung, an die manchmal recht erbärmlichen Gehälter, an die oft erniedrigende Behandlnngsweise seitens der Gemeindepaschas. Mit flammendem Wort tritt die wirkliche Fachzeitung ein für die Abstellung dieser Missstünde und Eingriffe — und der Erfolg wird auch nicht ausbleiben; denn steter Tropfen höhlt den Stein. Soll das Fachblatt aber die Jnteresfen der Eantoren wirklich vertreten können, soll es die Wünsche des ganzen Standes zum Ausdruck bringen, so muss es auch von A l l e'n gelesen werden. Ja, es ist eine heilige Pflicht jedes Enltusbeamten, sein Fachblatt zu lesen. Wo finden wir heute einen Stand oder einen Beruf, dessen Mitglieder nickt ein Fachblatt lesen? Ja, sogar jeder Arbeiter liest heute sein Blatt. Sollen wir zurückstehen? Darum ergeht der Ruf an alle Eollegen : „Leset Eure Fachzeitung!" Ihr nützt Euch dadurch nur selbst. Ihr vertretet dadurch nur E n r e eigensten Interessen. Ja, aber so können wir fragen, welches Blatt ist denn unser Fachblatt? Es gibt ja viele jüdische Zeitungen, welche die Jnteresfen des Eantorenstandes zu vertreten vorgeben. Ob diese Zeitungen dies thnn oder nicht, wollen wir hier nicht untersuche n. Es handelt sich lediglich um die Frage: Besitzen wir ein Blatt, welches wirklich unser Fachblatt sein kann, oder nicht? Ich Treue mich, diese Frage bejahend beantworten zu könnnen. Ja, wir besitzen ein.Fachblatt. Es ist die „Wahrheit", heransgegeben von unserem verdienstvollen Eollegen Obercantor I. Bauer in Wien. Dies ist die Zeitung, welche es verdient, unser Fachblatt zu sein, u. zw. weil sie durch viele Jahre ernstlich und erfolgreich für die Interessen der Eantoren ei »tritt und weil sie durch ihren gediegenen Inhalt und durch! ihren vornehmen Ton recht wohl imstande ist, die Aufgaben zu | erfüllen, die unserem Fachblatte gestellt sind. Drum, liebe Eol- - legen, abonnirt die „W a h r h e i t". Es würde den Werth der \ Zeitung herabsetzen, wollte man ihre Vorzüge noch mehr hervor- ■ heben. Die „Wah rhei l" spricht für sich felbst. Drum noch-! mals Eollegen, bestellet unser Fachblatt und leset es,! Ihr werdet eS nicht bereuen. Verschiedene Nachrichten. I Wien. Die R e li g i o n s - P r ü f u n g en für Schüler an Mittel-! schulen finden für das I. Semester dieses Schuljahres Montag. 29. Jänner i d. I., 5 Uhr Nachm., durch den k. k. wirklichen Religionslehrer, Herrn Dr. H. Pollak, in der Religionsschule der israelitischen Cultusgemeinde (I. Seitenstettengasse 4, IV. Stock) statt. Wien. Freitag, den 19. d. M., Abends, und Samstag, den 20. d. M., Vormittags, wird der gewesene Cantor in Ratibor, Herr Simon To n n e n b e r g, im Leopoldstädter Tempel Probevorträge halten. Beginn des Gottesdienstes: Freitag Abends um 4 Uhr 45 Min., Samstag Früh um 8 Uhr. 25ü«. Samstag, den 13. d. M. fand im Leopoldstädter Tempel die Barmizwah-Feier des Sohnes des Herrn Wilhelm Spitzer statt. Der Confirmand las sich aus der Thora den Wochenabschnitt selbst vor. 4 z •* Y I - 4 4

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